Kolonialarchitektur in der "fetten Rosine": Granada

19:14 Einsame Insel.de 0 Comments

La Gran Sultana - ist das nicht ein grandioser Spitzname für eine Stadt? Von Rosinen halte ich im Allgemeinen nicht sonderlich viel, deswegen finde ich den Namen nicht besonders passend. Ich könnte in Mittelamerika glaube ich jeden Beitrag über eine Stadt mit dem Kommentar "Nein, ich meine nicht den Ort in Spanien" beginnen. Seit zwei Tagen bin ich in Granada, allerdings nicht in Andalusien, sondern am Ufer des Nicaraguasees. Deutsche Partnerstadt von Granada ist Frankfurt - im nahe gelegenen Masaya habe gestern ich ein Restaurant entdeckt mit dem Namen "Frankfurt - Bier und Bratwurst". Ob das irgendetwas mit der Städtepartnerschaft zu tun hat, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Ein grandioser Ausblick vom Glockenturm der Iglesia La Merced auf die Kathedrale Granadas

Bei rund 35 Grad Celsius (heute habe ich endlich gelernt, wie man Fahrenheit in Celsius umrechnet und kann mich nun endlich mit Amerikanern über das Wetter unterhalten!) zeigt sich die Stadt von ihrer schönsten Seite. Die Kirche "La Merced" ist mir schon auf dem Hinweg aufgefallen, hier kann man angeblich den besten Blick auf die Stadt genießen. Und tatsächlich ist der wahrschenlich best investierte Dollar für den Aufstieg im Kirchturm jeden Cent wert: Jenny, Sina und ich steigen die wahrscheinlich engste Wendeltreppe hoch, die überhaupt je gebaut wurde (man nehme die Spindeltreppenmindestbreite aus dem "Neufert" und teile sie durch zwei). Der Ausblick in alle Himmelsrichtungen ist grandios - der wohl best investierte Dollar der letzten Tage! Endlich mal eine Stadt, in der nicht die verrosteten Wellblechdächer dominieren. Beim Anblick der Kathedrale und vielen anderen Gebäuden habe ich den Eindruck, dass hier jährlich vor Beginn der Hauptsaison Pinsel und Farbeimer rausgekramt werden und ein Großteil der Bauwerke einen neuen Farbanstrich bekommt. Ich habe auch schon Geschichten von Kirchen gehört, die jährliche ihre Farbe wechseln. Mal orange, mal mintgrün, im nächsten Jahr lila... Wem's gefällt...!


Panorama mit Kathedrale und dem Nicaraguasee im Hintergrund
Die 80.000 Einwohner-Stadt ist "ganz nett", aber auch nicht außergewöhnlich spannend. Kirchen gibt es wie Sand am Meer, daran habe ich mich hier schon gewöhnt, eine Reihe anderer kolonialer Gebäude und natürlich alles, was das Touristenherz begehrt: Viele Cafés und Restaurants, Souvenirläden, einen großen Markt, einen vernünftigen Supermarkt und natürlich die "Küste" am riesigen See. Ich erinnere mich noch daran, dass ich in einer Buchhandlung in Deutschland ernsthaft Probleme hatte, einen ausführlichen Reiseführer über Nicaragua zu finden und eins der kleinen, eher mit wenig Information ausgestatteten Büchlein, durchgeblättert habe. Dabei bin ich auf die Aussage gestoßen, dass der Nicaraguasee der einzige Binnensee weltweit ist, in dem Haie leben und habe damals noch gedacht, dass ich dort wohl nicht schwimmen gehen würde. Mal abgesehen davon, dass ich mittlerweile Haie gestreichelt habe und außerdem seit Jahren keine Haie mehr hier gesichtet wurden, würde ich trotzdem in diesem See nicht schwimmen wollen. Als ich noch einige Meter von dem Mäuerchen entfernt bin, dass den kleinen "Strand" von der Straße trennt, steigt mir schon ein unangenehmer Geruch in die Nase. Wenige Meter weiter umgeben mich unzähle Fliegen - ganze Schwärme von kleinen Flugtieren sind hier unterwegs. Hinter der Mauer zeigt sich der Grund für Geruchs- und Fluglärmbelastung: Haufenweise zusammengefegter angespülter Müll säumt die Küste soweit ich sehen kann. In verteilter Form würde der Abfall vermutlich schnell in der Sonne trocknen und hauptsächlich optisch auffallen, aber die riesigen Haufen mordern vor sich hin und schreien mich förmlich an, so schnell wie möglich diesen Ort zu verlassen. Ich mache auf dem Absatz kehrt und bin nicht böse, dass ich mich nicht einer der vielen im Ort angebotenen Touren angeschlossen habe, die Bootsfahrten auf dem "wunderschönen See" zur Hauptattraktion haben.


35 Grad im Schatten und ein Weihnachtsbaum - Für mich passt das einfach nicht zusammen!
Im Hostel sind wir mal wieder in der Überzahl - wir, die Deutschen. Und fast nur Mädels.. So sitzen wir einen Abend bis halb drei zusammen und reden über alles Mögliche, nicht nur übers Reisen. Auch mal wieder schön .Gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl, dass mein Spanisch täglich schlechter wird. Ich muss unbedingt Vokabeln lernen!
Es kommt das Gespräch auf ein neugieriges Großelternpaar, das per Mail um eine "Standortmitteilung" der weltreisenden Enkelin bittet. Daraufhin kommt von der anderen Seite des Tisches der Beitrag: "Meine Oma ist bei Facebook. Ich glaub sie will auch wissen, wo ich bin. Sie hat mich nämlich vor ein paar Tagen 'angestupst'." Wir amüsieren uns köstlich über die Vorstellung! Jetzt weiß ich endlich, wozu es diese Funktion gibt, die ich noch nie genutzt habe! Viel mehr weiß ich nicht über Granada zu berichten. Ich bin doch ganz froh, mir den Masayavulkan angeschaut zu haben und kann schon fast über meine Blasen an den Füßen hinwegsehen. Aber bevor ich noch einen weiteren Tag in Granada verbringe, nehme ich am nächsten Morgen schon früh einen Bus nach Süden, um vor dem Grenzübergang nach Costa Rica noch einen Tag auf der Insel Ometepe zu verbrbingen.

Kathedrale Granada - frisch gestrichen?

Die Kutsche erinnert mich an das Märchen "Aschenputtel", das ich in San Pedro meiner Lehrerin auf Spanisch erzählen musste.

Sonnenuntergang, lange Schatten, ein schöner See - aber halt: was liegt denn da für ein Haufen?
Seid froh, dass ihr über das Foto keinen Geruch mitbekommt!

Dieser Nordstern gefällt mir noch am besten in Wassernähe.

Nicht ganz so kontrastreich bemalt wie einige andere Gebäude, aber dennoch offensichtlich gelatig frisch gestrichen.

Auf dieser Wiese kauft man die Silvesterraketen ein, die aber schon jetzt täglich in der Innenstadt zu hören sind.

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