Faszination Ingenieurbau: Wasserkraftwerk Itaipú, Paraguay

04:36 Einsame Insel.de 0 Comments


20 Turbinen, über 10.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, 14.000 Megawatt... klingt spannend, da muss ich hin!

Ganz begeistert von der "südamerikanischen" Technik: der deutsche Tourist.
Auf einer Reise wie dieser ist es selbstverständlich, dass man nicht alles sehen kann und dass man nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein kann. Wenige Tage vor meiner Rückkehr nach Deutschland muss ich mich langsam an den Gedanken gewöhnen, dass ich mich relativ strikt an eine durchdachte Planung halten muss, damit ich die letzten Tage noch optimal nutzen kann. Wenn irgendwo schlechtes Wetter ist oder ich zu einer ungünstigen Zeit irgendwo aufschlage, kann ich nicht einfach zwei, drei Tage warten und etwas anderes machen, weil ich doch irgendwie das Bedürfnis habe, Mitte Mai meinen Rückflug in Buenos Aires zu erwischen.  Heute sollte es noch einmal schwierig werden, ein besonderes Ziel auf die Art und Weise besichtigen zu können, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Blick auf den Staudamm von der Touristenplattform auf der paraguayanischen Seite von Itaipú. Nur wenige Touristen haben das Glück, hier Wasser fließen zu sehen - im vergangenen Jahr wurden die Schotts nur einmal geöffnet.
Das Dreiländereck Paraguay / Brasilien / Argentinien hat einiges zu bieten. Eines der wenigen Ziele meiner Reise, die schon immer auf meiner „Bucket List“ standen, sind die Iguazu-Wasserfälle. Ohne Zweifel würde Iguazu – ob nun auf der argentinischenoder der brasilianischen Seite – eins der eindrucksvollsten Naturschauspiele sein, die ich in den in den letzten Monaten bewundern durfte. Genauso reizt mich aber auch ein ingenieurtechnisches Meisterwerk in dieser Region, über das ich vor einigen Wochen etwas gelesen hatte: der Staudamm bzw. das Wasserkraftwerk von Itaipu. Noch nie gehört? Ich jedenfalls vorher nicht. Man kennt vom Hören-Sagen wohl eher den chinesischen Drei-Schluchten-Damm, der als leistungsstärkstes Wasserkraftwerk bekannt ist. Vor dessen Fertigstellung 2006 stand Itaipu auf Nummer eins. Technische Daten und Superlative des Ingenieurbaus hin oder her, jedenfalls möchte ich mir die Anlage nördlich der paraguayischen Grenzstadt Ciudad del Este gerne ansehen – und zwar von außen und von innen.

Itaipú Binacional: links Paraguay und rechts Brasilien; vor der Scheibe eine neugierige deutsche Touristin

Es ist halb zehn. Dachte ich. Schnell werde ich eines Besseren belehrt – es ist noch eine Stunde früher – und stelle fest, dass ich in den letzten zwei Tagen in der „falschen Zeitzone“ unterwegs war. Irgendwie hatte ich beim Grenzübergang von Argentinien nach Paraguay nicht mitbekommen, dass ich meine Uhr eine Stunde zurückdrehen müsste. Aber wenn man sich selten an feste Uhrzeiten halten muss, kann man diese Tatsache schon mal ein paar Tage übersehen. Im Grunde ist das ja auch gar nicht so verkehrt, da ich morgen wieder die Grenze Richtung Argentinien überqueren würde und meine Uhr dann ja wieder richtig stünde – alles positiv sehen!

Ich befinde mich auf einem alten, vollkommen ausgetrockneten Flussbett zwischen ein paar Gesteinsbrocken. Hier und da entdecke ich ein mächtiges Streifenfundament. Der Blick nach oben macht deutlich, was diese Fundamente tragen müssen: eine gigantische Wand aus Beton, die dem dahinterliegenden Stausee standhält. Ganz schön beeindruckend!

Die Kurzfassung zu diesem Tag: nach viel hin und her, einer verhätnismäßig langweiligen Touristentour, dem großartigen Einsatz eines freundlichen Mitarbeiters und der letztendlichen Zustimmung seines Vorgesetzten, bekomme ich am Nachmittag eine private technische Tour durch das Wasserkraftwerk - sogar auf englisch (wobei ich das Wort "turbina" aus dem Spanischen wohl auch gerade noch verstanden hätte und eine Reihe Fachbegriffe vermutlich sowieso englisch sind und nicht übersetzt werden). Gut zwei Stunden zeigt und erklärt mir Marcelo Staudamm, Stausee und alles was sich im Inneren des gigantischen Bauwerkes befindet. Ich glaube, ich war noch nie von solch einer Masse Beton umgeben und habe zuvor keine Wände gesehen, die so hoch emporragten. Zumindest keine durchgängigen fensterlosen Wände. Vielleicht reichen die Fotos um nachzuvollziehen, was mich an dieser speziellen "Attraktion" so fasziniert hat. Es war jedenfalls einer dieser Tage, an denen ich mich gefragt habe, warum ich statt Architektur nicht Bauingenieurwesen studiert habe. Jedenfalls wurden heute meine Gedanken zum Thema "berufliche Entwicklung" noch mal ein wenig in eine neue Richtung gelenkt...

Unter jedem orangefarbenen Kreis befindet sich eine Turbine. 18 Turbinen produzieren Strom für Brasilien, zwei für Paraguay. Damit wird der Bedarf einiger Großstädte Brasiliens gedeckt, aber lange nicht der des ganzen Landes, gleichzeitig decken nur zwei Turbinen einen Großteil des Bedarfs des kleinen Staates Paraguay.

Schaltzentrale - die moderne Variante und die Originalbedienelemente aus den 1970er Jahren

Ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz - vielerorts ohne Tageslichtzufuhr.

Blick an die Decke - man könnte glatt meinen, man befinde sich in einem Sakralbau.

65 Stockwerke. Ehm, vielleicht nehme ich doch den Aufzug.

Links der Stausee, unter uns Beton und Stahl.



You Might Also Like

0 Kommentare: