Auf den Spuren der Maya
Der Sonnenaufgang, der urspünglich der Grund für unseren morgendlichen Aufbruch in Flores um drei Uhr war, ist aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nicht der Rede wert - kein Wunder bei den Regenfällen vom Vorabend. Das Wasser muss erstmal verdunsten. Hier und da macht sich ein bisschen Enttäuschung breit, aber das eigentliche Spaktakel sollte noch folgen. In der ferne höre ich ein lautes Brüllen, das ich im ersten Moment einem großen Raubtier zuordne. Da ist es wieder, das Gleiche habe ich schon in Palenque früh am Morgen gehört. In Mexiko hatte mich die Regelmäßigkeit des Geräuschs nur so verwundert, dass ich mir die Erklärung zurechtlegte, dass möglicherweise jemand irgendeine Form von Alarm, Handyklingelton oder Ähnliches mit diesem Brüllen belegt hatte.
| 6 Uhr morgens - so richtig aufnahmefähig bin ich noch nicht! |
Tikal
Der schier unendliche Regenwald vor mir. Das Brüllen setzt sich fort. Es kommt von links, von rechts, aus der Ferne und aus der Nähe. Eigentlich aus allen Richtungen. Ich muss an ein Zitat vom Flugplatz denken und schmunzeln ("Das Bose Soundsystem... Ich hab das jetzt nur nicht an wegen dem Strom und so!"). Ich glaube wirklich, dass man uns hier etwas vorspielt. So ein paar Lautsprecher an den Bäumen - möglich wäre das doch? Immerhin kostet die Sonnenaufgangstour und sogar der Parkeintritt extra. Zahlen wir den Aufpreis nur, weil Guide, Fahrer und Parkangestelle früh aufstehen müssen? Die Show ist das Geld jedenfalls wert. Zumal sie nicht vom Tonbandgerät kommt.
| Das erste Lebewesen, das ich an diesem Morgen im Tikal Nationalpark sehe |
Die Lösung des Rätsels?
Brüllaffen! Ja, genau, sie haben ihren Namen ja nicht ohne Grund. Die Tiere leben in Gruppen zusammen, die untereinander - besonders in den frühen Morgenstunden - über laute Schreibe kommunizieren, die über Kilometer hinweg hörbar sind. Ein ausgesprochen beeindruckendes Spektakel - auch ohne die Sprache der Klammerschwanzaffen zu verstehen. Viel Nebel, wenig Sonne - eher ein Erlebnis für die Ohren als für die Augen. Mal was Anderes.
Vier Stunden im Nationalpark
Gegen zehn Uhr sei unsere Führung durch das Kultur- und Naturwelterbe beendet und wir könnten uns dann überllegen, wie viel Zeit wir noch alleine dort verbringen wollten und wann wir mit dem Bus zurückfahren würden. Ich hatte im Vorfeld darüber nachgedacht, wie viel Zeit ich denn wohl auf dem riesigen Gelände verbringen würde. Vier Stunden ist ja gar nichts - wenn ich an mehrere Tage in den Tempelanlagen um Angor Wat in Kambodscha denke. Der Autor meines Reiseführers rät auch dazu, ja nicht zu wenig Zeit für Tikal einzuplanen. Erstmal hören, was unser lokaler Tourguide zu berichten hat und dann kann ich immer noch entscheiden, wie der Tag weitergeht.
Es bleibt bedeckt. Grauer Himmel, eine Mischung aus tiefem Nebel und etwas höheren Wolken. Die Tempel in ihrem grau-brauntönen tragen nicht gerade zur Farbigkeit der Umgebung bei. Schnell wird klar, wie wertvoll unser Fremdenführer ist.
Es bleibt bedeckt. Grauer Himmel, eine Mischung aus tiefem Nebel und etwas höheren Wolken. Die Tempel in ihrem grau-brauntönen tragen nicht gerade zur Farbigkeit der Umgebung bei. Schnell wird klar, wie wertvoll unser Fremdenführer ist.
| Wer wollte nicht schon einmal die flauschigen Beine einer Tarantel im Gewicht spüren? |
| Ein kleines zerbrechliches Kunstwerk |
| Schmetterlinge gibt's hier auch wie Sand am Meer |
| Endlich ist ein bisschen Blau zu entdecken zwischen den Wolken! |
| Klassische Stufentempelansicht |
| Nasua Nasua - und ganz schön viele davon! |
| Ein beeindruckender Baum! |
Nach vier Stunden wollen wir alle nur noch eins: Frühstücken und dann ins Bett! Ich verschwende keinen Gedanken mehr daran, noch länger hier zu bleiben. Ein kurzer Blick in das Museum genügt um festzustellen, dass es alles andere als interessant oder sehenswert ist. Wir zahlen zwar keinen Eintritt, müssen uns aber am Eingang in eine Art Gästebuch eintragen. Sowas gehört meiner Meinung nach an den Ausgang - freiwillig. Aus Trotz trage ich mich mit "Günter Kastenfrosch, Panama" ein. Ich habe keine Ahnung, wie ich gerade darauf komme. Ich habe letztens noch einmal nachgesehen, worum es in der guten alten Geschichte von Janosch ging, weil ich das Kinderbuch sofort im Kopf habe, wenn ich an Panama denke. Die Holzkiste aus Panama, die nach Bananen duftet... Aber das ist ein anderes Thema.
Noch eine antike Mayastadt?
Teotihuacán, Monte Albán, Palenque, Tulum - Tempel, Pyramiden, Ruinen und Weltkulturerbe habe ich wahrlich einige gesehen. Dazu noch die verschiedenen historischen Stadtkerne - mein Kulturpensum der letzten Wochen ist quasi gesättigt. Ich muss auch zugeben, dass mich bei vielen "Anlagen" vor allem die gigantische Größe beeindruckt - das Erklimmen und dann der Ausblick von einer zig Meter hohen Pyramide ist in meinen Augen reizvoller als das Betrachten von in Stein gemeißelten Details am Fuße eines Tempels. Wie schon erwähnt habe ich Chichén Itza auch deswegen ausgelassen, weil die einzelnen Monumente nicht mehr begehbar sind und ich mir nicht sicher war, ob der Anblick mit einer gewissen Distanz mir "mehr geben" würde als das Betrachten einer Fotografie. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Tikal gehört allerdings wirklich zum Pflichtprogramm - das hatte ich mir schon vor der Beginn der Reise vorgenommen. Und Petra, meine gute Reisefreundin aus Myanmar (eigentlich aus Stuttgart), würde mir wahrscheinlich den Kopf abreißen, wenn ich Tikal ausgelassen hätte.Die Sonnenaufgangstour hat sich auf jeden Fall gelohnt - aber bestimmt nicht des Sonnenaufgangs wegen!

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