Ostmalaysia

03:46 Einsame Insel.de 4 Comments

Die erste Klausur ist geschrieben, die zweite folgt am dritten Mai... viel zu langer Zeitraum, um in Penang zu bleiben. Also geht's Sonntag nach Brunei und dann in der folgenden Woche über Land nach Kuching:


Letzte Woche war ich endlich mal in Kuala Lumpur (inklusive Formel 1 - großer Preis von Malaysia), zwei tage mit meinen Architektur-Klassenkameraden in Melaka und ein paar Tage auf den traumhaften Perhentian Inseln an der nordöstlichen Küste der Peninsula Malaysia. Fotos und Bericht folgt wenn ich Lust und Zeit habe in den nächsten Tagen. Und wenn's überhaupt noch Leser gibt ;)

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Rueckblick: Besuch aus der Heimat - Krabi & Kota Kinabalu

04:28 Einsame Insel.de 1 Comments

Ich moechte gerne noch ein paar Bilder einer schoenen Zeit in Krabi, Suedwestkueste Thailands und Kota Kinabalu, Sabah, Borneo (Ostmalaysia) zeigen, ohne viel Text diesmal :)

Moschee nach Regenschauer nahe Ao Nang
In den letzten Wochen vor meiner Projektpruefung habe ich es also tatsaechlich geschafft, mir ein Wochenende freizunehmen, um meinen Vater und Kersten in Thailand zu treffen. Die beiden hatten schon ein paar verregnete Tage in Bangkok und eine abenteuerliche Zugfahrt gen Sueden hinter sich. Ich dagegen nur anstrengende zehn Stunden Minivan. Diese Busfahrten werden echt anstrengend nach einer Weile und dauern in der Regel immer laenger als vom Reiseunternehmen angegeben. Aber im Grunde kann man sich nicht beschweren, wenn man fuer zehn stunden Reise rund fuenfzehn Euro zahlt. Und der Aufwand lohnt sich: Krabi selber hatte ich schon 2009 mit Lisa passiert, wir waren damals direkt zur Faehre gefahren, da die "City" einen ziemlich ausgestorbenen Eindruck machte. Diesmal ebenso, nur habe ich nun mehr Hintergrundwissen. Nahe Krabi liegt das Strandoertchen Ao Nang. Mit Longboats kommt man zu einigen kleinen Inseln, die nicht bewohnt sind, sondern nur zum schnorcheln und Baden besucht werden. Genau das, was man nach wochenlangem Stress gebrauchen kann. Hier also ein paar Eindruecke von Krabi:

Insel vor Ao Nang, Krabi, Thailand

Krabi landeinwaerts


herrliche Plumen nach Regenschauer

typisch Thailand

Bootshelfer

Chillen am kristallklaren Strand

Kersten und die Huehncheninsel im Hintergrund

diese Huehnchen haben mit der Insel glaube ich nichts zu tun

Gluecklich! Grund? Sticky rice with mango!

Weiter geht's mir Kota Kinabalu. Fuenf Tage mit Jackie im Gepaeck.. und leider auch mit einer Menge Arbeit, da einen Tag meine Projektabgabe anstand (die dann kurzfristig noch um drei Tage verschoben wurde). Jedenfalls haben wir eine kleine Insel vor Kota Kinabalu besucht (den Namen muss ich noch mal nachschlagen) und natuerlich den Mount Kinabalu mit ueber 4000m bestiegen. Na ja, also wenn ich ehrlich bin... wir haben uns zum Startpunkt am Eingang des Nationalparks fahren lassen, sind vier Stunden gewandert (und das war nicht ohne...) und dann wieder umgekehrt. Man kann ja nicht ahnen, dass man rund drei Monate im Voraus buchen muss, um den Berg vollstaendig und inkl. Uebernachtung besteigen zu koennen (ich hatte mich maximal sechs Wochen vorher darum gekuemmert). Hier ein paar Bilder, die ich egrade bei mir habe, bin aber noch nicht durch mit dem Fotoordner. Derzeit halte ich mich in Kuala Lumpur auf - lege gerade nur eine kurze Pause nach einem stressigen Tag ein (positiv stressig). Morgen geht's zur Formel 1 und Montag mit ein paar Kommilitonen (Chinesen aus meinem Kurs) nach Melacca!
Regenwald am Mount Kinabalu
Markt Kota Kinabalu
Markt Kota Kinabalu
Markt Kota Kinabalu
Motorbiketour nahe Krabi














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Exkursion in die Weltmetropole Jakarta

01:10 Einsame Insel.de 2 Comments

Heute Morgen um neun habe ich also - endlich - meine Projektpräsentation hinter mich gebracht. Es lief eigentlich sehr gut, es gab wenige Rückfragen und mein Vokabular reicht mittlerweile fast aus, um alles so auszudrücken, wie ich es mir in meinem Kopf zurechtlege. Ich war leicht überrascht anstelle von der "Haupt"Professorin unseres Kurses zwei malaysische Architekten vor mir stehen zu haben. Man stellte sich mir kurz vor und der Dozent, bei dem ich das Semester über meine Korrekturen hatte tauchte im Hintergrund auf. Ich durfte also meinen kompletten Entwurfsprozess wiedergeben, da die beiden Externen ja keine Ahnung hatten, um was es ging. Ich mag es eigentlich, wenn die Grundvoraussetzungen so klar sind. Ich kann über alles berichten, was ich für wichtig halte und habe nicht das Gefühl, mich ständig zu wiederholen (z.B. weil man über die Details schon in diversen Korrekturen gesprochen hat.). Jedenfalls lief es gut, ich musste mich auch nicht für fehlende fotogleiche Renderings rechtfertigen. Dass die Malayen mir CAD- und Visualisierungstechnisch um einiges voraus sind war mir ja schon länger bewusst.
größter Teil meiner Projektpräsentation
Die Erleichterung ist riesig, ich konnte ganz entspannt meine letzte Vorlesung danach genießen. Der Dozent hielt heute, nach rund dreißig Jahren im Dienst, seine letzte Vorlesung. Gegen Ende realisierte ich erst, dass es wohl auch meine letzte Vorlesung sein würde. Noch zwei Klausuren und in Aachen dann "nur noch" die Masterthesis. Nie wieder Vorlesung, möglicherweise - wer weiß das schon :)
Nun steht also auf meiner Prioritätenliste ganz oben das - Aufarbeiten meiner Fotos der letzten Monate, ein bisschen Klausur lernen und vor allem entspannen nach dem Stress seit Januar. Und ein bisschen "bloggen" nachholen...

Istiqlal Moschee
indonesisches Fettgebäck

Ende Februar machten sich etwa dreißig Studenten der School of Housing, Building and Planning der USM auf den Weg nach Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. Donnerstagsmorgens in der früh fuhr der Uni-eigene Bus von Penang nach Kuala Lumpur zum LCCT, dem nationalen Flughafen. Wie schon öfter splittete sich die Gruppe in Chinesen und Malayen – allein schon dadurch, dass wir auf zwei Maschinen verteilt waren. Es ist schon irgendwie seltsam, dass es diese Spaltung gibt: es scheint kaum engere Freundschaften zwischen beiden Rassen zu geben, Chinesen sowie Malayen bleiben eher unter sich. Zwei gute Stunden quälte ich mich also in der AirAsia Boeing, die leider etwas kürzere Rückenlehnen hat als jede deutsche Maschine. Sogar die Fenster scheinen irgendwie tiefer zu sitzen (bzw. der Boden der Passagierkabine sitzt höher), sodass ich nur unter Rückenschmerzen nach draußen sehen konnte. In Jakarta wurden wir freudig von Tauphan empfangen, einem Indonesier, der sein Studium an der USM absolviert hat. Somit war unsere Reiseführung für die kommenden fünf Tage gesichert.
erstes Mittagessen in Jakarta
Das erste Mittagessen überzeugte mich nicht sonderlich von der kulinarischen Qualität der landestypischen Speisen. Zwei lange Tische wurden mit unzähligen kleinen Schalen eingedeckt. Fisch, Meeresfrüchte, Hähnchen, Gemüse, Tofu und natürlich Reis in verschiedenen Zubereitungsvarianten (vertrocknet, zerkocht… war mein erster Eindruck) standen zum Verzehr bereit. Man wählt – ähnlich wie bei spanischen Tapas – mehrere Schälchen aus und zahlt, was man isst. Ich konnte mir gut vorstellen, wie oft jedes Gericht schon mehrfach aufgewärmt wurde, denn alles was zurückging ohne angerührt zu werden, würde hier bestimmt nicht in den Müll wandern (zum Glück!). Im Hotel „Studio One“ (zentral, sauber, günstig) bezog ich mein Zimmer mit Eve (Chinesin – natürlich). Übrigens kostet mich der ganze Trip inklusive der Flüge, Hotel und einiger Eintrittspreise, einem Bus vor Ort etc. unter 100 Euro. Es gab wohl auch einen kleinen Zuschuss von der Uni – aber trotzdem ein guter Preis, würde ich sagen.
indonesische Schulklasse im Museum
Zu Jakarta sollte erwähnt werden, dass der Großraum der Stadt auf der Liste der größten Metropolregionen der Welt auf Rang neun steht (das Ruhrgebiet steht auf Platz 26 mit etwa halb so vielen Einwohnern.) – mit bis zu 25 Millionen Einwohnern. Es ist gut vorstellbar, dass in einer solchen Stadt die Dunkelziffern groß sind. Jedenfalls erwartete ich ein vielfältiges Programm für die nächsten Tage, wurde aber schnell von der Grundhaltung meiner Mitreisenden etwas enttäuscht. Offenbar war nicht jeder so interessiert an der Stadt wie ich. Eigentlich sei Jakarta ja eher ein Shoppingziel, das müsse man ja ausnutzen. Erstes architektonisches Highlight war die Istiqlal Moschee (Unabhängigkeitsmoschee), größte Moschee Südostasiens – 1975 erbaut für 120.000 Menschen. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal in einem so großen leeren Raum gestanden habe – in gewisser Weise beeindruckend und bedrückend zu gleich. Oder beängstigend. Auf jeden Fall eine Erfahrung! Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht die Jakarta Cathedral.
Jakarta Cathedral (hdr)
In meinen Augen eine „ganz normale katholische Kirche“ – in den Augen meiner Kommilitonen eine Besonderheit. Zwar bekennen sich in Malaysia knapp zehn Prozent der Bevölkerung als Christen, jedoch gibt es kaum Kirchen. Weiterer „historischer“ Programmpunkt war das Zentrum Jakartas bzw. die „Jakarta Old Town Area“, geprägt von der niederländischen Kolonialzeit.
(Sorry, ich muss einfach ins Präsens wechseln, ich kann einfach nicht konsequent in der Vergangenheit schreiben, wenn ich mich so in die Zeit zurückdenke. Und um alles umzuschreiben bin ich jetzt zu faul.)
Trotz einiger Regenschauer genieße ich den Trubel und das bunte Treiben in den überfüllten Straßen. Die Kontraste in der größten Stadt Südostasiens sind riesig – und interessant.
FX Mall
Keine Stadt hat es bisher geschafft, meinen Kameraakku vollständig zu entleeren, Jakarta ist auf dem besten Weg dahin. Mitten in der zentralen Altstadt stehen mehrere Gebäuderuinen mit abgebranntem Dachstuhl und heruntergekommener Fassade. Offenbar stehen sie hier in diesem Zustand nicht erst seit kurzem. Man erklärt mir auf Nachfrage, dass der Denkmalschutz hier etwas anders abläuft als in Europa. Wer ein Gebäude besitzt, das unter Denkmalschutz steht, ist nicht für den Erhalt verantwortlich. Fehlende Finanzmittel ist ein ausreichender Grund um das Gebäude sich selbst zu überlassen. Ist ein gewisses Stadium erreicht, in dem das Gebäude nicht mehr schützenswert ist, kann es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden oder zumindest kostengünstiger da rücksichtsloser saniert werden. Auch eine Methode. Schade um das Kulturgut.
Auffällig viele Hollandräder (welch ein Zufall) sind unterwegs – sie werden vielerorts stundenweise vermietet. Und einen farblich passenden Sonnenhut gibt es meistens dazu. Stände und kleine Wagen, die Speisen und Getränke verkaufen, unterscheiden sich von denen in Malaysia. Häufig sieht man Plexiglaskisten auf Rädern, die mit Früchten, Fleischbällchen oder Gebäck gefüllt sind. Regenwasser sammelt sich auf den Straßen, überhaupt ist es sehr schmutzig und zugemüllt hier. In den Abendstunden laufen auch schon mal einige Ratten über die Gehwege um dann in irgendwelchen dunklen Löchern zu verschwinden.
Eierverkäufer
Das offizielle Kulturprogramm hat ein Ende – eigentlich ist Shoppen ja viel interessanter. Meine Meinung scheint sich drastisch von der  meiner Mitstudenten zu unterscheiden. Das Argument, dass die Läden in den großen Shoppingmalls die gleichen seien wie in Penang, stößt nicht auf Anklang. Also erkundige ich mich nach Alternativen und finde glücklicherweise Anhänger für mein Vorhaben. Mit dem ortskundigen Tauphan sowie einem chinesischen und einem malayischen Kommilitonen (eine ganz neue Konstellation) mache ich per Bus auf den Weg – Hauptsache weg von der Mall. Busse fahren in Jakarta auf Spuren in der Mitte der Straße, sodass man zunächst eine Fußgängerbrücke zum Überqueren der Straße nutzt um dann in die allseitig geschlossene Haltestelle zu gelangen, die erst bei Busankunft die Türen öffnet. Für ein paar Cent geht’s zum „Meisterwerk“ Wisma Dharmala Sakti von Paul Rudolph. Das Bürogebäude des amerikanischen Architekten scheint durchaus bekannt zu sein. Ich habe noch gar nicht erwähnt, dass man in Indonesien ganzeinfach Millionär sein kann. Man wechsle einen Betrag von rund 80 Euro in indonesische Rupiah. Ich bin vor kurzem Millionär geworden und Sie können das auch! Allerdings Teilnahme an deutschen Lotterien mit schlechter Fernsehwerbung :)
Blick aus dem "Socialhouse"
Tatsächlich machen wir uns auf den Weg zu einer Shopping Mall, aber ausschließlich aus architektonischem Interesse. Die FX-Mall ist vorrangig für „junge Leute“ – heißt Kinder und Jugendliche gestaltet. Es gibt eine Riesenrutsche über mehrere Stockwerke, Kokon-förmige Karaoke-Räume und insgesamt ein knallbuntes Interieur. Auch den Abend genießen wir in unserer Kleingruppe. In direkter Nähe zu Kempinski, Hyatt und anderen Luxushotels befindet dich die Bar „Socialhouse“ in einer Gebäudeecke in maximal zehn Metern Höhe mit Blick auf einen der Verkehrsknotenpunkte Jakartas. Super gelungenes Ambiente und exzellente hausgemachte Cocktails und Säfte (ich empfehle den Eistee mit Zitronensorbet) können an der geöffneten Fassade eingenommen werden. Man sitzt wie an einer Bar an der Außenfassade und blickt nicht auf das Thekenpersonal sondern auf das bunte Treiben unter einem – bei einer sanften Abendbrise.
carfree sunday
Total genial, wenn man einen stressigen Tag in der üblichen Hitze hinter sich gebracht hat. Ich merke schon, ich werde wieder zu ausführlich… Das waren jedenfalls ein paar tolle Erlebnisse in Jakarta. Interessant auch der autofreie Sonntag: zweimal im Monat wird eine Hauptstraße komplett gesperrt – zum spazieren, skaten und radfahren. Tolle Sache, ich ärgere mich immer noch, dass ich die letzte Autobahnsperrung in Deutschland verpasst habe.
Montags statten wir noch der Universität von Jakarta einen Besuch ab. Ich sehe einen Zug, der vollkommen überfüllt ist, bin leider zu langsam beim Kamera-Zücken. Die Waggons sind vollgestopft mit Studenten und anderen Fahrgästen und auf dem Dach sitzen alle die, die keinen Platz mehr gefunden haben. Ich habe irgendwo gelesen, dass regelmäßig Menschen durch Stromschläge getötet werden. Der Campus ist deutlich grüner als der in Penang. Und größer, um nicht zu sagen unüberschaubar. Highlight (zumindest von Seiten der „Gastgeber“) unseres Aufenthalts ist die Besichtigung des neuen Bibliotheksgebäudes, das im März fertiggestellt werden soll. Es wird drei bis fünf Millionen Bücher beheimaten.
Jakarta Dachlandschaft
Weiter Ausführungen über Präsentationen von Architekturbüros spare ich mir an dieser Stelle – sonst gelange ich wieder zu schnell zum Thema Shoppingmalls.
Spannende Stadt jedenfalls, aber für mich nicht als dauerhaftes Lebensumfeld denkbar. Da verzichte ich och lieber aufs Millionär-Sein :)

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Wenn ich so über ein Semester in Penang nachdenke...

09:12 Einsame Insel.de 3 Comments

Heute mal ein ganz trockener Beitrag: nur Text, nicht ein einziges Foto. Keine Berichte von Sandstränden mit türkisblauem Wasser, von Sonnenschein oder dem guten südostasiatischen Essen.
So ein Auslandssemester hat eben auch seine Kehrseiten und gerade hatte ich den Gedanken, dass man auch mal aus so einem "Tief" heraus berichten muss.
Manchmal kommen einfach viele Dinge zusammen. Mein derzeitiges Projekt ist mitlerweile zu einem vierzigstöckigen Gebäude herangewachsen. Fünf Etagen Einkaufszentrum, darüber ein Turm, der Büroflächen, Wohnungen und ein Viersternehotel beherbergt. Derzeit komme ich auf 14 (in Worten vierzehn) A1-Pläne. Und damit ist die Aufgabe noch nicht einmal hundertprozentig abgedeckt. Ich habe schon angefangen Abstriche zu machen. Ursprünglich sollte am Freitag, den 01. April die Abgabe sein. Zwei Tage vorher wurde sie um drei Tage, heißt auf Montag verschoben. Zunächst war ich nicht übermäßig begeistert - schließlich würde sich so auch die Prüfung auf Donnerstag verschieben - an diesem Tag habe ich allerdings noch eine letzte Vorlesung. Einige Stunden sah ich die ganze Geschichte vollkommen anders: Mein Laptopbildschirm hat durch "Fall" aus zwanzig Zentimetern Höhe (aus, zusammengeklappt auf Teppichboden) einen Knacks bekommen und erfüllt nunmehr seinen Zweck nicht mehr. Meine letzte Sicherung war maximal zwei Tage alt, Datenverlust war an sich nicht das größte Problem. Man muss erwähnen, dass Aachener Architekturstudenten (zumindest die an der Fachhochschule) ein eher wenig verbreitetes CAD-Programm beigebracht wird - faule Menschen wie ich haben es bis heute noch nicht geschafft, zu AutoCAD zu wechseln. Soll heißen, ich würde in Malaysia wahrscheinlich niemanden finden, der mir mit einem Ersatz-PC inklusive meiner Software stellen könnte, mit dem ich in der Lage wäre, meine Dateien zu öffnen. Da hilft das aktuellste Backup nichts...
Erleichterung: die Platte ist in Ordnung, die Grafikkarte macht ebenfalls den Eindruck, als sei sie noch zu gebrauchen... es dauert knapp 48 Stunden bis ich einen externen Monitor geliehen bekomme - über zwei Ecken. Dazu muss ich sagen: danke Facebook! Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich ohne jegliche "social networks" viele Menschen in kürzester Zeit erreichen soll... ohne größere Kosten zu verursachen.
Jedenfalls komme ich meiner Projektabgabe wieder ein Stück näher: das System läuft und ich kann mich wieder meinen unzähligen Grundriss-Korrekturen, Perspektiven und dem Energiekonzept hingeben. Green Concept? Schon des Öfteren habe ich feststellen müssen, dass die Vorstellungen von einem "green building" hier weit auseinander gehen. Ich hatte glaube ich bereits erwähnt, dass man mich schräg anguckte als ich von Gebäudeisolierung sprach: "Nein, wir heizen ja nicht - in Malaysia werden Gebäude nicht gedämmt!". Vielleicht wäre es mal an der Zeit, damit anzufangen? Wir sprechen hier immerhin von einem delta T von über 10K (Außentemperatur in der Regel größer 30°C, Raumtemperatur etwa 20°C, auch wenn die Raumtemperatur hierzulande eigentlich mit 25 Grad angegeben wird).

Campus der Universiti Sains Malaysia

Meine Motivation zu einer detaillierten Auseinandersetzung mit der Gebäudetechnik und den resourcensparenden Maßnamen hält sich demnach in Grenzen. Ich habe momentan überhaupt keine Lust das Thema mit gewohntem Aufwand aus- oder aufzuarbeiten - wenn ich im Nachhinein sowieso auf "Desinteresse" stoße - oder wie man diese Einstellung auch immer bezeichnen mag.
Freitag sollte meine Motivation noch weiter sinken: ich bekam eine Nachricht von der einzigen Person meines Tourism Planning Kurses, die meine Kontaktdaten hat (mein Glück, dass ich ihr vor zwei Wochen Vorlesungsunterlagen geschickt habe). Es gäbe ein weiteres assignment, Abgabe sei Donnerstag (moment Mal, gab es da nicht schon gewisse Verpflichtungen an diesem Tag...). Wie ist das denn nun möglich? Der Kurs war bereits letzte Woche abgeschlossen, ich habe fünfzehn Seiten über eine "potential tourism destination" in Penang und einen unangekündigten Test geschrieben. Wie gut, dass man hier so gut planen kann und immer weiß, was einen erwartet. Also nun noch einmal 2500 Wörter über "sustainable tourism". Die Aufgabenstellung macht nicht dein Eindruck, als sei sie besonders gut durchdacht. Ich bekomme nebenbei die Info, dass eine Studentin, die letztes Jahr bestanden habe der Meinung sei, dass es nur auf "viel Text" ankommt. Das Thema sei ja sowieso einfach, und es käme nicht so genau darauf an, was man schreibe - hauptsache viel. Ach so ist das. Quantität vor Qualität. Vielleicht sollte ich mit meinem Energiekonzept genauso verfahren: viele Fotos und Grafiken der erstbesten Ergebnisse der google Bildersuche, möglichst verpixelt und ohne Quellenangabe. Und wenn der Inhalt nicht hundertprozentig auf mein Gebäude anwendbar ist, macht das eigentlich auch nichts. Es kommt ja auf die Masse an...
Das mag vielleicht alles etwas übertrieben klingen, aber es entspricht schon meinem derzeitigen Eindruck. Man kann erahnen, dass ich gerade überhaupt nicht die Zeit habe, seitenlange Blog-Texte zu schreiben oder mich über die Uni aufzuregen. Aber vielleicht hilft es ja, später (es ist schon fast Mitternacht) mit etwas mehr "Motivation" weiterzuarbeiten. Montag werden Pläne gehängt, bis Donnerstag habe ich dann Zeit für meinen "design report" - von dem ich bisher nicht weiß, was er beinhaltet. Aussagen meiner Kommilitonen widersprechen sich (von Raumgrößen auflisten bis Bodenbeläge rendern). Was auch immer dieser design report nun ist, er bekommt nur meine halbe Aufmerksamkeit gewidmet - es gibt ja noch ein paar Wörter zu schreiben - und zwar möglichst viele! Ich habe festgestellt, es gibt zu einigen der gefragten Themen hervorragende Wikipediaartikel - warum nicht diese lesen und danach einen Multiple-choice-Test mit zig oder hunderten von Fragen schreiben - das würde ins Bild passen (und im übrigen auch zu den Erfahrungen, die hier einige gemachte haben)?
Hatte ich erwähnt, dass die USM Penang kürzlich zur besten Universität des Landes ernannt wurde ( Webometrics Ranking of World Universities)? Das kommentiere ich nicht weiter.

Eine Vorlesungserfahrung möchte ich noch kurz erzählen: In "Social Aspects in Planning" gab es bereits eine erste Klausur, die nicht unerheblichen Anteil an der Gesamtnote hat. Meine Vorbereitung hat sich in Grenzen gehalten, da "objektive" und einfache Fragen versprochen worden waren und ich alle Vorlesungen besucht hatte. Klausurzeit war abends um acht, Bearbeitungszeit zwei Stunden. Beim ersten Durchlesen wurde ich nervös. Wie ist das jetzt genau gemeint? Macht diese Frage überhaupt Sinn? Ist mein Englisch wirklich so katastrophal? Ein paar Wörter frage ich nach, ich beruige mich wieder ein wenig. Bei einem Drittel der Fragen ist mir nicht klar, worauf der Professor abzielt. Ich versuche es einfach, schwafel ein bisschen, definiere Begriffe aus der Frage, formuliere die Aussage ein bisschen um und schreibe auf, was mir dazu einfällt. Ohne zu wissen, was überhaupt die Frage ist. Eigentlich ein undenkbares Vorgehen bei einer Klausur (Sei es in Schule, Uni oder sonstwo). Das Thema Nachhaltigkeit passt eigentlich immer und da kann man schon ein bisschen was zu sagen... am Ende gebe ich als letzte ab (von über zwanzig Leuten) und schiebe das auf mein langes Überlegen bezüglich diverser englischsprachiger Ausdrücke. Es ergibt sich die Gelegenheit, den Prof noch einmal zu fragen, welche Antworten er suchte. Ich reagiere mit einem "ah, okay, ich habe das eher in Richtung xy aufgefasst!". Obwohl beides nicht wirklich zusammenpasste kam so eine typische malayische Antwort wie "also can!" (das ist hier ein vollwertiger Satz). Gut, schaun wir mal was draus wird. Jetzt weiß ich, dass das Verständnis der Fragen, das Englisch oder das ungeplante "Geschwafel" von mir offenbar besser war als das aller anderen Studenten (nun wird es unglaubwürdig, dass ein "A" eigentlich nicht mein Ziel war).
Ich muss zugeben, dass mich dieses kleine Erfolgserlebnis ein wenig motiviert, jedoch habe ich irgendwie das Gefühl, gar keine große Leistung erbracht zu haben. "Zuhause" hätte ich unklare Fragestellungen wohl eher unbeantwortet belassen bevor ich mich um Kopf und Kragen rede.

Ja, so läuft das hier in Malaysia. Man lernt die deutsche Erziehung sehr zu schätzen. Oder muss ich sagen, ich bin einfach nur verwöhnt und sollte mich hier zufrieden geben mit dem, was ich bekomme? Ich muss leider sagen: ein Semester reicht mir! Was absolut nicht bedeutet, dass ich keine wertvollen Erfahrungen mache. Beispielsweise im Thema Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen. Aber das ist wieder eine längere Geschichte, die mindestens einen weiteren Abend füllen würde.
Für heute habe ich genug getippt, ich würde mich über Kommentare freuen. Gibt's in anderen Ländern bessere Erfahrungen? Mein Bauko-Professor aus Aachen, der mir für die Stipendienbewerbung ein Gutachten geschrieben hat, machte bei der "fachlichen Qualität des Vorhabens" sein Kreuzchen eher im negativen Bereich. Er konnte gar nicht verstehen, warum ich nicht in die USA oder nach Großbritannien ginge. Ich glaube, dort wäre es viel zu langweilig geworden :)

Am dritten Mai schreibe ich meine letzte Prüfung - freue mich sehr auf diesen "wahren Abschluß" des Semesters. Letzten Freitag gab es schon die Urkunde zum erfolgreichen Abschluß eines Auslandssemesters an der USM Penang - komischer Zeitpunkt. Wenn wirklich alles vorbei ist, mache ich mir mit Jackie noch ein paar schöne Wochen Südostasien. Mit Berichten und spaßigeren Dingen als Vorlesungen und neuen Fotos in verbesserter Qualität! Danke für's Lesen!

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