Santa Marta: Endlich mal wieder ein paar Tage an einem Ort

12:11 Einsame Insel.de 1 Comments

Zweiter Weihnachtstag. Ist das eigentlich eine deutsche Erfindung? In Kolumbien geht das Leben jedenfalls seinen gewohnten Gang und ich habe nicht das Gefühl, dass hier heute irgendetwas anders ist als an jedem gewöhnlichen Werktag. Die Straßen sind wieder voll mit Menschen, Verkaufsständen und Taxen. Ich gehe den Tag vollkommen entspannt habe, weil ich zugegebener Maßen keinen großen Plan habe. Wenn ich die letzten Wochen Revue passieren lasse, war mein letzter längerer Aufenthalt – mal abgesehen von drei Nächten in Folge in León in Nicaragua – wohl der Homestay in San Pedro, Guatemala. Mein Sprachaufenthalt am Atitlansee scheint schon so weit weg, die Hälfte der unregelmäßigen Verbformen ist vergessen und ich sehne mich mal wieder nach einer Bleibe für mehr als eine Nacht. Einige Reisende haben mir berichtet, dass sie Santa Marta im Nordosten an der Küste nicht für sehenswert halten, sich auf den Straßen dort sogar unwohl gefühlt haben. Gleichzeitig ist Santa Marta Ausgangspunkt für den nahegelegenen Nationalpark Tayrona und einen fünftägigen Trek zur „verlorenen Stadt“. Auf der fünfstündigen Busfahrt sehe ich zum ersten Mal etwas vom Land – außerhalb der fein gesäuberten und bewachten touristischen Altstadt von Cartagena.

Einen Vorteil hat die ganze Aktion ja: So komme ich mal dazu, ins Innere meines hochkomplexen Weitwinkelobjektives zu schauen.
 Wir passieren einige „Wohnsiedlungen“, die ich irgendwie nicht richtig einzuordnen weiß: Sie haben etwas von Slums, gleichzeitig machen die Anlagen insgesamt aber einen sehr strukturierten Eindruck. Einstöckige gemauerte Häuser mit schätzungsweise maximal dreißig Quadratmetern Grundfläche sind eng aneinandergereiht und alle identisch ausgeführt: graue, unverputzte Ziegel und ein einfaches schwach geneigtes Satteldach, kaum Fenster. Gemeinsam haben die Häuser vor allen Dingen eins: sie schwimmen im Müll. Es wirkt, als seien die einzelnen Häuserreihen Schiffe auf einem Meer aus Abfall. Hier und da scheint ein wenig Wasseroberfläche durch, in der die Mittagssonne reflektiert wird. In einer größeren Pfütze spielt ein kleiner Junge. Wir passieren einige solcher „Siedlungen“, von denen ich bei manchen nur die Vorderseite sehen: die der Straße zugewandten Fronten sind in verschiedenen Farben gestrichen, die Häuser machen einen durchaus einladenden Eindruck. Ich vermute, dass man hier auf der Rückseite das gleiche Plastikflaschen,- Tüten und Restmüllgemisch finden würde.
In der 400.000 Einwohner-Stadt Santa Marta selbst liegt glücklicherweise weniger Müll herum. Zwar mehr als in der Vorzeigestadt Cartagena, aber nach Erzählungen einer Reisenden hatte ich schlimmeres erwartet. Es ist wahnsinnig laut, Musik in Diskolautstärke dröhnt aus den Läden und jedes motorisierte Fahrzeug hupt schätzungsweise einmal die Minute. Das Wort „Hupkonzert“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Vielleicht könnte ein kreativer Musiker Soundaufnahmen aus den Straßen Santa Martas als Untermalung für einen Song verwenden – längere Pausen ohne Hupen gibt es jedenfalls nicht.

Masaya Hostal in Santa Marta, Kolumbien
In den ersten Tagen hier kann ich mir nicht so richtig vorstellen, hier länger als eine Nacht zu bleiben. Als sich jedoch eine potentiell Reparaturmöglichkeit für mein kaputtes Objektiv ergibt, ändere ich meine (sowieso wenig durchdachten) Pläne. Ich wechsele das Hostel nach der ersten Nacht, da ich lieber ein Zimmer bzw. Bett hätte, das nicht fünf Meter von der hauseigenen Bar entfernt ist. In der Regel lohnt sich ein Wechsel der Unterkunft für mich nicht, da das den Aufwand des erneuten Packens des Rucksacks nicht wert ist. Als ich im Masaya Hostal einchecke, bin ich heilfroh über meine Entscheidung: Es gibt ein Atrium mit Pool, alles ist sehr modern, weiß gestrichen und in erstaunlich gutem Zustand. Mein Bett ist ringsherum mit Vorhängen abgetrennt, ich habe eine eigene Leselampe, einen kleinen Ventilator und zwei Steckdosen am Kopfende – Luxus! Das Sechsbettzimmer hat ein eigenes Bad mit Design-Armaturen und Glasduschabtrennung. Ein paar rote und orangene Akzente – ein richtig durchdachtes Konzept! Freiluftküche und ein zweiter Pool auf dem Dach machend das Ambiente perfekt. Endlich mal ein Hostel, das eher zum Entspannen als zum Feiern ausgelegt ist – genau das, was ich jetzt brauche.

Viel Zeit zum Kochen in der luftigen Küche auf dem Dach des Hostels
Meine Objektivreparatur sieht zunächst wenig erfolgversprechend aus: Mit Radiergummi und Zahnbürste werden die Kontakte außen gereinigt, dann wird das Komplexe Gerät vor meinen Augen aufgeschraubt. Einer der Kontakte ist unterhalb der Plastikabdeckung korrodiert, der Reparateur reinigt ihn und alles drumherum (u.a. mit Zahnbürste und Radiergummi), schraubt das Ganze wieder zu. Große Erwartung – große Enttäuschung: Die Kamera erkennt die eingestellte Blende für eine Sekunde und zeigt dann wieder „Error01“ an. Na toll. Ich solle heute Nachmittag wiederkommen, sagt man mir. Nachmittags keine neue Entwicklung. Man müsse das Objektiv komplett auseinandernehmen, evtl. Teile bestellen, ich solle in drei Tagen wiederkommen. Gut, das ist es mir wert. Das Ende vom Lied: als ich Montag den Laden betrete und meinen Abholschein aus der Tasche hole, muss erst einmal der Chef abgeholt werden, was denn jetzt mit dem Objektiv sei. Man teilt mir mit, er hätte es nicht reparieren können und den Fehler nicht gefunden. Ich brauche auch nichts bezahlen. Alleine beim ersten Versuch wurde schon mindestens eine halbe Stunde investiert – unbezahlte Arbeitszeit? Ich habe die ganze Zeit versucht, meine Erwartungen an den Reparaturversuch nicht zu hoch anzusetzen um nicht noch einmal enttäuscht zu werden. Als ich das Objektiv auf den Kamerabody setze könnte ich Luftsprünge machen, als die kleine Zahl „F 3,5“ im Display aufblinkt. Kleiner Test, auch der Autofokus klappt wieder! Yippie! Ich muss den Mitarbeiter schon fast zwingen, das Geld zu behalten, das ich zahlen möchte. Erst als ich sage „un regalo“ (ein Geschenk), nimmt er den Schein.
Auch meinen mp3-Player bekomme ich wieder zum laufen. Am Straßenrand stehen unzählige Männer mit winzigen Ständen, diversen Handyteilen und Lötkolben. Ich lasse einen von ihnen meinen Player aufschrauben, der Akku ist kaputt und nicht austauschbar. Auch dieser Elektriker möchte kein Geld haben, da er glaubt, mir nicht helfen zu können. Mit einem externen Battery-Pack über USB läuft das Gerät nun wieder einwandfrei. Eine Straße weiter lasse ich noch ein Kleid ändern und habe so insgesamt für weniger als dreißig Euro mein Gepäck wieder komplettiert und in Schuss gebracht – dafür hätte ich in Deutschland wahrscheinlich den Kostenvoranschlag für die Objektivreparatur bekommen.

Eis essen am zweiten Weihnachtstag: Es schmilzt in Sekunden vor sich hin und kommt natürlich lange nicht ans Haaner Eis ran...
Es ist schön, ein paar Tage mit Lesen, Schreiben (ich arbeite u.a. meinen Blog auf über die Zeit in Asien 2011) und Spanisch lernen zu verbringen. Nach einem Tagesausflug in den Tayrona Nationalpark hat man mein Dorm-Bett geräumt, es habe eine Doppelbuchung gegeben. Und das Hostel ansonsten ausgebucht ist für diese Nacht, darf ich jetzt zum gleichen Preis in ein Doppelzimmer ziehen. Aircondition mit eigener Steuerungsmöglichkeit, Fernseher, eigenes Bad, große Handtücher, eine Nachttischlampe – so viel Komfort hatte ich in den letzten drei Monaten noch nirgendwo! Zeit zum ausruhen, bevor es morgen mit einer vierzehn-stündigen Busfahrt nach Medellin geht.
In Santa Marta habe ich nicht viel gesehen – eben nur das ganz normale Leben in der Stadt – kein Museum, keine besonderen Bauwerke, keinen Strand. Und es hat richtig gut getan und war irgendwie an der Zeit für so einen längere „Atempause“.

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50mm in Cartagena

07:03 Einsame Insel.de 4 Comments

Halbzeit! Da stehe ich nun also hier auf dem Kontinent, den ich noch nie zuvor betreten habe und der bei meinen anfänglichen Reiseüberlegungen eigentlich die größere Rolle spielte: Südamerika. Stehe ich wirklich? Entweder bewege ich mich oder die ganze Welt um mich herum gerät gerade ins wanken. Im wörtlichen Sinne. Zumindest fühlt es sich so an. Erste Amtshandlung in Cartagena - noch mit dem Kapitän und den Mitreisenden der letzten Tage -  ist der Gang zum Geldautomaten. Sobald ich still stehe, meine Karte einschiebe, die Pinnummer eintippe merke ich erst, dass irgendwas nicht stimmt. Ich bin also weniger seekrank, aber offensichtlich landkrank, wenn es so etwas gibt. Dieser Zustand sollte sich noch über einige Stunden hinziehen. Mein Hostel erreiche ich gegen acht Uhr, kann mein Gepäck auch abstellen, allerdings erst sechs Stunden später mein Bett beziehen. Wie schön ein sich nicht bewegendes Bett in einem klimatisierten Raum jetzt doch wäre! Immerhin darf ich die Dusche schon benutzen und fühle mich danach wenigstens wieder halbwegs „gesund“. Auf ins nächste Café! 

Wenn ich schon kein vernünftiges Objektiv mehr hab, muss ich eben meine Fotos anders "aufwerten" :-D
Ich habe nicht das Bedürfnis, mich großartig in der brüllenden Hitze (die Wetterwebsite sagt „gefühlt wie 39°C“) durch die Stadt zu bewegen. Erschwerend zum Wetter kommt noch hinzu, dass heute Heiligabend ist. Kaum vorstellbar, was hier auf den Straßen los ist! Man bekommt nicht den Eindruck, dass hier die letzten Weihnachtsbesorgungen gemacht werden, die letzten Kleinigkeiten, die vergessen oder nicht rechtzeitig geschafft wurden, sondern man glaubt vielmehr, dass dieser Tag der offizielle Shoppingtag im Staate Kolumbien ist. Alle Straßen sind nicht nur belebt, sondern überfüllt und in den Läden herrscht ein einziges Chaos. Gut, dass ich mich (wie so oft) um dieses Chaos und den Trubel um Geschenke wieder mal drücken kann. Das letzte Weihnachten, das ich zuhause verbracht habe, war wohl das wenige Tage vor Abgabe meiner Masterthesis. Und da war selbige auch der Hauptgrund, nicht unterwegs zu sein. In Deutschland ist es nun mal so, dass zwischen Heiligabend und Neujahr in Uni und Job nicht viel passiert und sich diese Woche durchaus zum Reisen eignet.
Buchladen unter einem Torbogen - gefällt mir sehr gut!
In Kolumbien ist nun also Hauptsaison. Und ich befinde mich in der angeblich schönsten Stadt an der Karibikküste und habe kein funktionierendes Weitwinkelobjektiv. Tragisch. Neue Herausforderung also: Canon f1,4 50mm – Lichtstarke Festbrennweite und Südamerika. Und für die, die nicht so viel fotografieren: Ich habe ein Objektiv, mit dem man nicht zoomen kann, sodass ich die Distanz zum fotografierten Objekt einzig und alleine durch meine Position ändern kann. Und wenn ich nicht genug Distanz aufbauen kann, gibt es kein Foto. Ich habe eben mal durch meine bisherigen Lieblingsfotos geklickt – allesamt Naturaufnahmen und allesamt – natürlich! - mit dem nun defekten Objektiv aufgenommen. Das wird hart! Ich nehme natürlich gerne Spenden entgegen ;)
Um das Thema „Weihnachten“ noch mal kurz aufzugreifen: Am Heiligabend (hier entsprechend am Nachmittag) hängen alle Reisenden mit ihren Laptops, Smartphones und Tablets im Atrium des Hostels und telefonieren mit der Family zuhause. Ein lustiger Anblick. Wenn man weiß, wie viele Menschen um einen herum ebenfalls telefonieren und wie viele Reisende dazu noch deutsch sprechen, kann man meiner Meinung nach seine Stimme etwas gedämpft halten. Eine junge Deutsche berichtet lautstark von den Schwangerschafts- und Entbindungsproblemen einer Reisebekannten, fragt daraufhin ihren Vater, wie viel er denn zugenommen habe und bedankt sich tausendfach für die Lindor-Schokolade, die sie offenbar schon vor Reiseantritt geschenkt bekommen hat. Das Gespräch mit ihrer Familie ist ja noch ganz amüsant und fast bühnenreif, aber beim dritten Gespräch mit einer Freundin suche ich dann das Weite. Zu viele Informationen!

An jeder Ecke werden Hüte verkauft - ich dachte bisher, die weißen mit dem schwarzen Band seien typisch für Panama!

Zum Abendessen suche ich mir mit einer Iranerin, einer Deutschen und einem Holländer ein kleines Restaurant – entspannt und gemütlich. Abends ist das Wetter hier richtig angenehm und perfekt zum draußen sitzen. Nach der fast schlaflosen letzten Nacht auf dem Katamaran falle ich an diesem Abend als erste ins Bett und sammle neue Energie um am nächsten Tag die Stadt anzuschauen. 
Nach ein paar Stunden Sightseeing in der heute erstaunlicherweise fast menschenleeren Altstadt (zumindest im Vergleich zu gestern), einer „Limonada de Coco“ in einem Café und einem ersten Postkartenschreiben (ja, so was kann man hier kaufen im Gegensatz zu halb Mittelamerika!) kehre ich ins Hostel zurück. Mit Terese aus Stuttgart und Jan aus Amsterdam geht es dann noch für ein paar Stunden zum kaum erwähnenswerten, völlig überlaufenen und von Hochhäusern gesäumten Strand „Playa Grande“. Ich lache mich kaputt als zwei halbstarke Jungs vor uns stehen bleiben um einen spanischen Rap vorzutragen. Es klingt allerdings wahnsinnig albern und ich denke nicht im Traum daran, den beiden etwas für ihre Darbietung zu geben. Scheinbar ist der große weiße Jan aber auch eher das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit.
Dank langer Öffnungszeiten der Supermärkte entscheide ich mich heute zum selber kochen: Tilapiafilet und Mango-Kokos-Frühlingszwiebel-Curry mit Reis. Dass ich freiwillig einmal Fisch kaufen und kochen würde... Irgendwie bin ich auf den Geschmack gekommen. Und nachdem ich in der Hostelküche zu hören bekomme „That smells divine!“ kann es ja nur noch gut werden :)
Nun also noch ein paar meiner 50mm-Fotos, wobei mich mal interessieren würde, ob ihr den Unterschied merkt. Klar sind die Motive immer andere, aber ich merke doch, dass ich mir mit dem Objektiv viel mehr Zeit nehme und nehmen muss. 












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Fliegende Fische, Delfine und 36 Stunden auf hoher See

15:54 Einsame Insel.de 4 Comments

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung, hier geht es zu Teil 1!
Ich bin lange vor den anderen wach, der Kapitän schnarcht noch immer im „Gemeinschaftsraum“ und hat es diese Nacht wohl nicht in die Koje geschafft. Da normalerweise bis zu zwölf Gäste auf diese Tour mitgenommen werden und wir nur zu neunt sind, liegt es vermutlich eher am vorabendlichen Rumkonsum als an Platzmangel. Wissen tue ich es aber nicht. Ich schnappe mir Maske und Schnorchel und schwimme zur Insel, genieße den Schatten der Palmen, der auf dem Boot nicht zu finden ist. Die Sonne ist schon vor acht Uhr ziemlich intensiv, besonders für die Haut einer weißen Europäerin. Wo ich gerade meinen Arm neben meinem Bauch sehe muss ich mich jedoch korrigieren zu dunkelweiß. Zum Frühstück gibt es getoastetes Brot, Erdnussbutter, Käse, Marmelade, Rührei und Ananas. Israel und Jonathan sind eine Weile mit Flickarbeiten am Segel, das wir bisher noch gar nicht benutzt haben, beschäftigt. Ich lese stundenlang und bin enttäuscht, als ich meinen neu erstandenen Roman einer alten Schulkameradin ausgelesen habe. Enttäuscht, weil ich auf der letzten Seite angekommen bin und gerne noch länger von dem Buch gehabt hätte (Off Topic / Buchempfehlung: Lena Wilde: Weiter im aufrechten Gang).

Ein Paradies zum Fotografieren. Aber so viel mehr gibt es auf den winzigen Eilanden hier nicht zu tun.

Überraschungsbesuch dieses schönen Lebewesens mit seinem Jungen (das aber immer ein bisschen später auftaucht)
Highlight des Vormittags ist eine kurze Begegnung mit zwei eleganten Lebewesen. Eine Delphinmutter schwimmt mit ihrem jungen dicht an unserem Boot vorbei – oder springt, wie auch immer man die Bewegung bezeichnet. Wunderschön anzusehen! Bevor wir ablegen fahren wir mit dem kleinen Beiboot zu viert auf die Insel Chichime um Sprit zu kaufen und Fotos zu machen. Mit Kamera könnte ich mich hier durchaus einen Tag aufhalten.
Auf einer weiteren Insel wollte unsere Crew eigentlich für Meerestiere sorgen, die wir zum Mittagessen verspeisen würden, war jedoch nicht erfolgreich beim Einkauf. Aber der Supermarkt hat offenbar auch einen Lieferservice. Drei junge dunkel gebräunte Männer sitzen in einem einfachen, schmalen Holzboot in Begleitung von einem knappen Dutzend Hummer und Krebsen, die sie eigenhändig bzw. mit Hilfe eine angespitzten Holzstabes vom Meeresboden gesammelt haben. Jonathan erklärt mir, dass einige der „Fischer“ bis zu fünfzehn oder zwanzig Meter tief tauchen können, ausgestattet nur mit Flossen. Nach einigen Preisverhandlungen wandern die Tiere auf unseren Katamaran – das Abendessen ist gesichert. Kartoffeln mit Curry und Würstchen mit Champignons zum Mittag gehen jetzt schneller um unsere hungrigen Mägen zu füllen – auch wenn die Mischung etwas eigensinnig ist. Ausnahmsweise sind mal keine Vegetarier an Board, das macht das ganze ein bisschen einfacher. Der Tag geht erschreckend schnell um und kurz nachdem wir vor einer offenbar komplett unbewohnten Insel geankert haben, geht hinter den Palmen schon die Sonne unter. Ich nutze die verbleibende Zeit noch für eine kleine Schwimmrunde bevor wir in Dunkelheit eingehüllt werden. Der Wind frischt auf und der Mond versteckt sich hinter Wolken.

Abendessen Einkaufen - "Wir nehmen alles!"

Qualitätskontrolle durch Kapitän Israel
Jonathan zeigt mir, wie man einen gekochten Hummer öffnet. Bei ihm sieht das alles ziemlich einfach aus, ich brauche für das zweite Tier wahrscheinlich doppelt so viel Zeit. Der Körper wird zunächst in zwei Teile zerbrochen bzw. abgedreht. Die beiden Teile werden im Meerwasser ausgewaschen bevor der Schwanz der Länge nach zweigeteilt wird, das heißt man schneidet durch den kompletten Panzer mit einem selbstverständlich nicht wirklich scharfen Messer. Nach mehrmaligem Abrutschen knackt dann endlich die Schale und ich kann die beiden Teile auswaschen. Insgesamt eine sehr interessante Geräuschkulisse. Die Teile werden so wie sie sind dann noch einmal mit Butter und Knoblauch in die Pfanne geworfen. Serviert werden unsere Meerestier mit Reis und Salat. Der Hummer schmeckt sehr neutral, fast wie Hühnchen, das Krebsfleisch ist mir schon zu fischig. Und außerdem kostet es richtig Mühe an das Fleisch zu kommen: Beine „ausreißen“, durchbrechen und mit einer Metallkurbel (das richtige Werkzeug fehlt) kräftig auf den Panzer hauen, bis dieser bricht. Die Jungs versuchen sich abends noch am Fischen, aber als der richtig Dicke Fang zugebissen hat, reißt die Leine. Das Equipment besteht sowieso nur aus Schnur und Haken, eine richtige Angel fehlt.

Lebensgrundlage auf den San Blas Inseln: die Fischerei. Jetzt müssen wir das Tierchen nur noch kochen und aufbekommen!

Zunächst bin ich noch etwas skeptisch - aber hier kommt man wohl kaum drum herum, Meerestiere zu essen.

Tag drei – und schon wieder bin ich als erste wach. Ich frage mich ob ich einfach weniger Schlaf brauche als andere Menschen oder ob es daran liegt, dass meine Luke am Morgen als erste von der Sonne beschienen wird. Später erfahre ich von den anderen, dass wohl die Seekrankheitspillen, auf die ich bisher verzichtet habe, ausgesprochen müde machen. Wie dem auch sei, ich beginne den Tag mit einem Sprung ins kühle Nass und schwimme die zwanzig Meter zur nahen Insel. Ganz beeindruckt bin ich von drei Pelikanen, die einen perfekten Synchronflug vollziehen. Sie gleiten – die meiste Zeit ohne einen einzigen Flügelschlag – über dem Strand an den Wipfeln der Palmen entlang und halten möglicherweise nach ihrem Frühstück Ausschau. Selbst die Köpfe haben sie alle immer in die gleiche Richtung gedreht.

Pelikan(sturz)flug in sechs Bildern

Nach dem Frühstück werden wieder die Segel gesetzt – allerdings nur im sprichwörtlichen Sinne – wir bewegen uns mit Motor fort und halten wenig später an einer kleinen Insel, an der unser Kapitän gerne schon die Nacht verbracht hätte, aber aufgrund der vielen Korallen Probleme hatte, an einer geeigneten Stelle zu ankern. Nun bleiben wir hier für ein paar Stunden zum schnorcheln und Genießen. Denn schon am späten Nachmittag werden wir unsere Überfahrt beginnen und den Katamaran nicht mehr verlassen können. Die Insel hat den Namen Ogopuqi, wenn ich Israel richtig verstanden habe. Auch an unserem dritten Tag werden wir von Sonne verwöhnt und sind ständig damit beschäftigt, einen Schattenplatz zu finden und Sonnencreme neu aufzutragen. Herrliche Probleme! Ich lerne das ein oder andere Kartenspiel neu kennen, lese und staune nicht schlecht, als neben mir ein riesiger Rochen aus dem Wasser springt um dann mit einem riesigen Bauchplatscher wieder unterzutauchen. Die anderen drehen sich nur um und wundern sich über das Geräusch. Ich habe mal gehört, dass man noch nicht erforscht habe, warum diese Tiere das tun und wir diskutieren wild, ob sie sich einfach die Gegend ansehen oder unser Segelschiff ausspionieren wollen.
 
Seestern - es lässt sich erahnen, wie klar das Wasser ist!

Abwechslungsreiches Inselleben - naja, zumindest für einen Tag, oder zwei...

Sind das nicht grandiose Farben?

Jonathan, unser erster Mann an Board!

Nach einer letzten vollwertigen Mahlzeit, einer Dusche (sprich einem Kanister Süßwasser über den Kopf schütten) und einem ersten gefangenen Fisch starten wir unsere Reise gen Osten. Für die, die es genau wissen wollen: wir bewegen uns auf einer Lagoon 410 S2 (Baujahr 2005). Unser Kapitän rechnet mit 48 Stunden auf See, wir würden also am Heiligabend spät Cartagena erreichen Ich schlafe schon früh, da ich so wenig Gelegenheit habe, seekrank zu werden. Es ist windig, aber trotzdem warm und ich schlafe wenig. Meine „Hundehütte" bleibt diese Nacht leer, glücklicherweise kann ich auf der „Couch“ im Gemeinschaftsraum schlafen, wo es weniger schaukelt und wenigstens ein bisschen Wind durchgeht. Hat auch seine Nachteile, wie sich später herausstellt. Diego fängt am Morgen eine riesige Dorade, mein Tag besteht weitestgehend aus vor-mich-hin-dösen, weil ich bei jedem Aufstehen feststelle, dass ich weniger seefest bin als ich dachte. Na ja, gut, zugegeben, nach einem kurzen Katamaran-Ausflug Silvester 2004 weiß ich eigentlich, dass mein Magen nicht der stärkste ist. Aber das ist ja auch schon fast ein Jahrzehnt her. Ich überstehe den Tag und die darauffolgende Nacht jedenfalls ohne nach Jörg zu rufen und bin ganz erfreut, als ich um vier Uhr früh geweckt werde um die Einfahrt in den Hafen von Cartagena mitzuerleben. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und die Skyline der Stadt bietet ein schönes Lichterspiel. Hier stelle ich leider dann auch fest, dass eins meiner Objektive (nebst quasi allem anderen was in der Nacht in meiner Kabine lag) einen Wasserschaden hat. Hätte ich natürlich früher gemerkt, wenn ich dort geschlafen hätte. Die Luke ist wohl doch nicht so dicht, wie es hieß. Alle empfindlichen Gerätschaften sollten wir hier aufbewahren, angeblich sei das der sicherste / wasserdichteste Ort. Mein mp3-Player musste auch dran glauben. Ausgesprochen ärgerlich. Ich bin gespannt, ob meine Kameraversicherung den Schaden übernimmt. So oder so heißt es jetzt erst mal: neue Herausforderung. Von nun an muss ich mit meiner 50mm-Festbrennweite auskommen. Das ist weder ein Weitwinkel- noch ein Teleobjektiv. Irgendwas dazwischen. Dann gibt es ab jetzt eben kolumbianische Portraits und Details. Keine Landschaftspanoramas (höchstens zusammengesetzte) und keine Gebäudeaufnahmen, schon gar keine Innenräume. Nun ja. Muss ich mich erst mal dran gewöhnen – kein schönes Weihnachtsgeschenk.

Arbeiten im Paradies

Nichtstun im Paradies
Wir fahren in den Yachthafen ein, frühstücken gemeinsam und ich mache mich mit meinem nassen Gepäck auf die Suche nach einem Hostel. Für einige Stunden fühle ich mich nicht so ganz wohl: Immer wenn ich still stehe, scheint alles um mich herum zu schaukeln. Dass die Nachwirkungen der Überfahrt noch so lange auf mich einwirken, hätte ich nicht gedacht. Nach einigen Verzögerungen bekomme ich am frühen Abend auch endlich meinen Pass wieder – Ausreise aus Panama am 20. Dezember und Einreise in Kolumbien am 24. Dezember. Vier Tage im Niemandsland. Aber es waren schöne vier Tage und ich kann die Tour jedem empfehlen – mit einer Einschränkung: Packt alle eure Sachen in Plastiktüten, egal was der Kapitän sagt. Frohe Weihnachten! Feliz Navidad!

Navigationssoftware

Kapitän Israel in Action - ohne Zigarette geht es nicht

Dave raucht für's Foto lieber sein letztes Stück Zigarre!

Pierre aus Frankreich

Endlich in Kolumbien! Die Sonne geht gleich auf!
Heute bin ich also auf einem neuen Kontinent angekommen: Südamerika! Halbzeit meiner Reise - und ich habe irgendwie das Gefühl, schon so viel erlebt zu haben, dass ich mir gar nicht ausmalen kann, was noch kommen mag! Langweilig wurde es bisher allerdings nie und ich freue mich auf den zweiten Teil meines kleinen Abenteuers!

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San Blas Islands: Auf dem Katamaran von Panama nach Kolumbien

07:18 Einsame Insel.de 0 Comments

Vier Uhr dreißig, der Wecker klingelt. Vor zwei Stunden war ich schon mal wach und überzeugt davon, aufstehen zu müssen, das war zum Glück Fehlalarm. Wenn ich früh raus muss, gehe ich meist spät ins Bett. Logisch – so ist man dann am nächsten Tag auch richtig schön müde. In der Hostelküche gibt es schon Pfannkuchenteig und Kaffee, ein guter Start in den Tag. Weniger begeistert bin ich eine Stunde später, als unser allradbetriebenes Fahrzeug, das uns Richtung Karibikküste bringen soll, ein wenig überbesetzt ist. Panama City liegt an der Pazifikküste und ist bekanntlich durch den Panamakanal mit dem karibischen Meer verbunden. Wegen rauen Wetters wurde unser Abfahrthafen von Portobelo irgendwo in die Walachei verlegt und so ist eine etwas komplizierte Anfahrt notwendig. Zu dritt sitzen wir nun auf der viel zu schmalen Rückbank, meine Knie hängen mir fast im Gesicht. In der Reihe vor uns nehmen vier Leute Platz – Sardinenbüchse lässt grüßen. Als wir uns nach gut zwei Stunden dem Ziel nähern, zahlen wir zusätzlich zu den veranschlagten dreißig Dollar für den Transport noch insgesamt 22 Dollar, um letztendlich zu unserem Schiff zu kommen.

Für fünf Tage mein Zuhause: Der Katamaran Nakar
Die letzten 45 Minuten fahren wir mit einem kleinen Motorboot, ein heftiger Regenschauer sorgt für einen weiteren Abfall unserer Laune. Wie schon bei anderen „organisierten Touren“ (ich denke gerade an den Bus von San José nach David) habe ich mal wieder den Eindruck, dass niemand genau weiß, was Sache ist und keiner einen Plan hat. Selbst über den Preis des Schnellbootes müssen wir noch diskutieren, weil er offenbar über Nacht um fünfzig Prozent angestiegen ist. Es soll nicht lange Dauern, bis die Strapazen des Morgens wieder vergessen sind. „Nakar“ hat vor einer kleinen Insel der San Blas Inselgruppe geankert, die insgesamt angeblich aus 365 Inseln besteht. Die Zahl kommt mir zwar ein bisschen geschönt vor, aber dass es viele Inseln sind, werden wie in den nächsten Tagen noch feststellen. Unser Kapitän heißt Israel und stammt aus Barcelona, sein einziger Helfer Jonathan ist aus Kolumbien. Als wir den Katamaran betreten, habe ich nicht den Eindruck, dass man uns hier erwartet. Das Schiff sieht „bewohnt“ aus, überall liegen Klamotten, Zigarettenpackungen und allerhand Krimskrams herum. Zunächst sind wir zu fünft und schließlich nach Ankunft eines weiteren Zubringerschnellbootes vollzählig. Ein Pärchen aus London, eines aus Australien (erstaunlicherweise aus Perth – bisher waren wirklich alle Australier, die ich getroffen habe, aus Melbourne), eines aus den USA und Costa Rica und schließlich zwei Jungs aus Toulouse. Ich hatte schon die Befürchtung, das ganze würde in einer reinen Pärchen-Veranstaltung enden. Man muss der Backpacker-Gemeinde allerdings zugute halten, das selbst gemeinsam reisende Verliebte, Verlobte und Verheiratete in der Regel ausgesprochen offen sind und nicht aneinanderkleben wie manch anderes Pärchen, das gemeinsam einen Urlaub verbringt. Beim (zweiten) Frühstück lernen wir uns näher kennen und besprechen den Ablauf der nächsten Tage.

Der Anfang einer großen Reise: In Povenir gibt es den Ausreisestempel von Panama. Danach kann es losgehen!

Wir werden drei Tage zwischen den Inseln umherschippern bevor wir die geschätzt 48-stündige Fahrt nach Cartagena in Kolumbien antreten. Unser erstes Ziel heißt Povenir – das wahrscheinlich schönste Ausreisebüro der Welt. Man stelle sich eine kleine Insel vor, klein im Sinne von der Möglichkeit, das Stück Land innerhalb von zehn Minuten zu Umrunden und jede Palme begrüßt zu haben. Um ein Uhr macht das Büro wieder auf (weit kann der Beamte allerdings aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht sein), wir müssen uns die Zeit noch ein bisschen mit Schwimmen vertreiben. Der Grenzbeamte, wenn man ihn denn so nennen kann, sitzt in einem kleinen weißen Häuschen mit rot gedecktem Dach auf dieser winzigen Insel und stempelt unsere Pässe. Nun haben wir also Panama verlassen. Aber wo befinden wir uns dann? Als ich unseren Kapitän am Abend frage bestätigt sich die Vermutung, dass wir bis zu unserer Einreise in Kolumbien in „Niemandsland“ unterwegs sind. Die Insel ist ganz nett, aber das Wasser ist weder kristallklar noch azurblau. Einige Palmen sorgen für das „Einsame Insel-Feeling“, aber wir sind gespannt auf unser nächstes Ziel. Zu Mittag gibt es Pasta mit Käse und Schinken, dazu Kartoffelchips. Sehr nahrhaft. Antonio aus England ist ganz begeistert und meint, das entspreche genau seiner Standardernährung während des Studiums.

Diego aus Costa Rica ist selber als Passagier an Board, hilft aber wo er kann.
Der Himmel ist nicht ganz klar, es ziehen einige Wolken durch, die ab und zu die Sonne verdecken, aber insgesamt ist das Wetter ausgesprochen angenehm. Die hohen Temperaturen in Kombination mit drückender Luftfeuchtigkeit in Panama City haben in den letzten Tagen ziemlich an meinen Kräften gezehrt. Heute ist es zwar warm, aber relativ windig und es gibt ständig die Möglichkeit, sich im Wasser abzukühlen. Zum Glück habe ich gestern noch anständige Sonnenmilch gekauft, sodass ich zum ersten Mal auf dieser Reise intensiv dem Sonnenbaden frönen kann. Das Entspannen funktioniert sogar erstaunlich gut – vielleicht liegt das daran, dass ich gar keine andere Möglichkeit habe. Ich beschäftige mich sogar eine Weile mit dem Lernen von spanischen Vokabeln!

Grenzhäuschen in der karibischen See: Hier bekommen wir unseren Ausreisestempel aus Panama
Die Insel Chichime hat wenig mit Povenir gemein. Es gibt kein kleines verputztes Häuschen und keinen Angestellten des Staates Panama, stattdessen ein paar Zelte und temporäre Unterkünfte neben einigen Strohhütten. Da wir zwischen zwei Inseln ankern, ist die Strömung ausgesprochen stark und es kostet mehr Kraft als erwartet, zum Strand zu schwimmen. Der Sand ist fein und annähernd weiß, nur etwas dunkler als an den Stränden in Yucatan. Das Wasser ist so klar, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Direkt am Strand ist das Wasser einfach nur klar und transparent, aber schon wenige Meter weiter draußen wirkt es knallig türkis. Einige Seesterne tummeln sich in Ufernähe im seichten Wasser. Einer der Jungs ist begeistert: die Fotos würden hier ja tatsächlich aussehen wie im Katalog, ohne dass man einen Filter benutzt oder eine Farbkorrektur vornimmt.

Kein gutes Foto - aber ziemlich guter Fisch!

Zum Abendessen gibt es Fisch aus dem Ofen, der mir auf der Zunge zergeht und göttlich schmeckt. Dass ich so etwas nochmal über Fisch sagen würde! Nachdem die Sonne untergegangen ist spielen wir Karte und genießen den ersten Abend im karibischen Paradies. Wer jetzt meint, dass ich hier nur faulenze, die Sonne genieße, lese, esse und schwimme, dem muss ich leider sagen, dass er recht hat. Ausnahmsweise mal das süße Nichtstun genießen und auch wirklich nichts tun. Ich habe immer gedacht, dass ich das nicht kann, aber für einen Tag klappt es ganz gut.

Das kommt doch einem Traumstrand schon sehr nahe!
Es ist gerade genau Mitternacht, der erste Tag auf der Nakar ist vorbei. Bis eben habe ich mich noch unterhalten, die meisten sind allerdings schon lange im Bett und der Kapitän schnarcht allen Klischees entsprechend laut vor sich hin. Trotz des langen Tages verspüre ich keine Müdigkeit. Meine Koje ist als einzige nur von oben zu betreten, das heißt durch eine schmale Luke muss ich mich zwängen, bevor ich mein sargähnliches Bett betreten kann. Durch die Plexiglasluke, die tagsüber die einzige Belichtung darstellt, kann ich die Sterne sehen. Ich habe es gerade kurz versucht, mich mit diesem kleinen Ausschnitt des Himmelszeltes zu begnügen und dann beschlossen, dass ich mich damit nicht zufriedengebe. So ein Katamaran hat ja den riesigen Vorteil, dass zwischen den beiden „Schwimmkörpern“ im vorderen Bereich ein grobmaschiges Netz gespannt ist, auf dem man wie auf einer riesigen Hängematte über dem Wasser schweben kann. Mit Seidenschlafsack und Kissen lasse ich mich hier nieder. Ich höre nur das Rauschen des Windes in den Palmenblättern auf der nahegelegenen Insel und das Plätschern des Meeres unter mir. Der Blick auf die endlose Anzahl weit entfernter Sterne wird nur durch den zu hellen Mond gestört, der mir schon fast grell erscheint aber gleichzeitig so viel Licht bietet, dass ich hier schreiben kann. Der einzige Gedanke, der mir im Kopf schwebt ist die Frage, ob ich diesen Ort jemals wieder verlassen möchte. Aber dass ich für einsame Inseln nur für einen relativ befristeten Zeitraum Begeisterung verspüre, habe ich ja bereits erörtert. Schließlich lege ich den Laptop weg und genieße für Minuten, vielleicht auch für Stunden den Anblick, dann nur noch die Stille und schlafe irgendwann ein.

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Frohe Weihnachten! Feliz navidad! Merry Christmas!

03:00 Einsame Insel.de 0 Comments

Es war so schön einsam auf dem Masaya Volcano in Nicaragua, dass ich die Gelegenheit geutzt habe, euch einen kleinen Weihnachtsgruß aufzunehmen. Seht mir nach, dass ich das mit dem Filmen nicht gewohnt bin und ein wenig mit der Kamera durch die Gegend wackel.



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Oh, wie schön ist Panama!

16:12 Einsame Insel.de 0 Comments

Erinnert ihr euch noch die Geschichte, wie der kleine Tiger und der kleine Bär nach Panama reisen? Ich muss gestehen, dass ich sie nur noch verschwommen im Kopf hatte und schon vor meiner Abreise mal recherchiert habe, woher meine blinde Vorfreude auf das mittelamerikanische Land stammt. Die Geschichten von Janosch sind wohl vielen deutschen Kindern in den Achtziger Jahren vorgelesen worden und die Tigerente scheint fast den Bekanntheitsgrad der Maus erlangt zu haben. Die Geschichte handelt jedenfalls von besagten Freunden, Tiger und Bär, die eine wohlriechende Bananenkiste mit der Aufschrift „Panama“ finden und daraufhin beschließen, das neu ernannte Land ihrer Träume zu suchen um dort zu leben. Nach einer langen Reise, die sie letztendlich im Kreis führt, finden sie vor ihrem mittlerweile verwittertem und mit Pflanzen überwuchertem Haus das alte Holzstück mit dem Wort „Panama“ wieder und glauben, ihr Ziel erreicht zu haben. Von da an leben sie glücklich in ihrem lang ersehnten „Traumland“.

Da ich keine kleine Holztigerente als Fotomotiv dabei habe, muss ich ein bisschen mit Photoshop schummeln.
Selbstredend, dass ich mir genauer ansehen möchte, was Tiger und Bär möglicherweise verpasst haben. Ich muss nun aber zugeben, dass Panama bei meiner bisherigen Reiseplanung dann doch von der Liste der favorisierten Ziele gestrichen wurde und nun nur als Zwischenstopp auf der Weiterreise nach Kolumbien dient. Ursprünglich wollte ich mal Kolumbien auslassen („das ist da ganz gefährlich und du wirst bestimmt gemopst...“), habe mich aber nach den so oft gehörten Positivberichten umentschieden. Drei Tage Panama City stehen also auf dem Programm, bevor ich den nördlichen der beiden amerikanischen Kontinente auf dem Seeweg verlassen werde. Stellt sich nun also die Frage, wie ich die 800 Kilometer von San José und vor allem die Grenze überwinde.

Fischmarkt Panama City

Weihnachtsmusik im Einkaufszentrum
Nach Kauf meines Bustickets habe ich also zwei Stunden Zeit, um bei der Bancrédito meine sieben Dollar für die Ausreise zu begleichen. Ich habe die Information der Ticketverkäuferin noch einmal überprüft: an der Grenze gibt es eine Filiale der Bank, die schließt allerdings am Nachmittag und ich werde erst am Abend an der Grenze sein. Da ich schon in Mexiko eine Ausreisegebühr bei einer Bank zahlen musste und glücklicherweise zur richtigen Uhrzeit vor Ort war, weiß ich, dass diese Bürokratie-Geschichten Probleme geben können. Als ich die Bank erreiche, finde ich kein unübliches Bild vor: Dutzende von Menschen, wahrscheinlich sogar über hundert warten in einer schmalen Schlange vor dem Gebäude. Die möchten bestimmt ihren Halbmonatslohn abholen, denke ich mir. Dieses Verhalten ließ sich schon in einigen Ländern beobachten. Als ich mich am Eingang nach dem „impuesto de salida via terrestre“ erkundige, werde ich auf die Warteschlange verwiesen. Sie alle stehen aus dem gleichen Grund an: die geplante Ausreise aus Costa Rica auf dem Landweg. Ich frage nach Alternativen, mein Bus führe schon in einer guten Stunde. Man sagt mir, die Wartezeit betrage vier bis fünf Stunden. Nach ein wenig Diskussion erhalte ich den Hinweis, dass die Bank noch eine Filiale weiter außerhalb des Zentrums habe. Außerdem könne ich mein Ticket ja umbuchen und noch eine Nacht in San José bleiben. Ich entschließe mich, weder das Ticket umzutauschen noch mit dem Taxi zu der anderen Bankfiliale zu hetzen. Stattdessen suche ich mir eine potentielle Übernachtungsmöglichkeit in dem Grenzort heraus und betrete wenig später den Bus mit der Überzeugung, dass ich an der Grenze übernachten muss und am nächsten Morgen meine ausstehende Zahlung bei der Bank an der Grenze begleiche. Ich muss dazu sagen, dass ich bisher alle Grenzen „selbständig“ überquert habe und noch nie einen Bus vorgebucht habe bzw. mit selbigem eine Landesgrenze überfahren habe. Warum auch? Ich bekomme einen Haufen verunsichernder und inkorrekte Informationen und habe im Endeffekt zwar einen bequemeren Sitzplatz für die Dauer der Fahrt aber dafür umso mehr Stress beim Grenzübergang selber.


Wie die Geier hocken sie da.... Casco Viejo

Schnell stellt sich heraus, dass zwar offenbar die vielen Menschen aus Nicaragua, die zum Weihnachtseinkauf nach Panama wollen, die kostbare Bescheinigung benötigen, alle US- und EU-Touristen aber ohne auskommen. An der Grenze fällt kein Wort über anfallende Kosten oder fehlende Papiere. Keine Übernachtung in Costa Rica. Eine Info, die ich in einem der letzten Hostels in Nicaragua zufällig mitbekommen habe, stellt sich als wertvoll heraus. Ich habe mir über mein deutsches Reisebüro, in dem ich die Flüge gebucht habe, einen fiktiven Heimflug von Panama reservieren lassen. Und tatsächlich wird ein Rückflugticket aus dem Land verlangt. Da es auf deutsch ausgestellt ist, kann der Beamte wohl kaum nachvollziehen, dass es sich um eine nichtssagende Reservierung handelt. Ein Pärchen aus Schweden hat hingegen massive Probleme, muss lange diskutieren und soll anstelle eines Tickets 500 USD in bar nachweisen. Ich habe schon mal gehört, dass auch eine Kreditkarte die Beamten besänftigen kann und teile es den beiden verzweifelten Schweden mit. Wenige Minuten später haben auch sie ihren Stempel im Pass. Schön, wenn man sich diesen kleinen Schrecken ersparen kann. Schon oft habe ich von Reisenden gehört, die ihre Flüge irgendwo günstig im Internet geschossen haben und dann an der Grenze eine böse Überraschung erleben und teure Ausreiseflüge erstehen müssen, um ins Land einreisen oder gar den Flieger besteigen zu dürfen.

Latte Macciaoto und eine Tafel Ritter Sport dunkel mit ganzen Nüssen - wie Weihnachten!

Ein Wohngebiet in der Stadt - leider ist die Straße, die hier hinführt, für Fußgänger eine Sackgasse.

 Für mich unerwartet geht es danach mit dem kompletten Gepäck in einen abgeschlossenen Raum – Grenzkontrolle! Ich wundere mich, da ich solch gründliches Vorgehen bisher nicht erlebt habe. Die anderen jungen Rucksackreisenden berichten mir, dass es doch ganz normal sei und bisher an jeder Grenze so abgelaufen sei. Jetzt verstehe ich auch, dass ich die großen Reisebusse an den Grenzen immer überholt habe. Bisher war ich in der Regel die einzige Touristin in meinen fahrbaren Untersätzen und jeder Grenzübergang verlief problemlos und ausgesprochen schnell. Auch heute scheint sich für mein Gepäck niemand so recht zu interessieren. Das bin ich aber schon gewohnt, selbst auf Klassenfahrt in der Mittelstufe wurden ab und zu die Rucksäcke meiner Mitschüler auf Alkohol (für den wir damals noch zu jung waren) kontrolliert, meiner wurde allerdings immer ausgelassen. Ich strahle wohl ein Nicht-Schmuggler-Dasein aus. Spart auf jeden Fall Zeit und Nerven.

Fünftes Semester Bachelor: Entwurf eines Bürogebäudes - die Ähnlichkeit ist verblüffend - bis ins Detail!
Dunkler Beton und reflektierendes Glas.
Auf ins Getümmel! Hier gibt es immerhin noch Gehwege und sogar Fußgängerbrücken!

Panama. Jetzt bin ich also da – im Land der Träume des Tigers und des Bären. Ich muss unbedingt noch erwähnen, dass die Busstrecke im Süden Costa Ricas, entlang der Pazifikküste, bisher ein landschaftliches Highlight darstellt. Schroffe Felsen in der Brandung, üppige Vegetation und ein farbenfroher Sonnenuntergang machen die Fahrt zu einem Genuss für die Sinne. Und zwar nicht nur die Augen, denn: Costa Rica riecht phantastisch! Ich habe während der Fahrt das Fenster weit geöffnet und stecke die meiste Zeit den Kopf in den Wind. Es riecht nach frisch gemähtem Gras, nach Regen, nach Salz und Meer. Ach wie schön ist das Reisen im nicht-klimatisierten Reisebus.
Als ich David in Panama erreiche ist es schon lange dunkel. An der Grenze habe ich Roland kennengelernt (na gut, der Name war so ähnlich, aber ich konnte ihn mir beim besten Willen nicht merken), der ein bisschen besorgt um mich ist. Er habe selbst eine 27jährige Tochter und würde sie niemals auf diese Art und Weise alleine reisen lassen. Was denn meine Eltern dazu sagen würden. Er und ein junger Mann aus El Salvador haben auch Panama City zum Ziel und wir bemühen uns in David gemeinsam um ein Anschlussticket. Alles kein Problem, um Mitternacht können wir den doppelstöckigen Expressbus in die Hauptstadt nehmen. Vorher haben wir noch gute zwei Stunden Zeit zum Abendessen (ich kann eine Einladung nicht ausschlagen ohne auf größten Widerstand zu stoßen) und Kartenspielen. „Trio“ ist die panamesische Form von Rommé und ehrlich gesagt ziemlich langweilig im Vergleich zu der Version, die ich gerne spiele. In meinem Rucksack habe ich noch das unbenutzte Kartenspiel von Sabine gefunden, dass ich mehr oder weniger unbeabsichtigt behalten habe, nachdem es sich einmal in meinem Gepäck befand und Sabine beteuerte, dass sie es nie benutzen würde. Zwei kleine Jungs (möglicherweise aus Panama) haben sich gerade (um halb zwölf nachts) zwei Cappuccinos bestellt und wollen unbedingt mit uns „21“ spielen. Erst als die Mutter von draußen an die Scheibe klopft, verabschieden sich die aufgeweckten Kerlchen. Sechs Stunden, eine handvoll Erdbeeren und eine Mütze Schlaf später sitze ich am Busbahnhof in Panama City. Noch ist die Sonne nicht über den Horizont geklettert, also nehme ich mir Zeit, putze meine Zähne, frühstücke und besorge mir ein Metrobusticket. Das Hostel „Mamallena“ - eine der wenigen preisgünstigen Unterkünfte in der Stadt ist gut erreichbar. Noch ist für mich kein Bett frei, aber ich kann Duschen und mich ausruhen, bis gegen neun jemand auscheckt. Der Schlaf der Fahrt muss ausreichen, jetzt noch mal ins Bett gehen kommt nicht in Frage. Mit Benny und einem Deutschtürken, dessen Name ich mir – Schande über mein Haupt – auch nicht gemerkt habe ziehe ich los Richtung Casco Viejo. Fischmarkt, heruntergekommene Gasse und schließlich das historische Zentrum, das sich aus einer Mischung aus gut restaurierten und vollkommen verfallenen Gebäuden zusammensetzt. Ich verbringe einige Stunden in einer riesigen Mall und finde endlich neue Trekking-Schuhe. Günstig ist es hier sowieso und auf mein Modell gibt es noch 50% Rabatt. Jetzt kann ich endlich wieder Vulkane besteigen... Am zweiten Tag halte ich mich überwiegend im modernen Teil der Stadt auf, laufe Stundenlang umher und finde ein interessantes Gebäude. Der Wolkenkratzer, der Büros beherbergt, erinnert mich stark an einen meiner Entwürfe im Studium. Quadratische Etagen sind übereinandergestapelt und in leicht versetztem Winkel Etage für Etage gegeneinander verdreht. Echt spannend – ich habe das Gefühl, ein Gebäude zu betrachten, das ich selber entworfen habe. Mal eine ungewöhnliche Erfahrung. Betreten kann ich das wie üblich streng bewachte Gebäude leider nicht.

Weihnachtlicher Chickenbus - da hat sich jemand viel Mühe mit dem Anbringen von Lichterketten gegeben.
Tag drei ist schon fast ein Tag zu viel für die Großstadt. Ich laufe morgens einfach mal los – Richtung Osten. Es gibt noch das „ganz alte“ Panama, Panama Viejo, eine Ruine, die irgendwann mal das Zentrum dieser Stadt dargestellt hat. Der Plan, einfach mal am Wasser entlangzulaufen, geht nicht ganz auf. Die ersten Kilometer laufen gut und es gibt viel zu sehen, aber dann stecke ich plötzlich bis zum Hals in der Sch****. Na ja, nicht ganz, aber immerhin bis zum Knöchel im Schlamm. Merke: Wenn es ausschließlich eine mehrspurige Hauptverkehrsstraße gibt, versuche nicht, im Küstenbereich daneben deinen Weg zu gehen! Nach einer anstrengenden Stunde in Matsch und über „Stock und Stein“ muss ich umkehren – das führt hier zu nichts. Schließlich erreiche ich mein Ziel mit dem Bus. Gut, fast mein Ziel. Wie so oft steige ich einfach aus dem Bus und habe vor, noch ein bisschen „rumzulaufen“. Keine Minute habe ich den Bus verlassen, schon werde ich von einem freundliche Polizisten aufgehalten. Was ich hier mache, wo ich hin will.

Alt vs. neu - Ausblick vom Mirador in "Panama Viejo"

Hier ist es mal wieder zu gefährlich für allein reisende Mädels, man könne mich ausrauben. Der gute Mann ruft seinen Kollegen, der mich kurzerhand zum Eingang der Ruinen fährt. Keine Widerrede. Und die Handynummer des zweiten Polizisten muss ich mir auch notieren falls ich weitere Probleme habe. (Hatte ich schon irgendwelche Probleme?) Nach einer Tour durch die nicht wahnsinnig spannenden Mauerbruchstücke und einem Stündchen auf dem Mirador (= Aussichtsturm: fünf Minuten Ausblick, fünfzig Minuten lesen) trete ich den Rückweg an. Und es passiert schon wieder. Diesmal ist es ein Polizist auf einem Fahrrad, der mich unbedingt zur sehr nah gelegenen Bushaltestelle begleiten möchte. Gut, wenn ich ihm damit einen Gefallen tue. Als er weiß, wo ich hinfahren werde, telefoniert er einige Male und ich höre mehrfach den Namen meines Hostels. Was genau er da bespricht, weiß ich immer noch nicht. Vielleicht versichert er sich auch nur, dass der Bus tatsächlich in meine Richtung fährt. Auf jeden Fall komme ich heil an und ziehe später noch mal los, um ein paar Einkäufe zu erledigen: Sonnenmilch, Getränke und Snacks – fürs Weihnachtsfest auf hoher See.

Fünf Tage werde ich jetzt auf einem Katamaran und den San Blas Islands vor der Karibikküste Panamas verbringen. Am ersten Weihnachtstag erreiche ich voraussichtlich Cartagena in Kolumbien. Wie schön die Inseln wirklich sind, wie die Einheimischen Weihnacht feiern und ob ich seekrank werde erfahrt ihr dann nächste Woche. Um am 24. Dezember gibt es ab mittags einen kleinen Weihnachtsgruß auf einsameinsel.de!

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