Maybe you'll return to Managua

11:22 Einsame Insel.de 1 Comments

Managua gehört zu diesen Städten, von denen man im Vorfeld nicht so genau weiß, ob sie sehenswert sind oder nicht. Der Hauptgrund, hier eine Nacht zu verbringen ist vor allen Dingen der, dass von hier Verbindungen zu den „Little Corn Islands“ im Karibischen Meer bestehen. Die Variante mit dem Flugzeug ist definitiv um einiges teurer, aber auch nur eingeschränkt flexibler. Zwar gibt es jeden Tag Flüge, jedoch möchte ich mich nicht auf einen Rückflugtermin festlegen. Der Land- bzw. Wasserweg gilt als äußerst langwierig und mühsam, aber irgendwie möchte ich auch die Karibikküste des Festlandes sehen. Ich hatte mir sowieso vorgenommen, so viel wie möglich „on the surface“ zu reisen und nur wenn es zeitlich knapp wird zwischendurch zu fliegen.

Ein Mandala aus Felgen - mal wieder bin ich in einer dieser Auto-Ersatzteil-Straßen gelandet.
In San Salvador war es ein ganzes Viertel.


Ich habe einen langen Tag León-Sightseeing und eine zweitägige Vulkanbesteigung hinter mir und bin froh, im „Backpacker's Inn“ in Managua ein bequemes Bett vorzufinden. Auf die knapp zweistündige Busfahrt von León folgte ein erstes überraschendes Erlebnis an der Bushaltestelle in Managua: Ein älterer Herr, der uns erklärt, welchen Bus Sabine (Deutsche, die ich in León kennengelernt habe) und ich zu unserem Ziel nehmen könnten, weist uns plötzlich hektisch auf einen haltenden Bus hin, der schon im Begriff ist, weiterzufahren. Nicht bedacht weil uns nicht bekannt hatten wir das Kartensystem der hiesigen Busse: Mit Bargeld kommt man hier nicht weit. Auch wenn der Bus nur zwei fünfzig kostet (weniger als zehn Cent), helfen uns unsere Münzen und Scheine nicht weiter. Ein Verkaufsstand oder Automat ist ebenfalls nicht in Sicht. Wir sind im Begriff, den Bus wieder zu verlassen, als uns der gute Mann seine Karte anreicht, damit wir sie vor das elektronische Lesegerät halten und unseren Fahrpreis entrichten können. Es bleibt genug Zeit, die Karte zurückzugeben, jedoch nicht, um den Fahrpreis zu zahlen. Der freundliche Nica winkt ab und freut sich, uns helfen zu können. Es scheint für ihn vollkommen selbstverständlich zu sein! Wunderbar! Wer weiß – vielleicht hätten wir am Ende ein teures Taxi nehmen müssen, wenn wir nicht an eine Buskarte gekommen wären. Ich denke noch darüber nach, ob ich ehrlich von mir sagen könnte „Ich hätte das Gleiche getan.“ - Schwer zu sagen, in Deutschland kann ich mir diese Situation eigentlich gar nicht vorstellen. Gerade erinnere ich mich aber daran, auf meiner Reise von El Salvador nach Nicaragua mit ein paar Münzen ausgeholfen zu haben, da sie ihr Busticket nicht zahlen konnte (das lag in dem Fall glaube ich an mangelndem Wechselgeld des Busfahrers). Was ich sagen möchte: An diese „selbstverständliche Hilfsbereitschaft“ kann ich mich durchaus gerne gewöhnen, vermute aber, dass ich zurück in Deutschland schnell enttäuscht werden würde, wenn ich auch hier Ähnliches erwarten würde. 

Merkwürdige Kirche in Managua
 Managua. Tag eins. Ausgehend von der Annahme, heute Abend die Stadt zu verlassen, bereiten wir unsere Rucksäcke für eine längere Reise vor - nach meiner Vulkantour ist alles Kreuz und quer in meinem großen Rucksack gelandet. Den Tag möchte ich gerne nutzen, einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, auch wenn es hier wohl kaum „Sehenswürdigkeiten“ gibt. Der „Mercado Oriental“ soll von Touristen gemieden werden, sagt mein Reiseführer. Ich richte mich ja nicht besonders gerne nach den Tips und Hinweisen im „Lonely Planet“, aber im Moment ist das die einzige Information, die ich habe. Wieder einmal bin ich froh, meine Moving Map zu haben und somit auch trotz eines allgemeinen Mangels an Straßenschilder immer zu wissen, wo ich bin. Den Kompass habe ich kaum noch benutzt, seit ich mich an Sinas altes Samsung Smartphone für Dummies gewöhnt habe. Ich mag ja viel Zeit vor dem Rechner verbringen, aber bis kurz vor meiner Reise kam ich ganz wunderbar mit meinem guten alten Nokia Tastentelefon klar. Palacio National, ein Theater, die ein oder andere Kirche und der Parque Publico scheinen die markantesten Eckpunkte des „Zentrums“ zu sein. Dachten wir. Wir stoßen auf den oben genannten Markt und sind uns einig, dass er das „Highlight“ des sogenannten Stadtzentrums darstellen könnten. Ein Verkehrspolizist bestätigt mir, dass es sicher genug sei, um herumzulaufen. Heute sei die Polizei auf dem Markt vertreten. Davon sehe ich zwar in der nächsten Stunde nichts, aber ich bin froh, dass wir uns für den Markt entschieden haben.

Feuerwerksverkaufsstand - alles, was das Herz des Pyromanen begehrt
 Zuckerrohr-kauend sehen wir uns zwischen den Ständen um. Schnell wird klar, dass Touristen – und dann auch noch zwei blonde blauäugige große Frauen – eine wahre Rarität sind. Als ich meine Kamera heraushole ist es passiert: die Aufmerksam der mich umgebenden Händler ist mir sicher: Es wird hin- und hergerufen, wen ich fotografieren möge und wer für mich posieren soll. Als hätte man seit Tagen darauf gewartet, endlich mal wieder fotografiert zu werden und sich danach auf einem kleinen verkratzten Display zu bewundern. Aber diesen Wunsch erfülle ich doch gerne. Diese gestellten Aufnahmen werden zwar nicht besonders toll (vor allem weil ich heute nur das Weitwinkelobjektiv dabei habe), aber bescheren mir das ein oder andere Lächeln. 







 
Auf dem Markt gibt es köstlichen Milchreis mit Zimt und die typischen frittierten Hähnchenteile, die nicht ganz meinem Geschmack entsprechen. Passionsfrüchte schmecken hier köstlich! Sie kommen fast an meine geliebte „Mangosteen“ heran.
Mein vorgeschädigter Fuß schreit nach einer Pause, aber so lange wir auch suchen, wir finden kein Café, kein kleines Restaurant, keine Möglichkeit eine gemütliche Pause einzulegen. Der zentrale Park lädt kurz zum Verweilen ein, wir erhoffen uns aber immer noch ein „Zentrum“ in der näheren Umgebung. Palacio Nacional und einige umliegende öffentliche Gebäude sind nicht erreichbar, da das Gelände wegen einer Veranstaltung gesperrt ist. Wir laufen an mehreren kitschigen Weihnachtskrippen vorbei und entschließen uns nach einer Weile, den Rückweg anzutreten. Schließlich wollen wir ja heute Abend noch mit dem Bus nach El Rama fahren. Aber es kommt ja immer alles anders, als man denkt. Ich werde über die langwierige Reise zur "Little Corn Island" bald berichten!

Rolf hat mich auf eine Liedzeile von Frank Zappa aufmerksam gemacht:

Maybe you'll return to managua
You could go unnoticed in such a place.

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1 Kommentar:

  1. Hi Sylvia! Super Berichte, ich hab grad wieder fleißig gelesen und dachte mir ich muss endlich auch mal kommentieren! ;) ich saß grad vor google maps und hab versucht die orte zu finden und mal zu schauen, wie weit du schon gekommen bist :)
    ich wünsch dir weiterhin ganz viele super erlebnisse und abenteuer!
    viele grüße aus Südafrika, Claudi

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