Teotihuacán, Tacos und Tequilla

08:36 Einsame Insel.de 2 Comments

Tag zwei neigt sich dem Ende zu und ich bin meinen Jetlag noch immer nicht los. Sieben Stunden sollten ja eigentlich nicht so das Problem sein, zumal ich nach lokaler Zeit optimal im Hostel ankam, sodass ich direkt ins Bett und schlafen konnte. Allerdings nur bis drei Uhr morgens, dann bis sechs.. und am nächsten Tag wieder früh müde wurde. Wie das eben so ist, der Körper gewöhnt sich doch ganz schön an gewisse Rhythmen. Im Gegensatz zu meinem Flug war der von Debbie nicht annähernd pünktlich. Zur Erinnerung: Debbie ist die Amerikanerin, die ich in Brunei kennengelernt habe, mit der ich auf Borneo eine Woche gereist bin, die ich dann letzten Sommer in Prag besucht habe und mit der ich Weihnachten und Silvester in Italien verbracht habe. Reisebegleiterin auf dem dritten Kontinent nun also... Debbie flog von Los Angeles und hing mit ihrem Flieger so lange wegen Schlechtwetters über Mexico City so lange in der Warteschleife, dass ihr Flieger kurzerhand zum Tanken in Acapulco landete. Und das, nachdem Acapulco in den letzten Tagen ständig wegen Überschwemmungen in den Medien war.
Mit fünf Stunden Verspätung erreichte Debbie das Hostel, in dem wir uns seitdem ein Sechsbettzimmer teilen (ja, richtig, das sind drei Betten für jeden - und das für unter zehn Euro inklusive Frühstück).

Eine Schulklasse umschwärmt die Händler vor der Sonnenpyramide.

Man merkt schon, dass wir "off season" unterwegs sind und treffen auf relativ wenige Touristen. Ich bin ganz froh, dass Debbies Reiseplan zufällig fast zeitgleich in derselben Stadt startet, ansonsten könnte es hier abends etwas langweilig werden. Ich muss auch feststellen, dass sich das Hostelleben dank des allgegenwärtigen Wlan alias Wifi und den verbreiteten "mobilen Endgeräten" stark verändert. Das abendliche Zusammensitzen, Unterhaltungen, Kartenspiele usw. wird durch Skypen, Chatten und Facebook ersetzt. Gerade neue Bekanntschaften und gute Gespräche machen doch das (Allein)Reisen aus... ich hoffe, dass sich dieser Aspekt in den nächsten Orten ändert.


Kurze Verschnaufpause auf halber Höhe.

Um aus dem Großstadtchaos zu entfliehen und einen der vielen geschichtsträchtigen Orte in der näheren Umgebung zu besuchen, machen wir uns an unserem ersten gemeinsamen Tag auf, die Ruinen von Teotihuacánzu besuchen. Dreimal Umsteigen in der Metro und dann mit dem Bus 45km nach Nordosten. Neben uns steigen noch zwei oder drei weitere Touristen aus dem Bus, insgesamt ist die ganze Anlage deutlich leerer als erwartet. Ich bin meinen Jetlag immer noch nicht so richtig los und die dünne Luft macht uns beiden zu schaffen. Mexico City liegt auf 2200m über dem Meeresspiegel - da braucht man schon zwei, drei Tage, bis sich der Körper an die Luft gewöhnt. Das ist schonmal ein gutes Training für die Anden.
Entgegen der Vorhersage scheint die Sonne, es ist leicht bewölkt und wir genießen zwei, drei entspannte Stunden in  der prähistorischen Stadt. Der Aufstieg auf die gut 65 Meter hohe Sonnenpyramide - die drittgrößte Pyramide der Welt - zehrt durchaus an unseren Kräften und wir müssen mehrfach Pausen einlegen während wir die hohen Stufen erklimmen. Die Aussicht ist die Anstrengungen wert, wir entscheiden uns aber, zügig zurück zur Bushaltestelle zu kommen, bevor die Regenschauer zu uns ziehen, die wir vor der nächsten Bergkette erblicken.
Für 45 Pesos, also etwa 2,50€, bekommen wir zurück in der Stadt eine gute Mahlzeit: Eine Tomatenbrühe mit Nudeln, ein Portion Reis, eine Hähnchenkeule mit Soße und Kartoffeln, Tortillas und Mangosaft. Alle denkbaren Kohlenhydrate in einer Mahlzeit, an Gemüse mangelt es allerdings. Am Abend sind wir beide über unsere roten Schultern und Arme verwundert – es war doch angenehm kühl und leicht bewölkt an dem Tag. So schnell unterschätzt man die Sonne – wenn ich bedenke, wie ich meine Haut beim Segelfliegen (schon in geringeren Höhen in europäischen Breitengraden) schütze, hab ich hier wohl nicht so richtig nachgedacht...

Donnerstag durfte ich ich meine erste ausgesprochen positive „Couchsurfingerfahrung“ erleben. Ich habe zwar nach wie vor die Nacht im Hostel verbracht, aber die international bekannte Plattform genutzt, um Kontakt zu „Einheimischen“ zu nutzen ('locals' möchte ich immer sagen – gibt es da kein schönes deutsches Wort für?). So treffen Debbie und ich am Mittag Paco, der in Mexico City geboren und aufgewachsen ist und den Großteil seines Lebens hier verbracht hat. Bei leichtem Nieselregen starten wir unsere Stadttour am Auditorio und arbeiten uns durch einen großen Park mit hunderten von kleinen Verkaufsständen, vorbei an den „wichtigsten“ Monumenten der Stadt zurück Richtung Zentrum vor. Im Grunde ist das Ganze eine ausführliche Stadttour mit sehr persönlicher Note und ausgelegt auf unsere Interessen.
Ein ziemlich neugieriges Wesen im Park.
 Spannend wird es beim Mittagessen: endlich erklärt uns mal jemand, was auf den Speisekarten steht und nicht ausführlich im Wörterbuch beschrieben ist. Die Tacos mit Pastor schmecken besonders gut: sie sind belegt mit gut gewürztem Schweinefleisch, das von einer Art Kebabspieß abgeschnitten wird. Kaktus mit Käse und Jalapenos ist auch nicht schlecht. Ohne Paco hätten wir wahrscheinlich etwas schon bekanntes bestellt und uns wäre einiges entgangen.

Tacos mit Mole, Pastor und Kaktus

Einen kurzen Schreckmoment gibt es nach dem Essen. Ich bin schon laenger auf der Suche nach einem Geldautomaten und versuche einen solchen unmittelbar an einer Bank zu bedienen. Dieser schluckt kurzerhand meine Karte ohne jegliche Rückmeldung. Sowas habe ich ja schon oft gehört, passiert ist es aber noch nicht. Pin ist noch nicht eingegeben und die Karte sogar noch zu sehen, aber Herausholen von außen scheint unmöglich. Die Bank hat bereits geschlossen und Paco diskutiert kurz mit zwei Angestellten (=Herren in Anzügen), die sich "in fünf Minuten" darum kümmern wollen. Eine ganze Weile passiert nichts, bis die Putzfrau schließlich fragt, was das Problem sei und nach geschätzten zehn Sekunden mit meiner Kreditkarte zur Tür kommt. Grandios! Dazu waren die Herren offenbar nicht in der Lage...

Einer der 95% aller Brunnen in Mexico City, die nicht funktionieren... schön ist er trotzdem irgendwie.
 Wir laufen durch das Bankenviertel mit modernen Hochhäusern, vorbei an "wichtigen Monumenten", die sich irgendwie alle ein bisschen ähneln und erfahren vor allen Dingen viel über das tägliche Leben in Mexico City. UnsereFüße werden langsam müde und die letzte Amtshandlung des Tages ist die Einkehr in eine typische Bar (mittlerweile wahrscheinlich mehr touristisch als typisch bzw. "local" - Paco erzaehlt, das hier bereits für mehrere Filme gedreht wurde) und das Probieren des Tequillas. Begleitet von Livemusik erfahren wir, dass das Nationalgetränk hier ein wenig anders "eingenommen" wird als in Deutschland. Die Zitronen sind hier deutlich aromatischer (und grün, vergleichbar mit unseren Limetten), Salz gehört natürlich auch dazu, das nicht ganz so scharfe Zeug wird schnell getrunken und danach nimmt man einen kleinen Schluck stark gewürzten Tomatensafts zu sich. Wer's mag... Aus Solidarität oder wie auch immer man das nennen mag, machen wir die Prozedur mit, aber mehr muss wirklich nicht sein. Da freue ich mich doch lieber auf die nächsten Quesadillas oder Tacos - die treffen mehr meinen Geschmack :)

Mexikanisches Gedeck: das Nationalgetränk
 Hier geht es zur Fortsetzung / Mexico City Teil 2.

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2 Kommentare:

  1. Hi Silvia,
    kann mich nur Marlen anschließen und freue mich mit Deinen Augen Südamerika zu entdecken. Bin schon ganz gespannt auf Deine nächsten Einträge. Wünsche Dir viele interessante Begegnungen.

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  2. Danke, Lioba. Ich bin mir sicher, dass ich einige interessante Begegnungen machen werde... die ersten Tage haben ja auch schon gut angefangen :)
    Sylvia mit "y" :-P

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