San Cristobal war insgesamt ein sehr angenehmer Ort, um sich ein paar Tage aufzuhalten. Wir nähern uns der Grenze Guatemalas, haben aber dennoch vor, noch einige Tage in Mexiko zu verbringen, besonders auf der Halbinsel Yucatan. Unsere Route führt uns zunächst nach Palenque, einem kleinen Ort der an sich nicht besonders viel zu bieten hat. Interessant sind hingegen die im Dschungel gelegenen Ruinen einer ehemaligen Mayastadt, von der erst ein geringer Teil freigelegt wurde. Von Ausgrabungen kann man hier wahrscheinlich gar nicht sprechen, da es sich überwiegend um Moos und größere Pflanzen handelt, die die Bauwerke unzugänglich machen. Unvorstellbar, welcher Aufwand betrieben werden muss, um die noch überwucherten Teile freizulegen. Mag ja alles ganz spannend sein, aber ich glaube das wäre auch keine Aufgabe für mich.
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| ...schon wieder Chamäleon :) |
Das Klima ist ganz schön anstrengend, aber tropische Feuchte gepaart mit Hitze bin ich ja durchaus gewöhnt. Wir entscheiden uns, nicht in Palenque Stadt, sondern direkt am Eingang zum Nationalpark in "El Panchan" unsere Zelte aufzuschlagen. Nicht im wörtlichen Sinne - glücklicherweise - denn auch in den angemieteten "cabanas" hat man den Raum kaum für sich sondern muss ihn vielmehr mit vielen anderen Lebewesen teilen. Unsere Dschungelhütte wird über eine fragwürdige Wendeltreppe betreten, deren Stahlgerüst mit Sicherheit nicht auf statischen Berechnungen beruht. Ich denke ernsthaft darüber nach, ob die Treppe mich mit meinem Gepäck tragen kann. Die Konstruktion antwortet mit einem lauten Knarzen, aber mehr passiert natürlich nicht. Nach der Busfahrt von San Cristobal lohnt es sich heute nicht mehr, die Ruinen zu besichtigen, das heben wir uns für den nächsten Tag auf.
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| Zwei Nächte im Dschungel |
Die Nacht ist die unruhigste, die ich bisher hatte, was nicht zuletzt an der hohen Luftfeuchte liegt. Ich huste die halbe Nacht (krasser Klimawechsel löst so was bei mir gerne aus - oder Zelten im Fliegerurlaub, keine Ahnung was die wirkliche Ursache ist). Debbie weckt mich irgendwann aus dem Halbschlaf: "There is a giant cricket on your pillow!". Okay, dieses Tier ist wirklich gigantisch und hat eine Flügelspannweite von schätzungsweise zwölf Zentimetern. Offenbar wurde es durch den Ventilator runter gepustet auf mein Bett - aber immerhin beißen Heuschrecken nicht. Ein paar Geckos krabbeln hier und da an den Fliegengittern entlang (es gibt nur eingespannte Fliegengitter, aber keine Fenster im Sinne von Glasscheiben). Immerhin hält sich so die Zahl der Mücken und Kleinstinsekten in Grenzen und dank DEET (die amerikanische Variante enthält sogar 98% des Wirkstoffes, die Deutsche unter 50%) bekomme ich auch fast keine Stiche.
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| "giant cricket" auf meinem Bett |
Gegen acht machen wir uns also auf den Weg zu der archäologischen Stätte, rund drei Kilometer tiefer im Dschungel gelegen. Wir sparen uns erst mal den Bus und laufen eine ganze Weile neben der asphaltierten Straße - immerhin befinden wir uns ja im Schatten. Nach einer Weile wird es dennoch beträchtlich heiß und mein Wasservorrat ist schon fast aufgebraucht, als wir am Eingang ankommen. Im Bus hätte ich allerdings nicht die Dutzende von Schmetterlingen gesehen, die am Wegesrand fröhlich umher flattern.
Zugegebenermaßen stimmt es nicht ganz, dass wir bis zum Eingang der Anlage gelaufen sind. Die letzte Steigung der Straße, auf der keine Bäume Schatten bieten, lassen wir uns von einem der Kleinbusfahrer überzeugen, mitzufahren. Es ist ja auch schon bald zehn Uhr, die Sonne brennt und die Zahl der den Park besuchenden Touristen wird in den nächsten Stunden steigen. Gute Entscheidung. Die Pyramiden und Gebäude von Palenque strahlen in ihrer Lage im Urwald wieder eine ganz andere Atmosphäre aus als die bisher Gesehenen. Die Besucherzahlen halten sich in Grenzen und ich kann mich in Ruhe und ohne Hast umsehen.
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| Unterricht im Freien |
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| ...doch noch erwischt! |
An vielen Orten lassen sich Tagestouren buchen, teilweise mit mehr als fünf Zielen an einem Tag. Meist erscheinen diese „Pakete“ alles andere als sinnvoll zu sein – zumindest wenn man wirklich etwas von den Orten mitnehmen möchte. Klar gibt es auch Orte, beispielsweise Aussichtspunkte, an denen man nach zehn Minuten alles gesehen und sein obligatorisches Foto geschossen hat (oder wie ich vielleicht ein paar mehr), aber oft ist es auch schön, sich einfach mal für eine halbe Stunde mit einem Buch in den Schatten setzen zu können oder einfach die vorbeiziehenden Schulkinder und Touristen beobachten zu können. Oder einem Reptil hinterher zu schleichen, um noch ein Foto zu ergattern...
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| Palenque |
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| Palenque |
Am Tag darauf (schon wieder Sonntag?) nehmen wir früh morgens den ausgebuchten Bus nach Campeche am Golf von Mexiko. Ich bin froh, dass wir nicht direkt bis Mérida durchfahren, da die Fahrt ohne Beinfreiheit unendlich lang erscheint. Als sich die Suche nach einem (trotz Nebensaison geöffneten) günstigen und zugleich akzeptablem Hostel als etwas schwierig und die Stadt als zwar schön aber wenig belebt herausstellt, bin ich mir nicht mehr so sicher was diese Entscheidung angeht. Schnell ist klar, dass wir hier nur eine Nacht bleiben. Wir sind zwar direkt am Meer, das Städtchen ist nett, es gibt jedoch in unmittelbarer Nähe keinen Strand. Die Straße, deren begleitenden Gehweg man als Uferpromenade bezeichnen könnte, eignet sich nicht so richitg für ausschweifende Spaziergänge: ein unangenehmer Geruch liegt in der Luft und das Wasser ist nicht besonders klar – auf jeden Fall lädt es nicht zum Schwimmen ein. Ein kleiner Jahrmarkt macht einen eher verlassenen Eindruck und der Markt ist wenig sehenswert. Zurück im Hostel treffen wir Karen und Sarah aus Hamburg und Mönchengladbach und gehen gemeinsam Sopes und Flautas essen. Von einem kleinen Restaurant am Zócalo aus haben wir bei einem Fresa Colada einen wunderbaren Blick auf die Kathedrale und den zentralen Platz. Die in meinem Reiseführer (Stefan Loose älteren Datums) benannten Sehenswürdigkeiten sind entweder geschlossen oder unauffindbar und es fällt uns nicht schwer, den nächsten Bus nach Mérida zu nehmen.
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| Campeche by night |
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| Käferparade in Campeche - Marlen, welche Farbe hättest du gerne? |
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| Campeche |
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| Pelikan in Campeche |
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| Campeche | | | | | | | | | | | |
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