Von Xela zum Lago de Atitlán - 45km per Pedes - Teil II
Aus gegebenem Anlass bemühe ich mich heute endlich, den zweiten Teil unserer Guatemalawanderung darzustellen (
hier findest du Teil I). Morgen gehe ich wieder mit "Quetzaltrekkers" auf Tour - diesmal von León in Nicaragua aus. Jetzt aber erstmal zurück zum Atitlansee.
Trotz der Nacht auf einer dünnen Isomatte in einer großen Halle mit fast zwei Dutzend Personen bin ich ausgesprrochen ausgeschlafen und fit für den bevorstehenden Tag. Gefrühstückt wird in einem lokalen Comedor: es gibt Reis, Frijoles (Bohnen) und Tortillas, dazu ein undefinierbares, sehr süßes Heißgetränk. Möglicherweise ist es einfach sehr sehr dünner Kaffee, schwer zu sagen.
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| Ein wunderschöner Baum in einer wolkenbedeckten Landschaft |
Ich kann meine Augen nicht vom Himmel lassen: Überall stehen Lenticulariswolken und ich kann es einfach nicht lassen und muss die ganze Zeit ans Fliegen denken. Wenn ich doch jetzt die Libelle hier hätte... Genug geträumt. Nun wird gelaufen. Heute stehen gute zwanzig Kilometer auf dem Programm, größtenteils wohl nicht so steil wie gestern.
Die Landschaft ist vielfältig, die Verpflegung ist gut und die körperliche Belastung hält ich in Grenzen. Anstrengend wird es, als wir ein kleines "Rennen" starten, um den steilsten aller Hänge hinaufzulaufen - als kleine Motivation für einen schnellen und kurzen Aufstieg. Irgendjemand habe wohl einen Rekord von neun Minuten und ein paar Sekunden aufgestellt - allerdings ohne großen Rucksack. Nun gut - auf geht's. Nach gut dreizehn Minuten erreiche ich den "Gipfel" und es hat mich fast keiner überholt, ich bin fast ein bisschen stolz auf meine Leistung. Zur Belohnung gibt es Bonbons von unseren Guides - Kokos und Pfirsichkaubonbons, genau das, was ich jetzt brauche. Die weitere Strecke ist im Vergleich ein Spaziergang und ich beschäftige mich gefühlt mehr mit meiner Kamera als mit bewusstem Wandern. Uns erwischt ein zehnminütiger Regenschauer, ansonsten werden wir nur beim Durchqueren von kleineren Flüssen nass - neunmal kreuzen wir etwa halbmetertiefe Gewässer - bin ich froh, dass ich meine Trekkingsandalen dabei habe!
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| Lentis! Oder: meine ständige Begleiterin, die Flugsucht! |
Trotzdem kommen die meisten Pausen sehr gelegen und als wir einen kleinen Laden in einem der Dörfer erreichen, gitb es kaum einen, der kein "Sarita"-Eis kauft. Nach einer kurzen Diskussion, in welchen Ländern es denn nun "Magnum" gibt (Australien ja, USA eher unbekannt, Europa eher verbreitet...) setzen wir unseren Weg fort. Mara tätigt einen kurzen Anruf, um unsere "Smoothie"-Bestellung durchzugeben. Irgendwie eine sehr surreale Situation: wir befinden uns irgendwo mitten in der Wildnis (zumindest habe ich den Eindruck und das Gefühl, dass ich weit weg von jeglicher Zivilisation bin) und rufen im nächsten Ort an, um weiterzugeben, wie viele Getränke mit Erdbeere, wie viele mit Ananas und welche davon mit Milch und welche mit Wasser zubereitet werden sollen. Als wir das kleine Dorf, in dem wir unsere zweite Nacht verbringen werden, erreichen, kommt die bereits fertige fruchtige Erfrischung natürlich mehr als gelegen.
Endlich aus den verschwitzten Klamotten raus (dem ein oder anderen wäre ich dankbar gewesen, er hätte schon am Morgen ein frisches Tshirt angezogen...) und den Abend genießen! Es ist wieder relativ kühl und wir sind dankbar für das gerade entfachte Lagerfeuer.
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| Mittagspause - es ist doch leichter, die Lebensmittel im Bauch zu tragen als im Gepäck im Rucksack! |
Das Abendessen ist grandios: gegrilltes Hähnchen, Reis, Nudeln, Gemüse, frischer Salat und Zimttee. Zum Nachtisch gibt es eine amerikanische Camping-Spezialität, die ich bisher nicht kannte: Smore's. Über dem Feuer werden Marshmallows gegrillt (das deutsche Wort "Mäusespeck" finden die Mädels aus den Staaten übrigens ausgesprochen komisch) und im knusprig-schmelzenden Zustand zwischen Schokokeksen eingeklemmt und als Sandwich gefuttert. Eigentlich wird wohl eine ganz spezielle Kekssorte verwendet und Hershey's Schokolade, aber beides ist hier wohl schwer bis gar nicht zu bekommen. "Smore's" ist dann wohl irgendwie eine Abkürzung für "You want some more(s)?" oder so ähnlich. Ich weiß jedenfalls in Zukunft, was gemeint ist.
Während die meisten früh ins Bett gehen, sitzen wir in einem kleinen Grüppchen noch eine Weile am Feuer und genießen die Ruhe. Als irgendwer nochmal wiederholt, dass wir ja um 3:45 aufstehen müssen, entscheiden wir uns doch alle ganz schnell ins Bett zu gehen.
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| Erster Schritt der Zubereitung von Smore's: Marshmellows grillen |
Bewaffnet mit Kopflampen starten wir unseren letzten gemeinsamen Wandertag. Es geht überwiegend an einer asphaltierten Straße entlang, sodass das fehlende Sonnenlicht kein Problem darstellt. Wir warten gegen fünf eine Viertelstunde auf das Eintreffen eines Streifenwagens. Zwei Polizisten begleiten uns auf den nächsten Metern - hier kam es in der Vergangenheit wohl schon zu überfällen. Gerade rechtzeitig erreichen wir unseren Aussichtspunkt - eine große Wiese, von der aus wir einen hervorragenden Blick über den Lago Atitlán haben, den ich jetzt zum ersten Mal seit meiner letzten Spanischstunde in San Pedro wiedersehe. Schnell die Isomatte ausgebreitet und das Stativ aufgebaut: ein Kilogramm Gewicht, das ich seit zwei Tagen quer durch Guatemala trage, nur um heute den Sonnenaufgang "unverwackelt" einfangen zu können. Einige Wolken schieben sich vor den Vulkan San Pedro, aber insgesamt bietet sich uns ein ausgesproche schöner Anblick. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt!
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| Da ist sie tatsächlich zu sehen, die Sonne! Den Anblick vor Sonnenaufgang mit den Lichtern der Stadt finde ich fast schöner! |
Der Abstieg nach San Juan ist leicht und nicht allzu lang. Wir legen eine kurze Gruppenfoto-Gipfelkreuz-Pause und eine Ananas-futter-Pause ein und erreichen schließlich den Fuß des Berges. Hier wird noch der Parkeintritt entrichtet - auch irgendwie komisch, wenn man ein Schutzgebiet durchs Hintertürchen betritt und den Eintritt beim Verlassen bezahlt. Nach einem weiteren Stopp bei einer Kaffee-Cooperative gibt es Mittagessen in San Juan. Ich muss mich ein wenig beeilen und bald ein Tuktuk in das wenige Kilometer entfernte San Pedro nehmen, um kurze Zeit später wieder zu meinem alltäglichen Spanischunterricht mit Teresa zurückzukehren. Ihr könnt euch vorstellen, wie müde ich abends ins Bett falle!
Ich möchte euch gerne noch weitere Fotos von den drei Tagen mit Quetzaltrekkers zeigen - mehr oder weniger in chronologischer Reihenfolge:
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| Unvorstellbar, mit welchem Aufwand diese Menschen Holz beschaffen. |
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| Bergziegen nennt man diese Tiere dann wahrscheinlich... |
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| Mittagessen: Salat, Brot, Humus, Avokado... |
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| Richtig lecker! Besonders die Guacamole... |
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| Wolken ziehen vorbei... dunkel und hell... langsam und schnell... |
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| Neugieriges schwarzes Schweinchen - hatte die Nase fast in meinem Objektiv stecken! |
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| Unterkunft erste Nacht |
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| Der Sonne entgegen am Morgen des zweiten Tages |
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| Die vier bitten mich, ein Foto von ihnen zu machen. Trotzdem versteckt sich einer von ihnen unter seiner Mütze. |
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| Ooohhh - ein Fotomotiv! |
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| Tatsächlich ein farbenfrohes Tierchen auf einer ebensolchen Blüte! |
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| Steffi macht sich einen Spaß daraus, mit diesem Tierchen ein paar Mädels zu erschrecken. |
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| Unfassbar weich, die kleine Schlange! |
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| "Mannshoher" Mais - oder eher doppelt-mannshoher Mais |
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| Reis, Bohnen, Avocado - typisch Guate! Hauptache, ich habe mein Extra-Salz! |
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| Flussüberquerung die Dritte! Erfrischend anders! |
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| Marshmallowgrillen! Gleich gibt es Smore's! |
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| Ungewollte Doppelbelichtung beim Verschieben des Stativs. |
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| Jetzt geht es abwärts Richtung San Juan auf Seeniveau. |
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| Eins der Mädels aus Xela. |
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| Unbekanntes Flugobjekt! |
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| Grooooße Gruppe kurz vor Erreichen unseres letzten Tageszieles. |
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| Indian Nose - um 90 Grad gedrehtes Foto, um den Namen des Berges besser erkennen zu können! |
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| So wird Kaffee richtig gemacht! Für mich allerdings mit ganz viel Milch: Leche von Café |
Love your pictures! Es ist schon eine ganz schön harte Entscheidung, Kameraequipment über lange Wege zu schleppen. Schön, wenn es sich dann so lohnt, auch die Fotos ohne Stativ :-)
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