Schule, Familienleben und Alltag in Guatemala

15:41 Einsame Insel.de 4 Comments

Nun habe ich also einen Alltag. Regelmäßigkeiten, Gewohnheiten, feste Uhrzeiten,
einen Ort, den ich immer wieder zur gleichen Zeit besuche,
einen Ort, an dem ich wohne,
einen Ort, an dem ist esse.

Das Resultat einer relativ aufwändigen Backaktion
Ich habe meinen Rucksack leergeräumt, dessen Verschluss sowieso vor wenigen Tagen gebrochen ist und repariert werden muss. Ach ja, den Reisverschluss meiner Softshelljacke kann ich dann auch direkt machen lassen. Wäsche waschen steht an, Fotos (aus)sortieren, den Blog auf Vordermann bringen. Wo ich egrade bei dem Thema bin, habt ihr auch immer Probleme mit der Kommentarfunktion bei Blogspot? Oder versucht ihr es gar nicht, meine Beiträge zu kommentieren? Ich kann jedenfalls nur sporadisch die Kommentarfunktion aufrufen und schiebe es immer wieder auf meinen Browser - ist aber wirklich schade, würde mich freuen, wenn hier auch mal die ein oder andere Frage auftaucht oder auch Anregungen für die weitere Reise.

Frühstück & Schulweg
Zurück zu meinem Alltag. Die ersten vier Tage in San Pedro de la Laguna lasse ich mal aus, die habe ich nämlich weitestgehend (abgesehen von ein paar Stunden in der Schule) im Bett verbracht. Fieber, Kopfschmerzen und andere Symptome haben mir das letzte Wochenende ganz schön schwer gemacht. Seit Montag genieße ich das Leben wieder. Mein Wecker klingelt um viertel vor sieben, um sieben gibt es Frühstück. Lia ist eine vorzügliche Köchin. Als Müsli-in zwei Minuten-vor-der-Arbeit-Esser werde ich hier richtig verwöhnt. Am ersten Tag gibt es Tortillas, Frijoles (ein dunkles Pürree aus Bohnen, lauwarm, mehlig und unspannend), zwei gebratene Eier und vier kleine gebratene Würstchen. Typisches Frühstück. Dieso Kombination bekommt man in Mexiko und in Guatemala offenbar überall. Allerdings fehlt mir hier die tolle scharfe Salsa aus Mexiko. Frisch gemachte Soßen gibt es hier zwar auch (mit Tomaten-, Jalapeno- und Chilistückchen), allerdings kommen die nicht an die mexikanischen Soßen heran. Ich bin nicht böse, dass an den Folgetagen immer etwas Neues auf den Tisch kommt. Obst, Joghurt und Müsli, Pfannkuchen mit Banane, Ananaes und Schokoladensirup, Omelette mit gebratenem Gemüse, Cornflakes mit Milch und Banane. Wie zuhause - naja, fast, die Milch wird hier erwärmt, bevor sie den Flocken zugegeben wird. 

Lia und Bertolo machen zum ersten Mal unter fachkundiger Anleitung Pizza selber

Nach der ersten vollwertigen Mahlzeit am Tag geht es in die Schule. Mein Schulweg führt vorbei am Markt, auf dem ich mir abhängig von der Art des Frühstücks noch einen frisch gepressten Orangensaft oder eine Erdbeerbananenmilch gönne (5 Quetzales, also knappe fünfzig Cent ist dieses Getränk allemal wert!). Vom Markt aus geht es steil bergab Richtung See, die "Hauptstraße" (von schätzungsweise vier, fünf Metern Breite) wird derzeit neu gepflastert. Jeden Morgen eine neue Herausforderung: Mal ist das Erdreich aufgebaggert und kaum überwindbar, mal sitzen zwei dutzend Steinmetze am Straßenrand und bearbeiten die neuen großen Pflastersteine mit Hammer und Meißel, sodass ich mich vor den umherfliegenden Splittern schützen muss. Eines Morgens bewege ich mich neben tiefen Furchen, die der Regen der letzten Nacht ins Erdreich gespült hat. Bei Regen muss ich zumindest bergauf meine Flipflops ausziehen, da die Steigung so groß ist, dass ich rückwärts "aus den Latschen kippe". Alles in allem täglich ein interessanter Schulweg. Sobald ich den See ruhig vor mir liegen sehe, biege ich links in eine Seitenstraße und bahne mir meinen Weg durch die schmalen Gassen zur San Pedro Spanish School, die in dem "touristischen Viertel" der Stadt liegt. Hier gibt es einige "teure" Cafés mit Wifi, gepolsterten Stühlen und Latte Macciato im Angebot. Guten Kaffee bekommt man hier tatsächlich, was in Guatemala nicht selbstverständlich ist. Der gute Kaffee wird exportiert, die zweite Wahl wird im Land verkauft und zubereitet.

Aus dem restlichen Hefeteig werden Zimtschnecken gerollt - Angie hilft mir beim Schnecken rollen
Unterricht in der "San Pedro Spanish School"
Pünktlich um acht geht der Unterricht los. In der ersten Woche lerne ich bei Manuel, einem zwanzigjährigen Guatemalteken. Natürlich kann er mir mit meinem sehr geringen Sprachniveau eine Menge beibringen, trotzdem habe ich von Anfang an nicht das Gefühl, dass wir die Zeit optimal nutzen. Mein Lehrer macht einen sehr unerfahrenen Eindruck, weiß teilweise nicht so recht, wie er vorgehen soll und spricht vor allen Dingen kein Englisch. Ich hatte zwar ausdrücklich darum gebeten, überwiegend (im Grunde ausschließlich) Spanisch zu sprechen, aber ein paar Grammatikregeln oder grundlegende Fragen würde ich doch gerne auf einer Sprache erklärt bekommen, die ich vollständig verstehe. Dass es beispielsweise in der Konjugation von Verben in Lateinamerika keine zweite Person im Plural gibt, wird mir erst nach einigen Tagen so richtig klar. Auch auf Nachfrage bekomme ich keine vernünftige Aussage. Immer wieder schlage ich am Nachmittag selber Vokabeln nach oder suche Erklärungen im Internet, die mir mein Lehrer nicht liefern konnte. Relativ schnell steht fest, dass ich nach Ablauf der ersten Woche den Lehrer wechseln werde. Das sei kein Problem, versicherte man mir zu Anfang und ich solle das Angebot auf jeden Fall annehmen, wenn ich es für sinnvoll hielte.
Um zehn machen wir immer eine zwanzigminütige Pause, sodass ich mit der Zeit einige andere Schüler kennenlerne. Ich habe es noch nicht ausdrücklich erwähnt: der Unterricht ist Einzelunterricht. Das ist auch die einzige Methode, die hier angeboten wird. Auf Nachfrage könnten zwei blutige Anfänger mit Sicherheit mit einem gemeinsamen Lehrer starten, aber eigentlich macht das wenig Sinn. Ich genieße es total, dass ich jederzeit nachfragen kann, wenn ich etwas nicht verstanden habe und dass das Tempo immer mir angepasst ist - und nur mir. Ich muss auf niemanden warten, der auch nach dem zehnten Mal ein relelmäßiges Verb nicht konjugieren kann und es regt sich auch niemand auf, wenn ich zum fünften Mal am selben Morgen "ser" und "estar" verwechsel.
Man muss dazu sagen, dass ein Großteil der Studenten aus dem englischen Sprachraum stammt (überwiegend USA, Kanada, aber auch Australien und Neuseeland), somit kennen Viele die "Problematik" des Konjugierens gar nicht oder sind es nicht gewohnt, dass Substantive verschiedene Artikel haben.

Spiegelung im Fenster: dieser Nachbarjunge steht täglich mit seinem Drachen auf dem Dach - stundenlang!

Nach der Schule...
Nach vier Stunden Input geht es wieder bergauf - zurück zu Lia und Bertolo, der jeden Mittag zum Essen zuhause ist. An seiner stelle würde ich das genauso machen, wenn ich eine so gute Köchin wie Lia zuhause hätte...
Das Essen ist abwechslungsreich, sowohl taditionall guatemaltekisch als auch "international", es gibt viel Gemüse, ein bisschen Fleisch und natürlich viele Tortillas, die hier bei keiner Mahlzeit fehlen dürfen (ich lasse sie meist "links liegen", da sie zu Glück in einem Extrabehälter auf dem Tisch stehen).

Hier lerne ich heute vier Stunden Spanisch - jeden Tag bin ich mit meinem Lehrer in eine anderen "Klassenraum"

Hausaufgaben...
Am Nachmittag mache ich meine Hausaufgaben, die normalerweise in kürzester Zeit erledigt sind. Das Konjugieren von Verben und einsetzen selbiger in vorgegebene Sätze ich nicht unbedingt sehr fordernd. Ich versuche immer ein bisschen mehr zu machen, ein paar Vokabeln zu lernen oder mehr Übungen zu bearbeiten, aber oft ist mein Speicher für den Tag doch schon recht voll und ich bin froh, den Nachmittag anders nutzen zu können. Nachdem ich die ersten vier, fünf Tage überwiegend im Bett verbracht, vielleicht ein bisschen gelesen habe, aber sonst ein paar ausgesprochen ruhige Tage hatte, bin ich jetzt umso mehr motiviert, aktiv zu werden. Bewegung, neue Eindrücke, Tagesausflüge am Wochenende und Erkunden der näheren Umgebung an den Wochentagen steht auf dem Programm.

Einkaufen, Regen & Pizza Backen
Bertolo fragt, ob und was ich ich Deutschland gerne koche und ich erkläre, dass ich kein großer Freund von dem typisch deutschen Essen mit viel Fleisch, Kartoffeln und eher wenig Gemüse bin. Ich koche gerne mediterran, viel Gemüse, wenig Fleisch, ab und zu asiatisch. Seine Augen strahlen, als ich bestätige, dass ich Pizza machen kann – so mit Teig und Belag und was dazu gehört. Ich verspreche, in den nächsten Tagen Pizza zu machen. Gesagt, getan. Ich gehe mit Lia und den Kindern einkaufen. Im „Touristenviertel“ am See gibt es einen Lebensmittelladen, der einige westliche“ Produkte verkauft. Ich hätte nicht gedacht, dass wir in San Pedro irgendwo Tomatenmark bekommen, nachdem Lia mit meinen Erklärungen relativ wenig anfangen konnte. Klar, frische Tomaten sind auch toll und hier sehr aromatisch, aber die möchte ich nur als Belag einsetzen. Wir laufen zurück Richtung Markt – Frank an Lias Hand, Angie an meiner. Ich muss meinen Arm ganz schön strecken und meine Schulter hängen lassen, damit ich ihre Hand erreiche. Besonders am Hang gehe ich immer einen Schritt weiter hangabwärts, damit ich sie überhaupt an der Hand halten kann (na gut, das wäre zuhause wohl nicht anders, ich habe gehört, da sind kleine Kinder auch ziemlich klein).

Mercado San Pedro
Auf dem Markt bekommen wir Gemüse und Ananas, in einem kleinen Laden Mehl und Schinken, Käse liegt bereits zuhause im Kühlschrank. Hefe ist das größte Problem. Bisher konnte uns noch niemand weiterhelfen. Plötzlich überrascht uns ein heftiger Wolkenbruch und wir haben keine Chance, trockenen Fußes nach Hause zu kommen. Nun gut, mit meinen Flip Flops wird das mit den trockenen Füßen auch nach dem Regen unmöglich sein. Der Regen ist jedoch so stark, dass wir uns fast eine halbe Stunde unter einem Vordach unterstellen und warten. Angie und Frank haben einen Riesenspaß und strecken immer wieder ihre Füße unter dem Dach hervor. Die Straßen sind so steil, dass das Wasser mit enormer Geschwindigkeit den Hang hinunterfließt, jedoch sind die Wassermassen so groß, dass ständig eine zentimeterdicke Schicht Wasser die Straße bedeckt. Selbst Minuten nach Ende des „Schauers“ zieht sich das Wasser bei Begehen der Straße noch bis über die Knöchel die Füße hoch. An Treppenstufen vor Hauseingängen staut sich das Wasser, von Dächern fließt es gesammelt ab und Frank hat einen Riesenspaß unter den Abflüssen zu duschen. Angie hüpft lieber mit vollem Schwung in die gestauten Wasseransammlungen. Zurück am Haus sind die Zwillinge klitschnass – und glücklich! Lia scheint genau so viel Freude zu empfinden, wie die Kinder selber. Selbst als Frank durch das ganze Haus nach oben aufs Dach rennt, um noch einmal in die dort angesammelte Pfütze zu springen, beschwert sie sich nicht über die nassen und dreckigen Böden. Bevor sie die beiden unter die Dusche steckt, drückt sie einem Mädchen auf der Straße ein paar Quetzales in die Hand und schickt sie zum Hefe kaufen. Sie kommt mit einem riesigen Stück wieder, nach kurzer Erläuterung der benötigten Menge verschwindet sie wieder und kommt mit einer Handvoll zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes: Lia holt ein kleines Schüsselchen aus der Küche, um die Hefe aus ihrer Hand in den Behälter zu entleeren. Nun sind die Teigzutaten komplett. Eigentlich wollte ich ja zum abendlichen Konversationskurs in die Schule, aber nach dem Regen ist es schon zu spät.

Einer der freundlichen Marktverkäufer
 Es ist noch Hefe übrig, also schlage ich kurzerhand vor noch Zimtschnecken zu backen, zwar nicht ganz so saftig wie die guten in Belize (und natürlich die in Schweden, an die kommt man hier nur so schlecht ran), aber trotzdem lecker. Und natürlich ein Riesenspaß für die Kleinen (und großen) Kinder...
Der Tag ist schon wieder wahnsinnig schnell vergangen - ich glaube, morgen muss Lia wieder kochen, heute habe ich nicht mal meine Hausaufgaben geschafft und erledige sie noch schnell am nächsten Morgen vor der Schule.

Fortschritte im Spanischen
Nach einer Woche bekomme ich eine neue Lehrerin. Teresa ist deutlich älter als Manuel, spricht relativ gut Englisch und macht schon am ersten Tag den Eindruck, sehr strukturiert und bewusst vorzugehen. Ich erwähne einige Schwächen bzw. Bereiche, die bisher noch nicht behandelt wurden, mir aber bei jedem zweiten Satz fehlen und am Ende des ersten Tages habe ich das Gefühl, genauso viel gelernt zu haben wie an den fünf vergangenen Tagen. Die vier Stunden gehen viel schneller um als gestern, machen mehr Spaß und ich finde es richtig schade, als die Zeit für den Tag um ist. Wenn das so weiter geht, spreche ich in drei Wochen so viel Spanisch wie Französisch nach drei Jahren Unterricht bei Herrn Lepenies am Haaner Gymnasium :)  (...und das hat damals keinen Spaß gemacht).

Auf geht's in die zweite Woche... gesund und munter und voller Vorfreude!

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Ein Monat - ein Zuhause

20:24 Einsame Insel.de 0 Comments

Rucksack auspacken, Zahnbürste und Duschzeug raussuchen, Kameraakku und Kindle an die Lade hängen (und der blöde "geniale Weltweitadapter" fällt schon wieder aus der Steckdose), Trinkwasser besorgen, Fotos sichern, Blog schreiben, Abendessen, eine nette Unterhaltung im Hostel führen, aber ja nicht zu spät ins Bett gehen, da morgen früh der Bus nach Timbuktu fährt oder der Tag in Buxdehude genutzt werden will...

Eine Wand voller touristischer Wegweiser in San Pedro: Spanish School, Hostel, Café..

Ja, so ist das Backpacker-Leben. Natürlich packt man nicht jeden Tag ein und aus, aber auch bei drei Übernachtungen ist das Ganze nicht weniger "stressig" als ein Wochenendausflug im Alltag zuhause. Man muss auch bedenken, dass die gesamte Reiseplanung noch nebenher läuft: nächstes Reiseziel, Fortbewegung, Unterkunft usw. werden in der Regel spontan festgelegt. Zwar ist das eine Art von Stress, die mir gefällt (manche mögen jetzt schmunzeln und anmerken, dass ich generell das Wort "Stress" eher positiv belegt sehe), aber auf Dauer hält man das auch nicht durch.

Ich bin nun exakt einen Monate gereist, das sind 30 Tage oder 720 Stunden, bevor ich das erste Mal an einem Ort richtig zur Ruhe kommen kann. Ursprünglich wollte ich zwei, drei Wochen "schnell reisen", aber scheinbar war ich noch nicht erschöpft genug nach gut drei Wochen in Mexiko und habe noch eine Woche Belize und Tikal drangehängt. Damit ich die Ruhe danach auch wirklich zu schätzen weiß, quäle ich mich noch eineinhalb Tage in den Bussen Guatemalas. Morgens geht es von Flores (fast eine Insel, die noch mit einem Straßenstreifen mit dem Festland verbunden ist) bzw. Santa Elena in einem großen Reisebus nach Guatemala City. Aufhalten möchte ich mich hier nicht, im Nachhinein wäre es wahrscheinlich einfacher gewesen, eine Nacht in der Stadt zu verbringen. Stattdessen fahre ich mit einem "Shuttlebus", den ich direkt mit gebucht habe, bis Antigua weiter. Ich bin heilfroh, dass der Fahrer des Shuttles direkt am Busterminal (mit Schildchen "Antigua") wartet und ich nicht um neun Uhr abends quer durch die nicht ganz ungefährliche Hauptstadt laufen muss. Zum Glück habe ich auch eine Idee, wo ich in Antigua unterkommen kann, denn um elf Uhr ist es ganz schön düster in der angeblich so hübschen Kolonialstadt. Straßenbeleuchtung ist in Guatemala alles andere als üblich. Erleichtert erreiche ich die "Rezeption" des angesteuerten Hostels und falle wenig später nach einer Dusche vollkommen erschöpft ins Bett.

Blick aus dem Fenster: Wellblech ist die Standarddacheindeckung
Mittwoch früh gibt's noch Frühstück im Hostel, ein nettes Gespräch - zur Abwechslung mal auf deutsch (ja, auch hier scheint es Deutsche zu geben, die sogar noch länger reisen als ich) - und ich mache mich auf gen Busbahnhof. Eigentlich sollte noch ein "Shuttle" Richtung Atitlansee fahren, jetzt erfahre ich allerdings, dass er doch schon längst unterwegs sei und der nächste in sechs Stunden führe. Dann die einheimische Variante. Eine letzte Warnung von einem französischen Pärchen, ihnen hätte man die Rucksäcke im Bus aufgeschlitzt - und auf ins Getümmel!

Chickenbus heißt das Stichwort! Man stelle sich einen amerikanischen Schulbus vor. Ja, genau, diese gelben Blechkisten. Amerikanische Kinder mögen zwar dicker sein als deutsche, trotzdem ist eine Sitzbank in einem solchen Schulbus ziemlich schmal. Schätzungsweise sind sie ausgelegt für zwei durchschnittliche Kinder - welcher Nationalität auch immer. In einem guatemaltekischen Chickenbus (meist nicht mehr gellb sondern bunt lackiert) sitzt man zu dritt auf einer dieser Bänke und - als sei das noch nicht eng genug - quetscht sich auch noch eine Person in den maximal fünfzig Zentimeter breiten Mittelgang. Wenn man Pech hat und in einen quasi vollen Bus einsteigt (glaubt mir, das Wort "voll" ist durchaus dehnbar), darf man sich selber in den Gang quetschen und auf den Boden hocken - natürlich dann auch jedes Mal aufstehen, wenn jemand aus- oder einsteigen muss. Und mit einem europäischen Kreuz oder Gesäß klemmt man auch eher fest, als dass man gemütlich sitzt oder hockt. Riesenspaß auf jeden Fall - besonders auf längeren Strecken

Wäsche trocknen auf den Dächern über San Pedro - ich mag dieses Fotos irgendwie :)
Auf dem Weg von Antigua nach San Pedro wechsel ich fünf Mal den Bus. Je mehr ich mich meinem Ziel nähere, desto kleiner werden die Busse bzw. Transportfahrzeuge. Die letzten Kilometer stehe ich auf der Ladefläche eines PickUps - wenigstens kann ich mich hier frei bewegen und sehe ein bisschen was Anderes als nur schwarze Köpfe.  Ich finde die "San Pedro Spanisch School" relativ schnell - in direkter Nähe zum See und somit vom Stadtzentrum aus durch eine steile Straße bergab zu erreichen.
Ich fülle ein Formular aus undschon zwanzig Minuten später kommt Bertolo mit seinem nagelneuen Mountainbike angeradelt. In seiner Familie werde ich voraussichtlich die nächsten vier Wochen verbringen. Hätte ich gewusst, dass sich sein Haus um die Ecke des Marktes befindet, in dessen Nähe ich angekommen bin, hätte ich meinen Rucksack nicht den Berg hinunter getragen um ihn jetzt in der brüllenden Hitze wieder hochzutragen. Glücklicherweise habe ich in Mexiko einen (Sonnen)Hut erstanden.

Zunächst lerne ich Lia (Bertolos Frau) kennen, die Kinder sind noch nicht zuhause. Viel lässt nicht darauf schließen, dass das Haus von vier Familienmitgliedern bewohnt ist. Im Erdgeschoss befindet sich ein Computerladen - wie ich später erfahre noch nicht eröffnet - im Erdgeschoss vier (Schlaf-)Zimmer und im zweiten Obergeschoss Küche und ein Wohnzimmer, das mit einer Couch/Bank und einem Fernseher auf einem Holztisch bestückt ist. Das tollste am Haus ist die "Dachterrasse" mit Blick über den See und die Dächer der Stadt.

Vier Wochen guatemaltektischen Alltag habe ich vor mir - in einer noch unbekannten Familie und mit einem hoffentlich fähigen Spanischlehrer!

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Auf den Spuren der Maya

13:47 Einsame Insel.de 0 Comments

Das Erwachen des Regenwaldes
Ich sitze auf den oberen Stufen des Tempel der doppelköpfigen Schlange und reibe mir den Schlaf aus den Augen. Es ist kurz nach vier, halb fünf und ich kann langsam meine Taschenlampe ausknipsen. Ob die Sonne schon über den Horizont hinausgestiegen ist oder noch knapp darunter wartet, kann ich nur erahnen. Dichter Nebel liegt über dem Urwald. Ich sehe nichts als Baumwipfel, die schon in geringer Entfernung unter einer dicken weißen Schicht verschwinden. Keine Spur von den Spitzen des "Tempels des Jaguarpriesters" oder einem der anderen uralten freigegelgten Gebäude. Für einige Sekunden lässt sich eine steinerne Tempelspitze erahnen - einen Augenblick später bin ich mir schon nciht mehr sicher, ob ich wirklich etwas gesehen oder es mir nur eingebildet habe. Obwohl ich nicht alleine hier oben sitze und hier und da mal eine Kamera klickt, eine Tüte raschelt oder leise gesprochen wird, ist die Stimmung irgendwie mystisch. 

Einige Zeit nach Sonnenaufgang sind die Tempel zwischen den Baumwipfeln zu erkennen

Der Sonnenaufgang, der urspünglich der Grund für unseren morgendlichen Aufbruch in Flores um drei Uhr war, ist aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nicht der Rede wert - kein Wunder bei den Regenfällen vom Vorabend. Das Wasser muss erstmal verdunsten. Hier und da macht sich ein bisschen Enttäuschung breit, aber das eigentliche Spaktakel sollte noch folgen. In der ferne höre ich ein lautes Brüllen, das ich im ersten Moment einem großen Raubtier zuordne. Da ist es wieder, das Gleiche habe ich schon in Palenque früh am Morgen gehört. In Mexiko hatte mich die Regelmäßigkeit des Geräuschs nur so verwundert, dass ich mir die Erklärung zurechtlegte, dass möglicherweise jemand irgendeine Form von Alarm, Handyklingelton oder Ähnliches mit diesem Brüllen belegt hatte.

6 Uhr morgens - so richtig aufnahmefähig bin ich noch nicht!


Tikal
Der schier unendliche Regenwald vor mir. Das Brüllen setzt sich fort. Es kommt von links, von rechts, aus der Ferne und aus der Nähe. Eigentlich aus allen Richtungen. Ich muss an ein Zitat vom Flugplatz denken und schmunzeln ("Das Bose Soundsystem... Ich hab das jetzt nur nicht an wegen dem Strom und so!"). Ich glaube wirklich, dass man uns hier etwas vorspielt. So ein paar Lautsprecher an den Bäumen - möglich wäre das doch? Immerhin kostet die Sonnenaufgangstour und sogar der Parkeintritt extra. Zahlen wir den Aufpreis nur, weil Guide, Fahrer und Parkangestelle früh aufstehen müssen? Die Show ist das Geld jedenfalls wert. Zumal sie nicht vom Tonbandgerät kommt.

Das erste Lebewesen, das ich an diesem Morgen im Tikal Nationalpark sehe

Die Lösung des Rätsels? 
Brüllaffen! Ja, genau, sie haben ihren Namen ja nicht ohne Grund. Die Tiere leben in Gruppen zusammen, die untereinander - besonders in den frühen Morgenstunden - über laute Schreibe kommunizieren, die über Kilometer hinweg hörbar sind. Ein ausgesprochen beeindruckendes Spektakel - auch ohne die Sprache der Klammerschwanzaffen zu verstehen. Viel Nebel, wenig Sonne - eher ein Erlebnis für die Ohren als für die Augen. Mal was Anderes.

Vier Stunden im Nationalpark
Gegen zehn Uhr sei unsere Führung durch das Kultur- und Naturwelterbe beendet und wir könnten uns dann überllegen, wie viel Zeit wir noch alleine dort verbringen wollten und wann wir mit dem Bus zurückfahren würden. Ich hatte im Vorfeld darüber nachgedacht, wie viel Zeit ich denn wohl auf dem riesigen Gelände verbringen würde. Vier Stunden ist ja gar nichts - wenn ich an mehrere Tage in den Tempelanlagen um Angor Wat in Kambodscha denke. Der Autor meines Reiseführers rät auch dazu, ja nicht zu wenig Zeit für Tikal einzuplanen. Erstmal hören, was unser lokaler Tourguide zu berichten hat und dann kann ich immer noch entscheiden, wie der Tag weitergeht.

Es bleibt bedeckt. Grauer Himmel, eine Mischung aus tiefem Nebel und etwas höheren Wolken. Die Tempel in ihrem grau-brauntönen tragen nicht gerade zur Farbigkeit der Umgebung bei. Schnell wird klar, wie wertvoll unser Fremdenführer ist.

Wer wollte nicht schon einmal die flauschigen Beine einer Tarantel im Gewicht spüren?
Wir haben genug Zeit, den ein der anderen Tempel zu besteigen und genauer zu betrachten (auch wenn das Betreten eigentlich wegen vergangener Unfälle untersagt ist), bekommen gezeigt, welch erstaunliches Echo inmitten der Gebäude zu hören ist und vor allem wird uns die Tierwelt näher gebracht, die ich alleine mit Sicherheit nicht so intensiv erlebt hätte. Neben einer Tarantel entdecken wir einen Nasenbären (Nasua), vielleicht ist es ein Südamerikanischer Nasenbär (Nasua Nasua - klingt das nicht toll?) und später eine ganze Familie. Knistern mit einer Plastiktüte reicht, um die niedlichen Tierchen anzulocken. Füttern ist gar nicht nötig, das Geräusch alleine lockt sie in unsere Nähe - neugierige Geschöpfe!

Ein kleines zerbrechliches Kunstwerk
Schmetterlinge gibt's hier auch wie Sand am Meer
Endlich ist ein bisschen Blau zu entdecken zwischen den Wolken!



Klassische Stufentempelansicht


Nasua Nasua - und ganz schön viele davon!


Ein beeindruckender Baum!
Nach vier Stunden wollen wir alle nur noch eins: Frühstücken und dann ins Bett! Ich verschwende keinen Gedanken mehr daran, noch länger hier zu bleiben. Ein kurzer Blick in das Museum genügt um festzustellen, dass es alles andere als interessant oder sehenswert ist. Wir zahlen zwar keinen Eintritt, müssen uns aber am Eingang in eine Art Gästebuch eintragen. Sowas gehört meiner Meinung nach an den Ausgang - freiwillig. Aus Trotz trage ich mich mit "Günter Kastenfrosch, Panama" ein. Ich habe keine Ahnung, wie ich gerade darauf komme. Ich habe letztens noch einmal nachgesehen, worum es in der guten alten Geschichte von Janosch ging, weil ich das Kinderbuch sofort im Kopf habe, wenn ich an Panama denke. Die Holzkiste aus Panama, die nach Bananen duftet... Aber das ist ein anderes Thema.

Noch eine antike Mayastadt?
Teotihuacán, Monte Albán, Palenque, Tulum - Tempel, Pyramiden, Ruinen und Weltkulturerbe habe ich wahrlich einige gesehen. Dazu noch die verschiedenen historischen Stadtkerne - mein Kulturpensum der letzten Wochen ist quasi gesättigt. Ich muss auch zugeben, dass mich bei vielen "Anlagen" vor allem die gigantische Größe beeindruckt - das Erklimmen und dann der Ausblick von einer zig Meter hohen Pyramide ist in meinen Augen reizvoller als das Betrachten von in Stein gemeißelten Details am Fuße eines Tempels. Wie schon erwähnt habe ich Chichén Itza auch deswegen ausgelassen, weil die einzelnen Monumente nicht mehr begehbar sind und ich mir nicht sicher war, ob der Anblick mit einer gewissen Distanz mir "mehr geben" würde als das Betrachten einer Fotografie. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Tikal gehört allerdings wirklich zum Pflichtprogramm - das hatte ich mir schon vor der Beginn der Reise vorgenommen. Und Petra, meine gute Reisefreundin aus Myanmar (eigentlich aus Stuttgart), würde mir wahrscheinlich den Kopf abreißen, wenn ich Tikal ausgelassen hätte.
Die Sonnenaufgangstour hat sich auf jeden Fall gelohnt - aber bestimmt nicht des Sonnenaufgangs wegen!

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Belize, Baby!

17:06 Einsame Insel.de 4 Comments

Mein letzter Stop in Mexiko ist Chetumal, hier teile ich mir für eine Nacht ein Zimmer mit Martina aus Zürich, die ich beim Auschecken in Bacalar kennengelernt habe. Wir haben beide noch einige Dinge zu erledigen, bevor wir Mexiko verlassen: Wäsche waschen, Shampoo und Sonnenmilchnachschub kaufen, Churros essen und einfach ein bisschen ausschlafen bevor wir einen Tag "on the road" sind. Wir verstehen uns prima und haben beide endlich eine Reiseabschnittsgefährtin gefunden, die immer und überall zum Essen und Trinken halt machen möchte - wir sind uns einig, dass der kulinarische Genuss auf Reisen enie sehr große Rolle spielt. Glücklich, wieder mit einem vollen Magen und einem Rucksack mit frischer Kleidung und einem vollen Kulturbeutel loszuziehen, nehmen wir den ersten Bus Richtung Belize City.

Erste Eindrücke in Belize

Endlich ein schöner, alter, klappriger Bus - farbenfroh lackiert, mit schmalen Kunstledersitzen bestückt und nach ein paar Stops an der Straße voll mit Mexikanern und Belizianern (muss ich mal nachschauen, ob man das wirklich so sagen kann).

Warten auf den Bus nach San Ignacio, Belize


Ein Deutscher (mit italienischem Pass) und eine Schottin (deren Vater aus Holland und deren Mutter aus der Dominikanischen Republik kommt - oder so ähnlich) sind die einzigen weiteren Touristen im Bus. Genau genommen wohnen sie in Mexiko und haben es somit an der Grenze etwas einfacher. Martina und ich müssen ein bisschen tiefer in die Tasche greifen, bekommen dann aber auch unseren Stempel in den Pass. Ich schenke den beiden Wahlmexikanern meinen deutschen Mexiko-Reiseführer (Stefan Loose, wie immer zu empfehlen), woraufhin sie mein Busticket bezahlen. Nette Geste! So landet das gute Buch mit Sicherheit nicht in der nächsten Mülltonne!
Ich genieße die lange Fahrt (streckenmäßig kurz, zeitlich verhältnismäßig lang) und die vorbeiziehende Landschaft (so schnell zieht sie ja nicht vorbei...).

Martina beim nächtlichen Fischen auf Caye Caulker
 
Erfolgreich!

Josh macht die "Drecksarbeit"

Belize City - oder zumindest die Gegend um den Busbahnhof - ist ein ziemliches Durcheinander. Hier warten offenbar alle Taxifahrer, Hotelvermittler und sonstige nervenaufreibende Gestalten, die mich in den letzten Wochen in Ruhe gelassen haben. "Hey white girl!" und "Hey Baby!" hören wir am häufigsten. Martina hat lange, hellblonde Haare - mehr Auffallen geht hier wahrscheinlich kaum. Immerhin sind die Einwohner dieser Stadt recht groß gewachsen (erstaunlich groß, man glaubt sich in Europa zu befinden), trotzdem falle auch ich immer als Europäerin oder sogar Deutsche auf. Manch einer meint, es seien die blauen Augen - ich hätte mir die Haare gar nicht tönen brauchen, die Augen seien noch auffälliger. Na gut, ich werde nicht auf dunkle Kontaktlinsen und schwaarze Haare umschwenken. Bisher habe ich mich ja auch ganz wohl gefühlt (im Sinne von sicher).

"The Split" an der Nordspitze der Insel Caye Caulker
Wir verbringen drei Tage auf der Insel Caye Caulker, die die üblichen Inselaktivitäten bietet: Schwimmen, Schnorcheln, Tauchen, Kanu fahren, Angeln, Spazieren, Lesen, Essen & Trinken und das war's dann glaube ich auch schon. Nach drei Tagen bin ich für meinen Teil dann auch mit diesen Dingen durch und habe genug vom Inselleben. Dazu trägt zwar auch das unfreundliche Personal und die fehlende Atmosphäre im Hostel bei, aber es ist auch einfach die Tatsache, dass ich mich übertrieben ausgedrückt langweile. Ich kann einfach nicht mehr als ein paar Stunden "faulenzen" und hier gibt es für mich zu wenig "Aktives" zu tun.

Southern Stingrays flutschen am Strand von San Pedro über meine Füße - unglaublich, wie weich ihre großflächige Unterseite ist
Soviel zur Infrastruktur auf Caye Caulker...

Wie in Mexiiko wird hier viel gemalt...

Tankstelle auf Caye Caulker

"Flughafen" Caye Caulker - bei Sonnenuntergang gehen hier die einheimischen Frauen joggen - in knielangen Röcken und schneeweißen (noch nie benutzten?) Turnschuhen

Belize Zoo
Belize Zoo


Das Tauchen ist grandios und die Insel ist schön, aber ich freue mich auch schon auf die nächste Stadt auf dem Festland. Vera (Finnin),  Martin und ich machen einen Abstecher zum Belize Zoo und bleiben eine Nacht in San Ignacio kurz vor der guatemaltekischen Grenze - so lernen wir noch einmal eine Stadt auf dem Festland von Belize kennen. Viel gibt es hier nicht zu sehen, mein Highlight des Abends erlebe ich auf dem Markt: Ich entdecke doch tatsächlich Mangosteen - the Queen of the Fruits! Da muss ich natürlich direkt zuschlagen und den anderen meine Lieblingsfrucht (die ich bisher nur in Südostasien entdeckt und gekauft habe) näherbringen!


Und jetzt geht's endlch nach Guatemala - Tikal anschauen und dann auf zum Spanischkurs!



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Scuba Sensations - Tauchen in Belize

16:40 Einsame Insel.de 0 Comments

Dass ich irgendwann unterwegs mal untertauchen werde - im wörtlichen Sinne - war klar, aber dass sich die besten Gelegenheiten schon zu Anfang ergeben, war mir nicht so bewusst. Ich hatte mit Hurricane-Saison in Mexico und Belize gerechnet und somit nicht unbedingt mit den besten Bedingungen zum Tauchen. Gut, für die Cenoten bei Tulum war das Wetter relativ egal, wobei ein bisschen Sonnenlicht natürlich immer schön ist, wie man den schon gezeigten Fotos entnehmen kann. Bisher hatte ich wahnsinnig Glück mit dem Wetter und bin nie ernsthaft nass geworden.

Belize ist ein sehr schmales Land, es hat im Verhältnis zur Breite eine große Nord-Süd-Ausdehnung und somit eine lange Küste am Karibischen Meer. Die Hauptstadt Belmopan sowie die größte Stadt des Landes, Belize City, haben an Sehenswürdigkeiten, kulturell und architektonisch nicht besonders viel zu bieten. So liegt es nahe, die Welt am, auf dem und unter Wasser genauer zu betrachten. Nach dem Great Barrier Reef ist das Riff vor Belize das zweitlängste der Welt. Viele Touristen kommen ausschließlich zum Tauchen nach Belize und besuchen die vorgelagerten Inseln. Das „Blue Hole“ gilt als der Tauchspot überhaupt – dreihundert Dollar finde ich für einen Tagesausflug jedoch etwas unangemessen. Für ein Viertel dessen kann ich einen grandiosen Tag mit zwei Tauchgängen verbringen. Mittlerweile habe ich mich mit dem Unterwassergehäuse für meine Kompaktkamera angefreundet und ein paar farbenfrohe Unterwasserlebewesen festhalten können. Bert von Scuba Sensations auf Caye Caulker hat mir jedenfalls ein unvergessliches Taucherlebnis geboten. Schon auf der Bootsfahrt haben wir Delphine beobachten können und sind auf unserem zweiten Tauchgang sogar noch auf eine grüne Schildkröte gestoßen.

Farbenfrohe Unterwasserwelt

Nurse Shark / Atlantischer Ammenhai

Das eleganteste Lebewesen, das ich je gesehen habe ist wohl dieser Adlerrochen, der einen guten Meter breit ist - man könnte schon fast von einer Spannweite sprechen, da sich der Rochen auf- und abbewegt wie ein Vogel in der Luft. Auf unserem Tauchgang begegnet uns direkt ein ganzer Schwarm  von rund zehn Tieren. Sehr beeindruckend!
Spotted Eagle Ray / Gefleckter Adlerrochen


Bert zeigt, wie sich die Haie am liebsten streicheln lassen. Ob sie es wirklich nicht unangenehm finden, wage ich zu bezweiffeln.


Nurse Shark / Atlantischer Ammenhai

Fisch > Taucher

Irgendwie sehr fotogene Tierchen.

"Ich wohne in einer Ane-mo-me-ne!"

Muränen sind offenbar bei Tag relativ blind und so verushct dieses Wesen immer wieder, gegen meine kamera zu schwimmen. Ein bisschen unheimlich sind diese hässlichen grünen Schlangentiere ja schon...

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The story so far...

17:59 Einsame Insel.de 1 Comments

Die Zeit vergeht wie im Fluge... das ist ja nichts Neues, besonders nicht beim Reisen, aber der erste Monate verging wirklich erstaunlich schnell. Ein paar Tage vor meiner Abreise erklärte Patrick so schön, welche Arten von "Weltreisenden" es gibt Reisende,

  • die nach drei Wochen Heimweh bekommen und die Heimreise antreten
  • die irgendwann an einem Ort hängenbleiben, weil sie dort ihren Traumjob, ihre große Liebe oder sonst irgendwas wahnsinnig Tolles oder Wichtiges finden und dann gibt es diejenigen,
  • die von einer Art Reisesucht befallen werden und ihr "Zuhause" ständig neu definieren

Wir waren uns auf jeden Fall einig, dass ich nicht zu der ersten Gruppe gehöre. Alles Weitere wird sich dann zeigen... Fest steht auf jeden Fall jetzt schon, dass sechs Monate kein wirklich langer Zeitraum sind. Und ich bin ganz froh, dass weder mein Rückflugticket vollkommen fix ist noch ein Arbeitsvertrag unterschrieben ist und irgendjemand darauf wartet, dass ich am ersten April auf der Matte stehe.

Endlich wieder im Klapperbus stundenlang durch die Gegend fahren - was kann es Schöneres geben?
Die ersten Wochen in Mexiko waren famos, mein Spanisch ist natürlich noch nicht so grandios, aber da werde ich in Guatemala intensiv dran arbeiten. Rückblickend waren meine Favoriten San Cristobal de las Casas wegen der ungewöhnlichen und entspannten Atmosphäre und von den Städten selber abgesehen war die Natur in Tulum (ja, ich meine den touristisch geprägten Strand) und Bacalar wunderbar. Die Städte Mexikos sind extrem farbenfroh, jedes Haus hat eine andere Farbe - das spiegelt schön die vielfältige Kultur wider. Über das Essen werde ich noch einmal seperat schreiben - und vor allem Fotos zusammenstellen.

Meine Route von Mexico City nach Chetumal an der Grenze zu Belize

Es mag vielleicht den Eindruck machen, dass ich sehr schnell durch das Land gereist bin und für die Zeit verhältnismäßig (zu) viel gesehen habe. Ich denke das Tempo war für den Anfang meiner Reise in Ordnung, da ich noch sehr aufnahmefähig bin. Ich weiß aus Erfahrung von meiner Asienreiserei, dass diese Aufnahmefähigkeit immer geringer wird und nach schätzungsweise zwei Monaten (je nach Intensität und Aktivität) der Speicher voll ist. Es gab Zeiten, beispielsweise mein mehrwöchiger Aufenthalt in Myanmar, in denen ich jeden Tag relativ früh beendet habe und mich spätestens nach dem Abendessen für zwei Stunden hinsetzen musste um aufzuschreiben, was ich an dem Tag erlebt hatte und was mir durch den Kopf ging. Das mag hier auch deswegen (noch) anders sein, weil ich mich viel unterhalte und weil Mexiko und Belize doch sehr zivilisierte Länder sind. Der Entwicklungsstand meiner Umgebung wird in den kommenden Tagen und Wochen drastisch abfallen.

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Laguna Bacalar - Ein kleines Paradies in Yucatan

23:15 Einsame Insel.de 1 Comments

Die Laguna Bacalar ist ein wunderschöner etwa 60km langer, aber schmaler Süßwassersee, der aufgrund seiner Vielfarbigkeit auch "laguna siete colores" genannt wird. Wenn man genau hinsieht kann man im Sonnenlicht tatsächlich sieben verschiedene Türkistöne zählen, die relativ klar voneinander abgesetzt sind. Nachdem ich den Strand in Tulum gesehen und eine grobe Vorstellung von der Schönheit der Karibikküste habe, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass ein Binnensee ebenso schön sein kann wie das offene Meer. Natürlich fehlt die "unendliche Weite"... aber ein Gewässer ohne den hohen Salzgehalt ist zum Schwimmen viel angenehmer. Ich könnte mich hier ewig aufhalten... Zum Arbeiten, Schreiben, Nachdenken, Lesen ist das wohl der perfekte Ort. Aufgrund der großen Regenmengen ist der Wasserstand sehr hoch, sodass die meisten Holzstege unter Wasser stehen. Einerseits schade, andererseits gut für außergewöhnliche Fotos - man kann einfach auf dem Wasser gehen.

Sonnenaufgang in Bacalar
Hach, wieder ein kitschiges Postkartenmotiv!

Fast so gut wie eine Hängematte

Leider mit schief stehendem Stativ - kann den Horizont leider nicht begradigen ohne Photoshop!
Diese Kinder haben gerade mit einem großen Stein die Schlange erschlagen, nachdem sie wohl im Haus ihr Unwesen trieb. Und das Ganze wird dann mit dem Handy gefilmt...

Die verschiedenen Türkistöne lassen sich auf diesem Foto nur erahnen.
Ufer am Gelände des "Magic Hostel"

Sternenhimmel / Magic Hostel Bacalar

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