Cenotentauchen als Couchtausch
Klingt komisch, ist aber so. Was eine Cenote ist und warum man darin tauchen möchte, dazu komme ich gleich. Und warum ich eine Couch eingetauscht habe, ist ganz einfach: Vor Antritt meiner Reise habe ich einen Großteil meiner Möbel verkauft und wenige Tage vor Wohnungsab- und übergabe die letzten Teile bei Facebook zu verschenken angeboten - besser als Sperrmüll, dachte ich mir. Reinhard mochte meine alten Ledercouches so sehr, dass er mir dafür unbedingt noch etwas geben wollte. Ich handhabe es gerne so, dass ich "ungeplante Einkünfte" für "ungeplante Ausgaben" aufwende.
In Tulum bietet sich also die Möglichkeit von Tauchgängen in Cenoten, allerdings ist so ein Tagesausflug schon eine etwas kostspieligere Angelegenheit als ein Tag am Strand oder das durchschnittlich geplante Budget für meine Reise. Sowas ist immer auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit - wenn zwei Tauchgänge so viel kosten wie eine Woche Unterkunft und Verpflegung, denkt man da schon zweimal drüber nach. Jedenfalls habe ich nun eine gute Investitionsmöglichkeit für mein Couch-Geldgeschenk gefunden - danke für das Sponsoring :)
Ich mag diese Sichtweise - so habe ich beispielsweise für meinen guten alten Kleiderschrank genau so viel bekommen, wie ich für meinen neuen Rucksack ausgegeben habe - quasi immobilen Kleiderschrank gegen einen mobilen eingetauscht.
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| Das beste Bild zuerst - dafür hat sich die Anschaffung des Unterwassergehäuses doch schon gelohnt! |
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Zurück zu den Cenoten. Die komplette Halbinsel Yucatanist von unterirdisschen Flüssen durchzogen - einem gigantischen Höhlensystem, das Süßwasser führt. Einige dieser Systeme haben Öffnungen nach oben, sogenannte Cenoten. Man kann also den oberen bzw. der Öffnung nahegelegensten Bereich betauchen. Ich habe also bei Tulum zwei Tauchgänge gemacht: eine in der Cenote "Pit" und einen in "Dos Ojos". Für mich war das Ganze eine vollkommen surreale Erfahrung. In einer gewissen Tiefe trifft das Süßwasser auf darunterliegendes Salzwasser, es entsteht eine wolkenähnliche, milchige, aber lichtdurchlässige Schicht, die Halokline (Schwefelwasserstoff). Unser erster Tauchgang ging bis auf 42m Tiefe - umgeben von Tropfsteinformationen und den wenigen Lichtstrahlen, die durch die Öffnung der Cenote bis unten scheinen. Der zweite Tauchgang führte durch ein deutlich flacheres Höhlensystem, was den Vorteil hatte, dass weittaus mehr Tageslicht einfiel und im Gegensatzz zu der tiefen Cenote ein paar Lebewesen zu entdecken waren. Anbei noch einige Fotos, von denen allerdings nur wenige scharf sind. An die Unterwassereinstellungen und die Bedienung meiner kleinen Kamera durch das klobige Plastikgehäuse muss ich ich erst noch gewöhnen.
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| Da müssen wir durch... Perfect Buoyancy! |
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| Die Felsöffnungen werden immer schmaler... |
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| Zugang zur Cenote "Pit" bei Tulum |
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| Eins der wenigen Lebewesen, die wir antreffen |
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| Farbenfrohe Gesteinsformationen |
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| Irgendwie ganz nett, so ein ungewollter Langzeitbelichtungseffekt |
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| Tropfsteine unter Wasser... irgendwie eine komische Vorstellung |
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| Ohne Lampe würde man hier kaum etwas sehen. |
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| Direkt an der Wasseroberfläche gibt es doch noch ein paar Lebewesen. |
Tolle Erfahrung - aber ich glaube, ich bevorzuge doch das Tauchen im offenen Meer! Das Süßwassertauchen ist unerwartet "anders" als das Tauchen im Meer, erstaunlich gute Sichtverhältnisse trotz der Tiefe - wenig Lebewesen - aber eine deutlich einfachere Tarierung (heißt das so? "buoyancy" meine ich jedenfalls).
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