2500km per Anhalter durch Chile
Mitte April 2014. Die letzten Wochen und besonders die letzten Tage einer mehrmonatigen Reise haben einen ganz großen Nachteil gegenüber den vorausgehenden Tagen, Wochen und Monaten: die Motivation lässt nach. Die Motivation, Neues zu entdecken, Abenteuer zu erleben, zu fotografieren, stundenlang im Bus zu sitzen und sich mit einem neuen Stück Natur, Kultur, einer neuen Stadt und – schon wieder – neuen Menschen zu befassen, wird geringer. Ich brauche eine Pause. Ein, zwei Tage an einem ruhigen Ort, schlafen, träumen, Gesehenes verarbeiten, ausschlafen, in Ruhe Frühstücken, sich nichts für den Tag vornehmen, kein Weltkulturerbe ansehen müssen, kein Smalltalk mit neuen Hostelgästen – prinzipiell ein guter Ansatz, aber im Moment irgendwie nicht ausreichend.
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| Wohin geht es als nächstes? Für mich nach rechts, für Valerio aus Italien nach links. |
Die letzten drei Tage habe ich in der größten Salzwüste der Welt und einem im Süden angrenzenden Nationalpark verbracht. Eine Gruppe aus sechs interessanten Menschen und einem Fahrer, eine wahnsinnig beeindruckende Landschaft und ständig unterwegs – „rastlos“ ist ein Wort, das die letzten Tage sehr gut beschreibt.
Valerio aus Italien und ich lassen uns an der chilenischen Grenze absetzen. Der Rest unserer Truppe fährt zurück an den Ausgangspunkt der Tour – Uyuni in Bolivien. Unser Kleinbus hält an einer T-Kreuzung: Vor uns Wüste und zwei grüne, weiß umrandete Straßenschilder. Eins zeigt nach links: Argentinien, das andere nach rechts: Chile. Zwei mir noch vollkommen unbekannte Länder. Meine Zeit läuft davon, in wenigen Wochen geht mein Flug zurück nach Deutschland von Buenos Aires.
Wir biegen rechts ab, da der nächste Ort, San Pedro de Atacama, auf der chilenischen Seite dieses Dreiländerecks liegt. Valerio möchte weiter nach Argentinien, ich habe Santiago de Chile und Valparaíso auf dem Plan für die nächsten Tage stehen.
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| Ganz groß in Chile: Einkaufen wie zuhause. Im Supermarkt gibt es nichts, was es nicht gibt - sogar Milka ist im Sortiment. |
Nach der geführten Uyuni-Tour der letzten Tage steht mir in San Pedro de Atacama der Sinn so ganz und gar nicht nach einer weiteren Touristentour mit Guide. Ich entscheide mich dagegen, mir das Tal des Todes oder das Tal des Mondes anzusehen und laufe stattdessen ohne Plan und ohne Ziel in dem kleinen Ort herum. Alleine. Ohne Eile. Und ich genieße es. Aber ich denke eigentlich viel zu oft: 'Meine Reise neigt sich dem Ende zu.'
Ich freue mich auf Großstadt, auf Santiago, auf Segelfliegen, auf Einkaufen im großen Supermarkt, nach Hause telefonieren, Internet, Zivilisation,... und ich brauche noch eine neue Herausforderung:
In Chile werden ich ausschließlich per Anhalter fahren! Wenn nicht hier, wo dann?
Letzte Nacht gab es eine Mondfinsternis, die ich leider verschlafen habe. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig über meine Unfähigkeit, einen Wecker zu stellen. In der Wüste wäre das bestimmt eine tolle Erfahrung gewesen - mitwenig künstlichem Licht und viel natürlicher Dunkelheit.
Stattdessen wache ich früh auf, packe meine sieben Sachen und verlasse das Hostel noch vor acht Uhr. Die Luft ist geradezu kühl. Meine ersten Kilometer per Anhalter werden vermutich die beschwerlichsten werden, da ich mich etwas fernab der Hauptroute befinde. Ich könnte natürlich erstmal den Bus in die nächstgrößere Stadt nehmen, aber das würde ja meinen großen Plan zunichte machen. Wenn Chile per Anhalter, dann auch richtig und ohne Ausnahme. Ich finde es auch mal spannend herauszufinden, ob ich mich tatsächlich ohne den geringsten finanziellen Aufwand zweieinhab tausend Kilometer durch ein Land bewegen kann.
In den nächsten Tagen würde sich herausstellen: Es geht - und zwar (fast) ohne Schwierigkeiten!
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| San Pedro de Atacama - Für diesen Sonnenuntergang hat sich der Abend in der Stadt dann doch gelohnt... |
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| Eignet sich zum Trampen wie kein anderes Land: Chile |
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| Manchmal lässt man sich auch einfach mitnehmen, wohin der freundliche Fahrer gerade fährt: hier komme ich Ostern am Strand von Vina del Mar an, obwohl ich ursprünglich nach Valparaíso wollte. |






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