4 Wochen mit Handgepäck (das ist zumindest der Plan)

08:14 Einsame Insel.de 2 Comments

Ungläubig und etwas verwirrt werde ich angesehen: „Du willst vier Wochen mit Handgepäck reisen? Bei einer Woche würde ich das ja noch verstehen… aber vier Wochen?“. Eine typische Reaktion bei meiner derzeitigen „Urlaubsplanung“. Warum reise ich dieses Mal mit Handgepäck und wie sah es mit dem Thema Reisegepäck in der Vergangenheit aus?

Nicaragua im Dezember 2013: neun Liter Wasser, Essen, Schlafzeug, Zelt und Feuerholz machen den großen Rucksack erforderlich. Aber an den meisten Tagen übernachte ich ja nicht auf einem Vulkan...
Ich erinnere mich noch gut an die erste „große“ Reise mit Rucksacke. Im September 2009 war ich rund fünf Wochen mit Lisa in Südostasien unterwegs. Mein Rucksack war definitiv der leichtere, aber ich ließ mich vor Ort schnell „verführen“, günstige Ausstattung nachzukaufen, die ich nicht dabei hatte aber vielleicht doch brauchen würde. So schlenderten wir damals über die Märkte Vietnams, um für mich Trekkingsandalen zu kaufen, die mir in den vergangenen Woche vor allen Dingen eins brachten: Blasen an den Füßen. Thailändische Lichterketten und eine malaysische Holzfigur wanderten in meinen eigentlich viel zu großen Rucksack. Ich weiß nicht mehr genau, wie viel Kleidung ich damals dabei hatte, aber dennoch wuschen wir mindestens einmal in der Woche unsere T-Shirts und hängten sie im Zimmer zum Trocknen auf. Schließlich wollte man nicht mit den verschwitzten Klamotten im Rucksack durch die Gegend laufen. Und natürlich trug man sowieso immer die gleichen Klamotten – und zwar die aus dem dünnsten Stoff.

Die zweite Asienreise lief ähnlich ab, vielleicht hatte ich ein paar weniger Klamotten dabei (keine Socken, da ich sowieso nur noch in Flip-Flops unterwegs war), dafür aber ein paar neue Tools, die beim alleine reisen vonnöten waren. Vorhängeschloss für Hostel-Schränke, Reisewecker (in Ermangelung eines Handys) und Taschenmesser waren immer dabei. Dafür kam ein viel zu großes Kamerastativ hinzu – außen an den Rucksack montiert. Viel zu schwer und viel zu umständlich. Benutzt habe ich es fast nie.
Auf den nächsten Kurztrips wurde das Stativ kleiner und leichter, nervte mich aber bei Flügen regelmäßig, da es meist durch die Drogenkontrolle lief. Man könnte ja irgendwelche fragwürdigen Substanzen im Gestänge verstecken.

...unterwegs mit zu viel Gepäck. Wanderung im Maragua-Krater in Bolivien, April 2014

Im Sommer 2012 machte ich mich spontan auf den Weg Richtung Balkan und stellte mein Gepäck zusammen, bevor ich es in den neu erstandenen Rucksack packte. Schnell stellte sich heraus, dass selbst für die kompakte Luftmatratze und den kleinen Schlafsack kein Platz sein würde, wenn ich nicht alles außen befestigen würde. Also blieben die Schlafutensilien zuhause – in Hostels würde ich sie ohnehin nicht benötigen. In den folgenden drei Wochen in Tschechien, Ungarn, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Kroatien lagen die Temperaturen dauerhaft zwischen 30 und 40°C (heißester Tag des Jahres inklusive). Meinen Schlafsack habe ich keinen Moment vermisst. Es stellte sich vielmehr die Frage, warum ich überhaupt zwei lange Hosen eingepackt hatte…

In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass der „Lernprozess“ relativ lange dauert und ich nicht immer in der Lage bin, die Erfahrungen der einen Reise auf die nächste zu übertragen. Zumindest nicht unmittelbar. Mindestens ein halbes Jahr würde ich nun unterwegs sein, in verschiedenen Ländern, in hoch gelegenen Bergregionen, aber auch im Flachland in Äquatornähe. Was also einpacken? Alle Eventualitäten berücksichtigen? Auf keinen Fall!

Mit großem Gepäck unterwegs: dreitägige Wanderung im Maragua-Krater in Bolivien, April 2014

Es ist nicht möglich, alles, was kommt, im Vorfeld zu erahnen und mit speziellem Equipment auf alles vorbereitet zu sein. Klar gibt es einen Grundstock und mittlerweile habe ich ein Fieberthermometer im Gepäck, um im Zweifelsfall sicher zu sein, dass ich einen Arzt aufsuchen muss. Aber ich reise bestimmt nicht mit Laufschuhen, Wanderschuhen, Trekkingsandalen, Flipflops und womöglich noch irgendwelchen „Ausgehschuhen“. Ich habe in Kolumbien zwei Mädels im Hostel getroffen, die hatten ihre Taschen voller Highheels und sogar Haartrockner und Glätteisen dabei. Ich gehe davon aus, dass die beiden Holländerinnen mit den Utensilien auf keinen Berg gestiegen sind.

Die nächste Reise führt mich nach Kuba – einem Land, das eine große Ost-Westausdehnung und eine geringe Nord-Süd-Ausdehnung hat. Ich werde mich also nicht in verschiedenen Klimazonen bewegen. Die durchschnittliche Höchsttemperatur im Dezember liegt bei 30°C, die Mindesttemperatur bei 20°C. Es gibt rund drei Regentage im Monat. So wird es vermutlich darauf hinauslaufen, dass ich mit einer Jeans und festem Schuhwerk das Flugzeug betreten werde, während sich in meinem Rucksack ein paar Tshirts und kurze Hosen/Röcke befinden.

Aber Handgepäck bedeutet doch mehr als nur reduziertes Gewicht, es gibt so viele Einschränkungen! - Ja, auch das ist richtig. Ich bin auf ein Maximalgewicht von 8,00 kg mit einer Maximalgröße von 55 x 40 x 23 cm beschränkt (Airline: Eurowings). Bei der der neuen Fernstrecken-Billigairline habe ich übrigens sogar einen finanziellen Vorteil vom Reisen mit Handgepäck: ich zahle pro Strecke mindestens 30 Euro weniger als die Passagiere mit Gepäck.
Flüssigkeiten dürfen bis 100ml Volumen je Behälter (und davon zehn) mitgeführt werden. Wo liegt das Problem? Die üblichen Drogeriemarkt-Kleinformate mit 50-60ml Shampoo oder Duschgel sind für einen längeren Zeitraum zugegebenermaßen etwas knapp, aber mit einem 100ml-Fläschchen (das kaufe ich leer und fülle es von der großen Flasche aus) komme ich weit länger als einen Monat aus. Es lohnt sich auf jeden Fall, Shampoo & Co. als Konzentrat zu kaufen, so kommt man ggf. auch ein halbes Jahr mit 100ml aus. Alternativ kann man natürlich überall auf der Welt nachkaufen – wenn man nicht allzu spezielle Wünsche hat.

Passt nicht ganz in mein Handgepäck-Schema: Reisen mit Flugzeug.
Ein Taschenmesser wird bei mir meist zum Aufschneiden von frischem Obst gebraucht und in wärmeren Ländern durchaus oft genutzt. Hier gibt es bei der Reise mit Handgepäck zwei Möglichkeiten: Je nach Bestimmungen der Airline ein Messer mit einer kurzen Klinge (maximal 6 cm) mitnehmen oder vor Ort ein einfaches Obstmesser kaufen.  Theoretisch sind die Richtlinien gar nicht so streng – sogar Einwegrasierer dürfen im Handgepäck mitgeführt werden. Wer also ein Taschenmesser mitnehmen möchte, sollte auf kleine Exemplare zurückgreifen.
Und was sind die großen Vorteile des Handgepäcks?
Wenn man sich von Anfang an vor seiner Reise auf das beschränkte Volumen des Rucksacks/ des Gepäckstücks einstellt, kommt man gar nicht erst in Versuchung, viel mehr einzupacken, als man wirklich benötigt. Es gibt nichts schlimmeres, als auf einer mehrwöchigen oder gar mehrmonatigen Tour immer das Gefühl zu haben, unnötigen Ballast mit sich rumzuschleppen. Ich denke natürlich die ganze Zeit an Reisen, bei denen man viel unterwegs ist, keinen eigenen Wagen zur Verfügung hat und regelmäßig den Standort wechselt. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird das „große Gepäck“ häufig auf dem Dach oder in Gepäckräumen verstaut, über die man während der Fahrt und bei Zwischenstopps keinerlei Kontrolle hat. Ich habe selber noch keine Probleme mit Gepäckdiebstahl gehabt, dennoch ist es immer lästig, wenn man sich um eine sichere Verstauung seines Hab und Guts kümmern muss. Da ist mir ein kleiner Rucksack auf dem Schoß lieber.

Natürlich reist nicht jeder gerne mit wenig Gepäck und natürlich möchte das auch nicht jeder. Wer unterwegs mit eigenem Equipment zeltet oder in Extremsituationen, verschiedenen Klimazonen usw.  unterwegs ist, geht sowieso ganz anders an das Thema ran. Ihr möchtet nicht wissen, wie voll mein Auto ist, wenn ich mit Segelflugzeug in den Urlaub fahre… (alleine die drei Akkus für die Elektronik wiegen wahrscheinlich so viel wie mein Gepäck auf einer Rucksackreise).

Für mich liegt eine Priorität beim Reisen ganz klar in der Flexibilität und in meiner persönlichen Freiheit, die ich nicht durch eine große Menge materiellen Ballast einschränken möchte.
Ich bin gespannt, wie ich das nach meiner Rückkehr aus Kuba sehe :)
(ohne kubanischen Rum im Gepäck)

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26 Urlaubstage vs. Fernweh - Fernreise im Jahresurlaub?

12:40 Einsame Insel.de 1 Comments

Winterzeit! Es wird langsam kalt, nass und grau in Deutschland und ich bin bestimmt nicht die Einzige, die sich dieser Tage nach ein bisschen Sonne und Wärme sehnt. Wenn ich mich beklage, dass ich meinen letzten Urlaub Anfang Mai hatte (und den auch noch mit Rückenschmerzen verbracht habe), bekomme ich meist wenig Mitleid.

Kuba oder nicht Kuba? Nein. Das Foto zeigt Cartagena in Kolumbien. Aber irgendwie so stelle ich mir Kuba vor.
Das erste Jahr im neuen Job ist rum und somit auch meine lange Auszeit schon über ein Jahr her. Dennoch erscheinen viele Erlebnisse, als hätte ich sie erst gestern erlebt. Meine Gastfamilie in Guatemala, bei der ich gelebt habe während meines Spanischkurses, hat mittlerweile ein drittes Kind, das auch schon bestimmt ein Jahr alt ist. Trotzdem kommt es mir vor, als hätte ich erst letzte Woche mit Angie und Frank auf dem Dach des Hauses gesessen und auf einem alten stück Wellblech ein Feuer gemacht, um Marshmallows zu grillen.

Und jetzt ist sie wieder da, diese Vorfreude. Aber irgendwie ist sie anders. Dieses Mal wird es kein Flug ins Ungewisse. Meine Prioritäten muss ich ein bisschen anders setzen bei 26 Tagen Urlaub im Jahr (und ja, mir ist bewusst, dass wir Deutschen uns glücklich schätzen können was das angeht). 
Eine Fernreise macht nur Sinn, wenn die Aufenthaltsdauer in einem halbwegs vernünftigen Verhältnis zur Entfernung steht. Nun ja, ein "vernünftiges Verhältnis" ist natürlich auch Ansichtssache. Nachdem eine Seite für Mitfahrgelegenheiten mir heute so schön vorgerechnet hat, dass mein Auto auf der Strecke von Aachen nach Stuttgart rund 90 Kilogramm CO² ausstößt, hatte ich schon irgendwie ein schlechtes Gewissen, mal eben für ein Wochenende so eine Strecke zurückzulegen (und das gleich zweimal...).

7986 Kilometer sollen es dann im Dezember werden. Von Aachen nach Havanna. Das kann nicht gut sein für meine CO²-Bilanz. Vielleicht sollte ich mich vor Ort dann ausschließlich per pedes bewegen - aber das werde ich wohl kaum vier Wochen durchhalten. Klar, würde ich länger dort bleiben, aber das macht mein Arbeitgeber wohl nicht mit. Selbst vier Wochen brauchten schon ein wenig Überredung.

Quelle: www.luftlinie.org
Ich ertappe mich hin und wieder dabei, dass ich ein kleines Planungs-Bedürfnis habe. Das kenne ich gar nicht mehr von mir. Das detaillierte Planen habe ich mir während der acht Monate in Mittel- und Südamerika weitestgehend abgewöhnt. "Es kommt ja doch immer alles anders als man denkt..." habe ich mir dann gesagt. Meistns kam es auch anders.
"Kolumbien ist ja so wahnsinnig gefährlich, das überspringe ich am besten komplett...". In welchem Land habe ich am Ende mitunter die meisten Wochen verbracht? In Kolumbien.

Nun wird es also das Land der Revolution, das Land der rostigen, farbenfrohen amerikanischen Oldtimer, der alten Männer, die Zigarre rauchend auf der straße sitzen und zu jeder Tages- und Nachtzeit Rum trinken.Wahrscheinlich gibt es kaum ein Land, das mit mehr Klischees behaftet ist.
Welche davon tatsächlich den Charakter und die Kultur dieser Insel widerspiegeln, wird sich mir wohl Ende dieses Jahres eröffnen.

Ich bin noch etwas unsicher, wie ich dieses Mal meine Erlebnisse dokumentiere. "Live" bloggen wir wohl nicht funktionieren, da Internet in Kuba noch ausgesprochen rar ist. Und der Laptop bleibt dieses Mal definitiv zuhause - ich reise mit Handgepäck, das macht einfach flexibler. Wenn ihr gute Ideen habt, lasst sie mich wissen! Ich spiele auch mit dem Gedanken, mich mal ein wenig mit bewegten Bildern zu beschäftigen. Ich bin gespannt auf das Land, die Menschen, ob ich mit dem wohl recht schnellen Spanisch klar kommen werde, welche Spuren die letzten Jahrzente gelassen haben und welche neuen Spuren die aktuelle Entwicklung hinterlässt. 


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Über Fernsucht, Alltag und den Wert des Reisens

11:07 Einsame Insel.de 0 Comments

Wer mich kennt, hat bestimmt schon das eine oder andere Mal mitbekommen, dass sich dieses Krankheitsbild regelmäßig bei mir zeigt. Ich werde ein bisschen hibbelig, denke über mein nächstes Reiseziel nach, fange an zu planen – auch wenn ich noch gar nicht wirklich entschieden habe wohin es geht, wann und wie lange und ob sich dieser mögliche Auslandsaufenthalt überhaupt mit meiner aktuellen Lebenssituation vereinbaren lässt.

Wer mich nicht kennt, aber schon zwei oder drei Artikel in diesem Blog gelesen hat, kann vermutlich auch erahnen, dass ich eine von diesen „Abhängigen“ bin.
Fernsucht – das klingt nach einer Abhängigkeit, mit der man nur schwer leben kann, wenn man sie nicht befriedigen kann.

Unendliche Weite: Salar de Uyuni in Bolivien. Fernweh hatte ich hier nicht.

Fernweh klingt förmlich nach dem Empfinden von körperlichen Schmerzen, während das Ziel der Begierde – die Ferne – nicht greifbar ist.
Moment mal – die Ferne nicht greifbar, nicht nah – sondern fern? Ist die Ferne nicht immer schwer greifbar und verliert nicht jeder Ort der Welt die Zuordnung zu dem Begriff „Ferne“, wenn man einmal dort ist. Per Definition ist die Ferne ein großer räumlicher Abstand oder ein großer zeitlicher Abstand. Bedeutet Fernsucht dann, dass ich mich danach sehne, nicht im Hier und Jetzt zu leben?
Das halte ich dann doch für etwas weit hergeholt. Ich mag das Wort. Aber vielleicht ist es dann gar nicht die Ferne, nach der ich mich sehne, sondern das Fremde, das Neue und Unentdeckte.
Ich habe schon öfter gelesen, wie albern es auf einige Menschen wirkt, wenn wir „westlichen Touristen“ in irgendein Entwicklungsland in eine relativ dünn besiedelte Gegend fahren, um uns dann dort einzubilden, wir würden eine neues Fleckchen Erde entdecken, ein Abendteuer erleben und unseren Horizont erweitern. Vielleicht erscheint es albern, aber als kleines Abenteuer und große Erweiterung meines Horizontes erlebe ich das Reisen auf jeden Fall.
Es gibt mittlerweile eine ganze Flut an Reisebloggs. Viele davon machen es sich zur Aufgabe, ihre Leser zu „großen“ Reisen zu motivieren. Es werden Packlisten, Flugbuchungs-Tipps und Traumziele beschrieben und natürlich hilfreiche Ideen zum Geldsparen und Ermöglichen eines solchen  Vorhabens. Manchmal heißt es auch, es gebe dabei ein großes Risiko: Man könne Blut lecken und nicht mehr in den Alltag zurück wollen.

Ein Ort zum Verweilen im Westen Schwedens


Ich erinnere mich gut an die letzten Tage und Wochen meiner letzten langen Reise (acht Monate Südamerika). Definitiv wollte ich in einen Alltag zurück. Vielleicht nicht unbedingt an den bekannten Alltag, wie er vor Verlassen meines Heimatlandes ausgesehen hatte, aber zumindest in einen Alltag.
Im Büro wird gerade ein Skiurlaub für kommenden Winter geplant. Für Februar, um genau zu sein. Letzten Winter war ich eine Woche mit einer tollen Truppe in den französischen Alpen. Das erste Mal im Skiurlaub und es war toll. Aber wenn ich mir heute (bei 40°C im Schatten) überlegen soll, ob ich in mehr als einem halben Jahr eine Woche im Schnee verbringen möchte, fällt mir das ganz schön schwer. Planen. Festlegen. Urlaub. Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass aus meiner Sicht Urlaub nicht gleich Reisen ist. Zumindest nicht dieses Reisen mit Horizonterweiterung.
Vermutlich wird man ganz schön wählerisch und kompliziert, wenn man schon ein bisschen rumgekommen ist. Ich werde oft gefragt, ob ich mit Freunden (Einzelpersonen) in den Urlaub fahren möchte. Meist sind es Leute, die selber noch keine „Individualreise“ gemacht haben und meine Erfahrung zu schätzen wissen. Dabei bin ich mir sicher, dass einige Erfahrungen es definitiv wert sind, sie alleine zu machen oder ohne jemanden, der sie schon hinter sich hat.

Wo führt das hin? Eigentlich wollte ich einen Blogeintrag über die schönsten Reiseziele schreiben. Vielleicht so etwas wie „meine zehn Lieblingsländer“ oder –orte. Das werde ich dann wohl separat machen – ohne philosophisches Gerede und Verschriftlichung meiner Grübelei.
Vielleicht bin ich süchtig nach Ferne – nach meiner eigenen Definition. Vielleicht auch nur nach dem Neuentdecken…

Aber muss ich dafür an einen anderen Ort?

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Das Getränk, das die Welt nicht braucht - 23rd International Gliding Cup in Klix

08:11 Einsame Insel.de 2 Comments

Manche Segelflieger behaupten, das „richtige Fliegen“ lerne man nur auf Wettbewerben. Nach  Teilnahme am Leverkusener Vergleichsfliegen in drei aufeinanderfolgenden Jahren verschlug es mich im vergangenen Jahr auf die Deutschen Segelflugmeisterschaften der Frauen nach Stölln: der erste „große“ Wettbewerb auf einem fremden Flugplatz, in einer wenig bekannten Gegend und mit einer Teampartnerin, die das gleiche Flugzeug fliegt  wie ich.
Auch wenn in Stölln das Wetter nicht herausragend war, konnten Daggi und ich uns nach dem Wettbewerb über 45 geflogene Stunden, eine Platzierung im Mittelfeld und eine ganze Menge neue Erfahrung freuen. Wir müssten uns also überlegen, welchen Wettbewerb wir im nächsten Jahr fliegen würden.

Modellflugzeuganflug im Raps
 
In Klix in der Nähe von Bautzen wird seit 23 Jahren der „Pokal der Alten Langohren“ ausgetragen. In fünf verschiedenen Klassen nehmen dieses Jahr rund 120 Piloten aus Deutschland und vielen Nachbarländern teil. Im Grunde geht es um nichts – hier kann man sich nicht für andere Wettbewerbe qualifizieren. Es geht einfach nur darum, ein paar Tage in die Luft zu kommen und möglichst schnell vorgegebene Strecken abzufliegen (ich hatte bereits früher erläutert, wie so ein Segelflugwettbewerb im Allgemeinen abläuft).
Daggi und ich – wir beide fliegen mit unseren Standard-Libellen in der Clubklasse mit – sind uns einig: Wir genießen die Atmosphäre, die Urlaubsstimmung und den Rundum-Service: Jeden Tag erläutert ein fähiger Meteorologe die Wetterbedingungen und die Sportleitung denkt sich eine geeignete Tagesaufgabe aus, die wir dann hoffentlich zu fliegen in der Lage sind. Wir werden animiert, bei Wetterlagen zu fliegen, bei denen wir zuhause das Flugzeug vermutlich nicht aus dem Anhänger ziehen würden.

Das Grid mit über 100 Flugzeugen.
Gestern Abend war Bergfest, es stehen noch drei mögliche Flugtage bevor und wir haben bereits vier Flugtage in Folge hinter uns. Die Aussage, dass es um nichts ginge (im materiellen Sinne) muss ich noch einmal korrigieren: Täglich werden beim Briefing die Sieger des Vortags gekürt – der erste jeder Klasse erhält einen Tagespreis. Daggi und ich kennen den Klixer Wettbewerb allerdings schon länger aus Erzählungen bzw. aus der Perspektive des Rückholers und wissen daher, dass es zwei weitere mehr oder weniger erstrebenswerte Preise gibt. Ebenso wird täglich das „Getränk, das die Welt nicht braucht“ sowie im Bedarfsfall der „Vorgartenzwerg“ verliehen. Man muss erst einmal erwähnen, dass das fliegerische Niveau auf diesem Wettbewerb durchaus hoch ist und durchaus der eine oder andere ehem. Deutsche Meister oder gar Weltmeister anzutreffen ist. Wir Libellen-Fliegerinnen haben uns also von Anfang an keine hohen Ziele gesteckt, allerdings klangen die beiden zuletzt erwähnten Preise durchaus erreichbar. Der Vorgartenzwerg wird verliehen an Piloten, die im „Vorgarten“ des Flugplatzes landen – also beispielsweise auf einem Acker, der sich nur wenige Kilometer vor der Landebahn befindet. An unserem letzten Wertungstag haben wir uns enorm angestrengt, eine der kleinen Tonfiguren mit roter Mütze zu ergattern, hatten uns schon einen wunderschönen braunen Acker in rund zehn Kilometer Entfernung zum Flugplatz ausgeguckt. Das Wetter machte uns dann doch einen Strich durch die Rechnung – wir schafften es mit der übrigen Höhe noch gerade in den Klixer Flugplatz. Wenn also schon keinen Vorgartenzwerg, müssten wir also wenigstens das Getränk, das die Welt nicht braucht gewinnen. Hierfür muss man allerdings die Leistung erbringen, die kleinste Strecke von allen Teilnehmern zu fliegen (beispielsweise im Fall einer verfrühten Außenlandung) oder (Wenn alle Teilnehmer die Aufgabe schaffen) langsamer als der Rest des Feldes zu sein. Um das Ganze abzukürzen kann ich nur sagen, dass wir in unserem Hamburg – Leverkusener Lager bisher noch nie auf dem Trockenen lagen. Nachahmern sei jedoch geraten, dass vom übermäßigen Verzehr von Waldmeisterbowle und Schlüpferstürmer abzuraten ist – besonders bei zu erwartendem Flugwetter am Folgetag.
Gerade sitzen wir mit Wassermelone unter dem guten alten „Eventshelter“ – der für heute angekündigte Regen zieht an uns vorbei und die Sonne lässt den ohnehin schon knallgelben Raps neben der Landebahn noch strahlender erscheinen.

Daggi und Bente mit der "FG"
 
Gestern erreichte mich um zwei Ecken die Frage „Warum fliegt Sylvia denn immer mit angezogener Handbremse?“. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: ich fliege eigentlich wie immer, ich genieße die Flüge, ich versuche entspannt zu fliegen, den Wettbewerb auch als Urlaub und Erholung vom Job zu nutzen. Und ich bin nun mal nicht die schnellste und erfahrenste Fliegerin… aber das kommt bestimmt mit der Zeit :) In Klix fliegen mit Sicherheit viele Piloten mit, von denen man noch einiges lernen kann. Vielleicht endet dieser Wettbewerb im nächsten oder übernächsten Jahr dann auch mit etwas Abstand zum unteren Ende der Rangliste – aber eine große Rolle spielt das eigentlich nicht.

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Wind, Wolken, Wellen - Fliegen in den Französischen Alpen

08:10 Einsame Insel.de 0 Comments

Extrem starker Wind, milde Temperaturen, keine Thermik… nicht unbedingt die besten Wetterbedingungen für den Flachlandflieger, wie ich es einer bin. Zuhause – das heißt auf meinem Heimatflugplatz Leverkusen und in näherer Umgebung – schaue ich mir abends den Wetterbericht an. Haben die bunten Bildchen auf den einschlägigen Websites die richtigen Farben, starte ich am nächsten Morgen hochmotiviert mit meiner thermikschnüffelnden Libelle.

Eine Welle, wie sie im Buche steht...
Und jetzt sitze ich am Flugplatz in Puimoisson, an den Südlichen Ausläufern der französischen Seealpen und höre mir die Wettervorhersage in gebrochenem Englisch an. Wir sind ja in Frankreich, da ist man das gewohnt. Trotzdem habe ich ein bisschen das Gefühl, mich auf deutschem Boden zu befinden, weil außer dem neuen „Chefpilot“ fast jeder hier deutsch spricht. Die Einrichtung in unseren „Chalets“ scheint vollständig aus einem schwedischen Möbelhaus in Deutschland zu stammen und sogar die Steckdosen entsprechen den deutschen Standards.

Sonntagmorgen: Lentis soweit das Auge reicht.


Guillaumes zeigt uns die Windkarten für den heutigen Tag: Es herrscht Mistral – vielleicht noch die ganze nächste Woche – und die Windkarte kommt in Teilbereichen nicht mehr mit der Farblegende für die Windstärke aus. Alles über 70kt (rund 130 km/h) wird weiß dargestellt… und da ist ganz schön viel weiß auf manchen Karten. Dass ich hier einen Einweisungsflug im Doppelsitzer brauchen würde, war klar, aber dass das Wetter so Libellen-unfreundlich werden würde, war mir nicht klar. Erst mal den ersten Flug abwarten…



Knapp 6000 Meter Höhe und im Rotos Steigwerte bis zu 9,6 m/s.


Die Vorbereitungen stellen sich als deutlich umständlicher heraus als in der normalen Überlandfliegerei, wie ich sie gewohnt bin. Zwar war ich schon zweimal in den Alpen zum Fliegen (2010 in St. Auban und 2013 in Lienz), aber den echten französischen Mistral habe ich noch nicht kennengelernt. Alles muss im Flugzeug vernünftig verstaut und befestigt werden, die Sauerstoffanlage muss klar, Warnfolie auf den Flächen angebracht sein. Skiklamotten, Daunenüberzieher für die Füße, Schal und Mütze – Kleidung, die auf dem Boden bei 15 Grad und Sonnenschein vollkommen übertrieben scheint – werden wir da oben brauchen.


Ich sitze im DuoDiscus auf dem hinteren Sitz. Tobi sitzt vorne – er hat deutlich mehr Flugerfahrung, besonders hier im Gebirge. Wir starten auf der Mistral-Bahn, die nur bei starkem Wind genutzt wird und ansonsten für Start und Landung viel zu kurz wäre. Der Wind ist stark, steht ein wenig cross zur Bahn und es ist ganz schön böig. Ich bin heilfroh, nicht in meiner nur 200kg leichten Libelle zu sitzen, die jetzt wahrscheinlich wie ein Fähnchen hinter der Schleppmaschine im Wind hinge.




Nach einem ersten kleinen Fauxpas im Start (…) finden wir direkt den Einstieg in die Welle. Und es geht schnell auf über 3000 Meter – so hoch, wie der Luftraum es hier zulässt. Bisher bin ich erst einmal Welle geflogen, aber ich erinnere mich noch genau daran, was mir damals in Österreich am besten gefallen hat und was ich an dieser Art der Fliegerei so faszinierend fand. Irgendwann kommt der Moment, in dem man das erste Mal eine Wolke neben sich sieht, an ihr vorbei steigt und sich irgendwann tatsächlich „über den Wolken“ wiederfindet. Hier fängt es für mich an, surreal zu werden.

Welle fliegen ist irgendwie etwas ganz anderes als Thermik fliegen...

Der Segelflieger, der Thermikflüge gewohnt ist, kennt Wolken nur von unten – im Grunde genau, wie jeder andere auch, nur mit etwas weniger Abstand zur Wolkenunterkante als der Fußgänger :)
Der zweite für mich vollkommen faszinierende Aspekt in der Welle ist die Stille. Vollkommen frei von Turbulenzen, wie wir sie heute Morgen am Boden so stark erlebt haben, gleiten wir auf fast 6000 Meter Höhe ohne merkliche Anstrengungen und Höhenverlust zig Kilometer von Gap gen Osten.
In großer Höhe gleiten wir über Seyne und Barcelonette zurück nach Süden (das Sperrgebiet über der Absturzstelle der Germanwings-Maschine ist höhenbegrenzt). Ein bisschen mulmig wird mir schon bei dem Gedanken, dass unter den Wolken unter mir vor weniger als einer Woche so viele Menschen ums Leben gekommen sind.

Dem stetig starken Nordwind haben wir zu verdanken, dass der „Rückweg“ nach Süden im Vergleich zum „Gebastel“ auf dem Hinweg ein Vergnügen wird. Schön auch an den Durchschnittsgeschwindigkeiten eines Schenkels Süd-Nord mit 35km/h und eines Schenkels Nord-Süd mit 165km/h zu erkennen (beide rund 50km lang). Zeitweise zeigte unser Rechner sogar eine Über-Grund-Geschwindigkeit mit negativem Vorzeichen an…

Lavendel, Flugzeuge und die "Chalets" am Flugplatz Puismoisson

Nach knapp fünf Stunden landen wir wieder in Puismoisson und ich beschließe, dass der Wind mir für einen Flug mit der Libelle zu stark ist. Die nächsten Tage sehen momentan in der Vorhersage nicht anders aus. Zum Glück hat die Provence mehr zu bieten als gute Segelflugbedingungen...

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