Guayaquil: Nach 16 Tagen Inselidylle in die Großstadt
Nicht etwa die Hauptstadt Quito, sondern das südwestlich gelegene Guayaquil beansprucht mit rund drei Millonen Einwohnern den Titel der größten Stadt des Landes. Vor dem Flug auf die Galapagosinseln habe ich außer dem Busterminal und dem Flughafen nicht viel gesehen und hatte die Stadt von vorne herein nicht auf meiner Liste der „sehenswerten Orte“ in Ecuador stehen. Besonders die eher negative Darstellung in Reiseführern und der Hinweis, dass Guayaquil besonders „gefährlich“ und touristisch uninteressant sei, führten dazu, dass ich die Stadt nun fast zum zweiten Mal übergangen habe. Schön, dass man sich unterwegs mit vielen Menschen unterhält, die sich nicht alle unbedingt an die Vorschläge der einschlägigen Reiseführer halten und dass sich so immer wieder – natürlich sehr subjektive – aber oft sehr interessante und vor allem aktuelle Informationen sammeln lassen.
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| Ausblick vom Leuchtturm im Stadtviertel Cerro Santa Ana: Diese Gebäude sind zwar bunt angestrichen, aber insgesamt nicht im besten Zustand. |
Guayaquil hat durch seine Nähe zum Pazifik und mehreren Zuflüssen eine etwas zerklüftete Struktur, was es vielleicht gerade interessant macht. Man kann kilometerweit am Wasser entlanglaufen – natür
lich darf man das Flussufer nicht mit den Ständen der Galapagosinseln vergleichen. Der Malecón 2000, eine relativ neue und vor allem gut instand gehaltene Promenade am breiten Río Guayas lädt zum Spazieren ein. Am besten gefällt mir jedoch ein Stadtviertel am nördlichen Ende des Malecóns: Cerro Santa Ana. Eine an heißen Tagen wahrscheinlich endlos scheinende Treppe (mit durchnummerierten Stufen) führt einen Hang hinauf, der relativ dicht mit zweistöckigen Häuschen bebaut ist, die in allen erdenklichen Farben angestrichen sind. In gefühlt jedem zweiten Hauseingang werden Getränke, Süßigkeiten und Eis verkauft, manchmal auf gegrillte Würstchen oder andere ecuadorianische Leckereien. |
| Dieser Herr hat wohl den Balkon mit dem perfekten Überblick. |
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| Blick vom Leuchtturm |
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| Treppensteigen in Cerro Santa Ana, Guayaquil. |
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| Einige Gebäude sind in einem ausgesprochen guten Zustand, werden aber größtenteils nicht als Wohnhäuser, sondern als Kunstgallerien genutzt. |
Je höher ich die Treppe hinaufsteige, desto besser ist der Blick über die unter mir liegende Großstadt mit ihren vereinzelten Hochhäusern vor dem grauen, wolkenverhangenen Himmel. Ein schmaler Streifen ist von der untergehenden Sonne gelborange gefärbt und lässt die eher regnerische Stimmung ganz schnell vergessen. Am Ende der Treppe genieße ich auf einem kleinen Leuchtturm einen wunderbaren Rundumblick: kleine bunte Wohnhäuser, hohe graue Bürogebäude und der bräunliche unvorstellbar breite Fluss auf der anderen Seite. Der kontaktfreudige Douglas, ein Maschinenbaustudent aus Guayaquil, möchte offenbar sein Englisch trainieren und unterhält sich angeregt mit Tobias, mit dem ich nun im Grunde ganz Ecuador bereist habe. Zu dritt laufen wir den Malecón noch einmal in Richtung Süden entlang und unterhalten uns – halb auf Spanisch, halb auf Englisch – über Guayaquil, Ecuador und ein bisschen vom Rest der Welt. Wir drehen eine große Runde über den Markt, auf dem alleine der Bereich, in dem Schuhe verkauft werden, mehrere Straßen einnimmt. Als wir die Bahn zurück Richtung Hostel nehmen ist es schon lange dunkel, trotzdem fühle ich mich hier keineswegs unwohl. |
| Douglas aus Guayaquil ist ganz glücklich, zwei Touristen gefunden zu haben, mit denen er ein bisschen Englisch sprechen kann. |
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| Am südlichen Ende des Malecón 2000 steht dieses dekorativ beleuchtete Stahlgerüst. |
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| "Ist das Kunst oder kann das weg?" |
Besonders viele ausländische Touristen scheint es hier nicht zu geben. Vorhin auf der Treppe wurde ich immer wieder freundlich gegrüßt oder mir wurde zugewunken als sei ich ein prominenter Besucher. Ein bisschen merkwürdig ist das manchmal schon, wenn man so auffällt, aber in Guayaquil empfinde ich das auf jeden Fall nicht als unangenehm. Ich bin froh, den positiven Eindrücken anderer Reisender Glauben geschenkt zu haben und freue mich auf mein nächstes Ziel, von dem selbst die Bücher positiv berichten: Cuenca.
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