Das erste Mal: Surfen lernen in El Tunco, El Salvador
Endlose Geduld, perfekte Körperbeherrschung, trainierte Oberarm- und Bauchmuskulatur – Surfen ist ein Sport, der meine besten Eigenschaften vereint. Oder ohne Ironie ausgedrückt: Wellenreiten könnte ein gutes Training für mich sein, um einige meiner Schwächen zeitweise abzulegen bzw. zu verbessern. Um elf Uhr sind Debbie und ich Wayo verabredet – eigentlich Eduardo, aber hier wird er „Wayo“ genannt. Eduardo Nummer eins, der uns San Salvador gezeigt hat, hat uns an seinen Namensvetter vermittelt, er sei ein guter Surflehrer. Ich bin mir noch nicht so sicher, ob es eine große Rolle spielt, wer mir versuchen wird, die fremde Wassersportart beizubringen.
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| Sonnenuntergang am Strand von El Tunco |
Ich leihe mir ein Board aus: es ist riesig, besteht aus einem relativ weichen, ziemlich dicken Kunststoff und ist mit drei Finnen versehen. Die Verletzungsgefahr ist also – mal abgesehen von den drei Minihartplastikflossen an der Unterseite – relativ gering. Sehr gut – genau richtig für einen Tollpatsch wie mich. Wie sich später herausstellt, reicht selbst dieses Anfängerbrett um sich mit blauen Flecken und Schürfwunden zu markieren. Ich muss gerade an diesen riesigen Aufkleber mit dem Buchstaben „A“ denken, den sich einige Führerscheinneulinge auf ihr Auto kleben. So ungefähr komme ich mir mit meinem blau-weißen Ungetüm, das ich kaum elegant unter dem Arm tragen kann, auch vor. Nach dem ersten Training stärken Kratzer an Knien, Schienbeinen, Oberkörper und Armen diesen Eindruck noch.
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| Hier hat offenbar jemand den Strand schwarz angestrichen... |
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| Schuhe aus schwarzem Sand! |
Wir beginnen mit Trockenübungen: flach aufs Board legen, die Füße sollen das hintere Ende berühren – so könne ich dann auf dem Wasser am besten das Gleichgewicht halten. Erklärt wird übrigens auf Spanisch. Für zehn Dollar die Stunde kann ich schließlich nicht erwarten, dass mein Lehrer auch noch Englisch spricht. Und jetzt wird es anstrengend: Arme abstützen, aufstehen, eher gesagt aufspringen und in einem Zug auf beiden Füßen landen – und dann auch noch in der richtigen Position und mit gebeugten Knien – ja nicht komplett aufstehen!
Versuch 1: Abrutschen.
Versuch 2: Knie zur Unterstützung nehmen.
Versuch 3: vorderer Fuß vollkommen außermittig auf das Brett stellen.
Versuch 4: Alle vorangegangenen Fehler auf einmal. [...]
Versuch 7: Soweit, so gut, aber zu weit aufgerichtet. ...wie soll man denn so auf den Wellen sein Gleichgewicht halten?
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| Genauso sah das beie mir aus - Wunschtraumdenken :) |
Also auf ins Wasser! An dieser Stelle verweise ich mal auf die Vermutung, dass hier mein Lehrer der Ungeduldige ist, weil ich nicht den Eindruck mache, das aufs-Brett-Steigen heute noch lernen zu können. Nicht, dass der Eindruck entsteht, ich hätte die Trockenübungen auch nur annähernd zur Perfektion (und das ist ja immer mein Ziel...) vollendet.
Wer hätte es gedacht: Auf dem Wasser ist es ein wenig schwieriger in der zuvor besprochenen Art aufzustehen. Erhöhter Schwierigkeitsgrad ist nicht nur durch die Bewegung des Wassers gegeben sondern auch duch die Notwendigkeit, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Irgendwann gegen Ende meiner ersten Stunde dann ein erstes Erfolgserlebnis: Zumindest gibt es irgendwann den Moment, in dem ich mit beiden Füßen auf dem Brett stehe, ohne mich mit Knien oder Händen abzustützen. Dieser Moment ist aber auch wirklich ein Moment, von einer Dauer kann nicht die Rede sein.
Da ich das Board tageweise miete, muss die Zeit ausgenutzt werden. Wenn ich die Jungs heir mit ihren von zuhause mitgebrachten Brettern sehe, denke ich immer: was ein Aufwand! Man könnte sich auch für den fairen preis von zehn Dollarn eines leihen. Aber andererseits: wahrscheinlich ist es weniger Aufwand, ein Surfbrett im Flieger zu transportieren als quer durch Europa mit einem Segelflugzeug im Anhänger zu fahren. Da kann ich wahrscheinlich einfach nicht nachvollziehen, was das "eigene Board" ausmacht.
Ich versuche nach meiner ersten Stunde das Gelernte anzuwenden und alleine ein bisschen zu üben. Debbie hat nach 45 Minuten bereits aufgegeben, weil ihre Handgelenke schmerzen. Nachmittags sind die Wellen größere und kraftvoller und ich gebe relativ bald auf, weil ich es einfach nie schaffe, den richtigen Moment abzupassen. Die zweite Stunde mit Lehrer klappt schon bedeutend besser, allerdings dauert es auch hier wieder fast bis zum Ende, dass ich ein wirkliches Erfolgserlebnis habe und mich dazu durchringe, eine weitere Stunde zu nehmen.
Am zweiten Tag bin ich schon viel schneller im Paddeln und kann ab und zu mal ein paar Sekunden auf dem Brett stehen. Ich habe durch Schlucken von Meerwasser wahrscheinlich schon mehr Salz zu mir genommen als in den letzten Wochen durch Nahrungsaufnahme und bin mit kleinen blauen Flecken und Kratzern übersäht. Immerhin bekomme ich auch ein bisschen mehr Farbe - glücklicherweise habe ich die ganze Zeit ein Tshirt getragen und im Gegensatz zu manch Anderem keinen Sonnenbrand.
Leider komme ich relativ schnell an den Punkt, an dem der Muskelkater so groß ist, dass ich jedes weitere Training als Qual ansehe. Mein Nacken ist steif vom umsehen, ob die richtige Welle kommt und meine Arme sind müde vom Paddeln. Irgendwie ist es ja auch immer so: drei Tage Meer sind genug, ich freue mich wieder auf die nächste Stadt.
Wer hätte es gedacht: Auf dem Wasser ist es ein wenig schwieriger in der zuvor besprochenen Art aufzustehen. Erhöhter Schwierigkeitsgrad ist nicht nur durch die Bewegung des Wassers gegeben sondern auch duch die Notwendigkeit, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Irgendwann gegen Ende meiner ersten Stunde dann ein erstes Erfolgserlebnis: Zumindest gibt es irgendwann den Moment, in dem ich mit beiden Füßen auf dem Brett stehe, ohne mich mit Knien oder Händen abzustützen. Dieser Moment ist aber auch wirklich ein Moment, von einer Dauer kann nicht die Rede sein.
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| Pferde-Reiten wäre wahrscheinlich einfacher als Wellen-Reiten |
Da ich das Board tageweise miete, muss die Zeit ausgenutzt werden. Wenn ich die Jungs heir mit ihren von zuhause mitgebrachten Brettern sehe, denke ich immer: was ein Aufwand! Man könnte sich auch für den fairen preis von zehn Dollarn eines leihen. Aber andererseits: wahrscheinlich ist es weniger Aufwand, ein Surfbrett im Flieger zu transportieren als quer durch Europa mit einem Segelflugzeug im Anhänger zu fahren. Da kann ich wahrscheinlich einfach nicht nachvollziehen, was das "eigene Board" ausmacht.
Ich versuche nach meiner ersten Stunde das Gelernte anzuwenden und alleine ein bisschen zu üben. Debbie hat nach 45 Minuten bereits aufgegeben, weil ihre Handgelenke schmerzen. Nachmittags sind die Wellen größere und kraftvoller und ich gebe relativ bald auf, weil ich es einfach nie schaffe, den richtigen Moment abzupassen. Die zweite Stunde mit Lehrer klappt schon bedeutend besser, allerdings dauert es auch hier wieder fast bis zum Ende, dass ich ein wirkliches Erfolgserlebnis habe und mich dazu durchringe, eine weitere Stunde zu nehmen.
Am zweiten Tag bin ich schon viel schneller im Paddeln und kann ab und zu mal ein paar Sekunden auf dem Brett stehen. Ich habe durch Schlucken von Meerwasser wahrscheinlich schon mehr Salz zu mir genommen als in den letzten Wochen durch Nahrungsaufnahme und bin mit kleinen blauen Flecken und Kratzern übersäht. Immerhin bekomme ich auch ein bisschen mehr Farbe - glücklicherweise habe ich die ganze Zeit ein Tshirt getragen und im Gegensatz zu manch Anderem keinen Sonnenbrand.
Leider komme ich relativ schnell an den Punkt, an dem der Muskelkater so groß ist, dass ich jedes weitere Training als Qual ansehe. Mein Nacken ist steif vom umsehen, ob die richtige Welle kommt und meine Arme sind müde vom Paddeln. Irgendwie ist es ja auch immer so: drei Tage Meer sind genug, ich freue mich wieder auf die nächste Stadt.



















































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