Argentinisches Frühstück, spanische Sprache, mexikanische Geschichten
Nachtfahrten in Mexico?
Eigentlich etwas, das ich im Vorfeld als nicht "ganz ungefaehrlich" eingestuft hätte bzw. wovon mir der Ein oder Andere abgeraten hat. Aber wenn man nach den Bedenken einiger Leute geht, kann man eigentlich gar nicht reisen. Und da es dieses Mal keine andere Möglichkeit gibt, bleibt nur die nächtliche Busfahrt zum nächsten Ziel auf der Reise.
| Abendliches Lagerfeuer im Iguana Hostel |
San Cristobal de las Casas gilt als eine der ruhigsten und freundlichsten Städte Mexikos. Ersteres ist selbstverständlich, wenn man die Stadt gegen sechs Uhr morgens zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Eigentlich hatte ich den Aufdruck auf meinem Busticket ja so verstanden, dass der Bus gegen zehn Uhr morgens die Stadt erreicht. Mit 10:00 war wohl doch eine Fahrtzeit von zehn Stunden gemeint. Es fahren also noch keine Busse, die Türen und Rolltore aller Läden, Hotels und Restaurants sind noch geschlossen und das Leben beginnt ganz langsam nach einer kühlen Nacht wieder zu erwachen. Wieder befinde ich mich in einer Stadt, die auf über 2000 Meter über dem Meeresspiegel liegt und wieder habe ich – nach einer kurvigen Berg- und Talfahrt in der Nacht – das Gefühl, mich immer noch nicht an die dünne Luft gewöhnt zu haben. Ausnahmsweise geht es mal mit dem Taxi in die Stadt, Busse fahren noch nicht und ich bin einfach nicht in der Lage in meinem übernächtigten Zustand mit einem geschwächten Magen und meinem Gepäck mehrere Kilometer zu laufen. Glücklicherweise lässt sich schnell im „Iguana Hostel“ ein Bett bekommen und zumindest das Schlafmangelproblem ist nach einer Weile gelöst. Es ist deutlich bewölkter als in den letzten Tagen und der Schlafraum mit seinen dicken Wänden, ohne Fenster und mit offenstehender Tür ist alles andere als warm. Im Laufe der Tage in San Cristobal steigere ich mich auf ein Laken mit drei Wolldecken, lange Hose und langes Shirt sowie Socken, um nachts nicht zu frieren. Irgendwie erscheint der Kontrast zwischen dem Aufenthalt tagsüber in der Sonne und nachts im Hostelzimmer gigantisch.
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Internationales Frühstück
Jeden Morgen entschädigt ein ungewöhnliches und äußerst schmackhaftes Frühstück für die Unannehmlichkeiten der Nacht. Die „Angestellten“ des Hostels, das heißt andere junge Rucksackreisende, die hier ein paar Wochen bleiben und vermutlich für Kost und Logis das Hostel betreuen, haben beim der Zubereitung offenbar freie Hand. Es gibt kleine Pfannkuchen, frische Erdbeeren Bananen und Rührei, am nächste morgen argentinische knusprig gebackene Teigplatten wahlweise gesalzen oder gezuckert, dazu Obstsalat mit unreifen Brombeeren, außerdem ein Tomatenzwiebel-Püree und getoastetes Brot. Am dritten Tag wartet spanisches Fettgebäck auf uns – ähnlich den bekannten Churros, allerdings in kleinerer, pfannenfreundlicher Form. Es fällt ganz schön schwer, mit dem Essen aufzuhören – dafür kann ich ja das Mittagessen ausfallen lassen :)
Drei Tage in der Kolonialstadt
Den ersten Tag in San Cristobal brauche ich zur Erholung. Schon nach einer kurzen Runde durch die Stadt und über einen der Märkte brauche ich eine längere Pause und bin nicht wirklich zu weiteren sportlichen Leistungen in der Lage. Der zentral gelegene Platz ist zwar von ein paar flachen Straße umgeben, ansonsten geht es allerdings überall mehr oder weniger steil bergauf und bergab. Während der Kolonialzeit war San Christóbal de las Casas Hauptstadt der Provinz Chiapas, die bis Ende des 19. Jahrhunderts zu Guatemala gehörte.
Neben der Kathedrale gibt es zahlreiche weitere Kirchen, zwei davon liegen auf Hügeln an verschiedenen Enden der Innenstadt, von denen ich einen grandiosen Blick über die Stadt genießen kann. Ich verbringe viel Zeit in den von niedrigen verschiedenfarbigen Häusern gesäumten Straßen. Meine Kamera habe ich zwar immer dabei, aber die indigenen Bewohner der Stadt scheinen recht stark von Touristen „belästigt“ zu werden und sind eher verschlossen und nicht bereit, sich fotografieren zu lassen – es sei denn, man kauft etwas. Abgesehen von der Übernachtung (die hier durch starke Konkurrenz besonders günstig ist mit gut drei Euro pro Nacht) gebe ich mein Geld überwiegend für Essen und Getränke aus. Mittags reicht meist eine Kleinigkeit an einem Straßenstand oder auf dem Markt, beispielsweise Gebäck, Kokosnuss oder Früchte, die üblichen Mexikanischen „Snacks“ oder ein frisch gepresster Orangensaft, um den Vitaminhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. An kaum bewölkten Tagen ist es in der Nachmittagshitze manchmal kaum auszuhalten und ich ziehe mich gerne in ein kühles Café zurück.
Englisch, Spanisch, Deutsch
Bei einem Café con leche lässt sich prima ein wenig Spanisch lernen, wenn Debbie dabei ist perfektioniere ich auch gerne mein Englisch. Die verschiedenen If-conditionals haben wir uns die Tage vorgenommen, weil ich hier doch immer mal gerne Fehler mache und die falsche Zeit verwende. Debbie lehrt normalerweise Kindergartenkinder, sie meint aber, dass ich das Niveau der vier- bis sechsjährigen Kinder mittlerweile drauf habe :) Manchmal schieben wir auch ein bisschen Deutschunterricht ein, aber meine Muttersprache scheint für eine Amerikanerin mit mittelmäßigen Französischkenntnissen und Basics in ein paar exotischen Sprachen (Türkisch, Tschechisch, Malayisch...) eine echte Herausforderung zu sein.
Klar könnte ich mich mit meinen Englischkenntnissen zufrieden geben, aber mein Perfektionismus lässt mich da eben wieder einmal nicht in Ruhe. Und gibt es eine bessere Gelegenheit, als auf Reisen mit einer Muttersprachlerin, die das Lehren gewohnt ist?
Menschen und ihre Geschichten
Die Stadt und speziell das Iguana Hostel ist ein wunderbarer Ort, um neue Leute kennenzulernen. Gerade die Leute, die mehr als ein paar Tage an diesem Ort verbringen, haben oft eine interessante Beschäftigung und besondere Gründe hier zu sein oder einfach nicht ständig unterwegs zu sein.
Ein Mexikaner spricht fließend Deutsch und erzählt, er sei mit vier mit seinen Eltern nach Deutschland gezogen – genauer gesagt nach Köln Porz. Er schildert, wie furchtbar das Viertel gewesen sei, in dem er gelebt hat und wie schlecht die Arbeitsbedingungen seiner Eltern waren. Die Wohnung der Familie sei eine Bruchbude gewesen, die beim Vorbeifahren der Bahn jedes Mal auseinanderzufallen schien. Zwei bis dreimal die Woche sei er nach Holland gefahren, um diverse Drogen zu besorgen, die er dann für das drei- bis vierfache in Deutschland verkaufen konnte. Es klang so, als sei das der Hauptunterhalt der Familie gewesen. Alles, was er erzählt, ist erschreckend gut nachvollziehbar und erregt ein gewisses „Verständnis“ bei mir. Heute jobbt er in einem Hostel, gibt Spanischunterricht nebenbei und sammelt „Magic Mushrooms“. Gleichzeitig distanziert er sich von Drogen und sieht sich als Sammler der Pilze mit Nebenwirkung eher als Naturheiler oder so was in der Art. Nun gut, wie gesagt, jedem das Seine.
Eine Neuseeländerin möchte sich mit Hilfe des Hostelbesitzeres ein paar Hostels ansehen, die für sie zum Kauf interessant sein könnten. Sie ist ziemlich aufgedreht, immer gut drauf und fällt uns am letzten Tag vor der Abreise um die Arme, es sei schön, uns kennengelernt zu haben und man würde nicht jeden so schnell ins Herz schließen. Ich finde ihr Auftreten zum Teil etwas merkwürdig – mit 25 ein paar Monate weg von ihren beiden kleinen Kindern um einen Neuanfang in Mexico zu starten? So ganz schlüssig ist mir die Ganze Geschichte nicht, aber nun ja.. jedem das Seine.
Eine Deutsche namens Conni hält sich ebenfalls länger in Mexiko und in San Cristóbal auf. Sie arbeitet allerdings nicht im Hostel, sondern für ihr eigenes Unternehmen, das sie nach Studium und zweijähriger Reise ins Leben gerufen hat. Sie arbeitet täglich an ihrem Reiseblog, der Rucksackreisenden diverse aktuelle Tipps gibt. Und nur wer selber viel reist, kann authentische Beiträge schreiben. Dass man sich auf diese Weise den Lebensunterhalt finanzieren kann, ist ein ganz neuer Aspekt.
Marktleben
Viel Zeit verbringe ich auf den Märkten der Stadt. In einem separaten Beitrag möchte ich euch nur ein paar Fotos zeigen, die allerdings (leider) weniger das Marktleben als mehr die dargebotenen Produkte zeigen. Ich kann es einfach nicht lassen, mit meinem 50mm/ 1,4er Obektiv den Effekt der Tiefen(un)schärfe auszureizen.
Eine tolle Erfahrung ist es, auf dem Markt zum selber Kochen einzukaufen: Viel frisches Gemüse - kostet fast nix - schmeckt grandios :)
Nach drei Tagen San Cristóbal de las Casas bin ich wieder bereit für geballte Kultur – eine Prähistorische Stadt. Diesmal bringt mich der Bus nach Palenque – mitten in den Dschungel.

Hier mein Auftrag an Dich:
AntwortenLöschenKannst Du mir bitte einen Käfer mitbringen?
Ich liebeeee Käfer! Also das Auto...
Ich bedanke mich im Voraus!