Klarkommen in Kuba

10:59 Einsame Insel.de 1 Comments

Zwei verschiedene Währungen, essen an Straßenständen, Wasser kaufen - wie funktioniert das eigentlich alles in Kuba?

Ich habe unruhig geschlafen, die Nacht war viel zu heiß und ich konnte mich nicht entscheiden, ob mich die Hitze oder der Lärm der Klimaanlage mehr vom Schlafen abhält. Meistens läuft es bei tropischen Klimaverhältnissen darauf hinaus, dass ich die Klimaanlage so lange laufen lasse, bis ich fast eingeschlafen und sie dann ausschalte. Wenn ich glück habe, werde ich nachts nicht von der hohen Temperatur wach. Ich werde vermutlich mal wieder ein paar Tage brauchen, bis ich mich an die starke Klimaveränderung gewöhnt habe. Zwar war es in Deutschland bei Abreise noch nicht so kalt, wie man es im "tiefen Winter" erwarten könnte, trotzdem macht sich ein Temperaturunterschied von rund 20°C doch bemerkbar.



Schwarze Luft auf den Straßen von Matanzas
Wir treten auf die Straße vor unserem Casa, das sich "Maria y Jesús" nennt und atmen die frisch verpestetet Oldtimer-Luft ein. Es riecht nach Qualm, nach Benzin, vielleicht auch nach Öl - zusammengefasst eher wie an einer Autorennstrecke oder in einer Werkstatt. Ich male mir aus, dass ich in den nächsten vier Wochen wahrscheinlich so viele Schadstoffe einatme wie sonst in einem Jahr in Deutschland nicht. Umweltplaketten in Stadtzentren - auf so eine Idee käme in Kuba mit Sicherheit niemand. In Matanzas könnte man dann wahrscheinlich die Fahrzeuge, die noch fahren dürften, an einer Hand abzählen. Trotzdem: Irgendwie gehört dieser Geruch zu diesem Land und passt zu dem Bild, was sich mir in den nächsten Stunden bietet: amerikanische Oldtimer aus den 1950er-Jahren parken am zentralen Platz und rattern durch das Zentrum von Matanzas, dazwischen Fußgänger, seltener ein Fahrradfahrer und ein paar Busse, deren Heck meistens hinter einer schwarzen Wand aus Abgasen verschwindet.


Geld abheben und wechseln in Kuba
In Matanzas gibt es mindestens drei Geldautomaten, die offenbar alle funktionieren und wir haben keinerlei Schwierigkeiten, an die Devisenwährung CUC (Peso Convertible) zu kommen. Alle Banken scheinen 2-3% des abgehobenen Betrages Gebühr zu nehmen, die jedoch bei der DKB auf Anfrage zurückerstattet werden (hat bei mir bisher immer problemlos funktioniert). Der CUC ist direkt an den Dollar gekoppelt, sodass auf der Kreditkartenabrechnung hinterher immer der Tageskurs des USD angeführt wird. Übrigens scheint die VISA-Karte in Kuba überall problemlos zu funktionieren, wohingegen amerikanische Karten (master, american express) gar nicht akzeptiert werden.
Interessant zu wissen ist auch, dass man in den Wechselbüros keine Gebühren zahlt, mit einer Ausnahme: Beim Tausch von USD in CUC wird eine Gebühr von 10% einbehalten. Also unbedingt Euro und keine Dollar-Noten mitbringen!

Essen aus der Pappschachtel: nicht jedermanns Sache und auch nicht jedermanns Geschmack: Reis mit Hähnchen, Banane, Avocado und einer Scheibe Schinken. Die Alternative wäre eine Pizza mit Käse gewesen. 

Verwechslungsgefahr: die beiden kubanischen Währungen
Was offenbar viele Touristen nicht wissen: es gibt in Kuba zwei Währungen:
- Peso Convertible (CUC): 1 CUC = 1 USD (ca. 0,90 €)
- Peso Cubano (auch "moneda nacional"): 25 Peso = 1 CUC = 1 USD
Das bedeutet, es gibt also den kubanischen Peso, der einen Wert von etwa 4 Cent hat. Auf Märkten, in kleinen Läden, an Straßenständen, in einigen Restaurants und Cafeterias kann mit dem Peso Cubano gezahlt werden, wohingegen Unterkünfte oder Taxifahrten immer in der Devisenwährung bezahlt werden. Hier ein paar Preisbeispiele:

- kleine Pizza am Straßenrand: 5 Pesos (0,20 €)
- 5 Bananen auf dem Markt: 5 Pesos (0,20 €)
- eine Ananas auf dem Markt: 12 Pesos (0,50 €)
- Brötchen mit Ei am Straßenrand: 3-5 Pesos
- Erfrischungsgetränk am Straßenrand: 1 Peso (0,04 €)
- Fruchtsaft an Straßenstand: 2 Pesos (0,08 €)
- abgepackter Saft, Softdrink im Supermarkt: 0,55 CUC
- 1,5l Trinkwasser im Supermarkt: 0,70 CUC
(manchmal bis zu 2,00CUC in touristischen Gegenden)
- Essen in Peso-Restaurant: 20-50 Pesos (< 2,00 €)
- Essen in Devisenrestaurant: 4-12 CUC
- Übernachtung in Casas Particulares: 20-30 CUC (für Alleinreisende 15 CUC)
- Frühstück im Casa: 3-5 CUC
- Abendessen im Casa: 8-10 CUC

Preise verschiedener Verkehrsmittel werde ich an anderer Stelle aufführen.
Es lohnt sich in jedem Fall bei einem Kubaurlaub, der sich nicht auf Strand-/Hotelurlaub beschränkt und mit Vollverpflegung ausgestattet ist, ein paar CUC in Pesos zu tauschen. Der offizielle Kurs ist 1:25, man erhält jedoch immer 24 Pesos für einen CUC, also 240 für 10 CUC. Mit 240 Pesos in der Tasche, die wir am ersten Tag unserer Reise getauscht haben, kommen wir schon ganz weit - immerhin kann man davon über 40 Pizzen kaufen :-)

Oldtimer gibt es in Matanzas wie Sand am Meer - in den engen Straßen des Zentrums merkt man das an der Luftqualität.


Was ich nicht bezahlen kann, bekomme ich geschenkt!
Auf der Suche nach einem guten Frühstück für unseren ersten Urlaubstage, kommen wir an einer Panaderia, also einer Bäckerei vorbei. Hier gibt es ausschließlich einfache weiße Brötchen, die ein wenig den deutschen Milchbrötchen der Mürbchen ähneln, aber nicht so süß sind. Die Schlange ist kurz und ich komme schnell dran. Pro Person darf nur ein Brötchen gekauft werden, jedes Brötchen kostet einen Peso. Wir hätten also gerne zwei Brötchen und möchten mit einem 20-Peso-Schein bezahlen - einen kleineren Schein haben wir beim Geldwechsel nicht bekommen. Die freundliche Verkäuferin kann uns den Schein nicht wechseln, auch in der anderen Währung haben wir noch keine kleinen Einheiten (häufig kann man auch 0,05 CUC statt einem Peso bezahlen). Statt dass wir weggeschickt werden, bekommen wir kurzerhand die beiden Brötchen geschenkt. Fast unvorstellbar, dass mir so etwas in Deutschland passiert. Natürlich gibt es bei uns beim Bäcker nichts für 5 Cent...



Leider ausverkauft, Nachschub kommt bestimmt irgendwann...
Trinkwasser. Essentiell für jedermann, sollte man meinen. Leider kommt es in Kuba nicht aus dem Wasserhahn (mit Ausnahmen) und ist höchstens abgekocht genießbar. Der gemeine Tourist versucht also, in einem Supermarkt oder kleinen Laden/ Kiosk, Wasser in Flaschen zu kaufen. In Kuba gibt es generell nur eine Marke, von der Wasser in 0,5 und 1,5 Liter-Flaschen (selten auch mit Kohlensäure) sowie in 5 Liter-Kanistern angeboten wird. Zumindest in der Theorie. In Matanzas klappern wir nacheinander die kleinen Supermärkte ab, finden aber in keinem Trinkwasser. Klar kann man in vielen Straßenlädchen Fruchtsäfte und andere viel zu süße Erfrischungsgetränke erwerben, aber nirgendwo bekommen wir Wasser.
An diesem ersten Tag in Kuba haben wir noch keine Ahnung, wie uns das Trinkwasser-Beschaffungs-Thema in den nächsten vier Wochen verfolgen wird.

Dafür mussten wir den "Berg" besteigen: endlich Wasser und andere kühle Getränke!


Monserrate: Aussichtspunkt über Matanzas
Nachdem wir den Tag mehr mit der Eingewöhnung ins kubanische Leben als mit irgendwelchen besonderen Aktivitäten verbracht haben, nehmen wir uns für den späten Nachmittag den Aufstieg auf den Monserrate bzw. den Berg vor, auf dem eine Kirche mit diesem Namen steht. Dank eines überwiegend rechtwinkligen Straßensystems lässt es sich in vielen kubanischen Städten ausgesprochen einfach zurecht finden, sodass auch der Weg zu unserem heutigen Ziel in zwei, drei Sätzen erklärt ist. 
Neben der asphaltierten Straße begegnen wir neben einigen Kindern und älteren Kubanern auf dem Heimweg auch Pferden, Ziegen, Schweinen und Hühnern. Selten sind die Tiere eingezäunt, oft mit einem Seil angebunden.
Oben angekommen beobachten wir eine Vielzahl von Truthahngeiern, die mit ihren fast zwei Metern Spannweite elegant über uns in der stillen Abendluft kreisen.
Eine von einigen Einheimischen besuchten Cafeteria verkauft brasilianisches Bier (dabei schmeckt das kubanische viel besser, wie wir später feststellen) und wir gönnen uns eine kleine Abkühlung, bevor es nach Sonnenuntergang wieder zurück ins Tal geht.


Truthahngeier über Matanzas
Abendstimmung in Matanzas

Abendstimmung in Matanzas



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