Grüne Striche in der Landschaft oder: mit dem Bus nach Oaxaca

15:17 Einsame Insel.de 1 Comments

Busfahrt Mexico Stadt - Oaxaca

Die erste längere Bustour führt uns in die Stadt Oaxaca ca. 500km südöstlich von Mexiko Stadt. Obwohl wir uns in einem äußerst komfortablen Bus auf gut ausgebauten Straßen bewegen, ist die Reise durchaus spannend und ich genieße die Eindrücke der vorbeiziehenden Landschaft. Kurz vor zehn morgens decken wir uns mit Wasser und ein paar Snacks ein - man weiß ja nie, wie lange die Fahrt wirklich dauert.

Monte Albán in der Nähe von Oaxaca
Die Landschaft ist durchaus eindrucksvoll. Ich weiß nicht wie ich darauf komme, aber ich glaube, Kersten, dir würde sie gefallen. Vielleicht habe ich auch nur zu viel von deinen selbstgeschaffenen Geländemodellen gesehen... jedenfalls gibt es hier einige Ecken, in denen die Berge wie unnatuerlich gleichmaessige leicht abgerundete begrünte Dreiecksplatten aussehen - ich muss spaeter mal schauen, ob eins von den Fotos aus dem Busfenster heraus scharf geworden ist. Dann gibt es Hänge, die über und über mit Kakteen bewachsen sind - allesamt schlank und lang, die meisten schätzungsweise zwei Meter hoch, einige wenige fünf. Zwischen den Kakteen wachsen aber keine anderen Pflanzen oder Büsche (obwohl wir uns definitiv nicht in der Wüste befinden), sodass sich ein bizarres Bild aus Strichen in den Landschaft ergibt. Kleine und große grüne Striche wachsen senkrecht aus den Bergen. Ich finde den Anblick schon ganz schön komisch. Wir sind schon einige Stunden unterwegs - bisher hat die Sonne kräftig auf das Dach des Busses geschienen - als die ersten dickeren Wolkenformationen über die Berge ziehen. Ganz andere Formationen als ich sie kenne - und wie man sich bei einer Segelfliegerin denken kann beobachte ich die Wolken oft sehr genau. Was im einen Moment nach einer schnellen Überentwicklung aussieht, entwickelt sich im weiteren Verlauf doch nicht zum erwarteten Gewitter, sondern fällt wieder in sich zusammen, breitet sich aus oder verhält sich irgendwie anders als man geglaubt hätte - und vor allem in relativ kurzen Zeiträumen.
Monte Albán
Auf den letzten hundert Kilometern setzt dann der Regen ein - zwar scheint es nur ein gewöhnlicher Schauer zu sein, trotzdem kann der Untergrund auf längeren Abschnitten die Wassermenge nicht mehr aufnehmen. Wir erfahren später, dass es hier die letzten zwei Wochen quasi durchgehend geregnet hatte - die Hurricans und resultierenden Überschwemmungen in der Oaxaca Region waren sogar in Deutschland in den Nachrichten. Die Straße steht teilweise bis zu fünfzig Zentimetern im Wasser, ein paar Frauen im Bus amüsieren sich laut lachend über ein paar entgegenkommende Motorradfahrer, die tief im Wasser stecken und scheinbar ebenso selber Spaß an der "Wildwasserfahrt" zu haben scheinen.
Die Straße, auf der wir fahren, schlängelt sich entlang der Berghänge, zu unserer Rechten führen Nebenstraßen ins Tal. Ein Großteil der kleineren Straßen wirkt aufgrund einer undefinierbar dicken Schicht schlammbraunen abfließenden Wassers wie breite Wasserfälle. Die letzten Kilometer, die schon der Stadt Oaxaca zugeordnet sind, haben offenbar ein funktionierendes Kanalisationssystem oder zumindest seitlich der Straßen Drainagen, sodass nichts mehr an die überschwemmten Vororte erinnert.

Oaxaca an einem sonnigen Sonntag
 Als wir nach sieben Stunden den Busbahnhof erreichen, scheint wieder die Sonne, wir können unser vor Antritt der Reise eingechecktes Gepäck entgegennehmen und uns zu Fuß auf den Weg zum "Casa Angel Hostel" machen.

Hostel & Essen in Oaxaca

Wir haben nicht reserviert, bekommen zwei Betten in einem Viererzimmer, das ansonsten noch nicht von anderen Gästen bezogen wurde. Schon kurz nach unserer Ankunft ist klar, dass man hier viel schneller neue Kontakte schließen wird, als in Mexico City. Es gibt eine Dachterrasse und einen angenehmen Aufenthalts- und Frühstücksraum. Schon wieder Deutsche und Franzosen - ich kann mir gar nicht erklären, warum genau diese beiden Nationen so stark vertreten sind unter den Mexiko-Reisenden. Solange es ein bisschen gemischt bleibt und die Leute nicht anfangen, sich auf Deutsch zu unterhalten, ist alles gut. Es sind immer wieder auch Leute in den Hostels, die ausschließlich Spanisch sprechen - manchmal sogar an der Rezeption. Aber bisher hat es noch immer ganz gut geklappt, sich zu verständigen. Zum Abendessen gibt es Taccos - mit Champignons, Käse, Pastor... wir wissen ja mittlerweile, was gut ist. Irgendwie fehlt das Gemüse ein bisschen. Obst ist gut zu bekommen, Gemüse natürlich auch, aber bisher haben wir nicht selber gekocht. In einigen Hostels ist das zwar möglich, aber nicht unbedingt überall den Aufwand wert.

Und noch ein UNESCO Weltkulturerbe...

Oaxaca de Juárez macht einen ganz netten Eindruck, aber ich bin relativ müde nach der Busfahrt und kann heute nicht mehr viel aufnehmen. Die Weltkulturerbestadt liegt auf 1550 Metern - immer noch deutlich höher als ein Rheinländer gewöhnt ist.

ein kleines feines Museum im historischen Zentrum von Oaxcaca

Im Hostel ist eine Liste auf eine Tafel geschrieben mit Dingen, die man unbedingt in Oaxaca machen muss, bevor man die Stadt wieder verlässt. Den Punkt "Eat Grasshoppers" habe ich am ersten Abend schonmal erledigt (ein paar deutsche Jungs auf der Terrasse halten sie für probierenswert...). Nun ja, salzig und knusprig... da sind mir Erdnüsse mit Chili und Limonensaft etwas lieber - nach deren Verzehr hat man wenigstens keine Beine zwischen den Zähnen hängen :-D

Ein Sonntag auf Reisen - Ist das Urlaub?

Mittlerweile ist schon Sonntag - die erste Woche verging wie im Fluge. Dafür, dass ich vor ein paar Tagen noch gar nicht das Gefühl hatte, "unterwegs" zu sein, habe ich mich jetzt doch schon ganz schön an den "Zustand" gewöhnt. Ich denke ab ud zu über den Unterschied der Wörter "Reisen", "Urlaub", "Ferien" u.a. nach... ich habe nicht das Gefühl, Urlaub zu machen, aber ich reise natürlich. Das dauerhafte Bestreben das Land, die Leute und die Kultur kennenzulernen, ist zwar ein ausgesprochen angenehmer Zeitvertreib (aus meiner Sicht), ich sehe es aber auch als ständiges Entwickeln meiner persönlichkeit, als "Lernen" und vor allem als Gewinn an. Ganz zu schweigen von Dingen, die man wirklich aktiv lernt wie beispielsweise Sprachen.


Zum Frühstück gibt es Eier nach Wunsch (und das nicht nur Sonntags) - mit der Hausgemachten Salsa, frischem Brot und einem Glas Orangensaft ein guter Start in den Tag.

Monte Alban mit zwei Locals

Alex, ein weiterer Couchsurfing-Kontakt trifft uns mit einem Freund vor dem Hostel. Beide studieren in Oaxaca und sind froh für jede Gelegenheit, bei der sie ihr Englisch aufbessern können. Englischunterricht sei teuer und er müsse "Level 7" am Ende seines Studiums erreichen, versuche es sich weitestgehend selbst beizubringen, berichtet Alex. Er studiert Elektrotechnik, ist noch relativ jung, macht einen etwas schüchternen Eindruck. Wir haben uns verabredet um zusammen nach Monte Albán zu fahren, der ehemaligen Hauptstadt der Zapotheken. Im achten Jahrhundert vor Christus hat man den "weißen Berg" künstlich abgeflacht um eine Stadt zu errichten. Die Pyramiden in dieser Anlage sind zwar deutlich flacher als die in Teotihuacán, durch ihre Lage zwischen den umgebenden Bergen mit tiefhängenden Wolken aber nicht weniger beeindruckend. Trotz Wolken knallt die Sonne und ich bin nicht böse, dass hier deutlich weniger Stufen zu erklimmen sind als bei den Stufentempeln in der Nähe der Landeshauptstadt. Dank der Ortskenntnisse beiden Einheimischen erreichen wir unser Ziel problemlos mit öffentlichem Bus und "Sammeltaxi" (eigentlich ein ganz normales Taxi, in dem wir auf dem Rückweg allerdings zu sechst sitzen) und zahlen so deutlich weniger als in dem Touristenbus, der laut Reiseführern angeblich die einzige Möglichkeit ist, auf den 2000m hohen Berg zu gelangen. Wir hatten eigentlich vor, den Rückweg zu Fuß zurückzulegen, aber es ist deutlich zu heiß und wir sind hungrig und wollen schnell in die Stadt zurück. Es gibt Tortas - getoastete belegte Brötchen mit Pollo (Hühnchen) und ein bisschen Gemüse und Käse. Eigentlich besteht hier jede Mahlzeit aus irgendeiner Form von Teigwaren (auf Mais- oder Weizenbasis), viel Fleisch, wenig Gemüse, teilweise Käse und scharfer Salsa.
Zwar gibt es unendlich viele Varianten, aber es ist doch irgendwie immer wieder dasselbe. Aber über das Essen in Mexiko wird es wahrscheinlich einen extra Eintrag in diesem Blog geben - auch wenn er nur aus Fotos besteht.

das wohl meistgenutzte Fahrzeug in Mexico - der Käfer

Tag zwei verbringen wir im historischen Zentrum von Oaxaca. Wo wir wieder beim Thema Essen und trinken wären. Da die Azteken als Erfinder der Schokolade gelten, wird uns wärmstens empfohlen, eine heiße Schokolade zu trinken - die hier "originaler" ist, als sie woanders je sein könnte. Also Kindle eingepackt und auf ins nächste gemütliche Café. Wir zahlen etwa 1,50 Euro für eine mittelmäßige heiße Schokolade mit schön dekoriertem Milchschaum, dafür genießen wir umso mehr die Atmosphäre in dem kleinen von weißen Säulen und Bögen umgebenen Innenhof.

Typisch in Oaxaca: Mole, eine Soße, die auf Kakaobohnen basiert

Lesen auf Reisen

Früher hat man ein Buch mitgenommen oder vielleicht auch erst bam Flughafen nach Ankunft gekauft - möglichst auf Englisch - und nach Auslesen desselben gehofft, dass man es gegen ein lesenswertes Buch in einer bekannten Sprache tauschen kann. In vielen Hostels gibt es Tauschregale... das heißt aber noch lange nicht, dass sich dort nicht ausschließlich Groschenromane befinden. Seit diesem Jahr habe ich endlich einen Ebookreader (ja, es ist ein Kindle...), den ich zugegebener Maßen vor der Reise kaum benutzt habe. Dank einer grandiosen Lederhülle mit eingebautem Leselicht, die ich von Kersten und Vanessa vor meiner Abreise geschenkt bekommen habe (die einzig vernünftige Lösung, da das Licht über die Batterie des Kindle selbst gespeist wird - was sich Amazon meiner Meinung nach viel zu gut bezahlen lässt) kann ich quasi immer und überall lesen. Die Beschaffung fremdsprachiger Bücher ist einfach, ortsunabhängig und verhältnismäßig günstig. Und ich trage immer nur meine 150g mit mir rum, keinen 1000Seiten-Schinken, über dessen Volumen und Masse ich mich bei jedem Packen des Rucksacks ärgere.
Derzeit lese ich also Debbies Lieblingsbuch - wenn ich es für lesenswert halte, werde ich Autor und Titel natürlich bekanntgeben!

Spiegelung in den Straßen von Oaxaca

Nach der heißen Schokolade treffen wir Alex - einen anderen Alex, aber ebenso einen Couchsurfer. Er hat schon in Dresden gelebt (spricht also ein bisschen Deutsch) und ebenso in LA (Debbies Heimatstadt). Sein Englisch ist ausgesprochen gut, aber auch er möchte die Sprache üben und studiert nebenbei selbige.
Alex stellt sich als ausgesprochen orts- und geschichtskundiger Guide heraus und weiß zu jedem Gebäude und jedem Kunstwerk im Museum etwas zu berichten.
Auch am Folgetag begleitet er uns auf die vielen verschiedenen Maerkte Oaxacas.

Die Route der ersten Wochen (google maps)

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1 Kommentar:

  1. Ein schönes Bild: Spiegelung in den Straßen von Oaxaca

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