Von Xela zum Lago de Atitlán - 45km per Pedes - Teil I

07:47 Einsame Insel.de 9 Comments


Ich mag mich schon mehrfach über den Platzmangel in den "Chickenbuses" beklagt haben, aber im Vergleich zur jeglicher unmotirisierten Fortbewegungsart ist wohl jede Art von Bus eine komfortable Variante. Warum also kommt man auf die Idee, die rund 45 Kilometer große Distanz von Xela (Quetzaltenango) zum Atitlánsee zu Fuß zurückzulegen? ...zwei Tage Laufen statt zwei Stunden Busfahren? Literweise Wasser und Lebensmittel schleppen, zwei Nächte auf einer Isomatte und im Schlafsack schlafen, früh aufstehen... Berge von über 3000 Metern Höhe überqueren statt den asphaltierten Panamerican Highway zu nutzen? Warum tue ich mir das an? Bin ich eigentlich von allen guten Geistern verlassen?
Ist es dieser Anblick wert, zweieinhalb Tage durch Guatemala zu latschen? Es gäbe mit Sicherheit auch einfacherei Wege...
(Sorry für die schlechte Bildqualität... blogspot scheint die Farben automatisch zu korrigieren).
Diese Fragen schwirren mir besonders am Samstag immer wieder im Kopf herum. Besonders sportlich war ich noch nie. Klar, irgendwas macht man immer um sich allgemein fit zu halten, aber ich hatte nie eine besonders gute Kondition, Ausdauer oder einen übermäßigen Ergeiz was das Sportliche betrifft.


Da muss ich jetzt wohl durch. Das habe ich mir selber eingebrockt und es führt kein Weg mehr dran vorbei. Und der Rucksack wird ja auch leichter, wenn wir erstmal die erste Mahlzeit hinter uns haben...
Mit einem lokalen Bus fahren wir einige Kilometer aus der Stadt Xela raus, um nicht die ersten Stunden in der "Großstadt" auf asphaltierten Straßen zu verbringen.
Tag eins zehrt am meisten an meinen Kräften. Die vier Liter Wasser in meinem Rucksack erscheinen vollkommen überflüssig, da die Temperaturen fünfzehn Grad nicht überschreiten und mein Durst sich selbst bei größeren Anstrengungen in Grenzen hält. Besonders die Tatsache, dass am ersten Etappenziel durchaus trinkbares Wasser durchaus käuflich zu erwerben ist, vergrößert meinen Unmut über das stundenlang geschlappte Gewicht (das erinnert mich an die Diskussion, dass es das Wort "to schlepp" angeblich auch im Englischen gibt... zumindest in Australien).
Nunja, viel mehr möchte ich auch nicht jammern, da der Trip insgesamt eine wunderbare Erfahrung ist. Die Gruppe ist "divertido", wir haben eine ganze Menge Spaß und ich gewöhne mich daran, in den nächsten Wochen wieder ein bisschen (körperlich) aktiver zu sein. Wenn ich höre, dass andere bereits Himalaya und andere Extremerlebnisse hinter sich haben... Ich beschränke mich dann wohl eher auf Extrem-Blogschreiben und -Fotografieren.












Um halb sieben am Samstagmorgen starten wir mit einem Frühstück in den "Räumlichkeiten" von Quetzaltrekkers in Xela, gegen fünf am späten Nachmittag erreichen wir nach gut 20km in Höhen von bis über 3000m den kleinen Ort Santa Catharina, in dem wir unsere erste Nacht verbringen. Wir rollen unsere Isomatten in der angemieteten Stadthalle aus, trinken heiße Schokolade (zu irgendwas muss das übrige Trinkwasser ja noch zu gebrauchen sein) und freuen uns auf das Abendessen. In Gruppen von zwei bis drei Personen dürfen wir vor oder nach dem Abendessen eine Mayasauna genießen. Ich bin anfangs äußerst skeptisch, zumal ich in Deutschland kein großer Fan von Saunen bin. Die Lufttemperatur ist heute besonders niedrig, es hat kurz geregnet und ich bin nicht sonderlich scharf darauf, mich in der Kälte "umzuziehen". Andererseits steht für die nächsten 24 Stunden auch keine Dusche in Aussicht.
Die Sauna ist im Grunde eine kleine Wellblechhütte mit einer Gesamthöhe von vielleicht 1,40m. Wir quetschen uns auf die kleine Holzbank und versuchen dabei, das vor Ruß schwarze halbrunde Dachwellblech nicht zu berühren. Die Temperatur ist angenehm warm, nicht zu heiß, die Luftfeuchte nicht zu hoch (ich bin ein Weichei was Sauna angeht). Das Beste sind jedoch die drei großen Bottiche mit Wasser: einer kalt, einer heiß und einer zum Mischen. Es ist herrlich, sich das perfekt auf die eigenen Bedürfnisse gemischte "Badewasser" über den Körper zu schütten. Und noch besser: als wir das kleine Häuschen verlassen, ist mir nicht mehr kalt und ich habe kein Problem in einem verhältnismäßig dünnen Schlafsack auf einer dünnen Isomatte in dem "Festsaal" der kleinen Ortschaft zu übernachten.
Am Abend taucht unerwartet eine Gruppe indigener Künstler auf und führt uns eine kleine Geschichte der Mayas vor - ich verstehe allerdings inhaltlich nicht so viel, da die Sprache von viel Trommellärm begleitet wird. Ein schöner Abschluss für den ersten Tag unserer Wandertour. Noch ein paar Seiten lesen und dann ganz schnell schlafen - morgen geht es wieder um sechs Uhr los!







Dieser Ausflug wurde mit freundlicher Unterstützung von Schorsch & Lioba durchgeführt. Ganz herzlichen Dank dafür!

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9 Kommentare:

  1. Endlich ist das Kommentarfeld wieder dar und ich kann der Begeisterung vieler Mitleser Ausdruck verleihen, die bisher nicht die Möglichkeit hatten. Gerade habe ich den Sound von Guatemala gehört (beim Skypen mit Sylvia) und muss jetzt weiterlesen. Bils bald :-)

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  2. Hi Sylvia, der Ausflug war ja ziemlich anstrengend für Dich. Vielleicht hätten wir Dir doch etwas anderes schenken sollen?

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  3. Der Ausflug war super! Bin leider noch nicht fertig geworden mit diesem Eintrag, wollte ihn aber schon online stellen, da er u.a. als Kontaktmöglichkeit für die Wandertruppe dienen soll.
    Ich bin halt einfach nicht fit genug gewesen :-P aber das war schon eine echt schöne Tour. An dem Sonnenaufgangsfoto kann man ja auch erahnen, wie die landschaftlichen Eindrücke waren... werde den Bericht die Tage fortsetzen!

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  4. Ich find's toll, dass Ihr auch mal abseits der Aspaltbänder über Pfade ein Land erkundet. Man macht ja oft dort die authentischsten Erfahrungen, wo sich nicht alles tummelt. Interesanterweise lese ich gerade parallel in Wikipedia, dass es dahoam im Handwerk bisweilen sogar Wander*pflichten* gab, um -mit neuen Erkenntnissen und Lebenserfahrung ausgestattet- in die Rolle des (Lehr-)Meisters schlüpfen zu können...

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  5. Wow, die Bilder allein schon sind der absolute Hammer! Sieht echt nach einer tollen Landschaft aus. Viel Spass weiterhin! LG

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  6. Hi Sonja!

    Jetzt kann ich auch mal was schreiben!

    Dein Blog ist echt super gelungen und die Fotos sind total schön. Deinen Blog habe ich auf meine Favoritenliste gespeichert und schaue ihn mir beim Frühstück an. Dass tut der Seele viel mehr gut als irgendeinen Online-Zeitungsbericht zu lesen. Da kommt man echt ins Träumen und ein bisschen Fernweh schwingt auch immer mit.

    Ich melde mich bald wieder, lass es dir gutgehen bis dahin!
    Christina (Winterscheid)

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    1. Sorry Sylvia, ich hatte gerade mit einer Freundin geschrieben, die Sonja heißt, die hat mir von ihrer Reise nach Vietnam erzählt, da war ich grad noch in Gedanken, bitte verziehe mir die falsche Begrüßung und dichte sie dir gedanklich nochmal um :)!

      Christina

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    2. kein Problem, Christina, du bist nicht die erste, die mich Sonja nennt =)
      Fernweh ist ja zum Glück ein eher angenehmer "Schmerz" ;)

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  7. Querida hija,
    estoy muy contenta leer tus comentarios de tu viaje y mirar tus fotos.
    Pero estoy trabajando tanto que no tengo tanto tiempo. Espero encontrar mi palabra llave de skype para hablar contigo.
    Viel Spaß und alles Gute weiterhin auf deiner Reise. Ich vermisse dich und freue mich über jedes Foto.
    Stell dir vor, ich hätte in deinem Alter auch so tolle Reisen unternommen, dann gäbs dich vielleicht gar nicht...
    Und die Stoffe aus Guatemala finde ich immer noch wahnsinnig schön.
    Alles Liebe,
    Mutti

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