Cusco, Ollantaytambo, Pinkuylluna: Auf den Spuren der Inka
Ausgeschlafen und dennoch etwas angeschlagen sitze ich am ersten Morgen in Cusco mit meinem in Puno erstandenen Alpaca-Poncho und Wollmütze am Frühstückstisch. Die Dusche war zwar heiß, aber die Luft im Gebäude ist genauso kalt wie draußen. Hauptsache, ich bekomme jetzt keine Erkältung. Ich bin nicht mal der weißen Katze, die immer wieder auf meinen Schoß klettert, böse – immerhin bringt sie mir eine Portion zusätzliche Wärme. Das Wetter ist regnerisch und meine Stimmung mittelprächtig. Ich verkünde Papa, dass ich heute eine Weile mit Schreiben verbringen möchte, da ich sonst mit dem Bloggen einfach nicht hinterherkomme. Ich darf nicht zu viel Abstand zu den Erlebnissen gewinnen, die Erinnerungen verblassen einfach zu schnell. Gerade die Details, die mir so wichtig sind, schaffen es meist nicht vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis und müssen zur Konservierung rechtzeitig niedergeschrieben werden. Wir erkunden das historische Stadtzentrum, laufen solange herum, bis der Regen uns zu nass wird und lassen uns schließlich in einem Café nieder, in dem wir viel Zeit verbringen. Jedoch nicht so viel Zeit, wie ich alleine hier verbringen würde. Nach kurzer Diskussion über das sinnvolle Nutzen der Zeit hier verlassen wir das Café, erkundigen uns über mögliche Touren nach Machu Picchu, gehen Abendessen und zurück ins Hotel.
![]() |
| Diese Tür in Cusco hat in den letzten Jahrzenten wohl schon mehr als einen neuen Anstrich gesehen. |
![]() |
| Plaza de Armas in Cusco - Ja, auch hier gibt es ganz viele Käfer! |
Irgendwie ein unbefriedigender Tag. Die Stadt gefällt mir zwar gut, aber viel mehr als Postkartenansichten von ein paar Kirchen (und die aufgrund des Regens nicht einmal in Postkartenqualität) habe ich nicht in Erinnerung. Wir haben uns zwar eine Weile ganz gut unterhalten, aber so richtig „ergiebig“ war der Tag trotzdem nicht. Ich habe schon viele solcher Tage auf meiner Reise erlebt, diese Tage dann aber meistens durch intensives Arbeiten an meinen Texten oder Fotos in den Abendstunden aufwerten können. Heute habe ich nicht viel geschafft und am Ende des Tages bin ich zu müde. Außerdem ist es kalt im Zimmer und eigentlich bin ich gerade einfach nicht gut drauf. Kommt auch mal vor. Ich schiebe es einfach mal auf den kumulierten Schlafmangel.
In Cusco gibt es mit Sicherheit noch endlos viel zu entdecken, aber da unser Rückweg Richtung Lima zwingend noch einmal hier lang führt, können wir den Ort ruhigen Gewissens nach nur einem Tag Richtung Sacred Valley verlassen. Wir wollen endlich Machu Picchu sehen, die Inkastadt aus dem 15. Jahrhundert, die wohl touristischer Hauptmagnet Perus ist. Doch der Weg ist weit und mühsam, sodass wir zunächst mit dem Collectivo bis Ollantaytambo fahren, bevor wir den beschwerlicheren Teil des Weges antreten.
Den Nachmittag in der kleinen Stadt Ollantaytambo (ebenfalls im 15. Jahrhundert entstanden) nutzen wir, um den benachbarten Berg Pinkuylluna zu erklimmen, einige Ruinen und die Stadt von oben zu betrachten. Papa bemerkt, dass ein solcher Pfad, wie wir ihn gerade gehen, bei uns gar nicht begehbar wäre, hier fehlten Absturzsicherungen und Warnhinweise. Wenn man nach deutschen oder europäischen Richtlinien ginge, könnte man diese Inkastätte wahrscheinlich nicht ohne immensen finanziellen Aufwand für Touristen zugänglich machen. An vielen Stellen bin ich mir nicht sicher, ob hier bewusst stufenartige Vertiefungen in den Fels gehauen wurden oder ob wir einfach nur auf dem natürlich gewachsenen Felsen emporsteigen. Hier und da würde der Begriff „klettern“ wohl besser passen. Wir befinden uns – endlich – auf einer Höhe von weniger als 3000 Metern und die Höhenluft der letzten Woche macht sich bemerkbar: trotz großer Steigung und eines zügigen Tempos habe ich eine ruhige Atmung und bin voller Energie. Keine Spur von Erschöpfung.
Die Ruinen haben einen gewissen Charme, aber im Grunde genieße ich den Ausblick, die Natur, die unbekannten Pflanzen in den Felsspalten und die körperliche Betätigung gerade viel mehr als den Anblick der steinernen Gebäudeüberreste. Papa erinnert mich ab und zu daran, dass er sich für mich verantwortlich fühlt „Geh nicht so dicht an die Kante ran, es ist ganz schön windig...!“ - aber das wird sich in einem Vater-Tochter-Verhältnis wahrscheinlich nie ändern und ist ja auch gut so.
![]() |
| Blogschreiben mit Handschuhen, Mütze und Schoßwärmer |












0 Kommentare: