Der Sound Guatemalas: Herstellung von Tortillas
Habe ich schon erwähnt, dass es in Guatemala zu jeder Mahlzeit frische Tortillas gibt? Wirklich zu jeder! Nun gut, Lia nimmt es nicht ganz so genau, aber ich habe von Familien gehört, in denen es sogar zu Pfannkuchen Tortillas gibt. Bei uns kommen die Maisfladen zumindest zweimal am Tag auf den Tisch - ob zu Spaghetti, zu Omelette, Reis und Kartoffeln und einer ohnehin schon Maishaltigen Mahlzeit - sie dürfen nicht fehlen!
| Bertolo, seine Eltern, Lia und Frank in der Küche, in der wir Tortillas zubereiten |
Kein Wunder, dass der "Sound of Guatemala" ein Klatschgeräusch ist, das schon morgens um vier Uhr Menschen mit leichtem Schlaf zum Aufwachen bewegt. Wenn ich mein Fenster zur Straße hin nachts nicht schließe, höre ich am Morgen neben dem Bellen der umherstreunenden Hunde das Klatschen der Hände der "Tortillabäckerinnen" in den umliegenden Häusern.
Heute bekommen Kevin und ich gezeigt, wie Tortillas hergestellt werden. Glücklicherweise hat Bertollos Mutter schon die Vorarbeit geleistet: Mais wurde gekocht, abgekühlt und in einer "Mühle" zu einer gleichmäßigen Masse gemalen. Wenn ich das richtig verstanden habe werden keine weiteren Zutaten hinzugefügt. Die Masse fühlt sich an wie ein Mürbeteig: relativ weich, ein wenig bröckelig, aber im Grunde ein zusammenhängender Teig. Mein erster Versuch geht gründlich schief: Ich forme eine kleine Kugel, klatsche sie auf der einen Hand mit der anderen platt, klatsche sie wieder auf die andere Hand und ...sie bleibt kleben, zerreisst und klebt in Stücken an beiden Händen. Okay, das war wohl zu viel Wasser an meinen Händen. Kevin stellt sich besser an - sein erster Fladen liegt bereits auf der heißen Steinfläche über dem offenen Küchenfeuer.
Mein zweiter Versuch - mit trockenen Händen diesmal. Ich drücke etwas weniger fest, das Klatschgeräusch ist trotzdem deutlich zu vernehmen. Linke Hand, rechte Hand, linke Hand, rechte Hand: und tadaaaa... mein erster perfekter Tortilla ist fertig. Fast. Noch zwei Minuten von jeder Seite backen und er kann mit Reis und Bohnen verzehrt werden. Auf einmal läuft es wie am Schnürchen - ich sehe schon meine Karriere als professionelle Tortillabäckerin vor mir. Klatsch, klatsch, klatsch... ich mag das Geräusch irgendwie. Kreisrund und perfekt gleichmäßig werden meine weiteren Backwerke - ich bin fast ein bisschen stolz. Lia und verschiedene in der Küche ein- und ausgehende Familienmitglieder loben mich: perfekte Tortillas. Wahnsinn. Dann weiß ich ja, was ich mache, wenn das mit der Architektur nichts gibt. Nein, im Ernst: Wir haben einen sehr spaßigen Abend "muy divertido!" und ein wenig später auch einen sehr vollen Magen. Tortillas, Bohnen und Reis - quasi das Nationalgericht in Guatemala - falls es so etwas gibt.
Eigentlich wollten wir ja heute Abend noch Basketball spielen, stattdessen schreibe ich jetzt seit zwei Stunden über meinen Alltag hier. Das Basketballfeld war sowieso besetzt, aber morgen spielen wir ganz bestimmt! Also liebe Leute - am Ball bleiben :)

Kannst ja beim nächsten Flugplatzfest Deinen eigenen Tortillastand (zum Wohle des Clubs natürlich) betreiben.
AntwortenLöschenJ&E von der 17
J&E von der 17? Hm, selbst bei scharfem Nachdenken kann ich die Initialien nicht zuordnen...
AntwortenLöschenWenn man den richtigen Mais in Deutschland bekommt, backe ich natürlich gerne Tortillas für den LSC :)
Ah, jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: die 17 auf der Steinfelder Straße. Ich hoffe, euch geht es gut :) Grüße in die Heimat!
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