4 Wanderer, 4 Tage, 4 Tausend Meter - Tag eins
Scheinbar unberührte Natur, endlose Weiten, Stille. Nah an die eigenen körperlichen Grenzen gehen. Endlose Zeit zum Nachdenken haben. Fernab der Zivilisation, fernab des alltäglichen Konsums und aller Gewohnheiten.
Ich habe ein paar mehrtägige Wanderungen hinter mir und erinnere mich gerne an alle diese Ausflüge zurück - auch wenn es vollkommen unterschiedliche und nicht vergleichbare Erlebnisse waren. Ich erinnere mich an Laos und die erfolglose Suche nach wilden Elefanten, an nächtliche Gitarrenstücke in einem Lahudorf im Norden Thailands, an den Sonnenaufgang am Lago Atitlan in Guatemala und an die steilen Vulkanaufstiege in kaputten Schuhen in Nicaragua.
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| Hochmotiviert starten wir in den ersten Tag unserer Wanderung: Unser Guide Fabio, Josephine, Tania und ich. |
Und, woran ich mich auch sehr gut erinnern kann, sind diese immer wiederkehrenden Gedanken. “Warum tue ich mir das eigentlich an?“. Die letzte Tour hast mich tatsächlich nah an meine Grenzen gebracht: schweres Gepäck, brennende Hitze und ununterbrochen ansteigendes Gelände. Trotzdem, irgendwas reizt mich, es in Bolivien noch mal drauf ankommen zu lassen. Bisher habe ich kaum Natur gesehen und die geplante Tour durch die Salzwüste wird sich weitestgehend in motorisierten Fahrzeugen abspielen.
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| Der farbenfrohe Maragua-Krater bei Sucre, Bolivien |
In Sucre, der gemütlichen Hauptstadt des Landes, bietet die Non-Profit-Organisation Condor Trekkers einige Touren an. Tania aus Kanada, mit der ich seit einigen Tagen unterwegs bin, und Josephine aus den Niederlanden sind schnell überredet, sich mir anzuschließen. Und wenn wir so eine Sache angehen, dann auch richtig. Ich rechne ein bisschen hin und her, da mein Zeitplan für die letzten vier Wochen, die mir vor meinem Rückflug bleiben, langsam voll wird.
Irgendwann ist die Entscheidung gefallen, lieber jetzt zu machen, worauf ich Lust habe und dafür etwas anderes vom Plan zu streichen. Es geht also vier Tage auf Wanderschaft. Wir sind alle drei dankbar, dass wir kein Zelt tragen müssen und unser Guide Fabio einen Großteil unserer Lebensmittelvorräte trägt, sodass sich das Gewicht unserer Rucksäcke in Grenzen hält.
In der Früh schleichen wir uns lautlos aus unserem Hostel, durchqueren das dunkle Zentrum von Sucre und erreichen um sechs Uhr unseren Treffpunkt. Eine gute Stunde sind wir im Geländewagen unterwegs, gespannt auf das, was uns heute und in den nächsten Tagen erwartet. Bananen-Nuss-Schokoladen-Kuchen, heiße Getränke und Obst in einem kleinen Open-Air-Amphitheater bei Sonnenaufgang sind ein sehr guter Start in den Tag. Vorräte verstaut, Mägen voll, ein paar Worte zum Kennenlernen und los geht's.
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| Leckeres Mittagessen! Und noch besser: Die Rucksäcke sind nach dem Essen leichter :) |
Meine anfänglichen Zweifel sind innerhalb kürzester Zeit wie weggeblasen: das Gepäck ist gut zu tragen, die kühle Bergluft ist wunderbar und der Weg trotz Steigung alles andere als erschöpfend. Was ist mit meiner vermeintlichen Höhenkrankheit passiert, wo wir uns doch auf gut 3600m mitten in den Anden befinden? Warum schmerzen meine Waden nicht, obwohl es streif bergauf geht?
Offenbar habe ich den Effekt der Akklimatisierung der letzten Wochen und den der mittlerweile relativ konstanten körperlichen Aktivität ein wenig unterschätzt. Ich habe eine Energie, die ich gar nicht von mir kenne. Und ich muss gestehen, das ist ein ziemlich gutes Gefühl! Ich bin fast ein bisschen stolz auf mich. Wer weiß, wie sich das in den nächsten Tagen entwickeln wird.
Laufen ist schön, aber umso schöner sind die Pausen zwischendurch. Obwohl die Luft relativ kühl ist, wird es in der knalligen Mittagssonne ganz schön warm und ein Picknick im Schatten eines Baumes ist ein Genuss für alle Sinne. Und das kleine Mittagsschläfchen im Anschluss erst...Siesta! Ich denke darüber nach, wie sehr ich einfach diese Kontraste genieße. Anstrengung und Entspannung. Beides wird irgendwie erst durch die Vorfreude auf das Gegensätzliche so attraktiv. Es ist schön, den Weg fortzusetzen, gleichzeitig steigt aber auch mit jedem Kilometer die Vorfreude auf ein warmes Abendessen und eine erholsame Nachtruhe.
Die Landschaft ist atemberaubend. Und so vielseitig. Ich verstehe manchmal gar nicht, warum manche Orte weltbekannt sind für ihre außergewöhnliche Natur und andere wiederum vollkommen unbekannt und von der touristischen Welt abgeschnitten irgendwo versteckt liegen. Vielleicht hat Bolivien mit seiner weltgrößten Salzwüste, den Anden, dem Titicacasee, dem Amazonasgebiet und einigen schönen Städten einfach zu viel zu bieten, sodass es den gemeinen Wald- und Wiesentouristen einfach nicht in die Umgebung von Sucre verschlägt.
Wir haben heute Morgen schon einen kurzen Blick auf den Maragua-Krater geworfen, den wir erst morgen nach einem kleinen Umweg betreten werden. Heute passieren wir auf dem Weg ein kulturelles Highlight: ein paar rot-schwarze historische Felsenzeichnungen. Ehrlichgesagt kann ich mit den Kritzeleien nicht so viel anfangen. Fabio teilt uns mit, dass die Zeichnungen rund 600 Jahre alt sind und die beiden Farbstoffe aus Pflanzen gewonnen wurden, deren Blätter auf einem Stein zermahlen wurden. Was genau sie darstellen, weiß man offenbar nicht so genau. Es ist die Rede von Außerirdischen und Fröschen, auch wenn einige der langarmigen Wesen in unseren Augen eher Affen ähneln (und wir das irgendwie auch ein bisschen naheliegender finden). Viel mehr überzeugt mich hingegen der Anblick eines kleinen Wasserfalls und vor allem die niedrige Temperatur eines Halbmeter tiefen Wasserbeckens. Was gibt es schöneres als eine Abkühlung für die Füße, wenn man ein paar Stunden Fußmarsch hinter sich hat? Gut, ein Eis oder ein frischer Fruchtsaft wäre jetzt auch schön, aber ich möchte ja mal nicht übertreiben. Wenn ich da an den Trekk in Guatemala zurückdenke, auf dem es tatsächlich am ersten Abend einen frischen Erdbeermilchshake gab… ein Traum.
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| Hier ist in den letzten Tagen ein Stück Weg heruntergebrochen (das war sogar mal eine befahrbare Straße). Fabio testet, ob wir hier gefahrlos langlaufen können. |
Wir haben heute Morgen schon einen kurzen Blick auf den Maragua-Krater geworfen, den wir erst morgen nach einem kleinen Umweg betreten werden. Heute passieren wir auf dem Weg ein kulturelles Highlight: ein paar rot-schwarze historische Felsenzeichnungen. Ehrlichgesagt kann ich mit den Kritzeleien nicht so viel anfangen. Fabio teilt uns mit, dass die Zeichnungen rund 600 Jahre alt sind und die beiden Farbstoffe aus Pflanzen gewonnen wurden, deren Blätter auf einem Stein zermahlen wurden. Was genau sie darstellen, weiß man offenbar nicht so genau. Es ist die Rede von Außerirdischen und Fröschen, auch wenn einige der langarmigen Wesen in unseren Augen eher Affen ähneln (und wir das irgendwie auch ein bisschen naheliegender finden). Viel mehr überzeugt mich hingegen der Anblick eines kleinen Wasserfalls und vor allem die niedrige Temperatur eines Halbmeter tiefen Wasserbeckens. Was gibt es schöneres als eine Abkühlung für die Füße, wenn man ein paar Stunden Fußmarsch hinter sich hat? Gut, ein Eis oder ein frischer Fruchtsaft wäre jetzt auch schön, aber ich möchte ja mal nicht übertreiben. Wenn ich da an den Trekk in Guatemala zurückdenke, auf dem es tatsächlich am ersten Abend einen frischen Erdbeermilchshake gab… ein Traum.
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| Jeder scheint etwas anderes in diesen Felsenmalereien zu entdecken... |
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| Tania testet, wie in dieser Mulde die Farbe zur Wandmalerei aus Pflanzenteilen hergestellt wurde. |
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| Mini-Wasserfall: Lieber angenehm erfrischen! |
Wir laufen in einem gemächlichen Tempo, für meine Begriffe etwas zu gemächlich - aber ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich unseren Guide überhole. Und eigentlich kenne ich ja auch den Weg nicht, aber meistens folgen wir dem einzigen ausgetretenen Pfad.
Josephine, der die Höhenluft ein wenig zu schaffen macht, betont zum mindestens dritten Mal, dass ihr die Umgebung wahnsinnig gut gefällt und wie froh sie sei, diese Wanderung mit uns zu machen. Wir stimmen ihr da zweifelsfrei zu. Fabio hat die Tour im letzten Jahr ungefähr einmal die Woche gemacht - jede Woche. Er beklagt sich natürlich nicht, dass die Strecke beim fünfzigsten Mal ein wenig langweilig ist. Vorstellen, dass er so denkt, kann ich mir aber sehr gut.
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| Die schönen Anden |
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| Direkt neben der Kirche dürfen wir heute unser Nachtlager aufschlagen. |
Unsere Unterkunft für die erste Nacht ist ein gemütliches kleines Steinhäuschen mit Küche, Bad und großzügigem Wohn-/Schlafraum. Vier Matratzen, Kissen und Wolldecken werden auf dem Steinboden ausgebreitet und Josephines Frage nach Bettlaken wird nur mit einem Kopfschütteln beantwortet. Ich freue mich über die Tatsache, dass mein Inlay (eine Art dünner Seidenschlafsack) endlich mal wieder zum Einsatz kommt und ich ihn nicht ganz ungenutzt wieder mit nach Hause nehmen werde.
Während wir essen fängt es draußen heftig an zu Gewittern, allerdings so weit entfernt, dass wir nicht mal den Regen abbekommen. Das Schauspiel der Blitze über den Bergen ist ein wunderbarer Abschluss des ersten Tages, bevor wir uns früh und vollkommen erschöpft ins Bett zurückziehen. Fabio schläft schnell ein, während wir Mädels uns noch eine Weile flüsternd unterhalten - irgendwie erinnert mich das an Klassenfahrten in der Unterstufe: Das Licht ist aus, aber überall wird getuschelt, bis der Lehrer kommt uns zur Nachtruhe ermahnt.
Hier geht es zu Tag zwei.
Hier geht es zu Tag zwei.










Warte gespannt auf die Fortsetzung ... L.
AntwortenLöschenSchönes Bild: Kirche im Dorf!
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