Weinberge, schönes Wetter und ein Flugplatz: Landau in der Pfalz

03:52 Einsame Insel.de 0 Comments

Es ist ein komisches Gefühl, meine Sachen für einen kleinen Ausflug zu packen. Mal abgesehen von dem üblichen "Gezumpel", das zum Flugzeug gehört und sich dieser Tage sowieso dauerhaft in meinem Auto befindet, brauche ich eine ganze Menge Ausrüstung für die kommenden Tage: Zelt, Luftmatratze, Schlafsack und vielleicht ein paar mehr Klamotten als drei Tshirts und eine Jeans. Die Erfahrung der vergangenen Monate sitzt tief und irgendwie kommt es mir merkwürdig vor, einen Haartrockner und ein paar "schickere Schuhe" einzupacken - falls man abends mal zusammen ausgeht. Mit meinem kleinen Rucksack käme ich hier wohl nicht sehr weit... Umgewöhnen ist angesagt.

Mein ganzer Stolz: die gute Hängematte aus Ecuador, die es sich definitiv gelohnt hat, durch die Gegend zu schleppen. Endlich kommt sie zum Einsatz :)
In Nordrhein-Westfalen ist Feiertag und die Autobahnen sind frei. Die Libelle läuft sauber hinter dem Zugfahrzeug im Hänger und macht keinen Mucks. Ich bin zum telefonieren verabredet, mit Johannes aus Costa Rica, der demnächst in Deutschland ist und mit dem man sich aufgrund der Zeitverschiebung relativ genau absprechen muss. Zeitlich passend fahre ich an der Rastsätte "Moseltal" raus, mein Halt führt allerdings nicht zu dem Telefonat, das wir kurzfristig verschieben, sondern zu einer neuen Begegnung. Magaritha und Johannes sind auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit, was man ihnen mit Ruckack und Gitarre im Schleptau am Parkplatz stehend durchaus ansehen kann. Ich hatte schon auf er Fahrt darüber nachgedacht, wie einfach es wohl in Deutschland ist, per Anhalter zu fahren. Um Ostern habe ich in Chile noch ausgesprochen positive Erfahrungen gemacht und mir vorgenommen, in Deutschland Anhalter mitzunehmen - sofern ich denn mal welchen begegnen würde.


Gerade noch vor Sonnenuntergang den Hänger abgestellt - Ich freue mich im Moment täglich über die vielen Sonnenstunden, die wir hier haben. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass es um sechs Uhr dunkel wird, ist es grandios, auf einmal vier Sonnenstunden mehr am Abend zu haben.

Trotz umgeklappter Rückbank und ganz schön viel Gepäck meinerseits (...was ist nur aus meinen elf Kilogramm geworden?) lässt sich verhältnismäßig schnell Platz schaffen für die beiden und wir setzen unseren Weg "Richtung Karlsruhe" fort. Das junge Pärchen erwartet Nachwuchs, denkt über die Anschaffung eines kleinen Busses nach, da Trampen mit Kleinkind vermutlich weniger einfach sein würde. Wir reden über "typisch Deutsches" und über die großen Nachteile und die großen Vorteile, hier zu leben (und natürlich über das Segelfliegen und darüber, dass sich in meinem Anhänger kein Boot befindet, das auf dem Rücken liegt). Es ist wieder ein bisschen, wie unterwegs in Südamerika. Spontanbegegnung, nettes Gespräch, und zwei Stunden später sitze ich wieder alleine im Auto und erreiche den Flugplatz Landau Ebenberg.

Ich bin erstmal alleine, baue in Ruhe mein kleines Zelt auf (endlich wieder ein eigenes Zuhause...) und hänge meine Hängematte, die ich auf dem Markt in Otavalo (Ecuador) erstanden habe, endlich zum ersten Mal zwischen zwei Bäumen auf. Das Wetter für das Wochenende sieht gut aus und ich blicke voller Vorfreude auf die kommenden Tage in der Luft und am Flugplatz!

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Faszination Ingenieurbau: Wasserkraftwerk Itaipú, Paraguay

04:36 Einsame Insel.de 0 Comments


20 Turbinen, über 10.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, 14.000 Megawatt... klingt spannend, da muss ich hin!

Ganz begeistert von der "südamerikanischen" Technik: der deutsche Tourist.
Auf einer Reise wie dieser ist es selbstverständlich, dass man nicht alles sehen kann und dass man nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein kann. Wenige Tage vor meiner Rückkehr nach Deutschland muss ich mich langsam an den Gedanken gewöhnen, dass ich mich relativ strikt an eine durchdachte Planung halten muss, damit ich die letzten Tage noch optimal nutzen kann. Wenn irgendwo schlechtes Wetter ist oder ich zu einer ungünstigen Zeit irgendwo aufschlage, kann ich nicht einfach zwei, drei Tage warten und etwas anderes machen, weil ich doch irgendwie das Bedürfnis habe, Mitte Mai meinen Rückflug in Buenos Aires zu erwischen.  Heute sollte es noch einmal schwierig werden, ein besonderes Ziel auf die Art und Weise besichtigen zu können, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Blick auf den Staudamm von der Touristenplattform auf der paraguayanischen Seite von Itaipú. Nur wenige Touristen haben das Glück, hier Wasser fließen zu sehen - im vergangenen Jahr wurden die Schotts nur einmal geöffnet.
Das Dreiländereck Paraguay / Brasilien / Argentinien hat einiges zu bieten. Eines der wenigen Ziele meiner Reise, die schon immer auf meiner „Bucket List“ standen, sind die Iguazu-Wasserfälle. Ohne Zweifel würde Iguazu – ob nun auf der argentinischenoder der brasilianischen Seite – eins der eindrucksvollsten Naturschauspiele sein, die ich in den in den letzten Monaten bewundern durfte. Genauso reizt mich aber auch ein ingenieurtechnisches Meisterwerk in dieser Region, über das ich vor einigen Wochen etwas gelesen hatte: der Staudamm bzw. das Wasserkraftwerk von Itaipu. Noch nie gehört? Ich jedenfalls vorher nicht. Man kennt vom Hören-Sagen wohl eher den chinesischen Drei-Schluchten-Damm, der als leistungsstärkstes Wasserkraftwerk bekannt ist. Vor dessen Fertigstellung 2006 stand Itaipu auf Nummer eins. Technische Daten und Superlative des Ingenieurbaus hin oder her, jedenfalls möchte ich mir die Anlage nördlich der paraguayischen Grenzstadt Ciudad del Este gerne ansehen – und zwar von außen und von innen.

Itaipú Binacional: links Paraguay und rechts Brasilien; vor der Scheibe eine neugierige deutsche Touristin

Es ist halb zehn. Dachte ich. Schnell werde ich eines Besseren belehrt – es ist noch eine Stunde früher – und stelle fest, dass ich in den letzten zwei Tagen in der „falschen Zeitzone“ unterwegs war. Irgendwie hatte ich beim Grenzübergang von Argentinien nach Paraguay nicht mitbekommen, dass ich meine Uhr eine Stunde zurückdrehen müsste. Aber wenn man sich selten an feste Uhrzeiten halten muss, kann man diese Tatsache schon mal ein paar Tage übersehen. Im Grunde ist das ja auch gar nicht so verkehrt, da ich morgen wieder die Grenze Richtung Argentinien überqueren würde und meine Uhr dann ja wieder richtig stünde – alles positiv sehen!

Ich befinde mich auf einem alten, vollkommen ausgetrockneten Flussbett zwischen ein paar Gesteinsbrocken. Hier und da entdecke ich ein mächtiges Streifenfundament. Der Blick nach oben macht deutlich, was diese Fundamente tragen müssen: eine gigantische Wand aus Beton, die dem dahinterliegenden Stausee standhält. Ganz schön beeindruckend!

Die Kurzfassung zu diesem Tag: nach viel hin und her, einer verhätnismäßig langweiligen Touristentour, dem großartigen Einsatz eines freundlichen Mitarbeiters und der letztendlichen Zustimmung seines Vorgesetzten, bekomme ich am Nachmittag eine private technische Tour durch das Wasserkraftwerk - sogar auf englisch (wobei ich das Wort "turbina" aus dem Spanischen wohl auch gerade noch verstanden hätte und eine Reihe Fachbegriffe vermutlich sowieso englisch sind und nicht übersetzt werden). Gut zwei Stunden zeigt und erklärt mir Marcelo Staudamm, Stausee und alles was sich im Inneren des gigantischen Bauwerkes befindet. Ich glaube, ich war noch nie von solch einer Masse Beton umgeben und habe zuvor keine Wände gesehen, die so hoch emporragten. Zumindest keine durchgängigen fensterlosen Wände. Vielleicht reichen die Fotos um nachzuvollziehen, was mich an dieser speziellen "Attraktion" so fasziniert hat. Es war jedenfalls einer dieser Tage, an denen ich mich gefragt habe, warum ich statt Architektur nicht Bauingenieurwesen studiert habe. Jedenfalls wurden heute meine Gedanken zum Thema "berufliche Entwicklung" noch mal ein wenig in eine neue Richtung gelenkt...

Unter jedem orangefarbenen Kreis befindet sich eine Turbine. 18 Turbinen produzieren Strom für Brasilien, zwei für Paraguay. Damit wird der Bedarf einiger Großstädte Brasiliens gedeckt, aber lange nicht der des ganzen Landes, gleichzeitig decken nur zwei Turbinen einen Großteil des Bedarfs des kleinen Staates Paraguay.

Schaltzentrale - die moderne Variante und die Originalbedienelemente aus den 1970er Jahren

Ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz - vielerorts ohne Tageslichtzufuhr.

Blick an die Decke - man könnte glatt meinen, man befinde sich in einem Sakralbau.

65 Stockwerke. Ehm, vielleicht nehme ich doch den Aufzug.

Links der Stausee, unter uns Beton und Stahl.



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4 Wanderer, 4 Tage und 4 Tausend Meter - Tag zwei

08:28 Einsame Insel.de 1 Comments

So war Tag eins.
Ich liebe es, wenn der Wecker klingelt und ich mich nochmal umdrehen und vor mich hin dösen kann. Fabio kümmert sich um unser Frühstück und lässt uns den Tag in aller Ruhe angehen. Er weiß ja auch jetzt, wie schnell wir laufen können. Im Grunde verläuft der Tag wie der vorige: viele Stunden laufen in einer nach wie vor abwechslungsreichen Landschaft, Mittagessen und Siesta im Schatten eines Baumes... ach ja, da war noch was. Ich hatte mir unsere heutige “Attraktion“ irgendwie etwas spektakulärer vorgestellt und den kurzen Zwischenstopp am Vormittag schon fast wieder vergessen. Vor uns sind offenbar schon mal ein paar andere Lebewesen hier rumspaziert: zwei verschiedene Dinosaurier haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die einen Fußabdrücke sind nicht viel länger als meine eigenen, auch wenn sie sich mit ihren dicken drei Zehen deutlich in der Form unterscheiden. Die anderen Spuren sind zwar deutlich größer, könnten aber nach meiner (Dinosaurier-fachmännischen) Einschätzung genauso gut von einem Baumstamm stammen.
Ich weiß, das ist ein vollkommen überflüssiger Ansatz, aber ich denke tatsächlich kurz darüber nach, ob die Existenz von Dinosauriern überhaupt bewiesen ist, bis mir die gefundenen Skelette in den Sinn kommen, die ich schon vor Jahren in irgendeinem Museum gesehen habe. Gut, die gigantischen Fleisch- und Pflanzenfresser gab es hier also tatsächlich, wie sieht es mit dem Einschlag von Meteoriten aus?

Siesta :
Gibt es etwas Schöneres, als nach ein paar Stunden laufen ein kleines Schläfchen im Schattem eines Baumes zu halten?


Ich habe auf dieser Reise schon häufiger Informationen von einheimischen Reiseführern erhalten, die sich hinterher als vollkommen falsch herausgestellt haben. Fabios Erläuterungen über die Entstehungen des Maragua-Kraters durch den Einschlag eines gigantischen Meteoriten erscheinen glaubwürdig, ich kann sie aber im Nachhinein nicht verifizieren. Die Geschichte passt auf jeden Fall mit dem Aussterben der Dinosaurier in Bolivien zusammen, aber früher oder später wären sie ja sowieso von dem großen Brocken erwischt worden, der dann alle Wesen ihrer Art ausgerottet hat. Ich muss gestehen, ich habe die Erklärungstafeln zu diesem Thema in den Naturwissenschaftlichen Museen immer gerne ausgelassen und mir höchstens die Bilder angesehen. Ehrlichgesagt finde ich auch viel spannender, wie gewisse Gesteinsformationen entstanden sind und warum die Felsen hier in allen erdenklichen Farben leuchten. Da habe ich wohl noch ein bisschen Arbeit vor mir, wenn ich alles nachlesen möchte, was sich dieser Tage an Fragen ergibt. Die Nächste Wanderung hier mache ich auf jeden Fall in Begleitung eines Geologen, nehme ich mir vor.

Ist die Landschaft im und um den Maragua-Krater nicht wunderschön?

Um noch einmal auf den Krater zurückzukommen: Ich kann kaum beschreiben, was ich hier vor mir habe, es ist mal wieder schön, meine Eindrücke fotografisch festhalten zu können. Die Ränder des Kraters bestehen aus einer vollkommen surrealen Aneinanderreihung von bogenförmig geschichteten Lavaschichten – grünlich im Abendlicht schimmernden Lavaschichten. Der Anblick hat ein bisschen was von Marmorkuchen oder irgendeinem am Computer erzeugten Farbmuster. In der Natur habe ich so etwas jedenfalls noch nie gesehen. Die einbrechende Dämmerung und die dunklen Wolken, die uns bisher aber glücklicherweise noch mit Regen verschont haben machen das ganze Szenario noch eine Ecke beeindruckender. Die letzten Kilometer zu unserer heutigen Unterkunft in einem kleinen Dorf mitten im Krater ziehen sich in die Länge und es bleibt viel Zeit, die unzähligen Eindrücke von der surrealen Landschaft aufzusaugen. Wir müssen uns ein wenig beeilen, da wir noch Pläne für den Abend haben. Das Gepäck wird im kleinen Bruchsteinhäuschen zurückgelassen und Fabio und ich laufen ins Dorf um Wasser für den nächsten Tag zu kaufen. Die meisten kleinen Läden, die ich nicht einmal als solche identifiziert hätte, würde Fabio nicht darauf hinweisen, sind schon geschlossen. Eine ältere Frau erkennt offenbar an unserer Nasenspitze, was wir gerade suchen und bittet uns in ihr kleines hofförmig angelegtes Haus. Wir kaufen ihre letzten Trinkwasservorräte auf – sogar eine kleine Flasche mit Kohlensäure gibt es – was für ein Luxus! Im Hof bleibe ich vor einem Feigenbaum stehen, der vollbehangen ist mit reifen Früchten, die nur darauf warten, geerntet und verspeist zu werden. Ich bitte Fabio, die Hausherrin zu fragen, ob ich ihr ein paar Feigen abkaufen kann. Ich kenne mittlerweile sogar den spanischen Begriff für die Früchte, aber die gute Frau spricht leider kein Wort Spanisch, sodass ich ohne Übersetzer nicht sehr weit käme. Ein Verkauf der Früchte komme gar nicht in Frage, ich solle mir einfach welche pflücken. Gesagt, getan: ich habe schnell eine Handvoll reifer Feigen zusammen. Bestimmt essen die Anderen auch gerne welche, aber ich möchte ja nicht unverschämt sein – besonders, wenn ich nicht bezahle. Ohne weitere verbale Kommunikation wird die gute Frau jedoch selber aktiv und drückt mir noch ein weiteres Dutzend Feigen in die Hände. Grandios! Ich bin überwältigt von ihrer Gastfreundschaft, ihrer guten Laune und der Tatsache, dass sie trotz ihrer offensichtlich sehr einfachen Lebensumstände keinerlei Interesse an einem Geldgeschäft hat. Auf jedem Markt würde ich für die Feigen mehr bezahlen, als für das soeben erstandene Trinkwasser. Geschenkt schmecken die kleinen handlichen Snacks natürlich dreimal so gut und ich verzehre die ersten auf dem Weg zurück zu unserer Herberge.

Farben, Farben und noch mehr Farben...

Keine Zeit zum Ausruhen: wir möchten schließlich noch im Wasserfall schwimmen gehen. Die Sonne ist schon hinter den Marmorkuchenschichten verschwunden und der Mond steht am Himmel. Es wird kühler, aber auf eine nasse Erfrischung freue ich mich dennoch. Die Wanderschuhe nehme ich gar nicht erst mit und laufe stattdessen barfuß im kleinen, flachen Bachlauf, der uns den Weg zum Wasserfall weist. Fabio ist sich noch nicht sicher, ob genug Wasser fließt, um wirklich einen Wasserfall vorzufinden. Normalerweise sei er mit den Wandergruppen zu spät im Krater, sodass es schon zu dunkel sei, um dorthin zu gehen. Nach einer kleinen Kletterpartie sind es schließlich nur Tania und ich, die die eiskalte Dusche unter freiem Himmel genießen. Unter dem Felsplateau, auf dem wir uns befinden, geht es zig Meter in die Tiefe – umso beeindruckender ist der Ausblick in die Ferne.

Zwischendurch ist es ganz angenehm, wenn man einen Fluss über eine Brücke queren und die Schuhe anbehalten kann.

Manchmal dauert es eine Weile, bis wir die richtige Stelle gefunden haben, an der wir wenigstens mit trockenem Gepäck über das Wasser kommen. Trockenen Fußes ist hier wohl unmöglich.

Dreamteam: Niederlande, Kanada, Deutschland

Ein bisschen wie im Märchen ist er hier...

Mir war vorher nicht bewusst, dass es hier regenbogenfarbige Felsen gibt.
Ich dachte immer, für diesen Anblick müsse man nach Salta in Argentinien fahren.

Endlich die Wanderschuhe aus...

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4 Wanderer, 4 Tage, 4 Tausend Meter - Tag eins

08:00 Einsame Insel.de 2 Comments

Scheinbar unberührte Natur, endlose Weiten, Stille. Nah an die eigenen körperlichen Grenzen gehen. Endlose Zeit zum Nachdenken haben. Fernab der Zivilisation, fernab des alltäglichen Konsums und aller Gewohnheiten.
Ich habe ein paar mehrtägige Wanderungen hinter mir und erinnere mich gerne an alle diese Ausflüge zurück - auch wenn es vollkommen unterschiedliche und nicht vergleichbare Erlebnisse waren. Ich erinnere mich an Laos und die erfolglose Suche nach wilden Elefanten, an nächtliche Gitarrenstücke in einem Lahudorf im Norden Thailands, an den Sonnenaufgang am Lago Atitlan in Guatemala und an die steilen Vulkanaufstiege in kaputten Schuhen in Nicaragua.

Hochmotiviert starten wir in den ersten Tag unserer Wanderung: Unser Guide Fabio, Josephine, Tania und ich.

Und, woran ich mich auch sehr gut erinnern kann, sind diese immer wiederkehrenden Gedanken. “Warum tue ich mir das eigentlich an?“. Die letzte Tour hast mich tatsächlich nah an meine Grenzen gebracht: schweres Gepäck, brennende Hitze und ununterbrochen ansteigendes Gelände. Trotzdem, irgendwas reizt mich, es in Bolivien noch mal drauf ankommen zu lassen. Bisher habe ich kaum Natur gesehen und die geplante Tour durch die Salzwüste wird sich weitestgehend in motorisierten Fahrzeugen abspielen.

Der farbenfrohe Maragua-Krater bei Sucre, Bolivien

In Sucre, der gemütlichen Hauptstadt des Landes, bietet die Non-Profit-Organisation Condor Trekkers einige Touren an. Tania aus Kanada, mit der ich seit einigen Tagen unterwegs bin, und Josephine aus den Niederlanden sind schnell überredet, sich mir anzuschließen. Und wenn wir so eine Sache angehen, dann auch richtig. Ich rechne ein bisschen hin und her, da mein Zeitplan für die letzten vier Wochen, die mir vor meinem Rückflug bleiben, langsam voll wird.
Irgendwann ist die Entscheidung gefallen, lieber jetzt zu machen, worauf ich Lust habe und dafür etwas anderes vom Plan zu streichen. Es geht also vier Tage auf Wanderschaft. Wir sind alle drei dankbar, dass wir kein Zelt tragen müssen und unser Guide Fabio einen Großteil unserer Lebensmittelvorräte trägt, sodass sich das Gewicht unserer Rucksäcke in Grenzen hält.
In der Früh schleichen wir uns lautlos aus unserem Hostel, durchqueren das dunkle Zentrum von Sucre und erreichen um sechs Uhr unseren Treffpunkt. Eine gute Stunde sind wir im Geländewagen unterwegs, gespannt auf das, was uns heute und in den nächsten Tagen erwartet. Bananen-Nuss-Schokoladen-Kuchen, heiße Getränke und Obst in einem kleinen Open-Air-Amphitheater bei Sonnenaufgang sind ein sehr guter Start in den Tag. Vorräte verstaut, Mägen voll, ein paar Worte zum Kennenlernen und los geht's. 

Leckeres Mittagessen! Und noch besser: Die Rucksäcke sind nach dem Essen leichter :)
Meine anfänglichen Zweifel sind innerhalb kürzester Zeit wie weggeblasen: das Gepäck ist gut zu tragen, die kühle Bergluft ist wunderbar und der Weg trotz Steigung alles andere als erschöpfend. Was ist mit meiner vermeintlichen Höhenkrankheit passiert, wo wir uns doch auf gut 3600m mitten in den Anden befinden? Warum schmerzen meine Waden nicht, obwohl es streif bergauf geht?
Offenbar habe ich den Effekt der Akklimatisierung der letzten Wochen und den der mittlerweile relativ konstanten körperlichen Aktivität ein wenig unterschätzt. Ich habe eine Energie, die ich gar nicht von mir kenne. Und ich muss gestehen, das ist ein ziemlich gutes Gefühl! Ich bin fast ein bisschen stolz auf mich. Wer weiß, wie sich das in den nächsten Tagen entwickeln wird. 
Laufen ist schön, aber umso schöner sind die Pausen zwischendurch. Obwohl die Luft relativ kühl ist, wird es in der knalligen Mittagssonne ganz schön warm und ein Picknick im Schatten eines Baumes ist ein Genuss für alle Sinne. Und das kleine Mittagsschläfchen im Anschluss erst...Siesta! Ich denke darüber nach, wie sehr ich einfach diese Kontraste genieße. Anstrengung und Entspannung. Beides wird irgendwie erst durch die Vorfreude auf das Gegensätzliche so attraktiv. Es ist schön, den Weg fortzusetzen, gleichzeitig steigt aber auch mit jedem Kilometer die Vorfreude auf ein warmes Abendessen und eine erholsame Nachtruhe.
Die Landschaft ist atemberaubend. Und so vielseitig. Ich verstehe manchmal gar nicht, warum manche Orte weltbekannt sind für ihre außergewöhnliche Natur und andere wiederum vollkommen unbekannt und von der touristischen Welt abgeschnitten irgendwo versteckt liegen. Vielleicht hat Bolivien mit seiner weltgrößten Salzwüste, den Anden, dem Titicacasee, dem Amazonasgebiet und einigen schönen Städten einfach zu viel zu bieten, sodass es den gemeinen Wald- und Wiesentouristen einfach nicht in die Umgebung von Sucre verschlägt.

Hier ist in den letzten Tagen ein Stück Weg heruntergebrochen (das war sogar mal eine befahrbare Straße). Fabio testet, ob wir hier gefahrlos langlaufen können.

Wir haben heute Morgen schon einen kurzen Blick auf den Maragua-Krater geworfen, den wir erst morgen nach einem kleinen Umweg betreten werden. Heute passieren wir auf dem Weg ein kulturelles Highlight: ein paar rot-schwarze historische Felsenzeichnungen. Ehrlichgesagt kann ich mit den Kritzeleien nicht so viel anfangen. Fabio teilt uns mit, dass die Zeichnungen rund 600 Jahre alt sind und die beiden Farbstoffe aus Pflanzen gewonnen wurden, deren Blätter auf einem Stein zermahlen wurden. Was genau sie darstellen, weiß man offenbar nicht so genau. Es ist die Rede von Außerirdischen und Fröschen, auch wenn einige der langarmigen Wesen in unseren Augen eher Affen ähneln (und wir das irgendwie auch ein bisschen naheliegender finden). Viel mehr überzeugt mich hingegen der Anblick eines kleinen Wasserfalls und vor allem die niedrige Temperatur eines Halbmeter tiefen Wasserbeckens. Was gibt es schöneres als eine Abkühlung für die Füße, wenn man ein paar Stunden Fußmarsch hinter sich hat? Gut, ein Eis oder ein frischer Fruchtsaft wäre jetzt auch schön, aber ich möchte ja mal nicht übertreiben. Wenn ich da an den Trekk in Guatemala zurückdenke, auf dem es tatsächlich am ersten Abend einen frischen Erdbeermilchshake gab… ein Traum.

Jeder scheint etwas anderes in diesen Felsenmalereien zu entdecken...
 
Tania testet, wie in dieser Mulde die Farbe zur Wandmalerei aus Pflanzenteilen hergestellt wurde.

Mini-Wasserfall: Lieber angenehm erfrischen!

Wir laufen in einem gemächlichen Tempo, für meine Begriffe etwas zu gemächlich - aber ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich unseren Guide überhole. Und eigentlich kenne ich ja auch den Weg nicht, aber meistens folgen wir dem einzigen ausgetretenen Pfad.
Josephine, der die Höhenluft ein wenig zu schaffen macht, betont zum mindestens dritten Mal, dass ihr die Umgebung wahnsinnig gut gefällt und wie froh sie sei, diese Wanderung mit uns zu machen. Wir stimmen ihr da zweifelsfrei zu. Fabio hat die Tour im letzten Jahr ungefähr einmal die Woche gemacht - jede Woche. Er beklagt sich natürlich nicht, dass die Strecke beim fünfzigsten Mal ein wenig langweilig ist. Vorstellen, dass er so denkt, kann ich mir aber sehr gut.

Die schönen Anden

Direkt neben der Kirche dürfen wir heute unser Nachtlager aufschlagen.

Unsere Unterkunft für die erste Nacht ist ein gemütliches kleines Steinhäuschen mit Küche, Bad und großzügigem Wohn-/Schlafraum. Vier Matratzen, Kissen und Wolldecken werden auf dem Steinboden ausgebreitet und Josephines Frage nach Bettlaken wird nur mit einem Kopfschütteln beantwortet. Ich freue mich über die Tatsache, dass mein Inlay (eine Art dünner Seidenschlafsack) endlich mal wieder zum Einsatz kommt und ich ihn nicht ganz ungenutzt wieder mit nach Hause nehmen werde.
Während wir essen fängt es draußen heftig an zu Gewittern, allerdings so weit entfernt, dass wir nicht mal den Regen abbekommen. Das Schauspiel der Blitze über den Bergen ist ein wunderbarer Abschluss des ersten Tages, bevor wir uns früh und vollkommen erschöpft ins Bett zurückziehen. Fabio schläft schnell ein, während wir Mädels uns noch eine Weile flüsternd unterhalten - irgendwie erinnert mich das an Klassenfahrten in der Unterstufe: Das Licht ist aus, aber überall wird getuschelt, bis der Lehrer kommt uns zur Nachtruhe ermahnt.

Hier geht es zu Tag zwei.
 

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Fotoprojekt Lateinamerika #1: Das deutsche Auto

03:56 Einsame Insel.de 0 Comments

Ständig und überall läuft er mir über den Weg: der gute alte VW Käfer. Schon in den ersten Wochen in Mexiko gab es kaum ein Fahrzeug, das ich so häufig wahrgenommen habe. Baujahr, Ausstattung, Farbe und vor allem Zustand variieren extrem, umso spannender fand ich die Idee, die kleine Knutschkugel jedes Mal abzulichten, sobald sie mir vor die Linse kommt. Leider kam mir der Gedanke erst rcht spät auf meiner Reise, sodass sich die Fotoserie auf wenige Länder beschränkt. Überwiegend in Peru, Argentinien, Parguay und Uruguay sind die folgenden Bilder entstanden.

Meine kleine lateinamerikanische Käfersammlung.








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