Die beste Schokolade der Welt?

03:00 Einsame Insel.de 0 Comments

Das schönste Hostel der Stadt, das beste Essen in Ecuador oder gar die beste Schokolade der ganzen Welt? Der Reiseführer, mit dem ich gerade unterwegs sowie die Werbung an verschiedenen touristischen Zielen übertreiben gerne mal ein wenig und Superlative werden inflationär verwendet.
Wir sind gerade mit dem Bus in Mindo angekommen – zweieinhalb Stunden westlich von Quito. Die Fahrtzeit kann allerdings nicht direkt mit der zurückgelegten Strecke in Verbindung gebracht werden. In Ecuador kostet eine Stunde Busfahren im Schnitt einen Dollar – diese Faustregel hat bisher immer gut gepasst. Auf der Strecke Quito – Mindo hatte ich das Gefühl, der Bus würde extra langsam fahren, um auch die zweieinhalb Stunden voll zu bekommen. 

Ein kleiner Kakaobaum, der hier auf über 1200 Metern nicht ganz in seiner "natürlichen Umgebung" steht.


Eine günstige und gemütlich Bleibe ist schnell gefunden und wir haben gerade noch Zeit, um rechtzeitig zum Café „El Quetzal“ zu gehen. Hier gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern eine hauseigene Schokoladenherstellung mit Verkauf der Produkte. Der Reiseführer lobt neben Milchshake und Brownies auch die täglich stattfindende Tour, bei der die Herstellung von Kakao und Schokolade erklärt wird. Ich bin vielleicht etwas voreingenommen und habe hohe Erwartungen, da die Kaffeetour in Kolumbien alle meine Erwartungen übertroffen hat (was auch hier vermutlich mal wieder extrem von den Menschen abhing).
Nun geht es also um Kakao. Ein junger Amerikaner versucht uns erfolglos davon zu überzeugen, dass die ecuadorianische Schokolade die beste der Welt sei. Besonders die beiden Belgierinnen in unserer Gruppe schauen skeptisch drein. Welche Erwartungen wir an die Tour haben? Wir warten natürlich alle nur darauf, das fertige Produkt zu probieren!

Kakaobohnen während des Fermentierungsvorgangs.

Im Regen geht es erst mal nach draußen: Ein kleiner Kakaobaum trägt eher kleine und nicht so richtig reife Früchte. Mindo liegt auf 1250m Höhe – hier ist es viel zu kalt für das gute Gedeihen der Pflanze. Ecuador steht auf Platz sieben in der Rangliste des weltweiten Exports von Kakaobohnen. Hier in Mindo wird die Schokolade also auch „nur“ aus importierten Kakaobohnen gefertigt. Unser Guide lässt uns auf einem kleinen grünen Blatt herumkauen. Es ist süß, sehr süß: Stevia. Ich kenne Stevia aus Deutschland nur als extrem teures Süßungsmittel, auf der Reise ist es mir aber schön öfter als Zuckerersatz untergekommen. Wie die Blätter aussehen, wusste ich allerdings bis heute nicht – und dass sie so süß sind, hätte ich auch nicht erwartet. Hier wachsen auch Chilis, Zitronengras und Ingwer – alles mögliche Zusatzstoffe für die Schokolade.

Kakaobohnen beim Trocknen  nach der Fermentierung.

Die weitere Tour verläuft relativ oberflächlich: Wir bekommen eine Hand voll Kakaobohnen gezeigt, die sich gerade in der Fermentierung befinden (und nicht besonders angenehm riechen). Eine Bohne wird aufgeschnitten und – Überraschung – es kommt ein violettes Inneres zum Vorschein. Auf einem großen Sieb liegen Kakaobohnen zum Trocknen. Die weiteren Vorgänge bekommen wir nur in der Theorie und sehr oberflächlich erklärt, nicht mal eine Röstmaschine ist derzeit in Betrieb. Die kleine Schokoladenküche, in der angeblich jeden Tag produziert wird, ist verschlossen und wir können nur durch ein stark spiegelndes Fenster auf die Utensilien blicken. Zurück im Café warten wir alle sehnsüchtig auf die Kostprobe.

Kakaobohnen während des Fermentierungsprozesses sind innen violett.

Zu unserer Enttäuschung gibt es jedoch keine fertige Tafelschokolade zu probieren. Jeder bekommt ein winziges Plastikschälchen mit flüssiger Schokolade – allerdings ohne Zucker. Durch hinzufügen von Zucker, Ingwersirup und Chili lassen sich verschiedene Geschmackserlebnisse fabrizieren, die allerdings alle eher weit weg von der uns bekannten Schokolade sind. Würde sich der körnige Zucker in der Schokoladenmasse läsen, käme es dem vielleicht etwas näher. Hier und da sieht man ein verzogenes Gesicht und so richtig begeistert ist niemand. Ein kleines Stück Brownie kommt da unseren Geschmäckern etwas näher, bewegt uns aber nicht dazu, eine von den winzigen und aus meiner Sicht stark überteuerten Tafeln zu kaufen. Eigentlich ist das ja eine nette Idee, hier oben im „Cloudforest“ Schokolade zu produzieren und die Herstellung den Touristen näher zu bringen, aber die Tour im „El Quetzal“ hat mich leider wenig überzeugt.

So sieht das fertige Endprodukt aus - für meinen Geschmack etwas zu teuer.



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