Das Getränk, das die Welt nicht braucht - 23rd International Gliding Cup in Klix
Manche Segelflieger behaupten, das „richtige Fliegen“ lerne man nur auf Wettbewerben. Nach Teilnahme am Leverkusener Vergleichsfliegen in drei aufeinanderfolgenden Jahren verschlug es mich im vergangenen Jahr auf die Deutschen Segelflugmeisterschaften der Frauen nach Stölln: der erste „große“ Wettbewerb auf einem fremden Flugplatz, in einer wenig bekannten Gegend und mit einer Teampartnerin, die das gleiche Flugzeug fliegt wie ich.
Auch wenn in Stölln das Wetter nicht herausragend war, konnten Daggi und ich uns nach dem Wettbewerb über 45 geflogene Stunden, eine Platzierung im Mittelfeld und eine ganze Menge neue Erfahrung freuen. Wir müssten uns also überlegen, welchen Wettbewerb wir im nächsten Jahr fliegen würden.
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| Modellflugzeuganflug im Raps |
In Klix in der Nähe von Bautzen wird seit 23 Jahren der „Pokal der Alten Langohren“ ausgetragen. In fünf verschiedenen Klassen nehmen dieses Jahr rund 120 Piloten aus Deutschland und vielen Nachbarländern teil. Im Grunde geht es um nichts – hier kann man sich nicht für andere Wettbewerbe qualifizieren. Es geht einfach nur darum, ein paar Tage in die Luft zu kommen und möglichst schnell vorgegebene Strecken abzufliegen (ich hatte bereits früher erläutert, wie so ein Segelflugwettbewerb im Allgemeinen abläuft).
Daggi und ich – wir beide fliegen mit unseren Standard-Libellen in der Clubklasse mit – sind uns einig: Wir genießen die Atmosphäre, die Urlaubsstimmung und den Rundum-Service: Jeden Tag erläutert ein fähiger Meteorologe die Wetterbedingungen und die Sportleitung denkt sich eine geeignete Tagesaufgabe aus, die wir dann hoffentlich zu fliegen in der Lage sind. Wir werden animiert, bei Wetterlagen zu fliegen, bei denen wir zuhause das Flugzeug vermutlich nicht aus dem Anhänger ziehen würden.
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| Das Grid mit über 100 Flugzeugen. |
Gestern Abend war Bergfest, es stehen noch drei mögliche Flugtage bevor und wir haben bereits vier Flugtage in Folge hinter uns. Die Aussage, dass es um nichts ginge (im materiellen Sinne) muss ich noch einmal korrigieren: Täglich werden beim Briefing die Sieger des Vortags gekürt – der erste jeder Klasse erhält einen Tagespreis. Daggi und ich kennen den Klixer Wettbewerb allerdings schon länger aus Erzählungen bzw. aus der Perspektive des Rückholers und wissen daher, dass es zwei weitere mehr oder weniger erstrebenswerte Preise gibt. Ebenso wird täglich das „Getränk, das die Welt nicht braucht“ sowie im Bedarfsfall der „Vorgartenzwerg“ verliehen. Man muss erst einmal erwähnen, dass das fliegerische Niveau auf diesem Wettbewerb durchaus hoch ist und durchaus der eine oder andere ehem. Deutsche Meister oder gar Weltmeister anzutreffen ist. Wir Libellen-Fliegerinnen haben uns also von Anfang an keine hohen Ziele gesteckt, allerdings klangen die beiden zuletzt erwähnten Preise durchaus erreichbar. Der Vorgartenzwerg wird verliehen an Piloten, die im „Vorgarten“ des Flugplatzes landen – also beispielsweise auf einem Acker, der sich nur wenige Kilometer vor der Landebahn befindet. An unserem letzten Wertungstag haben wir uns enorm angestrengt, eine der kleinen Tonfiguren mit roter Mütze zu ergattern, hatten uns schon einen wunderschönen braunen Acker in rund zehn Kilometer Entfernung zum Flugplatz ausgeguckt. Das Wetter machte uns dann doch einen Strich durch die Rechnung – wir schafften es mit der übrigen Höhe noch gerade in den Klixer Flugplatz. Wenn also schon keinen Vorgartenzwerg, müssten wir also wenigstens das Getränk, das die Welt nicht braucht gewinnen. Hierfür muss man allerdings die Leistung erbringen, die kleinste Strecke von allen Teilnehmern zu fliegen (beispielsweise im Fall einer verfrühten Außenlandung) oder (Wenn alle Teilnehmer die Aufgabe schaffen) langsamer als der Rest des Feldes zu sein. Um das Ganze abzukürzen kann ich nur sagen, dass wir in unserem Hamburg – Leverkusener Lager bisher noch nie auf dem Trockenen lagen. Nachahmern sei jedoch geraten, dass vom übermäßigen Verzehr von Waldmeisterbowle und Schlüpferstürmer abzuraten ist – besonders bei zu erwartendem Flugwetter am Folgetag.
Gerade sitzen wir mit Wassermelone unter dem guten alten „Eventshelter“ – der für heute angekündigte Regen zieht an uns vorbei und die Sonne lässt den ohnehin schon knallgelben Raps neben der Landebahn noch strahlender erscheinen.
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| Daggi und Bente mit der "FG" |
Gestern erreichte mich um zwei Ecken die Frage „Warum fliegt Sylvia denn immer mit angezogener Handbremse?“. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: ich fliege eigentlich wie immer, ich genieße die Flüge, ich versuche entspannt zu fliegen, den Wettbewerb auch als Urlaub und Erholung vom Job zu nutzen. Und ich bin nun mal nicht die schnellste und erfahrenste Fliegerin… aber das kommt bestimmt mit der Zeit :) In Klix fliegen mit Sicherheit viele Piloten mit, von denen man noch einiges lernen kann. Vielleicht endet dieser Wettbewerb im nächsten oder übernächsten Jahr dann auch mit etwas Abstand zum unteren Ende der Rangliste – aber eine große Rolle spielt das eigentlich nicht.




immer wieder ein Genuss :-)
AntwortenLöschenHallo Sylvia,
AntwortenLöschenIch hoffe die nächsten Tagen gibt es wieder Flugwetter und tolle Flüge!! Ihr sollt ja fliegen statt am Boden sitzen und farbenfreudige Getränke trinken....
Schöne Grüße, auch an Dagmar und Olaf, und die Stöllner Damen.
Und natürlich auch an meinen Vereinskamerad "den Bäcker" Robert (D-KALT).
Lilian