Von Matanzas nach Cienfuegos - öffentliche Verkehrsmittel in Kuba
Alle Straßen Kubas führen nach Havanna. Zumindest bekomme ich schnell den Eindruck, dass man in jedem kleinen Ort relativ schnell herausfindet, wie man in die Hauptstadt kommt. Sobald man sich aber in die andere Richtung bewegen will, muss man relativ genau wissen, wie man dort hin kommt oder aber zumindest eine gute Landkarte haben. Eine wetterfeste Straßenkarte im Maßstab 1:600.000 habe ich bereits vor Abflug im Internet gekauft. Unser erstes Ziel nennt sich Cienfuegos oder liebevoll auch "Die Perle des Südens" genannt.
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| Man beachte die schwarze Rauchfahne hinter dem hübschen roten Gefährt. Vielleicht kann man sich ungefähr vorstellen, welche "Dürfte" die Nase in engen Straßen in Kuba vernimmt. |
Die Verkehrsmittel in Kuba: Langstrecke
Die angeblich so komfortablen, praktischen, preisgünstigen und pünktlichen Busse von "Viazul" (die Ironie, mit der ich das gerade schreibe, wird in einem späteren Artikel vermutlich deutlich) fahren zwar von Havanna nach Cienfuegos, wir haben aber wenig Lust, erst einmal zwei Stunden in die falsche Richtung zu fahren und entscheiden uns, nach Alternativen zu suchen.
Einen großen Busbahnhof hat Matanzas nicht, dafür aber einen Bahnhof. Evilio aus unserem Casa erklärt, dass es die ganz billige und nicht so sichere Variante gibt und die etwas teurere, aber komfortablere und schnellere Variante. Wir entscheiden uns für letztere und laufen mit unseren Rucksäcken zum Bahnhof.
Unser erstes Verkehrsmittel an diesem Tag wird ein sogenanntes Collectivo. Das ist eine Art Sammeltaxi, das eine feste Strecke fährt, in dem in der Regel jeder Fahrgast einen eigenen Sitzplatz bekommt und zusätzlich (wenn auch auf dem Dach des Fahrzeuges) ausreichend Platz für das Gepäck ist. Relativ schnell ist klar, dass die jungen Männer, die uns "helfen", das richtige Fahrzeug zu finden, eine kleine Provision kassieren. Aber auch wenn wir am Ende einen leicht erhöhten Fahrpreis von 3CUC (ca. 3$) zahlen, ist das für eine Strecke von rund 80 km in einem relativ komfortablen Fahrzeug schon in Ordnung. Colón liegt, genau wie Aguada de Pasajeros, auf unserer Strecke und ist einfach der erstbeste Ort, den wir auf der Landkarte gefunden haben, zu dem außerdem ein Collectivo fährt. Wir lernen einige Straßen im Zentrum kennen, kaufen frittiertes Kartoffelgebäck mit scharfer Soße, das uns schon in Matanzas so gut geschmeckt hat und haben in dem Mini-Städtchen nicht einmal Probleme, Trinkwasser zu kaufen (sogar gekühltes!).
Den zweiten Streckenabschnitt legen wir ebenfalls mit einem Collectivo zurück, der allerdings deutlich enger wird als der erste. Die Einkäufe der Passanten müssen schließlich auch im Wageninneren Platz finden: ob Eimer, Besen, Ventilatoren oder einfach Lebensmittel - alles findet irgendwo Platz in dem geräumigen Oldtimer.
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| Wir würden auch die Eisenbahn nehmen, aber hier in Colón ist sie wohl Geschichte. |
Die preisgünstigste Art in Kuba zu reisen: Camiónes
Wir lernen ein weiteres kubanisches "Nahverkehrsmittel" kennen: die Camiónes. Wörtlich, so lese ich gerade nach, ist ein camión einfach nur ein Lastwagen. In Kuba handelt es sich hierbei um einen umgebauten Kleinlaster, der zwar von außen wirkt wie ein Viehtransporter, aber von innen komfortabler wirkt als erwartet. Vorne kann Gepäck gelagert werden - zumindest wenn man rechtzeitig an Board ist, findet man hier Platz für seine Habseligkeiten. Mit einer größeren Gruppe von Backpackern vermutlich etwas schwieriger als zu zweit. Auf der Ladefläche sind längs zwei bis vier Bänke (meist aus Stahl) angeordnet, die zwar wenig Sitzkomfort bieten, aber immerhin ermöglichen, dass man zwischen Sitzen und Stehen wechselt und vor allem an der Außenwand frische Luft und den Blick in die Landschaft genießen kann. Bei Regen kann es allerdings ungemütlich werden, wenn es keine Planen zum Herunterrollen gibt (wer öfter mit diesen Fahrzeugen fährt und die Wahl zwischen mehreren hat: die Luft ist deutlich angenehmer, wenn es nach vorne eine Belüftungsöffnung bzw. ein offenes Fenster oberhalb der Fahrerkabine gibt).
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| Sehen auf den ersten Blick aus wie ein Viehtransporter: die Camiones in Cuba (hier Vinales) |
Mir gefällt an den Fahrten in Camiónes, dass man häufig die Möglichkeit hat, Snacks wie Früchte, Nüsse oder Pizza und Getränke zu kaufen, ohne das Fahrzeug zu verlassen. Und nicht nur wenn man mit seinen Nachbarn teilt, kommt man schnell mit Einheimischen ins Gespräch. Längere Fahrten kosten übrigens je nach Entfernung 10 - 30 Pesos (0,40€ - 1,20€) - ein Bruchteil von den Ticketpreisen von Viazul (Matanzas - Cienfuegos kostet so rund 5 Euro, mit Viazul über Havanna wären es rund 25 € gewesen und zeitlich vermutlich nicht schneller).
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| Nichts für die Langstrecke: Fahrradtaxis (hier bei strömendem Regen in Havanna) |
Der riesige Vorteil der "normalen" kubanischen Verkehrsmittel, die im Gegensatz zum Viazul-Bus kaum von Touristen genutzt werden: man kann häufig nicht nur am teilweise abgelegenen Busbahnhof aussteigen sondern auch im Zentrum der Stadt und entkommt so den Schleppern, die oft den ankommenden Touristen auflauern, wenn sie aus den großen Reisebussen aussteigen.
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| Zwischen kleineren Orten oder Ortsteilen verkehren häufig diese Personenkutschen. Offenbar kann man auch gleichzeitig auf Kutsche und Fahrrad sitzen (Schnappschuss aus Baracoa). |
Der erste Eindruck in Cienfuegos ist gleich ein ganz anderer als in Matanzas: die Luft ist wesentlich besser, ich muss mir nicht ständig einen Schal vor's Gesicht halten, wenn ein Oldtimer vorbei kommt. Die Stadt hat eine vollkommen andere Atmosphäre als die Arbeiterstadt im Nordwesten.
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