Wieder „alleine“ unterwegs

10:13 Einsame Insel.de 2 Comments

Da ist er, ganz plötzlich: der dritte Abschnitt meiner Reise. Vielleicht auch der vierte, alles eine Frage der Sichtweise. Ein paar Wochen mit Debbie in Mexiko, danach war ich überwiegend alleine unterwegs, gerade drei Wochen mit meinem Vater in Peru und nun ist wieder mein Rucksack der einzige Wegbegleiter, den ich Tag für Tag zu Gesicht bekomme. Zumindest für den Augenblick. Was ist denn jetzt anders? Nicht viel und irgendwie doch alles. Ein kleiner Einblick in die letzten Stunden: Wir laufen zu zweit in dem kleinen Ort Pisac Richtung Hauptstraße, irgendwo dort muss der Bus Richtung Cusco abfahren. Papa hat noch zehn Tage Peru vor sich, bevor es für ihn wieder nach Hause und zurück in den Arbeitsalltag geht. Bevor wir überhaupt über den Abschied nachgedacht haben, dringt an unser Ohr das Rufen eines Peruaners „Cusco, Cusco, Cusco...“. Jetzt geht alles ganz schnell: Mein Rucksack wird ins Gepäckfach verfrachtet und ich werde schon fast gedrängt, zügig in den Bus einzusteigen. Eine kurze Umarmung, ein gegenseitiges „Gute Reise“-Wünschen und eine letzte – fast schon besorgt klingende Frage von Papa „Hast du alles?“ - und schon sitze ich in dem vollen Bus mit viel zu schmalen Sitzen. Ein kurzes Winken und schon habe ich nur noch Menschen um mich, die ich noch nie zuvor gesehen habe.
Ein Unterschied vom Familienurlaub zum Alleinreisen: es gibt aus der Zeit in Peru so viele Fotos von mir - das wird sich jetzt wieder ändern! Die Aufnahme ist entstanden im Urubamba-Tal

Eine Stunde später bin ich in der Stadt, in der ich letzte Woche schon einmal zwei Tage verbracht habe. Nun allerdings alleine. Es regnet, die Dämmerung bricht gerade herein. Ich weiß in etwa, in welcher Gegend es einige Hostels gibt, die aufgrund ihrer Bewertung auf einigen Websites einen guten Eindruck machen. Ich ziehe nicht in Betracht, ein Taxi zu nehmen. Ich laufe los, der Regen stört mich nicht, ich gehe in meinem eigenen Tempo, kreuze zügig dicht befahrene Straßen und muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Klingt egoistisch, ich weiß. Trotzdem – ich finde es gerade unglaublich befreiend, einfach „mein Ding“ zu machen. Einfach mal schauen, wo es mich hintreibt, wo ich ein Bett für die Nacht bekomme, was oder ob ich überhaupt zu Abend esse (ich lasse es einfach ausfallen). Ein Bett ist schnell gefunden, der Check-In geht schnell, man spricht hier Spanisch UND Englisch, man zeigt mir mein Zimmer, mein Bett, mein abschließbares Schränkchen. Ach ja, ich muss ja mein Bett selber beziehen, das hatte ich ganz vergessen – und mich schon daran gewöhnt, dass es nicht jeden Tag zu meinen Aufgaben gehört. Ein Sechser-Zimmer ist es geworden, eine Norwegerin begrüßt mich freudig und ich richte mich ein. Neben dem Bett ist eine Steckdose, eine Leselampe und eine kleine Nische als Nachttischersatz. Das Signal vom Wlan ist sehr gut und ich muss nicht damit rechnen, dass der Router einfach um zehn Uhr abends ausgeschaltet wird (das passiert in kleinen Hotels des Öfteren). Das Bett ist allseitig von dünnen Holzwänden eingefasst, sodass man schon fast von „Privatsphäre“ sprechen kann. Die Duschknöpfe sind vollkommen logisch beschriftet: H = Cold und C = Hot – keine Ahnung, warum ich auf die wahnwitzige Idee kam, es könne sich genau andersherum verhalten.

Nette Hinweise im Hostel in Cusco - diese Dinge, die einem zwischendurch ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, habe ich vermisst!


Knapp zusammengefasst: Ich bin wieder in einem Hostel – mit anderen Reisenden, Backpackern, Gleichgesinnten. Ich möchte gar nicht bestreiten, dass ich die letzten drei Wochen genossen habe und das jede Form des Reisens seine Vorzüge hat. Ich stelle einfach fest, dass ab heute wieder alles ganz anders ist und dass ich mich auf den nächsten Reiseabschnitt freue. Neue Menschen, neue Orte, neue Erfahrungen! Besonders spannend finde ich den krassen Bruch: von heute auf morgen wechsele ich wieder vom „Familienurlaub“ zur Solo-Rucksackreise. Interessant ist es vor allen Dingen, denselben Ort zweimal zu betreten, unter ganz unterschiedlichen Randbedingungen. Nach ein paar Stunden in Cusco an diesem Abend kann ich nur sagen: Es fühlt sich ganz anders an. Nicht besser, nicht schlechter – einfach ganz anders! Auf ins Abenteuer!
In mir brodelt gerade wieder eine neue, riesige Motivation, meine Reise fortzusetzen. Wo die herkommt, ist allerdings eine längere Geschichte. Auf jeden Fall trete ich morgen mit größtem Vergnügen meine über zwanzig stündige Busfahrt nach Lima an, um dann übermorgen zurück nach Quito zu fliegen, wo ich meine Reise vor drei Wochen sozusagen unterbrochen habe.

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2 Kommentare:

  1. was drei Wochen Familienurlaub schon wieder rum. Hatte das Gefühl Hans-Michael wäre erst vor kurzem angekommen. Bin gespannt auf Deine nächsten Berichte. Schade, dass Dein Papa nicht so schreibfreudig ist. Wie lange bist Du denn noch on tour?
    LG
    L.

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  2. Bin gespannt wie es dir erneut -wieder alleine- in Quito gefällt. Ich hoffe so gut wie letztes mal (oder besser), und das auch die fortsetzung wie erhofft ist ;-)
    Danke auch für deinen Bericht, werde da aber noch separat auf antworten.

    ach ja...Happy Valentine's Day ;-P

    Lilian

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