Detour: Ecuador - Peru - Ecuador
Meine kleiner Abstecher nach Peru gehört nun also der Vergangenheit an. Papa tritt in Kürze seinen Heimweg an und ich bin zurück in Ecuador. Von Cusco aus hat mich ein ausgesprochen bequemer Bus in gut zwanzig Stunden zurück nach Lima gebracht. "Cama" (zu deutsch "Bett") nennen sich die bis zu 160 Grad neigbaren Sitze, die ein wenig mehr kosten als die Standard-Busplätze, aber bei einer so langen Fahrt jeden Cent wert sind (für die gut 20 Stunden zahle ich knapp vierzig Euro). In Lima angekommen habe ich wenig "Lust auf Großstadt" und entscheide mich dagegen, in den 24 Stunden die mir hier bleiben zu versuchen, so viel wie möglich von der Stadt zu sehen.
![]() |
| Ibarra: Vor fünf Jahren war hier noch ein Flugplatz - mitten in der Stadt. |
Stattdessen sortiere ich in aller Ruhe mein Gepäck (Wanderschuhe und ein paar andere Dinge nimmt Papa wieder mit nach Deutschland), gehe zur Maniküre (das habe ich in meinem Leben noch nicht gemacht) und sitze lange in einem Café zwecks Mails schreiben und Blog nachholen.
Im Minibus geht es zurück zum Flughafen, an dem ich vor gerade mal drei Wochen angekommen bin. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel mehr die Beamten am Flughafen an meiner Reiseplanung interessiert sind. Immerhin habe ich kein Flugticket aus Ecuador und man möchte ja sicher sein, dass ich mich da nicht festsetze. Nach langem hin und her, Kopieren meines Rückflugtickets aus Argentinien und ein paar weiteren Fragen bekomme ich meine Boardingkarte und meinen Ausreisestempel aus Peru.
Den Flughafen Quito erreiche ich kurz nach Mitternacht. Heute ist der 14. Februar und eines der wichtigsten Exportprodukte Ecuadors sind Rosen. Als ich die Empfangshalle des Flughafens betrete, bekomme ich zwei langstielige Rosen in die Hand gedrückt und weiß gar nicht wie mir geschieht. Ah, Valentinstag! Da muss man erst mal drauf kommen... und da ist nicht mal Werbung dran getackert! Es ist zwar fragwürdig, was ich mit meinem Rucksack unterwegs und zwei Rosen in der Hand anfangen soll, aber es gibt bestimmt noch eine gute Seele, an die man sie weitergeben kann.
![]() |
| Blick auf den Markt in Otavalo |
![]() |
| In jedem Land entdecke ich immer wieder mir bisher unbekanntes Obst. Nein, ich meine nicht die Bananen. |
Der ersten guten Seele begegne ich auch schon wenigen Minuten später. Da ich mir ein Zimmer in Flughafennähe genommen habe, hatte ich eigentlich vor, den Weg dorthin zu Fuß zurückzulegen. Die Innenstadt ist gut 30 Kilometer und somit fast denselben Betrag in Dollar entfernt – das ist mir ein bisschen zu teuer für eine Taxifahrt. Kurz nach Verlassen des Flughafengebäudes werde ich von einer älteren Frau, die gerade eine Freundin am Flughafen abgesetzt hat, gefragt, wo ich denn hinwolle. Und schon habe ich eine Mitfahrgelegenheit bis fast zu meiner Unterkunft.
Am Morgen versuche ich, den Direktbus nach Norden Richtung Otavalo zu nehmen, was sich allerdings an der mehrspurigen Hauptstraße trotz Bushaltestelle etwas schwierig herausstellt. Glücklicherweise lerne ich Alejandro kennen, der weiß, wie man mit zweimaligem Umsteigen ans Ziel kommt. Nach einer nicht auszuschlagenden Einladung zum Mittagessen erreiche ich schließlich die kleine Stadt, beziehe mein Hostelbett und erkundige mich über die Möglichkeiten an Aktivitäten im Umfeld von Otavalo. Sieben Seen und Lagunen soll es hier geben, von denen allerdings nur drei auf meiner Karte zu finden sind. Als ich mich schließlich in einem kleinen Reisebüro erkundige, lerne ich Juan kennen. Er hat mich offenbar unmittelbar als Deutsche erkannt, da er in den letzten drei Jahren immer wieder in Deutschland gelebt hat und es somit für ihn offenbar ein leichtes ist, meinen Akzent richtig zu interpretieren. Juan spielt in einer sechsköpfigen Band Violine und ist in der Vergangenheit oft in Deutschland aufgetreten. Gerade macht der „Indianer“, wie er sich selber immer wieder bezeichnet, Urlaub und hat viel Zeit. Er möchte mir seine Heimatstadt zeigen und bietet an, morgen mit mir zu einer der Lagunen zu fahren. Die im Reisebüro angebotenen Touren sind so oder so etwas überteuert und erfordern vor allem ein immer die eine gewisse Teilnehmeranzahl, die hier mit Sicherheit außerhalb der Wochenenden nicht zustande kommt. Juan berichtet mir viel über die Stadt, seine Familie und seine Musikerkarriere. Er ist mir ein bisschen zu „spirituell“, aber ansonsten ein angenehmer Zeitgenosse.
| Schönes Wetter, schöner See und gute Trekkingschuhe, die heute allerdings kaum zum Einsatz kommen (zumindest nicht an der Lagune). |
Samstagmorgen ist Markttag in Otavalo – der Hauptmagnet für Touristen. Neben dem kunsthandwerklichen Markt (auf dem ich mir vor einigen Wochen schon eine gute und günstige Hängematte gekauft habe) gibt es den normalen Obst- und Gemüsemarkt, einen Tiermarkt, eine Art Flohmarkt (gebrauchte Kleidung) und weitere kleinere Ansammlungen von Ständen, die ich nicht genau zuordnen kann. Nach einer halben Stunde umherlaufen habe ich den Eindruck, alles gesehen zu haben und wundere mich, dass tatsächlich einige Touristen nur des Marktes wegen diese Stadt besuchen. Um zehn Uhr bin ich mit Juan verabredet. Mit Bus und Collectivo erreichen wir die „Laguna de Cuicocha“, einem Kratersee mit zwei Inseln. Juan ist wider Erwarten nicht sehr daran interessiert, die rund fünfstündige Strecke um den See zu laufen. Stattdessen berichtet er mir von Sagen und Mythen, der Energie des Sees und der Bedeutung des Gewässers für ihn und seine indigenen Landsleute. Mir wird es wieder ein wenig zu spirituell und ich bin zugegebener Maßen ganz froh, nicht die nächsten fünf Stunden mit ihm um den See zu spazieren. Stattdessen laufen wir im Endeffekt den kompletten Weg zurück in den Ort im Tal, was uns gute drei Stunden kostet. Ich habe genug von indianischen Weisheiten und schlage die Einladung zum Essen mit Juans Familie zu seiner Enttäuschung aus. Es wäre bestimmt eine spannende Erfahrung geworden, aber aufgrund so einiger Bemerkungen im Laufe des Tages habe ich mich entschieden, mein Abendessen lieber alleine zu mir zu nehmen.
Sonntag nehme ich den Bus nach Ibarra, nur eine halbe Stunde nördlich von Otavalo. Ich bin immer noch auf der Suche nach der Gelegenheit, in Südamerika einmal in die Luft zu kommen. Über eine Internetsuche habe ich von einem Flugplatz mitten in Ibarra erfahren, an dem wohl vor rund fünf Jahren noch aktiver Segelflugbetrieb stattfand. Nun sieht es allerdings so aus, als seien die Flieger vollständig aus der Stadt vertrieben worden um einem riesigen Park zu weichen. Mal abgesehen von diesem Park, der gut besucht ist, ist die Stadt menschenleer. Nicht nur Geschäfte, sondern auch die meisten Restaurants und Cafés sind geschlossen. Es ist schon fast schwierig, einen netten Ort für Mittag- und Abendessen zu finden und ich bin froh, dass ich mich auch gut alleine beschäftigen kann.
Ich bin erstaunt, wie sich das Stadtbild am nächsten Morgen ändert: überall ist Leben in den Straßen, die vielen grünen Plätze im Zentrum sind belebt, an jeder Ecke laden Restaurants und Cafés zum Frühstücken ein. Heute gefällt mir Ibarra gleich viel besser als gestern, aber ich bin trotzdem etwas enttäuscht, dass ich keinen „aktiven“ Flugplatz gefunden habe – vielleicht nächste Woche (ich warte noch auf Rückmeldung per Mail).




Hi Sylvia, wenn Du Lust zum schreiben hast, lass Dich bitte nicht von ein paar Buchstabenlegasthenikern abhalten. Die können sich ja von Bild zu Bild scrollen. Es heißt zwar so schön: Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Aber ohne die netten kleinen Geschichten von Dir, sind die Bilder nur halb so interessant - wenn auch schön. Ach ja, meine Lesebrille freut sich auch zum Einsatz zu kommen.
AntwortenLöschen