Unter Teufeln: Fiesta de la Virgen de la Candelaria
Eigentlich war schon eine frühe Abreise aus Puno am Morgen des zweiten Februars geplant. Morgen würde Papa seinen sechzigsten Geburtstag feiern und es wäre schön, den Tag in Copacabana oder auf der Isla del Sol im bolivianischen Teil des Titicacasees zu verbringen. Bruno, unser Guide auf der Tagestour vom Vortag, hat uns allerdings dringend empfohlen, noch einen Tag zu bleiben und den wichtigsten Tag des zweiwöchigen "Fiesta de la Virgen de la Candelaria" mitzuerleben. Ich bin von dieser Idee ziemlich begeistert, was zu einem nicht unwesentlichen Anteil daran liegt, dass mir die Höhe noch immer zu schaffen macht und ich mich einfach zu schlapp fühle für eine längere Busfahrt, eine anschließende Bootsfahrt, Wanderung auf der Insel, Zimmersuche und alles was dazu gehört. Außerdem nächtigen wir gerade wohl in komfortabelsten Unterkunft auf unserer bisherigen Reise, haben ein tolles Frühstücksbuffet und ich kann die Abende nach einem langen Tag mit einem entspannenden heißen Bad ausklingen lassen.
Ich habe wieder kaum geschlafen, hatte immer mal wieder Atembeschwerden und bin am Morgen tatsächlich heilfroh, dass ich nicht in einen Bus steigen muss – Papa geht es ähnlich, auch wenn er ein bisschen weniger Schwierigkeiten mit der dünnen Luft hat. Schon vor dem Frühstück sind die Klänge des Festivals zu hören – Trommeln, laute Stimmen und ab und zu ein Chinaböller oder etwas ähnlich lautes. Wir gehen den Tag gemütlich an, ich rüste meine Kamera mit leerer Speicherkarte und vollem Akku aus und wir brechen auf, um uns das bunte Treiben aus der Nähe anzusehen.
In Puno gibt es eine Art Fußgängerzone – das ist ja so eine typisch europäische Erfindung, die man in Lateinamerika nicht besonders oft findet. Die schmale Straße ist mit Läden und Restaurants gesäumt, von denen heute allerdings kaum etwas zu sehen ist – es sei denn, man steht direkt davor. Menschen drängen sich dicht an dicht. Die Veranstaltung erinnert an Karneval: Unzählige Fußgängergruppen tragen Kostüme – traditionelle und moderne, schlichte und bunte, fröhliche und furchteinflößende Kostüme.
Am Vormittag findet vor der Kathedrale ein Gottesdienst statt, der wahnsinnig aufwändig vorbereitet scheint und Besucherzahlen anzieht, von denen deutsche Kirchen nur träumen können. Viele Menschen tragen riesige Blumengestecke zum Ort des Geschehens, es wird getanzt und eine Gruppe von Männern spielt Panflöte. Ich verfolge das Geschehen nur ausschnittsweise, da es sich von den ganzen Tag – von morgens bis spät abends abspielt. Am Nachmittag wird eine Straße mit riesigen Bildern aus Blütenblätter belegt, während am anderen Ende des zentralen Platzes die kostümierten Gruppen vor der Kathedrale ihre Tänze aufführen. Alles in allem erleben wir heute eine spannende kulturelle Veranstaltung, allerdings merkt man gegen Abend auch, dass die Menschen in Puno heute viel Alkohol konsumiert haben und mit der Zeit der Duft von Blumen und Essen, das an den Straßenrändern verkauft wird, unangenehmeren Gerüchen Platz macht. Am nächsten Tag würden wir weiter nach Copacabana, Bolivien, fahren und feststellen, dass auch die Bolivianier etwas zu feiern haben und offenbar noch trinkfester sind als die Peruaner.








Sag mal Sylvia, was schreibst du denn die ganze Zeit von kalten Temperaturen und heißen Duschen. Auf den Bildern sieht es doch recht warm aus?
AntwortenLöschenLiebe Grüße LS
Sonne und Wärme gehen nciht zwingend miteinander einher. Allerdings mache ich auch eher bei höheren Temperaturen Fotos, da sonst die Finger am Auslöser festfrieren (aber jetzt habe ich ja Handschuhe :)!
LöschenP.S.: Fast wie Fastnacht im Rheinland,
AntwortenLöschenLS.