4 Wanderer, 4 Tage und 4 Tausend Meter - Tag zwei

08:28 Einsame Insel.de 1 Comments

So war Tag eins.
Ich liebe es, wenn der Wecker klingelt und ich mich nochmal umdrehen und vor mich hin dösen kann. Fabio kümmert sich um unser Frühstück und lässt uns den Tag in aller Ruhe angehen. Er weiß ja auch jetzt, wie schnell wir laufen können. Im Grunde verläuft der Tag wie der vorige: viele Stunden laufen in einer nach wie vor abwechslungsreichen Landschaft, Mittagessen und Siesta im Schatten eines Baumes... ach ja, da war noch was. Ich hatte mir unsere heutige “Attraktion“ irgendwie etwas spektakulärer vorgestellt und den kurzen Zwischenstopp am Vormittag schon fast wieder vergessen. Vor uns sind offenbar schon mal ein paar andere Lebewesen hier rumspaziert: zwei verschiedene Dinosaurier haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die einen Fußabdrücke sind nicht viel länger als meine eigenen, auch wenn sie sich mit ihren dicken drei Zehen deutlich in der Form unterscheiden. Die anderen Spuren sind zwar deutlich größer, könnten aber nach meiner (Dinosaurier-fachmännischen) Einschätzung genauso gut von einem Baumstamm stammen.
Ich weiß, das ist ein vollkommen überflüssiger Ansatz, aber ich denke tatsächlich kurz darüber nach, ob die Existenz von Dinosauriern überhaupt bewiesen ist, bis mir die gefundenen Skelette in den Sinn kommen, die ich schon vor Jahren in irgendeinem Museum gesehen habe. Gut, die gigantischen Fleisch- und Pflanzenfresser gab es hier also tatsächlich, wie sieht es mit dem Einschlag von Meteoriten aus?

Siesta :
Gibt es etwas Schöneres, als nach ein paar Stunden laufen ein kleines Schläfchen im Schattem eines Baumes zu halten?


Ich habe auf dieser Reise schon häufiger Informationen von einheimischen Reiseführern erhalten, die sich hinterher als vollkommen falsch herausgestellt haben. Fabios Erläuterungen über die Entstehungen des Maragua-Kraters durch den Einschlag eines gigantischen Meteoriten erscheinen glaubwürdig, ich kann sie aber im Nachhinein nicht verifizieren. Die Geschichte passt auf jeden Fall mit dem Aussterben der Dinosaurier in Bolivien zusammen, aber früher oder später wären sie ja sowieso von dem großen Brocken erwischt worden, der dann alle Wesen ihrer Art ausgerottet hat. Ich muss gestehen, ich habe die Erklärungstafeln zu diesem Thema in den Naturwissenschaftlichen Museen immer gerne ausgelassen und mir höchstens die Bilder angesehen. Ehrlichgesagt finde ich auch viel spannender, wie gewisse Gesteinsformationen entstanden sind und warum die Felsen hier in allen erdenklichen Farben leuchten. Da habe ich wohl noch ein bisschen Arbeit vor mir, wenn ich alles nachlesen möchte, was sich dieser Tage an Fragen ergibt. Die Nächste Wanderung hier mache ich auf jeden Fall in Begleitung eines Geologen, nehme ich mir vor.

Ist die Landschaft im und um den Maragua-Krater nicht wunderschön?

Um noch einmal auf den Krater zurückzukommen: Ich kann kaum beschreiben, was ich hier vor mir habe, es ist mal wieder schön, meine Eindrücke fotografisch festhalten zu können. Die Ränder des Kraters bestehen aus einer vollkommen surrealen Aneinanderreihung von bogenförmig geschichteten Lavaschichten – grünlich im Abendlicht schimmernden Lavaschichten. Der Anblick hat ein bisschen was von Marmorkuchen oder irgendeinem am Computer erzeugten Farbmuster. In der Natur habe ich so etwas jedenfalls noch nie gesehen. Die einbrechende Dämmerung und die dunklen Wolken, die uns bisher aber glücklicherweise noch mit Regen verschont haben machen das ganze Szenario noch eine Ecke beeindruckender. Die letzten Kilometer zu unserer heutigen Unterkunft in einem kleinen Dorf mitten im Krater ziehen sich in die Länge und es bleibt viel Zeit, die unzähligen Eindrücke von der surrealen Landschaft aufzusaugen. Wir müssen uns ein wenig beeilen, da wir noch Pläne für den Abend haben. Das Gepäck wird im kleinen Bruchsteinhäuschen zurückgelassen und Fabio und ich laufen ins Dorf um Wasser für den nächsten Tag zu kaufen. Die meisten kleinen Läden, die ich nicht einmal als solche identifiziert hätte, würde Fabio nicht darauf hinweisen, sind schon geschlossen. Eine ältere Frau erkennt offenbar an unserer Nasenspitze, was wir gerade suchen und bittet uns in ihr kleines hofförmig angelegtes Haus. Wir kaufen ihre letzten Trinkwasservorräte auf – sogar eine kleine Flasche mit Kohlensäure gibt es – was für ein Luxus! Im Hof bleibe ich vor einem Feigenbaum stehen, der vollbehangen ist mit reifen Früchten, die nur darauf warten, geerntet und verspeist zu werden. Ich bitte Fabio, die Hausherrin zu fragen, ob ich ihr ein paar Feigen abkaufen kann. Ich kenne mittlerweile sogar den spanischen Begriff für die Früchte, aber die gute Frau spricht leider kein Wort Spanisch, sodass ich ohne Übersetzer nicht sehr weit käme. Ein Verkauf der Früchte komme gar nicht in Frage, ich solle mir einfach welche pflücken. Gesagt, getan: ich habe schnell eine Handvoll reifer Feigen zusammen. Bestimmt essen die Anderen auch gerne welche, aber ich möchte ja nicht unverschämt sein – besonders, wenn ich nicht bezahle. Ohne weitere verbale Kommunikation wird die gute Frau jedoch selber aktiv und drückt mir noch ein weiteres Dutzend Feigen in die Hände. Grandios! Ich bin überwältigt von ihrer Gastfreundschaft, ihrer guten Laune und der Tatsache, dass sie trotz ihrer offensichtlich sehr einfachen Lebensumstände keinerlei Interesse an einem Geldgeschäft hat. Auf jedem Markt würde ich für die Feigen mehr bezahlen, als für das soeben erstandene Trinkwasser. Geschenkt schmecken die kleinen handlichen Snacks natürlich dreimal so gut und ich verzehre die ersten auf dem Weg zurück zu unserer Herberge.

Farben, Farben und noch mehr Farben...

Keine Zeit zum Ausruhen: wir möchten schließlich noch im Wasserfall schwimmen gehen. Die Sonne ist schon hinter den Marmorkuchenschichten verschwunden und der Mond steht am Himmel. Es wird kühler, aber auf eine nasse Erfrischung freue ich mich dennoch. Die Wanderschuhe nehme ich gar nicht erst mit und laufe stattdessen barfuß im kleinen, flachen Bachlauf, der uns den Weg zum Wasserfall weist. Fabio ist sich noch nicht sicher, ob genug Wasser fließt, um wirklich einen Wasserfall vorzufinden. Normalerweise sei er mit den Wandergruppen zu spät im Krater, sodass es schon zu dunkel sei, um dorthin zu gehen. Nach einer kleinen Kletterpartie sind es schließlich nur Tania und ich, die die eiskalte Dusche unter freiem Himmel genießen. Unter dem Felsplateau, auf dem wir uns befinden, geht es zig Meter in die Tiefe – umso beeindruckender ist der Ausblick in die Ferne.

Zwischendurch ist es ganz angenehm, wenn man einen Fluss über eine Brücke queren und die Schuhe anbehalten kann.

Manchmal dauert es eine Weile, bis wir die richtige Stelle gefunden haben, an der wir wenigstens mit trockenem Gepäck über das Wasser kommen. Trockenen Fußes ist hier wohl unmöglich.

Dreamteam: Niederlande, Kanada, Deutschland

Ein bisschen wie im Märchen ist er hier...

Mir war vorher nicht bewusst, dass es hier regenbogenfarbige Felsen gibt.
Ich dachte immer, für diesen Anblick müsse man nach Salta in Argentinien fahren.

Endlich die Wanderschuhe aus...

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