Ein Paradies für Drusenkopf und Grapsus Grapsus

12:31 Einsame Insel.de 4 Comments

Manchmal scheine ich die Anstrengungen des Reisens ein wenig zu unterschätzen. Ein paar Stunden im Bus, ein paar Stunden im Flugzeug, wieder im Bus, im Boot, im Bus und ein paar Stunden bei der größten Mittagshitze laufen – das alles endet am späten Nachmittag in der Aussage „Ich mache mal eben eine halbe Stunde die Augen zu!“. Im Endeffekt schlafe ich durch – bis zum nächsten Morgen um kurz nach acht. Ich kann ich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so lange am Stück geschlafen habe. Silvester wäre es mir fast passiert, aber da wurde ich noch „rechtzeitig“ vor Mitternacht geweckt. Na gut, mein Körper hat es dann wohl auch gebraucht. Mittlerweile komme ich sowieso nicht mehr auf die Idee, dass ich mit so etwas wie Ausschlafen oder mal einen halben Tag „Nichtstun“ Zeit verschwende. Wenn man lange unterwegs ist, gehört das wohl auch dazu – und ich bin nun schon in meinem sechsten Reisemonat.

Scheint einfach nur den Anblick des großen weiten Meeres zu genießen: der Drusenkopf oder Galapagos-Landleguan

Am zweiten Tag auf Santa Cruz geht es in die „Wildnis“, genauer gesagt zum Tortuga Bay, einem der wenigen Orte auf der Insel, die man ohne offiziellen Guide besuchen kann. Vom Rande der Stadt ist es ein rund 45minütiger Fußweg zum Schildkrötenstrand der selbst morgens um neun im Halbschatten der Sträucher aufgrund der Hitze ganz schön schweißtreibend ist. Der von niedrigen Lavasteinmauern eingefasste Fußweg wird von unzähligen kleinen Geckos gekreuzt, die nur einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was uns am Strand erwartet.
Ein breiter weißer Sandstrand liegt vor mir, in der Ferne entdecke ich ein paar Lavasteinformationen und einige Touristen, die in Kleingruppen andere Ecken des Strandes erkunden. Schuhe aus und Richtung Wasser! Der Sand ist ganz weich, es stört kein Strandgut und das Einzige, was vor mir die einheitliche Fläche unterbricht sind ein paar Leguane – große Leguane. Drusenköpfe oder Galapagos-Landleguane werden sie genannt. Die meisten von ihnen sitzen einfach nur da, starren aufs Meer hinaus – auf den Pazifik in seinem wunderschönen Türkis-blau und die sich sanft in weißer Gischt brechenden Wellen. Zwei von ihnen scheinen einen synchronen Spaziergang parallel zur Wasserkante zu vollziehen, drehen ihre Köpfe gleichzeitig zum Wasser und ziehen beide eine Linie im Sand hinter sich her. Hätte mich jemand gefragt, zu welchem Tier diese Spuren im Sand gehören, hätte ich bis eben keine Ahnung gehabt.

Synchron-Strandspaziergang der Leguane - mit der Kopfdrehung müssen sie noch ein bisschen üben!
Von Scheue keine Spur. Es gibt im gesamten Nationalpark der Galapagosinseln die Regel, sich Tieren auf maximal zwei Meter Distanz zu nähern. Diese Nähe scheinen auch die Leguane problemlos zu akzeptieren – so lange man sich nicht schnell bewegt, lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Dass diese Tiere auch eine etwas fiese Eigenschaft haben, würde ich erst am nächsten Tag feststellen. Schildkröten, die diesem Strand seinen Namen geben, sehe ich heute nicht, allerdings im Laufe des Vormittags deutlich mehr Tiere als auf den ersten Blick erwartet. Eine Ansammlung von Lavagesteinsbrocken ragt ins Meerwasser und scheint der beliebteste Aufenthaltsort für Krabben, Leguane und Pelikane zu sein. Die rote Klippenkrabbe gefällt mir besonders gut – und noch besser ihr Name „Grapsus Grapsus“. Faszinierend leuchtstark ist die rote, orange und knallblaue Farbe, die sich bei den meisten Tieren im Panzer entdecken lässt.

Grapsus Grapsus - die ganze Zeit am futtern!

Pelikane sind in der Luft, auf dem Wasser und am Strand unterwegs und genauso wenig scheu wie ihre vier- und achtbeinigen Kollegen am Tortuga Bay. Ich bin froh, dass der Himmel mittlerweile relativ stark bewölkt ist, da die Hitze sonst vermutlich unerträglich wäre. Beim Schnorcheln am Schildkrötenstrand entdecke ich heute keine Schildkröte, aber der Wellengang ist gerade auch relativ stark, sodass die Sicht eher bescheiden ist. Ich bin etwas verwundert, als ich auftauche und direkt auf die Füße eins Pelikans auf einem Felsen neben mir schaue. Das Tier flüchtet jedoch nicht vor mir sondern kommt noch näher – und da soll mir noch mal jemand sagen, ich solle zwei Meter Abstand von den Tieren halten. Wenn das Gleiche nicht für den Abstand zu Touristen für die Tiere gilt, habe ich natürlich gewissen Schwierigkeiten, mich an diese Regel zu halten. Aber da komme ich ganz gut mit klar... bisher wurde ich jedenfalls noch nicht gebissen.

Diese beiden Pelikane sind ebenfalls sehr synchron unterwegs.

Nur Fliegen ist schöner...

Die Zeit verfliegt an schönen Orten immer ganz besonders schnell. Für den Nachmittag steht der Besuch von „Las Grietas“ an, einer mit Frischwasser gefüllten Felsspalte, die sich zum schwimmen und schnorcheln eignet. Wie schon am Vortag erlebt lässt die Beschilderung hier zu wünschen übrig und man ist sich nie so ganz sicher, ob man auf dem rechten Weg ist. Es ist zwar kein Problem, sich durchzufragen, aber es wäre trotzdem manchmal wünschenswert, dass die Wegweiser und Karten, die es gibt, wenigstens eindeutig den richtigen Weg anzeigen. Immerhin hat uns das „Taxiboot“ schon an den richtigen Ort gebracht, von dem aus wir unser Ziel fußläufig relativ zügig erreichen können. Dort angekommen folgen wir einer Holztreppe und klettern ein paar Steine hinab, um dann in dem erfrischend kühlen Wasser mit einem großen Schwarm mir unbekannter Fische zu Schnorcheln. Das Wasserbecken ist ziemlich tief und bestimmt fünfzig Meter lang, sodass es sich sogar für ordentliches Schwimmtraining eignen würde. Wenn man ein bisschen mehr Ruhe sucht und man keine Lust auf das Geplansche und Geschrei einer größeren Reisegruppe hat, klettert man einfach am Ende des Wasserbeckens über ein paar Felsen, durchquert ein kleines, flaches Becken und findet dahinter einen weiteren langgezogenen Spalt, der mindestens so tief und dunkel ist, wie der erste. Ganz alleine hier zu schwimmen, ist irgendwie ein bisschen gruselig, da ist mir doch fast das Gewusel im ersten Becken lieber.

Las Grietas - für das Foto leider ohne blauen Himmel, für das Wohlbefinden und meine Haut zum Glück bei bedecktem Himmel. Die Sonne in Äquatornähe ist ganz schön aggressiv und ein bisschen zu viel für meine helle Haut, auch wenn ich schon ein paar Monate Sonne genossen habe.

Eigentlich stand für heute auch noch der Strand „Playa de los Perros“ auf dem Programm, der allerdings nur mit einem weiteren Taxiboot erreichbar ist. Aufgrund der einbrechenden Dämmerung muss das heute ausfallen und wird auf später verschoben. So oder so werde ich noch einmal auf diese Insel zurückkehren, da alle Boote auf andere Inseln von hier aus fahren.
Am Abend bin ich positiv überrascht von der angenehmen Atmosphäre in der kleinen Straße, in der sich die meisten Restaurants befinden. Wo mittags nichts los war, stehen jetzt alle Tische der angrenzenden Lokale auf der Straße (die Restaurants sind zum Teil komplett leer), überall wird gegrillt und nach potentiellen Kunden Ausschau gehalten. Für vier Dollar verspeise ich ein vorzügliches Fischfilet (zugegebener Maßen schmeckt es mehr nach Hähnchen und Zitrone als nach Fisch) mit Reis und Salat – da soll noch mal jemand sagen, die Galapagosinseln seien teuer!
Kurz vor sieben am nächsten Morgen stehen wir pünktlich am Pier und warten auf unser Boot auf die nächste Insel: Isla Isabela. Fast eine Stunde und eine Gepäckkontrolle später geht es los – mit zwanzig Mann auf einem ziemlich kleinen Motorboot. Immerhin sitze ich überdacht und bin weder Sonne noch Spritzwasser ausgesetzt. Trotzdem habe ich nach gut zwei Stunden wirklich genug und freue mich über den Anblick des nahenden Ufers. Grandios finde ich die Tatsache, dass der Anleger deutlich weniger überlaufen ist als der in Santa Cruz. Stattdessen entdecke ich die ersten kleinen Pinguine und einige Seelöwen im Wasser, die offenbar großen Spaß an motorisierten Gefährten auf dem Wasser haben und überraschend nah heranschwimmen.
Gut einen Kilometer laufe wir durch die pralle Mittagshitze in den Ort Puerto Villamil, in dem sich schnell ein preiswertes Zimmer finden lässt – sogar mit kleiner Küche. Ich glaube, hier kann ich es ein paar Tage aushalten!

Der Kleine hat einen ganz schön roten Kopf - er scheint die Sonne aber besser zu vertragen als ich.
Am Abend bin ich positiv überrascht von der angenehmen Atmosphäre in der kleinen Straße, in der sich die meisten Restaurants befinden. Wo mittags nichts los war, stehen jetzt alle Tische der angrenzenden Lokale auf der Straße (die Restaurants sind zum Teil komplett leer), überall wird gegrillt und nach potentiellen Kunden Ausschau gehalten. Für vier Dollar verspeise ich ein vorzügliches Fischfilet (zugegebener Maßen schmeckt es mehr nach Hähnchen und Zitrone als nach Fisch) mit Reis und Salat – da soll noch mal jemand sagen, die Galapagosinseln seien teuer!
Kurz vor sieben am nächsten Morgen stehen wir pünktlich am Pier und warten auf unser Boot auf die nächste Insel: Isla Isabela. Fast eine Stunde und eine Gepäckkontrolle später geht es los – mit zwanzig Mann auf einem ziemlich kleinen Motorboot. Immerhin sitze ich überdacht und bin weder Sonne noch Spritzwasser ausgesetzt. Trotzdem habe ich nach gut zwei Stunden wirklich genug und freue mich über den Anblick des nahenden Ufers. Grandios finde ich die Tatsache, dass der Anleger deutlich weniger überlaufen ist als der in Santa Cruz. Stattdessen entdecke ich die ersten kleinen Pinguine und einige Seelöwen im Wasser, die offenbar großen Spaß an motorisierten Gefährten auf dem Wasser haben und überraschend nah heranschwimmen.
Gut einen Kilometer laufe wir durch die pralle Mittagshitze in den Ort Puerto Villamil, in dem sich schnell ein preiswertes Zimmer finden lässt – sogar mit kleiner Küche. Ich glaube, hier kann ich es ein paar Tage aushalten!

Kleines Monster am Strand.

Irgendwie guckt er ja ganz lieb, aber hübsch finde ich ihn trotzdem nicht.


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4 Kommentare:

  1. Die Galapagosinseln sind toll, die Bilder übrigens auch!!!
    Aber wo ist der: Blaufußtölpel ?? (Mit dank an Wiki für den Deutsche Namen ;-).)

    Schöne grüße,
    Lilian

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  2. Hmhm...seufz...schön...Es macht mir einfach Spaß Deine Reiseberichte zu lesen - nicht zu vergessen die schönen Fotos - weiterhin noch viel Spaß!!!
    P.S.: Du schreibst manchmal im Plural. Wer ist denn wir?

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    1. Danke, Spaß werd ich haben :)
      Bin in Ecuador mit einem Deutschen unterwegs, haben auch zusammen die Flüge gebucht und machen die Inseln zusammen!

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  3. Du hast aber niedliche Weggefährten.
    Immer wieder schön, von Dir zu lesen.
    8-) Sigrid

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