Wunderheilung nach Mayaart - die letzten Tage in San Pedro

08:22 Einsame Insel.de 2 Comments

Meine Zeit in San Pedro ist um, die letzten Hausaufgaben sind erledigt und der Rucksack ist gepackt. Morgen geht es weiter in die Landeshauptstadt. Dachte ich zumindest. Aber es kommt ja immer alles anders als man denkt. Es ist Freitagabend und heute gibt es das Abendessen nicht „zuhause“ in der Familie sondern in der Schule. Lia und einige andere Mütter haben in den letzten Wochen an einem Kochkurs teilgenommen, der von der Schule organisiert wurde und heute zu Ende geht. Heute morgen haben wir bereits auf dem Markt eingekauft: fünf Pfund Kartoffeln, zehn Pfund Hähnchen, fünfzehn Orangen, Ingwer (Gengibre – mein Lieblingswort), Cumin und einiges mehr.

Vorletzter Tag in San Pedro: Kayak fahren mit Lia, Bertolo und Kevin
Was uns am Abend erwarten würde, war uns am Morgen noch nicht klar: fünfzehn verschiedene Gerichte (nicht unbedingt alle typisch guatemaltekisch) warten darauf, von uns probiert zu werden. Lias Orangenhähnchen ist definitiv ein Highlight, aber auch Mole (eine Soße auf Cacaobasis), Rote Beete Pfannküchlein und Hähnchen in Weißweinsoße können gut mithalten. Ein solcher Kochkurs findet nur etwa einmal im Jahr statt – ich habe also richtig Glück, dass der Abschluss des Kurses ausgerechnet heute stattfindet – ein perfekter letzter Abend am Atitlansee.

Abendessen in der Schule - unsere Familien haben gekocht!

Mein "Mitbewohner" Kevin und die Mädels von der Sprachschule an meinem (geplanten) letzten Abend in San Pedro

Mit meinem „Mitbewohner“ Kevin und ein paar Mädels aus der Schule geht es in noch in eine nahegelegene Bar für einen Letzten Abend-Mojito. Da ich diese Woche Nachmittags Unterricht hatte, war es auf meinem Heimweg am frühen Abend immer schon relativ dunkel. Heute ist es allerdings wirklich stockfinster und ich habe natürlich keine Taschenlampe dabei. Die Straße, die seit Wochen neu gepflastert wird, zeigt zwar einen ordentlichen Fortschritt seit meinem ersten Tag in San Pedro, ist aber immer noch nicht fertiggestellt. Von einem kleinen Weg mache ich einen Schritt auf die fünfzehn Zentimeter tiefer liegende ungepflasterte Straße – ausnahmsweise habe ich keine FlipFlops, sondern feste Schuhe an – und trete ohne es zu sehen auf einen großen runden Stein, der sich sogleich in Bewegung setzt und hangabwärts rollt. Mein linkes Fußgelenk gibt nach und mein Fuß bewegt sich in einem äußerst unnatürlichen Winkel zur Seite. „Gebrochen!“ ist nicht nur mein erster Gedanke. Der Schmerz lässt nach einigen Minuten ein wenig nach, aber an Auftreten ist nicht zu denken. Gut, dass ich in Begleitung bin und humpelnder Weise das Haus erreichen kann. Den nächsten Morgen möchte ich am liebsten ganz schnell vergessen. Lia kann offenbar nicht nur grandios kochen, sondern auch traditionelle Maya-Heilmethoden anwenden. Sie tastet an meinem mittlerweile stark geschwollenen Knöchel herum und versichert mir, dass nichts gebrochen sei. Sie könne das durch Massage aber wieder in Ordnung bringen und in zwei, drei Tagen sei alles wieder gut. Es würde allerdings weh tun. Er Schmerz werde deutlich größer sein als jetzt gerade – und ich muss mich schon zusammenreißen! Im Krankenhaus bekäme ich wahrscheinlich einen Grips, er für die Heilung nicht sonderlich förderlich wäre. Nun gut. Wenn jemand mal Tipps zur Folter braucht...
Kevin, dessen Zimmer gegenüber meinem liegt, sagte hinterher so schön, er habe körperliche Schmerzen empfunden als er meine Schreie gehört hat. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen. Es waren jedenfalls die bisher schlimmsten fünf Minuten meines Lebens.
Ich denke gar nicht daran, den zehn-Uhr-Bus nach Guatemala zu nehmen. Wie ärgerlich! Dabei hat Mario, er in Guatemala Stadt wohnt, nur heute und morgen Zeit, weil er Montag wieder arbeiten muss. Ich verbringe also einen weiteren Tag in der Familie und schaffe es gerade mal ein paar Schritte vor die Tür, um einen 'Liquado con fresas y leche' zu trinken und mit Bertolo, Angie und Frank das bunte Treiben vor er Kirche zu beobachten, in der gerade zwei Paare geheiratet haben. Noch einen Tag untätig herumsitzen? Auf keinen Fall! Aber die nächsten drei Wochen humpeln – das kann ich mir auch nicht leisten. Wie ich es auch drehe und wende – meine Situation kommt gerade ganz schön ungelegen. Doch Rettung naht...
Ein paar Straßen von „zuhause“ entfernt spricht mich ein junger Mann an. Was denn mit meinem Fuß passiert sei. Ich erkläre mein Problem und die Behandlungsversuche. Er scheint nicht sonderlich begeistert von Lias Heilungsversuchen. Er sei hingegen Physiotherapeut und könne mir weiterhelfen. Er schaut sich den Fuß an, zeichnet mir das Gelenk auf ein Stück Papier und erklärt, wo das Problem liegt. Auf keinen Fall kühlen...!

Ein wunderbarer Kletterbaum im Lago Atitlán: Bertolo, Kevin und ich nutzen ihn als Sprungbrett - ein Traum :)
Eine Stunde später sitze ich auf meinem Bett und bekomme meinen Fuß mit einer Wärmelampe bestrahlt – immer so lange, bis es wehtut, danach wird gedrückt und massiert und dann wieder die Lampe. Der Schmerz ist groß, aber seit heute morgen kann mich so leicht nichts aus der Ruhe bringen. Was auch immer der gute Mann da treibt, er scheint zu wissen, was er tut. Ein kurzes lautes Knacken und der Schmerz nimmt schlagartig ab. Meine Weiterreise ist gerettet! Für den Betrag, den ich ihm zahle, muss ich nicht darüber nachdenken, die Formulare für meine Auslandskrankenversicherung auszufüllen – das ist den Aufwand nicht wert (und schon gar nicht die Portokosten). Am nächsten Morgen steige ich nach einem herzlichen Abschied von meiner Gastfamilie fast beschwerdefrei in den Bus Richtung „Guate“.
Kayak fahren auf dem Lago Atitlán


Da bekommt das Wort "Hausboot" eine ganz neue Bedeutung
Mit Angie und einem frischen "Liquado con Leche" auf der Treppe vor der Kirche von San Pedro

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2 Kommentare:

  1. Wahnsinn! Völlig unegozentrisch muss ich auch mal bei dir einen Kommentar hinterlassen - insbesondere wenns um Schmerzen geht. Ist schon seltsam mit der "größten Gefahr" auf Reisen, nämlich der Gesundheit. Man kann nur hoffen das nix passiert. Umso besser und einfach unglaublich gut, wie dir geholfen wurde. In Australien hätte nur der Besuch des Krankenhauses wohl schon 600 € gekostet. Hier in NZ war die Behandlung ja auch sehr pragmatisch (mir wurde zur impfspritze auch noch ein kleiner Blutdruck und rundumcheck angeboten). Mit den unglaublich schönen naturverbundenen Fotos kann ich auch noch nicht dienen, hübsch wohldosiertes HDR :-). Well, lets see what happens! Weiterhin viel Spaß und gute Gesundheit!!

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    1. wahldosiertes hdr? ich hab zwar seit wenigen tagen endlich photoshop installiert, aber hdrs habe ich auf meiner reise bisher keine erstellt. die farben sind hier einfach so toll :)
      ich bin mal gespannt auf deine ersten naturfotos aus neuseeland, die werden bestimmt genial!

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