Emotionen auf Reisen: #1 Angst

18:27 Einsame Insel.de 5 Comments

Blitz und Donner.
Gewässer, deren Grund ich nicht sehen kann.

Als ich noch klein war, hatte ich große Angst vor Gewittern und viele Jahre lang bereitete es mir wenig Freude, in einem trüben See oder der dunklen Nordsee schwimmen zu gehen.
Aber welche Ängste sind es, die mich auf meiner Reise begleiten, die mich möglicherweise davon abhalten, gewisse Dinge zu tun, Orte zu besuchen oder „Risiken“ einzugehen. Oder sind es gerade gewisse subtile Ängste, die nur dazu dienen, mich von unklugen oder gar gefährlichen Aktionen abzuhalten?
Natürlich dient dieses Gefühl als Schutzfunktion, aber gibt es nicht auch viele sogenannte Gefahren, die keine tatsächliche Bedrohung darstellen? Und was ist mit den Situationen, in die man sich begibt, weil der Mehrwert an positiven Erfahrungen ungleich größer scheint als das Risiko auf eine prägende Negativerfahrung?

Dass ich mich in den Tiefen der Meere von ein paar Haien auf einem Tauchgang begleiten lassen würde, hätte ich vor ein paar Jahren wohl auch nicht gedacht. Bevor ich 2011 meinen Tauchschein gemacht habe, war mir das Meer ein bisschen unheimlich. (Foto: Belize, Tauchgang nördlich von Caye Caulker, Oktober 2013)

Rückblick Sommer 2013:

Ich formuliere erstmalig konkret den Gedanken, für einige Monate Lateinamerika zu bereisen. Alleine. Das ist ja eigentlich nichts neues, aber fühlt sich irgendwie anders an: Ich möchte auf zwei Kontinente, die ich noch nicht kenne, deren Sprache ich nicht spreche und auf denen überall Gefahren lauern – zumindest wenn man einschlägigen Berichterstattungen und der Meinung vieler Menschen in meinem Umfeld glaubt.
Positiv ausgedrückt: Es gibt eine ganze Menge Orte, die ich neu entdecken kann, die Weltsprache Spanisch, die ich genau in diesen Ländern gut lernen kann und eine Reihe von Herausforderungen – und sei es nur das Umschiffen von potentiellen Gefahren – denen ich mich stellen möchte.
Es würde natürlich großartig sein, nach meiner Reise einigen Leuten berichten zu können, wie unrecht sie mit ihren Sorgen hatten, aber ich müsste das Risiko eingehen, dass sie Recht behalten.

Im September letzten Jahres geht es dann los: Mit dem Flieger von Düsseldorf nach Mexiko City. Ich kann es mir gar nicht erklären, aber ich bin vollkommen entspannt und sorgenfrei. In den letzten Tagen vor der Abreise träume ich zwar mal, dass ich den Flieger verpasse oder meinen Rucksack vergesse, aber das scheinen aktuell meine einzigen (wenig realen) Sorgen zu sein.

„Mir wird schon nichts passieren.“

In den ersten Monaten zeigt sich, dass ich mit dieser vollkommen naiven Grundeinstellung relativ gut fahre. Ich bin überzeugt davon, mit dem guten alten gesunden Menschenverstand weit zu kommen und bilde mir ein, davon eine ausreichend große Portion mitbekommen zu haben. Meine viel reisende Freundin Debbie sagt immer „Common sense is not so common.“ (Voltaire, 1764) und spielt damit gerne darauf an, dass wir gerade beim Reisen immer wieder Geschichten von unschönen Erfahrungen hören, die mit einem durchschnittlich-gesunden Menschenverstand wohl nicht so passiert wären. Ich schmunzele immer wieder über die dramatischen Geschichten über gestohlene Smartphones, wenn der ehemalige Besitzer erzählt, dass er nachts um drei betrunken am Strand war und sich gar nicht erklären kann, wie ihm das gute Gerät mit dem angebissenen Apfel auf der Rückseite entwendet werden konnte.

Natürlich gibt es reale Gefahren und ich gebe zu, dass ich mich in Guatemala City nicht sonderlich wohl gefühlt habe, als mein Gastgeber mir erzählt hat, wie oft er schon unter vorgehaltener Waffe überfallen und ausgeraubt wurde. Ohne den Kontakt zu jemandem, der hier schon sein Leben lang wohnt und weiß, wo man sich aufhalten kann, hätte ich die Stadt wohl gemieden.

In welchen Situationen habe ich ein ungutes Gefühl oder sogar Angst empfunden?

Heute auf den Tag genau bin ich seit einem halben Jahr unterwegs. Die Situationen, in denen ich mich wirklich nicht wohl gefühlt habe in meiner Haut, kann ich ohne Probleme an einer Hand abzählen. Die Angst vor Gewittern habe ich übrigens schon lange abgelegt und mittlerweile genieße ich diese Naturschauspiele immer. Was dunkle Gewässer angeht, bin ich mir noch nicht so sicher...
Diebstahl, Überfall oder gar ernsthafte sexuelle Belästigungen – das sind wohl die Dinge, die besonders allein reisenden Frauen gegenüber als größte Gefahr nachgesagt werden. Ernsthaft Angst habe ich vor diesen Dingen nicht und bin auch (vollkommen naiv...) davon überzeugt, dass ich diese Erfahrungen nicht machen werde. Meine „ängstlichsten Momente“ waren bisher die Folgenden:

  1. Guatemala Stadt bei Nacht: Ich habe eine zwölfstündige Busfahrt hinter mir und noch einige weitere Stunden vor mir, zumindest wenn ich mein Endziel noch diese Nacht erreichen möchte. Es ist schon lange dunkel, ich „kenne“ Guatemala bisher hauptsächlich aus Erzählungen und ich habe die Warnungen vom auswärtigen Amt gelesen. Der Bus hält an einem Terminal am Rande der Hauptstadt, ich steige aus und werde sofort von einem Dutzend Taxifahrern belagert. Erst mal zum Gepäckfach des Busses, meinen Rucksack in Empfang nehmen und dann die Taxifahrer abschütteln. Ich fühle mich unwohl. Ich bin heilfroh, dass ich mich in letzter Sekunde doch dazu entschlossen habe, ein Ticket nach Antigua zu kaufen, das mir einen Anschlussbus in Guatemala Stadt zusichert. Der Fahrer eines Kleinbusses wartet schon, um mich und eine andere junge Frau aus dem Chaos zu befreien. Zwei Stunden später, mitten in der Nacht, werde ich vor der Tür eines Hostels in der kleinen Touristenstadt Antigua abgesetzt. Ich möchte nur noch duschen und so schnell wie möglich ins Bett. Eine Nacht in der Hauptstadt Guatemalas hätte wirklich nicht sein müssen und im Nachhinein glaube ich auch nicht, dass ich unter anderen Umständen größere Probleme gehabt hätte.
    Als ich später noch mal drei Tage in der Stadt verbringe, fühle ich mich sicher, allerdings weiß Mario, der hier aufgewachsen ist, auch ganz genau, wo man sich besser nicht aufhält.  In seinen 25 Lebensjahren ist er schon des Öfteren mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt worden.

  2. Panama Stadt. Ich bin erst seit zwei Tagen hier und wurde bereits zweimal von der Polizei aufgesammelt und ein paar Straßen weiter wieder abgesetzt, da ich mich gerade wohl an einem ausgesprochen gefährlichen Ort befinden würde. Ich habe zwar immer noch nicht so ganz verstanden, wo es hier nun gefährlich ist und wo nicht, aber auch die Bürger scheinen sehr um mein Wohl besorgt. Eines Nachmittags bin ich mit zwei deutschen Jungs unterwegs, die nicht so aussehen, als könne man ihnen so leicht was anhaben. Trotzdem rufen uns plötzlich, als wir in eine große belebte Straße einbiegen zu, wir sollen ganz schnell da verschwinden. Mehrere Autofahrer halten an, um uns den gleichen Ratschlag zu nehmen. Wir nehmen tatsächlich ein Taxi und lassen uns ein paar Straßen weiter wieder absetzen. Das Ende vom Lied ist, dass ich mich tatsächlich irgendwann in der Situation wiederfinde, in einer vollkommen verlassenen Gegend fernab der befestigen Straßen zu sein, mich ein wenig verfranzt habe, viel zu spät umkehre und mich aufgrund der Erlebnisse der letzten Tage ganz schön unwohl fühle.

  3. Südkolumbien, irgendwo am Rande des Amazonasgebiets: die Gegend, in der ich mich befinde gilt in verschiedener Hinsicht als kritisch: das Militär ist omnipräsent und die Straßen sind teilweise so schlecht und gefährlich, dass eine sogar als „Trampolin des Todes“ bezeichnet wird. Auf dem Weg zur ecuadorianischen Grenze lege ich einen Übernachtungsstopp ein, erreiche die Stadt allerdings erst im Dunkeln. Auf der Suche nach einem Hostel stellt sich meine Karte als falsch heraus und ich laufe über eine Stunde im Stockdunkeln an einer Landstraße entlang – weil mir jeder versichert, das gesuchte Hostel sei nicht mehr weit entfernt. Immer wieder überlege ich umzukehren und einfach in ein Hotel am Busbahnhof einzuchecken, aber das macht jetzt wahrscheinlich auch keinen Sinn mehr. Heute bin ich mehr als dankbar, dass ich immer meine Taschenlampe griffbereit habe und ganz schön erleichtert, als ich das Hostel erreiche.

  4. Die Sache mit den Gewässern... da ist sie wieder! Eigentlich klappt das ja mittlerweile ganz gut und in den letzten Jahren habe ich jede Gelegenheit genutzt, irgendwelche Seen zu durchschwimmen, auch wenn es immer ein kleines bisschen Überwindung kostet. Richtig unangenehm fand ich aber den Sprung von einem Boot vor einer der Galapagosinseln: Unsere Schnorcheltour ist eigentlich schon für beendet erklärt, ich habe aber noch die Hoffnung, auf dem Rückweg mit einen Manta zu schwimmen. Von der Gruppe hat kaum jemand mitbekommen, dass der Kapitän sich ernsthaft bemüht, im offenen Meer eins der Tiere ausfindig zu machen. Dann muss es plötzlich ganz schnell gehen: Ein rund fünf Meter großer Manta ist in Sicht, bewegt sich allerdings recht zügig vorwärts. Wir nähern uns, ich habe Flosse, Masken und Schnorchel bereits aufgesetzt und springe ins Wasser. Ins vollkommen trübe, dunkle Meerwasser. Erstmal sehe ich gar nichts und höre nur das Boot neben mir, das wieder ein wenig beschleunigt, um an dem gigantischen Tier dranzubleiben. Natürlich bin ich im offenen Meer – mit Mantas, Haien, Schildkröten, Seelöwen und was hier sonst so alles rumschwimmt. Natürlich weiß ich, dass ein paar Meter entfernt ein Boot auf mich wartet und dass mir hier keine Gefahr droht (welcher Art auch immer... ich finde es ja eigentlich nur komisch, dass ich nicht sehen kann, was unter mir ist). Ich schwimme schneller, zum Teil aus Aufregung und zum Teil, um den Manta einzuholen. Auf einmal ist er vor mir mit seinen fünf Metern „Spannweite“ und taucht einfach unter mir durch. Dem mulmigen Gefühl weicht auf einmal eine tiefe Faszination. Der Manta dreht unter mir einen Looping und zeigt mir seinen gigantischen schneeweißen Bauch. Wow! Wie konnte ich nur einen Moment in Frage stellen, ob es eine gute Idee war, in diese trübe Brühe zu springen?

  5. Und zu guter Letzt, noch einmal Galapagos, kurz und knapp: Großer, einsamer Strand, Strömung unterschätzt und auf einmal das böse Gefühl, nicht zurückschwimmen zu können. Ein kurzer panischer Moment, der Gedanke an den Frankreichurlaub vor 13 Jahren und eine ähnliche Erfahrung meines Bruders, der Gedanke an meine Jahre im Haaner DLRG ohne bis heute vernünftig Kraulen zu können, anhaltende Panik, schnelles Atmen und dann die Erkenntnis: Ich erreiche den Grund mit meinen Füßen. Ich bin überrascht, wie schnell ich mich aus der Fassung bringen gelassen habe und gleichzeitig dankbar für die Erfahrung. Das wird mir so schnell nicht noch mal passieren...

Blicke ich auf all die Monate zurück, die ich in der Vergangenheit alleine in fremden und angeblich gefährlichen Ländern verbracht habe und stelle dem meine negativen Erfahrungen gegenüber, kann ich für mich nur sagen: Die positiven Erfahrungen, die ich unterwegs mache sind es auf jeden Fall wert, gewisse Risiken einzugehen und ich bin ganz zufrieden mit meiner „Angstschwelle“. Hier und da mal ein „mulmiges Gefühl“ zu haben ist bestimmt ganz sinnvoll zur Selbsterhaltung, aber mehr Angst würde mich weniger erleben lassen. Diese Schwelle ist mit Sicherheit bei vielen Menschen ganz unterschiedlich, aber ich merke auch, dass ich über die Jahre deutlich entspannter geworden bin – vielleicht schon ein wenig zu entspannt für manchen Geschmack.
Damit einher geht aber auch, dass ich mich zu gewissen Dingen leichter überwinden kann – vor ein paar Jahren wäre ich weder von einer 14 Meter hohen Brücke in einen Fluss gesprungen, noch an einem Seil angebunden in ein Tal gesprungen.

Angst, Respekt, Adrenalin... spannende Begleiter auf (m)einer Reise.


P.S. Dieser Beitrag ist entstanden, weil ich auf meinen letzten Beitrag (Heimweh vs. Fernweh) so viel Rückmeldung bekommen habe und der Wunsch nach "ehrlicheren" und "emotionaleren" Texten laut wurde. Ich habe eine Weile überlegt, inwieweit ich mehr Persönliches preisgeben möchte (besonders im Internet) und mir überlegt, ein paar Emotionen, die mich hier begleiten, etwas detaillierter beschreiben. Die Angst ist dabei wohl das Grundgefühl, nach dem ich am häufigsten gefragt werde.

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Heimweh vs. Fernweh – Ein Auf und Ab

14:04 Einsame Insel.de 3 Comments

Auf nach Hause...?

Vielleicht würde ich heute durch die Straßen von Buenos Aires schlendern, ein paar Mitbringsel einkaufen und später meine mittlerweile durchlöcherten, verwaschenen und von der Sonne ausgeblichenen Klamotten wegwerfen. Mit einem fast leeren Rucksack würde ich mich in den Flieger nach Deutschland setzen und mich auf „zuhause“ freuen, gleichzeitig aber auch ein bisschen wehmütig auf die vergangenen sechs Monate zurückblicken.
Die Entscheidung, meinen Rückflug knapp zwei Monate nach hinten zu verschieben, war vor einem knappen Monat die einzig mir logisch erscheinende Möglichkeit. Immer wieder denke ich darüber nach, wo gerade meine Prioritäten liegen und wie meine Entscheidung heute aussehen würde.

Die Galapagosschildkröte hat ja sozusagen ihr Haus immer dabei. Trotzdem fühlt sie sich vermutlich nur auf dieser Insel "zuhause" und kommt bei ihrer Fortbewegungsgeschwindigkeit wahrscheinlich in ihrem ganzen Leben nie an einen Ort, an dem sie Heimweh bekommen könnte. Mit ihr möchte ich nicht tauschen... :)

Was mir fehlt...

Es war schon komisch, als ich meinen jüngsten Bruder Gerwin vor einer Weile am Telefon erwischt habe und seine Stimme nicht erkannt habe. In Kombination mit der Information, dass er mittlerweile größer ist als ich, habe ich die „Befürchtung“, dass mein „kleiner“ Bruder, wie ich ihn in Erinnerung habe, eher ein großer junger Mann sein wird, wenn ich wiederkomme. Während meine Schwester Freya wie immer so beschäftigt ist, dass man sie kaum per Telefon erwischen kann und Kersten mit Uni und Unternehmensgründung alle Hände voll zu tun hat, habe ich zu Lennart in seinem Auslandssemester in Schweden noch am meisten Kontakt. Und trotzdem: Meine Geschwister fehlen mir wahnsinnig und ich kann es kaum erwarten, sie in meine Arme zu schließen.
Ähnlich verhält es sich mit meinem engeren Freundeskreis. Kurzfristige Bekanntschaften und verhältnismäßig oberflächliche Freundschaften (zum Glück nicht ausschließlich!) ergeben sich auf Reisen ständig. Aber was würde ich geben für einen Abend mit meinen Mädels – Kochen, Essen, ein Glas Wein trinken und reden, bis uns die Augen zufallen.
Schön wäre gerade auch...
  • ...ein langer Spaziergang mit Petra und Tigger am Rhein und ein bisschen Rumgeklimper auf ihrem Klavier (vobwohl ich „Comptine d'un autre été“ vermutlich nie lernen werde).
  • ...ein Bananensplit oder besser einen Nachmittag Eis verkaufen im Eistreff, während Quentin mir zwischen den Füßen herumläuft und nach Keksen fragt
  • ...mit Papa in aller Ruhe Samstagseinkäufe auf dem Markt machen, Erdbeerkuchen essen und sich nichts für den Tag vornehmen.
  • ...eine Runde mit dem Motorrad durchs Neandertal fahren (wenn ich es denn wieder fit für den TÜV bekomme - Christian, Dominik, Marita, Stefan – wer hat Lust auf eine Tour?).
  • ...noch mehr Kochen (schönen Gruß an meinen Wok und meine Pfeffermühle, auch ihr fehlt mir!).
  • ...ein paar konstruktive Details zeichnen, auf der Baustelle im Matsch rumlaufen und zig Telefonate führen mit netten Schreinern, lustigen Trockenbauern und kompetenten Statikern (okay, davor kommt noch die Jobsuche, aber da habe ich gerade auch richtig Lust drauf).
  • ...die besten Fotos der Reise auswählen, drucken lassen und eine Ausstellung starten.
  • ...die neu geborenen Babys kennenlernen, die neu bezogenen Wohnungen ansehen.
  • Last but not least: Fliegen, fliegen, fliegen (und ein bisschen Werkstattarbeit, Winde fahren und einfach Zeit auf dem Flugplatz verbringen)!
Geschwisterliebe! Das ist übrigens das einzige Foto, das ich in ausgedruckter Form bei mir habe (ich weiß, sehr untypisch für mich :-P).

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich meine Zeit in Deutschland immer dann am intensivsten empfinde, bevor ich das Land verlasse – das war 2010 vor meinem Auslandssemester zumindest genauso. Es mag auch daran liegen, dass ich in diesen Zeiten eher einen Schwerpunkt auf Freizeit als auf Arbeiten lege. Aber auch die Arbeit fehlt mir – auch wenn es in den letzten Wochen und Monaten vielleicht etwas chaotisch zuging.

Und warum habe ich dann den Flug umgebucht?

Ich könnte die oben begonnene Liste unendlich fortsetzen, gleichzeitig gibt es da aber auch dieses andere „Gefühl“, das irgendwo tief in mir schlummert und sich immer wieder zu Wort meldet – mal intensiver, mal etwas schwächer: Fernweh!
Die Liste der Orte die ich kennenlernen möchte, ist mindestens genauso „endlos“ wie die obige. In den letzten Tagen hat die Intensität dieses Gefühls bzw. meine Motivation, dieses Fernweh zu stillen, allerdings stark geschwankt. Die Zeit auf den Galapagosinseln war definitiv eine besondere Phase dieser Reise und an „zuhause“ war in diesen Tagen kaum zu denken. Die Rückkehr in die urbane Zivilisation hat gut getan und mich für ein, zwei Tage beschäftigt. Dann kam Cuenca: eine Stadt, die schon einige als die schönste in ganz Ecuador bezeichnet haben, historisch wertvoll, Weltkulturerbe und auch aus meiner persönlichen Sichtweise eigentlich ganz schön.
Aber irgendwie fragte ich mich, was ich dort sollte: die größte Kathedrale Südamerikas, schöne Kolonialbauten, nette Cafés, gute Museen, ein angenehmes Klima... ein Mekka für Touristen. Habe ich nicht schon unzählige solcher Orte gesehen? Unzählige schöne Städte mit netter Atmosphäre, die einen zwei-, oder vielleicht dreitägigen Aufenthalt rechtfertigen?
Und trotzdem: irgendwie fehlt mir gerade eine konstante Aufgabe, eine sinnvolle Beschäftigung. Meine Schreiberei hat nachgelassen, ich habe einige Wochen nicht viel geschrieben und merke, wie die Qualität nachlässt. Besonders dann, wenn ich rückblickend eher in eine oberflächliche Berichterstattung als in eine detaillierte Momentaufnahme verfalle.
Ich habe nicht das Gefühl, aus ein paar Stunden in einer weiteren „netten Stadt“ einen großen Gewinn zu ziehen.

Am nächsten Tag hält bleibt der Eindruck ähnlich, aber dann schlagen meine Gedanken erstaunlich schnell wieder um.
Ich habe eine Nacht im Bus verbracht und bin nun wieder in Peru, verbringe einen Tag in der staubigen, trockenen, brüllend heißen und vor allem chaotisch-hektischen Stadt Chiclayo. Ständig werde ich dumm von der Seite angemacht und bin mal wieder (vollkommen pauschalisierend, ich weiß) von der „südamerikanischen Männerwelt“ genervt. Da hilft auch das gute Museum „Tumbas Reales del Senor de Sipán“ nicht. Also, nächster Nachtbus und doch wieder ins östliche Hochland zu den abgelegenen Inkastätten des Nordens. Und nun bin ich hier, in Chachapoyas, liebe die Stadt, die kühle Bergluft, die Schulkinder, die mir schüchtern zuwinken und die (vollkommen pauschalisierend) total freundlichen südamerikanischen Männer, die mich grüßen und mir einen schönen Tag wünschen.
Ist es nicht grandios hier? Ich möchte auf jeden Fall ein paar Tage bleiben, die Gegend intensiver kennenlernen als einige Orte in den letzten Wochen. Ein bisschen Zeit, ein bisschen Ruhe... und das alles mit der wunderschönen Vorfreude auf zwei vollkommen unterschiedliche Aspekte:


Ich habe noch sieben Wochen vor mir, in denen ich Südamerika weiter entdecken, erleben und genießen kann!

Am 8. Mai bin ich wieder auf dem heimischen Kontinent und werde wohl so lange dort bleiben, bis das Heimweh-Fernweh-Ungleichgewicht wieder zu groß ist...

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Nebenjob auf Galapagos

15:24 Einsame Insel.de 3 Comments

Es ergeben sich hier und da mal Gelegenheiten, auch ohne aktives Bemühen mit den eigenen Fähigkeiten Geld, oder auch nur eine Hostelübernachtung oder eine Bootstagestour zu verdienen. Meine Reisezeit ist mir prinzipiell zu kostbar, um mich für einen kaum exstenten Stundenlohn tagelang hinter eine Hostelrezeption zu stellen, aber zwischendurch mal ein paar Fotos im Auftrag machen oder mich "kreativ" zu betätigen finde ich gar nicht so schlecht.
Auf der Insel Isabela, Galapagos, sitze ich einen Nachmittag vor meinem Laptop und werde vom Hostelbesitzer gefragt, womit ich mich so beschäftige.

Isla Isabela in Arbeit

Ich schaue mir Stellenanzeigen an, antworte ich, zuhause sei ich Architektin (oder sowas in der Art... darf mich ja noch nicht so schimpfen). Lauro ist aus dem Häuschen: Wunderbar, dann könne ich ja bestimmt malen, er hätte so gerne eine Karte von der Insel an der Wand vor der  Rezeption.
Zeichnen könne ich wohl und das ausmalen kann dann auch nicht mehr so schwer sein...

Natürlich nehme ich es mal wieder zu genau (eine Karte muss ja schon maßstäblich sein) und bin länger beschäftigt als gedacht. Lauro ist glücklicherweise vollkommen begeistert und beauftragt mich außerdem mit zwei Pinguinen. Ich habe jedenfalls Spaß an der Arbeit und freue mich, mir auf diese Weise den Gegenwert von zwei Tagestouren zu verdienen, die ich eigentlich als etwas zu teuer für mein Durchschnittsbudget betrachtet hatte.






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Guayaquil: Nach 16 Tagen Inselidylle in die Großstadt

18:43 Einsame Insel.de 0 Comments

Nicht etwa die Hauptstadt Quito, sondern das südwestlich gelegene Guayaquil beansprucht mit rund drei Millonen Einwohnern den Titel der größten Stadt des Landes. Vor dem Flug auf die Galapagosinseln habe ich außer dem Busterminal und dem Flughafen nicht viel gesehen und hatte die Stadt von vorne herein nicht auf meiner Liste der „sehenswerten Orte“ in Ecuador stehen. Besonders die eher negative Darstellung in Reiseführern und der Hinweis, dass Guayaquil besonders „gefährlich“ und touristisch uninteressant sei, führten dazu, dass ich die Stadt nun fast zum zweiten Mal übergangen habe. Schön, dass man sich unterwegs mit vielen Menschen unterhält, die sich nicht alle unbedingt an die Vorschläge der einschlägigen Reiseführer halten und dass sich so immer wieder – natürlich sehr subjektive – aber oft sehr interessante und vor allem aktuelle Informationen sammeln lassen.

Ausblick vom Leuchtturm im Stadtviertel Cerro Santa Ana: Diese Gebäude sind zwar bunt angestrichen, aber insgesamt nicht im besten Zustand.
Guayaquil hat durch seine Nähe zum Pazifik und mehreren Zuflüssen eine etwas zerklüftete Struktur, was es vielleicht gerade interessant macht. Man kann kilometerweit am Wasser entlanglaufen – natürlich darf man das Flussufer nicht mit den Ständen der Galapagosinseln vergleichen. Der Malecón 2000, eine relativ neue und vor allem gut instand gehaltene Promenade am breiten Río Guayas lädt zum Spazieren ein. Am besten gefällt mir jedoch ein Stadtviertel am nördlichen Ende des Malecóns: Cerro Santa Ana. Eine an heißen Tagen wahrscheinlich endlos scheinende Treppe (mit durchnummerierten Stufen) führt einen Hang hinauf, der relativ dicht mit zweistöckigen Häuschen bebaut ist, die in allen erdenklichen Farben angestrichen sind. In gefühlt jedem zweiten Hauseingang werden Getränke, Süßigkeiten und Eis verkauft, manchmal auf gegrillte Würstchen oder andere ecuadorianische Leckereien.

Dieser Herr hat wohl den Balkon mit dem perfekten Überblick.

Blick vom Leuchtturm

Treppensteigen in Cerro Santa Ana, Guayaquil.

Einige Gebäude sind in einem ausgesprochen guten Zustand, werden aber größtenteils nicht als Wohnhäuser, sondern als Kunstgallerien genutzt.


Je höher ich die Treppe hinaufsteige, desto besser ist der Blick über die unter mir liegende Großstadt mit ihren vereinzelten Hochhäusern vor dem grauen, wolkenverhangenen Himmel. Ein schmaler Streifen ist von der untergehenden Sonne gelborange gefärbt und lässt die eher regnerische Stimmung ganz schnell vergessen. Am Ende der Treppe genieße ich auf einem kleinen Leuchtturm einen wunderbaren Rundumblick: kleine bunte Wohnhäuser, hohe graue Bürogebäude und der bräunliche unvorstellbar breite Fluss auf der anderen Seite. Der kontaktfreudige Douglas, ein Maschinenbaustudent aus Guayaquil, möchte offenbar sein Englisch trainieren und unterhält sich angeregt mit Tobias, mit dem ich nun im Grunde ganz Ecuador bereist habe. Zu dritt laufen wir den Malecón noch einmal in Richtung Süden entlang und unterhalten uns – halb auf Spanisch, halb auf Englisch – über Guayaquil, Ecuador und ein bisschen vom Rest der Welt. Wir drehen eine große Runde über den Markt, auf dem alleine der Bereich, in dem Schuhe verkauft werden, mehrere Straßen einnimmt. Als wir die Bahn zurück Richtung Hostel nehmen ist es schon lange dunkel, trotzdem fühle ich mich hier keineswegs unwohl.

Douglas aus Guayaquil ist ganz glücklich, zwei Touristen gefunden zu haben, mit denen er ein bisschen Englisch sprechen kann.

Am südlichen Ende des Malecón 2000 steht dieses dekorativ beleuchtete Stahlgerüst.

"Ist das Kunst oder kann das weg?"
Besonders viele ausländische Touristen scheint es hier nicht zu geben. Vorhin auf der Treppe wurde ich immer wieder freundlich gegrüßt oder mir wurde zugewunken als sei ich ein prominenter Besucher. Ein bisschen merkwürdig ist das manchmal schon, wenn man so auffällt, aber in Guayaquil empfinde ich das auf jeden Fall nicht als unangenehm. Ich bin froh, den positiven Eindrücken anderer Reisender Glauben geschenkt zu haben und freue mich auf mein nächstes Ziel, von dem selbst die Bücher positiv berichten: Cuenca.


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Riesenschildkröten, 5-Meter-Manta und Blaufußtölpel: Los Tunneles

08:38 Einsame Insel.de 0 Comments

"Los Tunneles" gilt als einer der artenreichsten Schnorchelspots vor der Insel Isabela.






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Verspielte Seelöwen - Schnorchelerlebnis der besonderen Art

09:42 Einsame Insel.de 0 Comments

Luisa und Patric sind schon ein paar Tage auf den Galapagosinseln unterwegs und haben bereits an einigen Tauch- und Schnorcheltouren teilgenommen. Die beiden sind ganz fasziniert von der Unterwasserwelt und berichten begeistert von ihren Erlebnissen. Heute sind wir zusammen auf einem kleinen Motorboot und lassen uns zur Isla Tortuga fahren, wo einige von uns Tauchen und einige Schnorcheln werden. Ich habe zwar auch vor, in den nächsten Tagen ein oder zwei Tauchgänge zu machen, heute werde ich allerdings Schnorcheln. Der Kostenaufwand fürs Tauchen ist hier wesentlich höher als der fürs Schnorcheln und vor allem höher als bei den Anbietern auf der Insel Santa Cruz, auf die ich noch einmal zurückkehren werde. Auf der Insel Isabela gibt es offenbar derzeit nur einen einzigen Anbieter, sodass es keinerlei Konkurrenz gibt und die Preise 25% höher sind als auf der Nachbarinsel. Auf dem kleinen Boot geht es relativ hektisch vor und es bleibt für die Taucher wenig Zeit zum vorbereiten und überprüfen des Equipments. So wahnsinnig professionell geht es hier jedenfalls nicht zu.



Ausgestattet mit einem drei Millimeter dünnen Neoprenanzug geht es vor der Schildkröteninsel ins kühle Nass. Und kühl ist dabei leicht untertrieben. Das Wasser ist eiskalt. Ich weiß nicht, wie niedrig die Wassertemperatur wirklich ist, aber bei dem Gedanken, dass ich meinen letzten Tauchgang im Bikini gemacht habe, fröstelt es mich noch mehr. Wir sollen den aufsteigenden Luftblasen der Taucher folgen um dann in einer knappen Stunde wieder vom Boot aufgesammelt zu werden. Weil die Taucher sich in einer nicht allzu großen Tiefe befinden, habe ich das Gefühl, fast genau so viel sehen zu können – auf die Hälfte der Tiefe komme ich auch mit Maske, Schnorchel und Flossen. Ein Argentinier ist ein lizenzierter Apnoetaucher und scheint keine Probleme zu haben, ohne weitere Hilfsmittel auf zwölf Meter runter zu tauchen. Ich nehme mir vor, mich darüber zu informieren, wie man das längere Luftanhalten trainiert und mich in dieser Disziplin in Zukunft zu üben. Eigentlich macht mir Schnorcheln mehr Spaß als Tauchen, da ich ohne Tank und Regulator das Gefühl habe, mich viel freier und unbeschwerter bewegen zu können. Es wäre großartig, auch mal etwas tiefer als fünf Meter zu kommen und etwas mehr Zeit zu haben, bevor man wieder der Oberfläche und der Atemluft entgegenstreben muss. Aufgrund der Wassertemperatur versuche ich mich so viel wie möglich zu bewegen und oft ein paar Meter abzutauchen – und das ist auch nötig, um wirklich etwas zu sehen. Neben ein paar Fischen entdecke ich eine Schildkröte und schließlich sogar einige Haie – Riffhaie und tatsächlich auch ein oder zwei Hammerhaie. Die charakteristischen Auswüchse am Kopf kann man interessanterweise von der Seite kaum wahrnehmen, sodass ich erst wenn der Hai seinen Kopf dreht sehen kann, ob es sich um einen Hammerhai handelt. Galapagoshaie soll es hier auch geben, aber deren äußeren Merkmale sind mir nicht ganz klar. Eine Nationalparkführerin – das sagt zumindest ihre Kleidung – die mit uns schnorchelt, kann komischerweise auf die meisten Fragen keine Antwort geben. Sie ist auch zuvor noch nie hier gewesen. Eher mittelmäßig begeistert kehren wir auf das Boot zurück und bekommen mit, dass es auch einigen Tauchern nicht besser ergangen ist. Patrick musste den Tauchgang früher abbrechen, da sein Tank ein Leck hatte und er konstant Luft verloren hat. Sehr vertrauenerweckend! 


Unser zweites Ziel ist ein kleiner Felsen auf hoher See, auf dem sich eine ganze Reihe Seelöwen tummeln. Es dauert ewig, bis ich im Wasser bin, da bei den Tauchern ein bisschen Durcheinander herrscht und scheinbar das mangelhafte Equipment nicht aussortiert sondern an einen anderen Taucher weitergegeben wird. Eine Schweizerin entscheidet sich sogar aufgrund der schlechten Erfahrungen beim ersten Mal nicht mehr ins Wasser zu gehen. Wieder im Wasser ist für mich schnell klar, dass sich der Tagesausflug doch gelohnt hat – für eine ungewöhnliche Erfahrung.
Eine kleine Gruppe Seelöwen mischt sich unter das Grüppchen schnorchelnder Touristen und scheint einen ausgeprägten Spieltrieb zu haben. Besonders, wenn ich ein paar Meter unter Wasser tauche, folgt mir einer der Seelöwen und schwimmt um mich herum, dreht sich auf den Rücken, sodass er mich besser im Blick hat. Immer wieder schwimmt ein Tier auf mich zu, um dann in der letzten Sekunde, bevor seine Schnauze mein Gesicht berührt, abzudrehen. Häufig bewegen die Seehunde relativ ruckartig ihren Kopf in meine Richtung, sodass ich ein wenig Angst habe, dass sie mich möglicherweise doch beißen wollen – was aber natürlich nicht passiert. Chi aus Japan, die übrigens die hier gezeigten Fotos geschossen hat, meint zwischendurch, die Seehunde wollen bestimmt nur Küssen. Wer's glaubt... 



Manchmal muss ich so lachen, dass dass meine Maske voll Wasser läuft und ich Wasser schlucke, aber trotzdem habe ich einen Riesenspaß. Chi und ich bleiben trotz Kälte sehr lange im Wasser und müssen uns irgendwann auf Aufforderung wieder auf den Weg zum Boot machen, als alle anderen bereits an Board sind. Unsere beiden treusten Spielgefährten folgen uns sogar bis zum Boot und scheinen sich zu verabschieden. Ein großartiges Erlebnis! 



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Kurztrip zum Mond

11:09 Einsame Insel.de 0 Comments

Schwarzer Lavastein, gelbe Schwefelablagerungen und rotes Eisenoxid – vielleicht ist die Landschaft auf dem Mond nicht ganz so farbenfroh. Die Vulkane Sierra Negra (1370m hoch) und Chico (860m) dürfen nur mit einem Nationalparkführer betreten werden, was allerdings nicht an der Schwierigkeit der Wanderung sondern an der Sicherstellung des Naturschutzes liegt.


Am Morgen geht es mit einem ziemlich klapprigen Bus bei brüllender Hitze auf Meereshöhe los. Eine Fahrrad- oder gar Wandertour ins Landesinnere hätte ich zugegebener Maßen unter diesen Bedingungen nicht bevorzugt. Der Fußweg zum Vulkan Chico, auf dem man den riesigen Krater von Sierra Negra passiert, dauert mit Rückweg rund fünf Stunden. Als wir losgehen, ist der Himmel vollkommen bedeckt und die Temperaturen sind tatsächlich gut erträglich – damit hätte ich bei Abfahrt im Hafenort Puerto Villamil nicht gerechnet.
Steil und anstrengend soll der Weg sein und unser Guide ist ganz schön aus der Puste. Unsere Gruppe besteht allerdings zum größten Teil aus jungen Backpackern, die wohl eine etwas andere Definition von „steil und anstrengend“ haben. Wir erreichen die Kante des Kraters von Sierra Negra, der angeblich nach einem Vulkankrater in Tansania der zweitgrößte der Welt ist. Die Informationen, die ich im Nachhinein über Sierra Negra finde, sind jedoch alle unterschiedlich, sodass ich den Wahrheitsgehalt einiges Aussagen nicht nachvollziehen kann. Der Durchmesser des nicht ganz runden Kraters soll zehn bzw. neun Kilometer betragen – das ist schon ganz schön groß! Die umlaufenden steilen Wände sind im Verhältnis nicht besonders hoch, aber das gigantische braun-schwarze ebene Lavafeld unter uns hat beeindruckende Ausmaße.





Wir lassen den Vulkan, dessen Alter auf gut eine halbe Million Jahre geschätzt wird, hinter uns und setzen unseren Weg durch eine unscheinbare Landschaft fort. Immer wieder werden wir auf besondere Pflanzen hingewiesen, die es nur hier gibt und auf solche, die hier eigentlich nicht hingehören und irgendwann eingeschleppt wurden (beispielsweise die Brombeere und die Guayaba). Relativ abrupt endet die üppige Vegetation und anstelle von Gräsern, Büschen und Sträuchern liegt vor uns die surreale Landschaft, von der mir schon andere Reisende berichtet hatten. Willkommen auf dem Mond! Anfangs bestehen die Lavaformationen überwiegend aus schwarzen, porösen Gesteinsbrocken. Je weiter wir uns in das Gebiet des Vulkans Chico bewegen, desto mehr Farben und Formationen entdecke ich. Stellenweise ist das Gestein eher braun und in einem fließenden bzw. abtropfenden Zustand erhärtet, sodass wir immer wieder über Schokoladenpudding scherzen, weil die Ähnlichkeit unverkennbar ist. Wir passieren in sich zusammengebrochene Lavatunnel und bekommen die Geschichte von einem Studenten erzählt, der sich hier von seiner Forschungsgruppe getrennt und alleine in einen solchen Tunnel eingebrochen sei. Erst Wochen später sei seine Leiche gefunden worden.
Hier und da weist unser Guide uns auf Öffnungen im Gestein hin, aus denen Hitze aufsteigt – wahrscheinlich würden die Temperaturen nicht reichen, um Würstchen zu grillen (das habe ich schon von den Kanaren gehört), aber die Aktivität des Vulkans ist doch deutlich spürbar. Besonders gut gefallen mir die Bereiche, in denen sich rote, gelbe und schwarze Lavabrocken mischen – Eisen und Schwefel sorgen für die farbenfrohe Färbung. Während des acht Kilometer langen Rückweges fällt konstant ein angenehmer Nieselregen, den ich gerade als sehr erfrischend und abkühlend empfinde.








Ich erinnere mich daran, wie ich nach den ersten drei Monaten meiner Reise und dem Besuch von gefühlten siebenundzwanzig Vulkanen gedacht habe, ich wolle nie wieder einen Vulkan besteigen. Heute habe ich meine Meinung geändert und bin mal wieder von der Vielfältigkeit unserer Welt begeistert.
Es ist schön, diese Tour am Anfang der Zeit auf der Insel Isabela gemacht und so von den anderen Reisenden einige Tipps für die nächsten Tage bekommen zu haben. Außerdem habe ich Luisa und Patric kennengelernt, die zusammen in der Schweiz leben, mit denen ich in den nächsten Tagen noch einiges unternehmen werde.

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Eines dieser kleinen Erlebnisse...

17:56 Einsame Insel.de 1 Comments

Ich bin noch nicht so richtig wach - um fünf hat heute der Wecker geklingelt. Eine Stunde später sitze ich auf dem Boot, das mich von Isabela zurück nach Santa Cruz bringen soll. Noch ahne ich nicht, wie dankbar ich gleich sein würde, einen der Plätze im hinteren Teil des Schnellboots zu ergattern und quasi freie Sicht auf das blaue Meer hinter uns habe. Ich döse vor mich hin, bis ich durch das Gemurmel der Mitreisenden auf das aufmerksam werde, was sich gerade hinter uns abspielt: Eine Gruppe von sechs bis acht Delfinen folgt unserem Boot. Der Kapitän verringert das Tempo und dreht einen großen Kreis, sodass die Tiere näher an uns herankommen. Vollkommen fasziniert von der Eleganz der Tiere schaffe ich es gerade noch, die Kamera aus dem Rucksack zu ziehen und diesen Moment festzuhalten. Klar, ich habe schon ein paar mal Delfine gesehen, auch auf offenem Meer, aber noch nie so viele aus solcher Nähe. Irgendwie bin ich tief berührt und fasziniert von diesem Erlebnis am frühen Morgen. So schnell wie sie aufgetaucht sind, verschwinden die Tiere auch wieder am Horizont, als unser Fahrer das Boot wieder in voller Fahrt Richtung Osten steuert.









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Isla Isabela - Die schönste der Galapagosinseln?

14:21 Einsame Insel.de 1 Comments

Das klare türkisblaue Wasser im Hafen reflektiert die Mittagssonne, ein paar Seelöwen spielen im Wasser, andere faulenzen im Schatten der Bäume auf Plastikliegestühlen und Holzbänken. Der Strand ist gesäumt von Palmen und der erste Eindruck ist nicht zu vergleichen mit dem der viel hektischeren Isla Santa Cruz, von der ich gerade komme. Etwas nervig finde ich, dass das Boot nicht bis an den Anleger fährt – stattdessen müssen alle Fahrgäste noch einmal in ein Taxiboot umsteigen, die Fahrt zusätzlich zahlen, um dann am Pier noch eine Hafensteuer von fünf Dollar zu bezahlen. Da hätte es sich durchaus gelohnt, die letzten zwanzig Meter zu schwimmen. Bei der nächsten Inseltour brauche ich wohl einen wasserdichten Rucksack!
 
Zu manchen Tageszeiten findet man an dem südlichen Strand auf der Isla Isabela ausschließlich Fußspuren von Tieren vor. Heute war wohl etwas mehr los und erst jatzt am Abend leistet mir außer diesem Vogel niemand hier Gesellschaft. Schön!

Ich habe in einem Blog schon von einem Hostel auf dieser Insel gelesen, das neben günstigen Unterkünften auch Möglichkeit zum Kochen bietet. Wieder einmal stellt sich heraus, dass es hier definitiv zu zweit einfacher ist, günstig zu reisen. Man zahlt zwar in allen Hotels bzw. Hostels immer pro Person (wobei mir hier der Unterschied zwischen den beide Begriffen wirklich nicht klar wird), aber alleine ist es doch schwieriger, ein günstiges Zimmer zu bekommen. Hostels im mir bekannten Sinne mit geteilten Zimmern, Gemeinschaftsküche und der typischen Atmosphäre, in der man schnell andere Reisende kennenlernt, gibt es offenbar hier nicht. Insofern ist es auf jeden Fall angenehm, dass wir im Moment zu zweit unterwegs sind und auf dieser Insel am zweiten Tag eine Tour machen werden, auf der man ein paar Leute kennenlernt.

Mehr Tierspuren als Fußabdrücke am Strand - Isla Isabela.

Heute geht es erst mal zur „El Muro de lagrimas“ - dabei geht es allerdings weniger um die Lavasteinmauer am Ende des rund acht Kilometer langen Weges, als mehr um den Weg und die vielen möglichen Zwischenstopps. Das schöne an der Insel Isabela ist, dass man direkt vom Hafenort aus einen sehr langen, breiten und einsamen Sandstrand erreicht, den man (im Gegensatz zu einigen anderen Stränden hier) zu jeder Uhrzeit betreten kann. Der erste Teil des Weges zur fraglichen Mauer führt am Strand entlang (oder auf der parallelen Straße, wenn man sich lieber mit dem Fahrrad fortbewegen möchte), danach geht es auf der Straße weiter. Ausnahmsweise mal gut bezeichnet sind die vielen kleinen Wege, die links und rechts zu kleinen „Sehenswürdigkeiten“ führen – sogar jeweils mit einer auf den Meter genauen Distanzangabe (zwischen 52 und 272 Metern, wenn ich mich recht erinnere). Zu sehen gibt es Mangrovenwälder (ich wusste nicht, dass es vier verschiedene Arten von Mangroven gibt), kleine Lagunen, stinkende Wasserlöcher mit hohem Salzgehalt, einen kleinen Lavatunnel und einen Aussichtspunkt, der den Blick über die weite Landschaft, das endlose Meer und die kleine Stadt ermöglicht. Interessant ist der „Playa del Amor“, an dem unzählige Leguane ihre Eier vergraben haben und jetzt aufpassen, dass niemand ihren zukünftigen Kindern Schaden zufügt.

Leguane mit Vorliebe für die Brandung: untätig sitzen sie auf dem Lavagestein am Playa del Amor.

Achtung, hier werden Eier gelegt - Strand nicht betreten!
Als ich am Abend bei Sonnenuntergang noch einmal den Strand entlanglaufe, bin ich froh, dass ich nicht die meiste Zeit hier auf einem Boot verbringe. Schon bei der Überfahrt von Panama nach Kolumbien hat es mich gestört, dass ich nie zum Sonnenauf- und Untergang am Strand sein konnte (oder zumindest nicht mit Kamera, da ich sie nicht trocken an Land bringen konnte).
Es ist traumhaft schön, den langen fast menschenleeren Strand entlangzugehen und alles um mich herum zu vergessen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit schwimmen gehen zu können oder einfach nur die Stille und das Meeresrauschen zu genießen – das ist Urlaub! Ich weiß, das klingt komisch, aber das ist etwas ganz anderes als das ständige Unterwegssein mit dem Rucksack auf dem Festland. Eine Rucksackreise würde ich an vielen Tagen nicht mit dem Begriff „Urlaub“ gleichsetzen, aber im Moment ist es genau das: Urlaub, Entspannung und Genießen!

Mirador

Ein kleiner, wassergefüllter Lavatunnel.

Schilder gibt es jedenfalls hier fast so viele wie in Deutschland - wenn auch etwas kreativere als bei uns.

Und schon wenige Meter nach dem Schild begegnet mir die erste Riesenschildkröte.

Familienbadeplatz im Mangrovenwald.
Die interessanten Orte entlang der Route zur "Muro de las Lágrimas"


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