Barriletes gigantes - Festival de Sumpango

12:10 Einsame Insel.de 4 Comments

Freitag, der erste November. In Deutschland "Allerheiligen" - ein Feiertag, an dem ich mich normalerweile einfach nur darĂ¼ber freue, nicht arbeiten zu mĂ¼ssen und den Tag anders nutzen zu können. Der "Dia de todos los santos" spielt beispielsweise in Mexiko und in Guatemala eine deutlich grĂ¶ĂŸere Rolle als bei uns. An diesem Wochenende werde ich einige spannende Erlebnisse haben, das Drachenfestival in Sumpango ist eines davon. Um sieben in der FrĂ¼h geht es mit dem Bus in San Pedro los - gut drei Stunden Fahrt haben wir vor uns.

Detailausschnitt eines der riesigen Papierdrachen. Alle Motive sind ausgeschnitten und aufgeklebt, nicht gemalt!
Als wir den kleinen Ort nordwestlich von Guatemala City erreichen, ist schon vom FuĂŸe das Hanges, auf dem das Festival stattfinden wird ein buntes Treiben zu beobachten. In der Luft hängen viele kleine Papierdrachen - solche, die ich auch schon in den letzten Tagen in San Pedro beobachten konnte. Nicht vergleichbar sind jedoch die vertikal aufgestellten Kunstwerke von gigantischem Durchmesser, Ă¼ber deren Zweck ich mir noch nicht so ganz sicher bin. Papierdrachen (im Spanischen "barriletes") werden doch eigentlich gebaut, um sie fliegen zu lassen?

Ein besonders buntes Exemplar und daneben eines, das die Windböen des Vormittags nicht Ă¼berlebt hat.

Ich laufe durch die Reihen von riesigen Drachen, einer schöner und beeindruckender als der andere. In einiger Entfernung fällt eine der riesigen Konstruktionen um - hoffentlich stand niemand darunter. Das chinesische Papier (so nennt man es hier wohl, ähnelt unserem Seidenpapier) ist offenbar mit Leim verklebt / aufgeklebt und wird auf der RĂ¼ckseite teilweise mit transparentem Klebeband verstärkt. Als tragende Konstruktion dienen Bambusstangen. Ich bleibe vor jedem Drachen stehen und versuche mir vorzustellen, wie viele Arbeitsstunden wohl in dieses Kunstwerk geflossen sein mögen. Unvorstellbar!
Der Wind ist heute zwar nicht besonders stark, aber immerhin stark genug um einige der Papier-Bambus-Basteleien stark zu beschädigen. Das heiĂŸt aber auch, dass er vermutlich ausreicht, um den ein oder anderen Drachen später in die Luft zu haben.

Gespanntes Warten auf das Aufrichten des Drachens.
 Ich verbringe den kompletten Tag auf dem Festivalgelände, den umliegenden mit Verkaufsständen gesäumten StraĂŸen und dem Friedhof, auf dem die Familien "mit den Toten feiern". Ich werde sogar eingeladen, mit einer Familie Zeit zu verbringen, etwas zu trinken und Fotos zu machen. Sie sind ganz begeistert von meiner GrĂ¶ĂŸe, meinen hellen Haaren (sie werden trotz Tönung noch als blond erkannt) und vor allem von meinen "ojos azules". Blaue Augen scheinen hier besonders ungewöhnlich zu sein. Ăœberhaupt wollen mich heute immer wieder Leute fotografieren. Hier spazieren zwar einige Touristen herum, aber heute ist wohl der einzige Tag im Jahr, an dem sich "Ausländer" fĂ¼r den kleinen Ort in Guatemala interessieren.

Unzählige riesengroĂŸe Papierdrachen - der grĂ¶ĂŸte ist 22 Meter hoch!
Ich glaube, die beste Möglichkeit, euch meinen im wahrsten Sinne des Wortes bunten Tag näher zu bringen ist das Zeigen vieler Fotos. Ich versuche in den Bildunterschriften die wesentlichen Fakten zu erläutern. Wie verbringt ihr Allerheiligen? Irgendjemand, der auf dem Friedhof war? Ich habe noch nie soviel Zeit auf Friedhöfen verbracht wie an diesem Wochenende...

Detailausschnitt eines besonders farbenfrohen Drachens.

Kurzfristige Reparaturarbeiten in luftigen Höhen.

Vorbereitung fĂ¼r das Aufstellen eines der grĂ¶ĂŸten Drachen.

Knotenpunkt aus Bambusstäben auf der RĂ¼ckseite eines der eher weniger flugfähigen "Flugobjekte".

FotoĂ¼bungen zur Demonstraktion meines 1,4er-50mm-Objektivs - sie war begeistert von dem Foto :)

Jeanette ist weniger begeistert, fotografiert zu werden

Diese Damen werden ebenfalls von einem Touristen fotografiert, scheinen aber SpaĂŸ daran zu haben.

Detail... noch mal zur Erinnerung: alles geklebt, nicht gemalt!

Das 22m hohe Kunstwerk muss noch aufgestellt werden... jetzt ist Menpower gefragt!

GlĂ¼cklich Ă¼ber ein Foto mit der blauäugigen Touristin - eine Familie auf dem Friedhof

Und noch einmal die komplette Familie!

Aufstellen eines Drachen

...und zu guter Letzt das grĂ¶ĂŸte aller Kunstwerke!

Ein ganzes Schwein auf dem Grill...

Wer heute noch einen Drachen steigen lassen möchte, kann hier ein kleines Exemplar käuflich erwerben.

Auf dem Friedhof wird gegessen, getrunken, gespielt...

...und es werden Drachen in die Luft gelassen - von den Dächern der Mausoleen aus.

Die ganze Familie springt auf den "Gräbern" herum...
Einer der kleineren Drachen wird zum Start vorbereitet

Er fliegt! Nicht alle Teams haben heute das GlĂ¼ck, dass ihr Flugobjekt in der Luft bleibt...

Bei traditioneller Marimbamusik wird getanzt...

...während andererorts ein weiterer Riesendrache zum Aufstellen vorbereiet wird,

Auf dem Friedhof werden kleine "Hausdrachen" in die Luft gezogen (okay, das Wort gibt es nicht, aber es kam mir gerade in den Sinn - eben so ganz normal groĂŸe Drachen wie du und ich sie als Kind haben steigen lassen).

Ein Ăœberblick Ă¼ber das Festivalgelände - ohne Friedhof und Ortschaft.

Die Drachen der Besucher werden auf den umliegenden Wiesen in die Luft gebracht.

Die "Locals" haben sichtlich Freude an den leichten Papier-Holz-Konstruktionen.

Unter vollem Körpereinsatz versucht man, die "barriletes" oben zu halten - trotz eher wenig Wind.

Gleichzeitig werden auf dem Hauptgelände immer grĂ¶ĂŸere Drachen gestartet.

Jedoch bleiben nicht alle in der Luft - dieser ist schon nach wenigen Sekunden der Schwerkraft verfallen.

Ein buntes Spektakel, das mir einen ganz besonderen Allerheiligen-Tag beschert hat!

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4 Kommentare:

  1. Eine von 5000 - Marlen5. November 2013 um 00:40

    Was fĂ¼r ein besonderer Feiertag!
    Ich finde, es ist eine ganz besonders schöne Tradition!

    Meine Familie (katholisch) trifft sich Allerheiligen auch auf dem Friedhof... Aber Kuchen wird nicht am Grab sondern daheim gegessen. Aber ich finde es einen schönen Gedanken, zusammen mit den Toten, unseren Heiligen, auf dem Friedhof zu feiern und zu speisen. Eine Ăœberlegung wert...

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  2. Halloween und Allerheiligen waren hier eher unspannend - war aber auch nicht unterwegs. Habe gerade endlich mal die letzten 3 Blogeinträge gelesen. Schön, dass du jetzt so schönen Spanischunterricht genieĂŸt, geht's auch weiterhin voran? Ich wĂ¼rde mir das ja in Finnisch wĂ¼nschen, leider ist das nur alle zwei Wochen und die Lehrerin ähnlich verplant wie dein erster Lehrer ;).

    Und Kommentarfunktion scheint zu funktionieren :).

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  3. Hier ist auf den Friedhöfen auch einfach eine ganz andere Stimmung: die Gräber werden an Allerheiligen bzw dem Tag danach auch bunt bemalt, es werden Fotos und Blumen aufgestellt, Kinder lassen Drachen steigen... es hat nichts mit den teilweise sehr tristen Orten in Deutschland zu tun. NatĂ¼rlich ist es hier auch nicht so grau und kalt wie häufig im Herbst in Mitteleuropa.
    Ja, Lennart, mein Spanisch macht groĂŸe Fortschritte... heute habe ich endlich mal das pretĂ©rito erklärt bekommen und bin jetzt fleiĂŸig dabei, unregelmĂ¤ĂŸige Verben zu konjugieren :)
    Welch ein SpaĂŸ! ...nein, im Ernst es macht wirklich SpaĂŸ, wenn man sich selber aussucht, dass man diese Sprache lernen möchte und es nicht durch die Schule vorgegeben ist!

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    1. Hallo Sylvia, was fĂ¼r Fotos. Wow! So lasse ich mir doch Allerheiligen gefallen. Sehr interessant wie unterschiedlich Katholiken den Feiertag begehen. Ich bin Allerheiligen seit Kindestagen schon immer mit unbehagen begegnet. Es war immer ein trister Tag und so war auch die ganze Stimmung - in der Kirche und auf dem Friedhof noch mehr. Keine Spur von Freude und Ausgelassenheit. Schön dass es so ein Allerheiligen in Guatemala gib. Das wĂ¼rde ich mir hier auch wĂ¼nschen - aber wer soll dann bitte die Drachen kleben?

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