Kurztrip zum Mond
Schwarzer Lavastein, gelbe Schwefelablagerungen und rotes Eisenoxid – vielleicht ist die Landschaft auf dem Mond nicht ganz so farbenfroh. Die Vulkane Sierra Negra (1370m hoch) und Chico (860m) dürfen nur mit einem Nationalparkführer betreten werden, was allerdings nicht an der Schwierigkeit der Wanderung sondern an der Sicherstellung des Naturschutzes liegt.
Am Morgen geht es mit einem ziemlich klapprigen Bus bei brüllender Hitze auf Meereshöhe los. Eine Fahrrad- oder gar Wandertour ins Landesinnere hätte ich zugegebener Maßen unter diesen Bedingungen nicht bevorzugt. Der Fußweg zum Vulkan Chico, auf dem man den riesigen Krater von Sierra Negra passiert, dauert mit Rückweg rund fünf Stunden. Als wir losgehen, ist der Himmel vollkommen bedeckt und die Temperaturen sind tatsächlich gut erträglich – damit hätte ich bei Abfahrt im Hafenort Puerto Villamil nicht gerechnet.
Steil und anstrengend soll der Weg sein und unser Guide ist ganz schön aus der Puste. Unsere Gruppe besteht allerdings zum größten Teil aus jungen Backpackern, die wohl eine etwas andere Definition von „steil und anstrengend“ haben. Wir erreichen die Kante des Kraters von Sierra Negra, der angeblich nach einem Vulkankrater in Tansania der zweitgrößte der Welt ist. Die Informationen, die ich im Nachhinein über Sierra Negra finde, sind jedoch alle unterschiedlich, sodass ich den Wahrheitsgehalt einiges Aussagen nicht nachvollziehen kann. Der Durchmesser des nicht ganz runden Kraters soll zehn bzw. neun Kilometer betragen – das ist schon ganz schön groß! Die umlaufenden steilen Wände sind im Verhältnis nicht besonders hoch, aber das gigantische braun-schwarze ebene Lavafeld unter uns hat beeindruckende Ausmaße.
Wir lassen den Vulkan, dessen Alter auf gut eine halbe Million Jahre geschätzt wird, hinter uns und setzen unseren Weg durch eine unscheinbare Landschaft fort. Immer wieder werden wir auf besondere Pflanzen hingewiesen, die es nur hier gibt und auf solche, die hier eigentlich nicht hingehören und irgendwann eingeschleppt wurden (beispielsweise die Brombeere und die Guayaba). Relativ abrupt endet die üppige Vegetation und anstelle von Gräsern, Büschen und Sträuchern liegt vor uns die surreale Landschaft, von der mir schon andere Reisende berichtet hatten. Willkommen auf dem Mond! Anfangs bestehen die Lavaformationen überwiegend aus schwarzen, porösen Gesteinsbrocken. Je weiter wir uns in das Gebiet des Vulkans Chico bewegen, desto mehr Farben und Formationen entdecke ich. Stellenweise ist das Gestein eher braun und in einem fließenden bzw. abtropfenden Zustand erhärtet, sodass wir immer wieder über Schokoladenpudding scherzen, weil die Ähnlichkeit unverkennbar ist. Wir passieren in sich zusammengebrochene Lavatunnel und bekommen die Geschichte von einem Studenten erzählt, der sich hier von seiner Forschungsgruppe getrennt und alleine in einen solchen Tunnel eingebrochen sei. Erst Wochen später sei seine Leiche gefunden worden.
Hier und da weist unser Guide uns auf Öffnungen im Gestein hin, aus denen Hitze aufsteigt – wahrscheinlich würden die Temperaturen nicht reichen, um Würstchen zu grillen (das habe ich schon von den Kanaren gehört), aber die Aktivität des Vulkans ist doch deutlich spürbar. Besonders gut gefallen mir die Bereiche, in denen sich rote, gelbe und schwarze Lavabrocken mischen – Eisen und Schwefel sorgen für die farbenfrohe Färbung. Während des acht Kilometer langen Rückweges fällt konstant ein angenehmer Nieselregen, den ich gerade als sehr erfrischend und abkühlend empfinde.
Ich erinnere mich daran, wie ich nach den ersten drei Monaten meiner Reise und dem Besuch von gefühlten siebenundzwanzig Vulkanen gedacht habe, ich wolle nie wieder einen Vulkan besteigen. Heute habe ich meine Meinung geändert und bin mal wieder von der Vielfältigkeit unserer Welt begeistert.
Es ist schön, diese Tour am Anfang der Zeit auf der Insel Isabela gemacht und so von den anderen Reisenden einige Tipps für die nächsten Tage bekommen zu haben. Außerdem habe ich Luisa und Patric kennengelernt, die zusammen in der Schweiz leben, mit denen ich in den nächsten Tagen noch einiges unternehmen werde.












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