Meine neue Liebe: Quito
Nach einem phantastischen ersten Eindruck von Ecuadors Hauptstadt am Tag meiner Ankunft und einem langen Ausflug zu den beiden nicht korrekt verlaufenden Äquatorlinien steht heute ein Stadtspaziergang an. Zu sechst machen wir uns nach dem Frühstück vom Hostel aus auf den Weg zum zur zentralen Markthalle. Von einem jungen Ecuadorianer bekommen wir in knapp drei Stunden mit äußerst interessanten Hintergrundinformationen die schönsten und geschichtsträchtigsten Ecken der Altstadt gezeigt.
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| Buntes Glas in der Basilika von Quito |
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| Hauptschiff der Basilika von Quito |
Die nähe der zweistöckigen Markthalle zu unserem Hostel erklärt, warum die Straßen hier in den Morgenstunden immer deutlich belebter sind als am Nachmittag und Abend. Wir schauen uns in der Fleischabteilung um, in der es neben den mir bekannten Teilen von Schwein und Rind auf ganze Rinderbeine gibt, die seitlich mehrfach eingeschnitten sind und wohl in dieser Form zu einem Eintopf verarbeitet werden. Auch in der Obst- und Gemüseabteilung gibt es mal wieder einige neue Früchte zu entdecken. Immer, wenn man denkt, dass man so langsam in allen Klimazonen dieser Erde war, lernt man doch wieder etwas neues kennen, was im Zweifelsfall in keinem anderen Land wächst. Die hier Baumtomaten kenne ich allerdings schon, die werden auch in Kolumbien oft zu Saft verarbeitet und sind auch in Australien als Obst erhältlich (dort allerdings unter dem Namen Tamarillo). Wir kosten einige verschiedene Säfte, die bereits frisch gepresst in großen Glasbehältern auf Käufer warten. Mora con coco, also Brombeersaft mit Kokosmilch, ist zwar ein wenig süß aber durchaus schmackhaft. Wir erfahren, dass Erdöl das wichtigste Exportprodukt Ecuadors ist und Blumen,vor allem Rosen, an zweiter Stelle stehen. Einer der wichtigsten Abnehmer ist ausgerechnet Holland – vielleicht wachsen da tatsächlich nur Tulpen, sodass Rosen aus Südamerika importiert werden müssen. Wenn man die Distanz zwischen den beiden Länder betrachtet, ist es schon erstaunlich, dass so ein empfindliches und frisches Produkt hier gehandelt wird.
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| Blick auf die Dächer der Altstadt Quitos vom Turm der Basilika |
Wir machen an verschiedenen Kirchen halt und betreten diejenigen, die keinen Eintritt kosten. Zugegebener Maßen hätte ich die Gotteshäuser alleine wohl eher ausgelassen, umso erstaunter bin ich, wie stark sie sich voneinander und vor allem von den bisher auf dieser Reise gesehenen Kirchen unterscheiden. Während man in der einen Kirche von dem Strahlen des überall aufgebrachten Blattgoldes schier erschlagen wird, überwiegt in einer anderen Kirche warmes Holz und in der nächsten das bunte Schein des Sonnenlichtes, das durch die farbigen Glasmosaike einfällt.
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| Alte Frauen und Kolibris scheinen hier ein sehr beliebtes Motiv für Künstler zu sein. Hat das eine besondere Bedeutung? |
Die Betreiber einiger Handwerksbetriebe an einer schmalen Gasse lassen uns einen Eindruck von ihrer Arbeit gewinnen. Hier gibt es einen jemanden, der alte Klaviere restauriert und einen Schreiner, der filigrane Holzarbeiten in monatelanger Handarbeit durchführt. Eine Künstlerin zeigt uns, wie man Holzornamente (beispielsweise solche, die wir vorhin in einer der Kirchen gesehen haben) mit Blattgold belegt. Eine argentinische Architektin lernt das Handwerk gerade von ihr und macht sich laufend Skizzen und Notizen, sie ist vollkommen begeistert und möchte mich davon überzeugen, es ihr gleich zu tun. Wieder eine dieser Fähigkeiten, die ich wahrscheinlich in der Zukunft eher seltener brauchen würde.
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| In Quito tragen (für eine Großstadt) relativ viele Menschen traditionelle Kleidung. |
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| Nüsse, Mandeln, Bohnen, Bananen, Kokosstreifen, Karamel, Bonbons.... |
Spannender wird es dann wieder beim ecuadorianischen Süßigkeitenladen: hier gibt es Nüsse in allen möglichen Varianten und mit verschiedenen Überzügen, frittierte Bananen süß und salzig, Bonbons, Karamell, Sesamgebäck und Kokoschips mit Zimt und irgendeinem gelben Gewürz. Interessant klingen auf die knusprigen Bohnen mit Salz, Knoblauch und Schweinemagenstücken, bei letzterem kann man sich dann aussuchen, ob man ihn lieber knusprig frittiert oder weich hätte.
Gemeinsam essen wir zu Mittag – lustigerweise in genau dem gleichen Lokal wie ich vor zwei Tagen. Hier seid das Essen am besten. Heute gibt es eine Kartoffel-Käsesuppe mit Avocado und statt gebratenem heute frittiertes Hähnchen.
Wir sind alle positiv überrascht von der Qualität der kostenlosen Tour und geben unserem gut informierten Stadtführer gerne ein Trinkgeld. Ich verabschiede mich nach zwei unterhaltsamen Tagen von Nico und mache mich mit einer Schottin auf den Weg zur Basilika, die wir bisher nur von weitem gesehen haben. In einem der Kirchtürme können wir auf eine Zwischenetage fahren um von oben einen Blick ins verhältnismäßig schlichte Kirchenschiff zu werfen, bevor wir die steile Wendeltreppe in die Spitze des Turmes fortsetzen. Der Ausblick über die Altstadt Quitos ist trotz etwas diesigen Wetters und tief hängenden Wolken beeindruckend. Die Zeit vergeht mir gerade viel zu schnell und es ist schon ein bisschen schade, dass ich mich jetzt auf den Weg zum Flughafen machen muss. Glücklicherweise haben Anouk aus Holland und ihr Freund den selben Flug nach Lima gebucht und wir genießen den Luxus, mit dem Taxi zum Flughafen zu fahren. Da die Fahrt unerwartet (weil ich mich wenig informiert habe, da die anderen beiden genau Bescheid zu wissen schienen) fast zwei Stunden dauert, bin ich ganz froh, nicht den umständliche Weg mit dem Expressbus gewählt zu haben. In Quito gibt es den alten Flughafen im Stadtzentrum, der allerdings nicht mehr in Betrieb ist, und den neuen, der eine gefühlte Ewigkeit an Fahrtzeit außerhalb der Stadt mitten in den Bergen liegt. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie lange sich die Anfahrt zu den Verkehrsspitzenzeiten zieht.
Obwohl ich am liebsten noch hier bliebe, freue ich mich auf den zweistündigen Flug – endlich mal wieder in die Luft gehen! Ich bin heute genau seit vier Monaten unterwegs und ebenso lange nicht geflogen – wahrscheinlich ein rekordverdächtig langer Zeitraum, da die lange Winterpause im Segelfliegen meist durch einzelne Flüge unterbrochen wird. Der Check In gestaltet sich als etwas komplizierter als gedacht, da ich zunächst als Australierin im System auftauche und angeblich mein zweiter Vorname mit dem Nachnamen verwechselt wurde. Das würde erklären, warum schon auf mehreren Dokumenten „Sylvia Carola“ als mein voller Name eingetragen wurde. Hauptproblem ist aber, dass ich kein Ausreiseticket aus Peru habe. Nach meiner vorherigen Recherche sei ein solches zwar prinzipiell erforderlich, würde aber nur selten abgefragt. Mit der Aussage, Peru auf dem Landweg wieder zu verlassen und dem Vorzeigen meines Tickets von Argentinien nach Deutschland erhalte ich dann doch nach einer ganzen Weile meine Boardingkarte für die Maschine der ecuadorianischen Airline Tame.
Der Service ist wunderbar: Wifi am Gate, Bandnudeln mit Hähnchen und Pfirsichtörtchen im Flieger und freundliches Personal. Ich genieße es, die Lichter von Quito und die Gipfel der Anden unter mir langsam verschwinden zu sehen und schließlich über den Wolken zwei Stunden entspannen zu können. Alternativ zum Flug hätte ich rund dreißig Stunden im Bus verbringen können, so mache ich mir wenig Gedanken um unsere runde einstündige Verspätung. In einem einfachen Hostel in Flughafennähe verbringe ich eine kurze Nacht, um früh am nächsten Morgen wieder zum Terminal der Internationalen Ankünfte zu laufen. Die Maschine von Düsseldorf bzw. Madrid ist schon eine Stunde früher gelandet als veranschlagt, sodass ich meinen Vater unmittelbar in Empfang nehmen kann. Vier Wochen „Familienurlaub“ in Südperu stehen nun also an. Ich bin mir sicher, dass das in vielerlei Hinsicht eine ganz andere Reiseerfahrung wird, aber ich freue mich darauf und bin gespannt, wie schnell ich mich umstellen kann. Vorerst keine Hostels mit jungen Backpackern, Gemeinschaftsküchen und Hochbetten, dafür aber eine dauerhafte deutsche Reisebegleitung, die ich schon mein Leben lang kenne :) Auf geht’s in ein neues Land!
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| Endlich wieder fliegen! |
Der Service ist wunderbar: Wifi am Gate, Bandnudeln mit Hähnchen und Pfirsichtörtchen im Flieger und freundliches Personal. Ich genieße es, die Lichter von Quito und die Gipfel der Anden unter mir langsam verschwinden zu sehen und schließlich über den Wolken zwei Stunden entspannen zu können. Alternativ zum Flug hätte ich rund dreißig Stunden im Bus verbringen können, so mache ich mir wenig Gedanken um unsere runde einstündige Verspätung. In einem einfachen Hostel in Flughafennähe verbringe ich eine kurze Nacht, um früh am nächsten Morgen wieder zum Terminal der Internationalen Ankünfte zu laufen. Die Maschine von Düsseldorf bzw. Madrid ist schon eine Stunde früher gelandet als veranschlagt, sodass ich meinen Vater unmittelbar in Empfang nehmen kann. Vier Wochen „Familienurlaub“ in Südperu stehen nun also an. Ich bin mir sicher, dass das in vielerlei Hinsicht eine ganz andere Reiseerfahrung wird, aber ich freue mich darauf und bin gespannt, wie schnell ich mich umstellen kann. Vorerst keine Hostels mit jungen Backpackern, Gemeinschaftsküchen und Hochbetten, dafür aber eine dauerhafte deutsche Reisebegleitung, die ich schon mein Leben lang kenne :) Auf geht’s in ein neues Land!











Ich will reisen!
AntwortenLöschenLiebe Sylvia, ich wünsche Dir eine weitere spannende und interessante Zeit mit Deinem Vater - immer wieder was Neues!
Danke Lioba, wir werden die Zeit genießen :)
AntwortenLöschenLiebe Grüße nach Bingen!