Masaya Vulkan - noch ein brennender Berg

11:51 Einsame Insel.de 4 Comments

Eigentlich hatte ich ja genug von Vulkanen. Und eigentlich wollte ich nicht mehr Trekken und meinen Fuß schonen und erst wieder längere Touren unternehmen, wenn ich neue Schuhe habe. Nach der zweitägigen Vulkantour im Norden Nicaraguas habe ich einen kleinen Schrecken bekommen, in welch schlimmem Zustand meine "guten" Trekkingschuhe waren, die ich letztes Jahr in Tschechien erworben habe. Die Sohle war nicht nur irgendwie rissig oder gebrochen, sondern ich bin quasi auf Höhe des Fußballens auf nichts gelaufen. Höchstens noch auf meinem Socken, aber der war hinterher auch durch. Meine Füße müssen vom vielen Laufen so betäubt gewesen sein, dass ich das nicht gemerkt habe. Ab jetzt gehen nur noch die FlipFlops oder die Trekkingsandalen, in denen ich mir bisher immer Blasen gelaufen habe. Frauen und Schuhe... das übliche Problem. In Nicaragua versuche ich es erst gar nicht - Schuhe kaufen ist also das erste große Vorhaben in Panama City.

Bis hierher und nicht weiter - die 177 Stufen, die zum Gipfelkreuz führen, sind heute gesperrt.
Dienstagmorgen. Nach einer Nacht auf dem Schiff und einem Tag im Bus habe ich eine ausgesprochen erholsame Nacht in Granada verbracht (im Hostel wurden letzte Nacht die Matratzen ausgetauscht und ich schlafe himmlisch) und gönne mir zum Frühstück eine "Belgische Waffel" und einen Milchkaffee. Ich weiß zwar nicht, wie man auf die Idee kommt, diese amerikanischen Dinger 'belgisch' zu nennen, aber wenigstens war ich eine Weile in dem Glauben, eine solche zu bekommen. Ich schreibe drei Stunden Blog bis ich mich endlich dazu durchringe, Granada heute doch zu verlassen und mir die Nachbarstadt Masaya anzusehen. Oder doch den Vulkan? Aber ich habe ja keine Schuhe... ach, wird schon nicht so schlimm sein! Schließlich habe ich gelesen, dass man auf diesen Vulkan sogar bis ganz oben mit dem Bus fahren kann.

Volcano Masaya - Die Butterfahrt unter den Vukantouren. Reisebus bis zum Krater, aussteigen, Foto schießen, zehn Schritte gehen, Foto schießen, zehn Schritte gehen, einsteigen, abfahren! Spannend!
Genauso verplant wie diese Entscheidungsfindung klingt, ist die ganze Aktion auch. Obwohl ich weiß, dass es im Nationalpark Vulkan Masaya nichts zu Essen gibt, breche ich mittags auf, ohne etwas Essbares mitzunehmen oder unterwegs zu kaufen. Selber Schuld! Immerhin denke ich daran, meine Wasserflasche aufzufüllen, Sonnencreme, Kopfbedeckung und Brille einzupacken. Ich warte eine Minute auf den Bus und erreiche zwanzig Minuten später den Eingang zum Nationalpark. Zwanzig vor eins. Perfekt: genau rechtzeitig, um die pralle Mittagshitze abzubekommen. Die Sonnenschutzmaßnahmen müsen sich ja lohnen. Ich zahle meine vier Dollar Eintritt, bekomme eine kleine Karte und ein paar Hinweise. Viel später lese ich erst in dem spanischen Text, dass es angeblich verboten sei, sen Vulkan zu Fuß zu besteigen. Mich scheint aber niemand abhalten zu wollen. Irgendwie habe ich es mir nicht so recht vorstellen können, aber es gibt tatsächlich eine zweispurige, asphaltierte Straße zum Gipfel des Vulkans - oder zum Krater, das ist wohl die treffendere Bezeichnung. Auf dem gut fünf Kilometer langen Aufstieg sehe ich außer zwei, drei Wegposten keinen Menschen, dafür aber bestimmt ein Dutzend Reisebusse - kline mit getönten Scheiben und große, die so hoch sind und so schnell an mir vorbeifahren, dass ich auch hier niemanden im Inneren erkennen kann. Etwa die gleiche Anzahl an Bussen kommt mir von oben entgegen, mir fällt jedoch nicht auf, dass es sich um die gleichen Fahrzeuge handelt. So muss es aber wohl sein, denn ansonsten wären die Geisterbusse am Ende der Straße im Vulkankrater verschwunden.

Wie toll diese Aufnahme wohl als (Pseudo-) HDR wirken würde - leider fehlt mir derzeit die entsprechende Software.

Nach einer guten Stunde erreiche ich einen großen - fast leeren - Parkplatz vor einem großen, qualmenden Loch. Ich betrete die Mauer am Kraterrand und schaue ins weiße stinkende Nichts. Innerhalb von Sekunden verzieht sich der Dunst auf der einen Seite des Kraters, sodass ich die steil abfallende Felswand erkennen kann. Ein Amerikaner kommt mit seinem einheimischen Fahrer auf mich zu und verhält sich ein bisschen, als hätte er gerade den Star seiner Kindheit getroffen. Es fehlt nur, dass er nach einem Autogramm fragt. Er habe mich schon auf dem Weg nach oben aus dem Auto heraus gesehen und sich gedacht, er müsse unbedingt gucken, wer denn die Frau ist, die den ganzen Weg ZU FUSS geht. Das sei ja unglaublich weit, und steil, und heiß und er könne sowas ja niemals machen und sei froh, das Auto zu haben und so weiter. Schön, wenn man jemandem so viel Freude bereiten kann durch die Tatsache, dass man eine Stunde mehr oder weniger gemütlich einen Berg hochwandert.

Krater in Action

Wie offenbar alle Bustouristen hat auch der gute Mann seine drei Pflichtfotos geschossen, sich die ersten beiden Zeilen des Infoschildes durchgelesen und einmal den Schwefelduft inhaliert und hat es nun ganz eilig, wieder in sein klimatisiertes Auto zu steigen um möglicherweise die nächste Attraktion abzuklappern. Glücklicherweise nehme ich sein Angebot, mit herunterzufahren, nicht an - es gibt noch viel mehr zu sehen. Die 177 Stufen zum Gipfelkreuz seitlich des Kraters darf ich heute nicht besteigen, der Vulkan sei zu aktiv. Was auch immer das heißen mag. Ich stelle jedenfalls fest, dass ich schon nach wenigen Minuten am Rande des Kraters einen deutlich kratzigen Hals und einen unangenehmen Geschmack im Mund habe. So gesund ist Schwefel dann doch nicht und ich verstehe, warum die Treppe normalerweise nur von zwanzig Leuten betreten werden darf, die sich maximal fünf Minuten am oberen Ende aufhalten dürfen. Zum Schutze der Gesundheit! Ob der Blick von oben besser ist, wage ich zu bezweifeln, jedenfalls weht derzeit der Wind genau in die Richtung - möglicherweise ist auch das der Grund für die Schließung des Zugangs.

Krater Nummer zwei ist deutlich weniger spektakulär - aber saftig grün!
Der Sicherheitsmann, der mitten auf dem Parkplatz sitzt und Dinge wie "una persona solita" in sein Funkgerät quasselt, grüßt mich freundlich und erzählt ein paar Sätze zum zweiten, höher gelegenen Krater. Nach den bisherigen Erfahrungen lässt eine Schranke darauf schließen, dass sich hinter dieser Absperrung keine Menschenseele mehr aufhält. Wo soll hier auch der Reisebus parken oder gar wenden. Ich sollte nicht ganz recht behalten: drei Touristen sitzen doch tatsächlich im nahe gelegenen Aussichts-Wetterschutz-Häuschen. Die beiden neben ihnen liegenden Reiseführer lassen darauf schließen, dass es sich um ein Pärchen und einen Alleinreisenden handelt, die Sprache lässt sich jedoch durch die Bücher nicht ableiten.  Der Landesname "Nicaragua" kann im Deutschen sowohl mit "c" als auch mit "k" geschrieben werden. Die Reiseführer verwenden im Titel jedoch alle die erste Variante und unterscheiden sich somit auf den ersten Blick nicht von vielen anderen Sprachen. Lange Rede, kurzer Sinn: die drei sind deutsch, wir wechseln ein paar Sätze und ich setze meinen Weg fort.

Die Sonne tut meiner Gesichtsfarbe ganz gut. Wie kurz und komisch verschnitten meine Haare derzeit sind möchte ich euch lieber vorenthalten :-P


Den zweiten Krater kann man vollständig umrunden, am entfernten Ende hat man einen Ausblick auf den See am Fuße des Vulkans, den ich beim Aufstieg noch nicht zu Gesicht bekommen habe. Ich bin vollkommen alleine hier oben und genieße die Stille. Eine ganze Menge großer Greifvögel kreist über mir und hält Ausschau nach Beute.Von hier habe ich außerdem einen guten Gesamtüberblick auf den unter mir liegenden aktiven Teil des Vulkans. Im Internet habe ich gelesen, dass der Vulkan priinzipiell ausgesprochen aktiv ist und man sich wundert, dass er nie ausbricht. Bei der letzten Eruption 1772 hat sich die Lava ähnlich einem Fluss ihren Weg durch die Landschaft gebahnt (2008 gab es möglicherweise auch einen Ausbruch, irgendwie sind die Informationen überall anders). Hier sieht man noch heute einen Streifen schwarzen Lavagesteins, der sich deutlich von der Umgebung abhebt. Interessante Vorstellung, dass man vermutlich neben so einem Lavafluss stehen könnte, ohne sich die Füße zu verbrennen.

Anflug...

Die zwei Turteltäubchen lassen sich nicht von mir stören (ich habe kein Tele dabei!).

Für den Absteig benötige ich schätzungsweise halb so lange, wie für den Aufstieg. Ich renne mehr, als dass ich gehe, um möglichst wenig Zeit in meinen Teva-Sandalen verbringen zu müssen. Wie sehr meine Füße schmerzen, merke ich nur dann, wenn ich stehenbleibe und dann wieder loslaufe. Die letzten 500 Meter vom kleinen Parkmuseum zum Ausgang werde ich von den freundlichen Parkwächtern in ihrem Kontroll-Pickup mitgenommen. Danach befreie ich meine Füße und stelle fest, dass sich die Sandalenriemen auf der Haut abzeichnen - allerdings nicht nur durch hellere Linien aufgrund fehlender Sonneneinstrahlung und Lavastaubbenebelung, sondern vor allem durch umlaufende Scheuerstellen. Genug gelaufen! Ab jetzt nur noch in FlipFlops, bis ich in Kolumbien bin, alle Wunden verheilt sind und ich vernünftige Schuhe habe. Hätte ich doch bloß nicht die Laufschuhe in Guatemala City gelassen...

Er hat wohl keine Probleme mit dem ständigen Umherlaufen auf Lavagestein.
Finde die vielfältigen Farben dieses Wesens wunderbar - leider nicht ganz scharf geworden.

Mit einem lauten Zuruf kann ich gerade noch den unmittelbar vorbeifahrenden Bus anhalten und die wenigen Kilometer bis zur Stadt Masaya fahren. Ein kleiner Abstecher in die Stadt während des Sonnenuntergangs beschert mir ein paar atmosphärische Sonnenuntergangsfotos und den Kauf meines ersten Souvenirs. Bisher habe ich (neben ganz viel Essen) einen Gecko-Kettenanhänger, den ich seither trage und einen Strohhut (den ich nur in Mexiko getragen habe, weil er mir danach zu albern vorkam) gekauft. Heute beschließe ich, dass ich meinen Rucksack um ein paar hundert Gramm beschweren kann. Ein längliches zweifarbiges Holzstück, in das drei kleine Schalen eingelassen sind, hat es mir angetan. Eigentlich gar nicht mein Ding, aber irgendwie schwebt mir schon vor, wie ich nach meiner Rückkehr die drei Schälchen mit Guacamole, mexikanischer Salsa und Jalapenos befülle und dazu irgendwas mexikanisches koche. Also Mädels, ich komme am letzten Mittwoch im März wieder - und ihr wisst ja, dass Mittwoch unser Kochabend ist :) Ich freu mich drauf!

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4 Kommentare:

  1. Kochabend Olé!
    Und ich werde dabei sein! Ich freue mich darauf und natürlich auch auf´s Essen!


    Pass auf Dich auf!

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    1. Klar pass ich auf mich auf! Ich kann ja nicht riskieren, den nächsten Kochabend zu verpassen!

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  2. Interessant, dass es dir Geckos, Eidechsen und ähnliche Tiere immer noch angetan haben. Die kleinen Wesen
    hatten immer schon einen Platz in deinem Herzen und konnten dich erfreuen. Jetzt müsste man das Foto aus Ungarn oder das aus Borkum hier einfügen. Schön auch, dass du die Vulkane, über die ich gerade mit meinem "Patenkind" gesprochen habe, live erlebst. Ich würde am liebsten den Laptop zur nächsten Stunde mit Younes mitnehmen..
    Vielleicht gibt es ja auch in Costa Rica ein paar Schuhe?
    Alles Gute und angenehmen weitere Schritte
    wünscht dir Mutti

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    1. Schuhe gekauft! Panama City bietet sich da mehr an, die Preise sind deutlich günstiger!
      Geckos und Leguane sind super, wobei ich im Spanischen immer mit der Bezeichnung verwirrt bin - so spreche ich immer von "Iguanas", auch wenn es wahrscheinlich falsch ist...
      die alten Fotos muss ich dann wohl mal rauskramen nach meiner Rückkehr :)

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