Auf nach Galapagos! Anreise & Santa Cruz

20:47 Einsame Insel.de 0 Comments

In den letzten Tagen habe ich in Baños einige Aktivitäten ausprobiert, die ich zwar schon an anderen Orten gesehen habe, die mir aber meist zu teuer waren. Der Sprung von der Brücke war einerseits Adrenalin-technisch mit Sicherheit ein Highlight, hat mir andererseits auch drei Tage Nackenschmerzen beschert. Ich wäre am liebsten in das nächste Krankenhaus gegangen um mir eine Halskrause auszuleihen, habe es dann aber irgendwie auch so überstanden. Donnerstag geht es mit dem Bus über Riobamba, das gerade für einen einstündigen Stadtspaziergang und zum Frühstücken ausreicht, mit dem Bus bis Guayaquil. Vielleicht hätte ich mir die Stadt noch angesehen, die allerdings unter den Reisenden keinen besonders guten Ruf hat – sie sei laut, stressig und nicht besonders schön. Stattdessen versuche ich allerdings mit Tobi, mit dem ich schon seit ein paar Tagen in Ecuador unterwegs bin, dessen Kamera zu finden. Am morgen im Hostel war sie noch da, im ersten Bus wahrscheinlich auch, bei Ankunft in Guayaquil allerdings nicht mehr. Uns ist vollkommen schleierhaft, wie die Spiegelreflexkamera aus seinem Rucksack gestohlen werden konnte, ohne dass einer von uns auch nur einen Verdacht gehegt hat. Es gab zwar einen kurzen Moment, der sich für einen geschickten Dieb „geeignet“ hätte, dann bin ich allerdings erstaunt, dass mein Laptop nicht auch entwendet wurde (und das wäre fatal gewesen, da ich in den letzten Wochen nicht sonderlich viel über Sicherheitskopien meiner Fotos nachgedacht habe).

Diese beiden Kollegen scheinen einen Synchron-Strandlauf einzuüben. Klappt auf jeden Fall schon ganz gut, nur beim Kopfdrehen sind sie nicht immer gleich auf.

Kleines Monster - von denen gibt es an den Stränden von Santa Cruz ziemlich viele!

Wir bleiben erfolglos – sowohl bei der Wiederbeschaffung der Kamera noch bei dem Kauf einer neuen. Die Fahrt ins Stadtzentrum sparen wir uns, da unser Hostel in direkter Nähe zu einer großen Mall und dem Flughafen liegt, von dem wir morgen früh abfliegen werden. Heute besuche ich zum ersten Mal auf diesem Kontinent ein Kino. Der Besuch wird nicht ganz so ungewöhnlich wie in manchen Ländern Asiens, ich bin jedoch überrascht, dass ich einen reduzierten Eintrittspreis zahle (Lady's night!) und ganz dankbar, dass der Film im Original (Englisch) mit spanischen Untertiteln gezeigt wird. Etwas nervig ist, dass der Saal offenbar sehr schlecht schallisoliert ist, sodass ich bei ruhigeren Szenen während „The Monuments Men“ die lauteren Szenen des nebenan laufenden Filmes mitbekomme. Wer multitaskingfähig ist, kann hier vermutlich zwei Filme zur gleichen Zeit – ehm, hören.
Zurück im Hostel bin ich leicht genervt von dem Pornos guckenden Angestellten an der „Rezeption“, der uns zum wiederholten Male davon überzeugen möchte, ein Taxi zum Flughafen für den nächsten Morgen zu buchen. Ich wiederhole, dass ich sehr gerne den schnellen und günstigen Metrobus nehmen möchte – fünf Minuten, 25 Dollar-Cent. Ich liebe es, wenn Menschen das Wort „nein“ nicht verstehen...

Herrlich bunt, diese Tierchen am Strand - allerdings scheinen sie einen kleinen Gehfehler zu haben, dafür können sie aber um so besser springen!

Am Flughafen stehen wir eine geschlagene Stunde an dem kleinen Schalter an, an dem wir zehn Dollar für unsere Galapagos-Touristenkarte bezahlen müssen. Die Schlange vor uns ist von Anfang an nicht besonders lang, aber irgendwie passiert hier nichts. Im Endeffekt nimmt sich ein Mitarbeiter unserer an und sorgt dafür, dass wir unsere Quittung bekommen, damit wir endlich unsere Gepäck einchecken und unsere Boardingkarte erhalten können. Genau wie eine Handvoll weiterer Passagiere erreichen wir das Gate nur einige Minuten vor der geplanten Boardingzeit.
Ich habe mich schon so oft gefragt, warum ich so oft zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sitze und warte. Heute habe ich „endlich mal“ meine Zeitreserve vollständig aufgebraucht.
Nach zwei Stunden im A320, auf meiner Uhr allerdings nur eine Stunde später, betrete ich den Flughafen auf der Insel Baltra, die zu den Galapagosinseln gehört (Ecuador Festland und die Inseln liegen in zwei verschiedenen Zeitzonen). Mit dem Bus geht es an die Südspitze der winzigen Insel, darauf folgen fünf Minuten Bootsfahrt und eine weitere Dreiviertelstunde mit dem Bus auf der Insel Santa Cruz. Während der Fahrt fängt es an zu regnen – dabei hatte mir doch gestern noch jemand erzählt, dass er in zehn Tagen auf den Galapagosinseln keine einzige Wolke am Himmel gesehen habe.
Der Regen endet, bevor wir Puerto Ayora erreichen, den Dreh- und Angelpunkt jeglicher Cruises, Tagestouren und Bootsverbindungen. Schnell finden sich ein günstiges Hostal (15 Dollar pro Nacht – hier immer nach Personen und nicht nach Zimmern abgerechnet, was die Sache für Alleinreisende sehr angenehm macht) und eine Reihe von Reisebüros, die uns mit Informationen versorgen.
Es ist schon spannend, wie die Preise der mehrtägigen Schiffsfahrten variieren und wie viele der Aussagen, die wir in Quito bekommen haben, sich als Halbwahrheiten herausstellen. Es wird recht schnell deutlich, dass die Preise der „Cruises“ auch hier nicht unbedingt meinem Budget entsprechen und die meisten Tiere auch von den einzelnen Inseln aus ohne Bootstouren angetroffen werden können. Und selbst die Summe aus mehreren Tagestouren und Unterkunft auf den Inseln scheint deutlich günstiger zu sein, als jegliche Langzeitschiffstour.
Nur mal als Beispiel: Die günstigste Tour, die in Quito verfügbar war, wäre eine acht-tägige Tour auf einem „Touristenschiff“ (günstigste Preisklasse) gewesen für 1200$, diese Tour kostet hier noch 1000$ (wenn man einige Tage vor Abfahrt bucht). In Quito wäre außerdem für 1600$ eine Tour auf einem Schiff erster Klasse verfügbar gewesen, welche (allerdings auf einem anderen Schiff) hier nur noch 1200$ kostet und eine durchaus attraktive Route beinhaltet. Wenn man diese Preise mit denen, die man im Netz findet oder von deutschen Anbietern genannt bekommt, sind sie natürlich günstig, aber mir erscheinen sie trotzdem zu hoch. Wie viel Geld man im Endeffekt wirklich auf den Inseln loswird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.
Eine der Schildkröten im Charles Darwin Research Center auf der Insel Santa Cruz

Auf der Insel Santa Cruz lassen sich einige kostenfreie Aktivitäten finden. Immerhin zahlt man schon einhundert Dollar für den Nationalpark selber, dafür kann man ja wohl auch ein bisschen was erwarten, nicht? Meine Erwartungen an den „Darwin Research Center“ habe ich wohl etwas zu hoch angesetzt. Die Anlage ist fußläufig erreichbar, jedoch laufen wir verkehrt herum durch das Gelände, da wir offenbar die Hinweisschilder fehlinterpretiert oder teilweise übersehen haben. Ein paar Schildkröten schleppen sich träge durch ihre Gehege, allerdings ist der „Lonesome George“ vor zwei Jahren gestorben. Diese eine besondere Schildkröte war wohl die letzte ihrer Art, eine Art, die es nur auf einer der Inseln gegeben hat – so viel verstehe ich zumindest von den Ausführungen einer der zahlreichen Reiseführer, die hier mit ihren viel zu großen Gruppen durch den Park stapfen. Wirklich interessant finde ich die Information, die ausnahmsweise auch schriftlich auf einem Holzschild festgehalten ist, dass das Geschlecht einer neugeborenen Schildkröte davon abhängt, bei welcher Temperatur das Ei ausgebrütet wird – und da reden wir gerade mal von einem Temperaturunterschied von zwei Grad!

Der erste Seehund auf der Insel begegnet mir an diesem Fischstand in Puerto Ayora.
Ein paar größere Leguane liegen ebenfalls träge in ihren kleinen aus Lavagestein gemauerten Gehegen und machen einen sehr desinteressierten Eindruck an dem, was um sie herum geschieht. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich diesen Ort zu Anfang besuche, da ich alle Tiere, die mir hier heute begegnen, später auch in freier Wildbahn entdecken werde. Und Tiere in Gefangenschaft zu begutachten, nachdem man mit ihnen am Vortag am selben Strand spazieren war, wäre vermutlich nicht sonderlich spannend. Meine Vorfreude auf das „wahre Leben“ auf den Galapagosinseln ist groß und steigt mit jeder Erzählung eines Reisenden, den man unterwegs trifft.

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