"Thailand, baby!"
...wie Jackie zu sagen pflegte. Alternativer Titel dieses Posts: "Nice and easy!".
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| Schlafplatz einrichten auf dem Nachtboot (Foto: Jackie) |
Die 30°C-Grenze ist überschritten, die Luftfeuchtigkeit hoch und der Verkehrslärm ist gestiegen - Ich bin wieder zurück in Malaysia.
Reisen in Thailand
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| Tanken auf Koh Tao, Thailand |
Freitag vor einer Woche präsentierte ich meinen aktuellen Projektstand als eine der Ersten um dann fluchtartig das „Architecture Studio“ verlassen zu können. Schnell nach Hause, den kleinen Uni- gegen den großen Reiserucksack tauschen und auf den Minibus warten. Immer wieder praktisch finde ich die kleinen Straßenverkaufsstände, die zur Mittagszeit (und die fängt hier weit vor zwölf Uhr an) „Buffets“ anbieten - vor zwölf sind die verschiedenen Speisen sogar noch warm. Es blieb sogar noch Zeit zum Essen vor der Abreise, da Pauline und ich eine gute Stunde auf den Bus warteten. Ursprünglich hatten Niina (aus Finnland), Jackie und ich den Plan, einen Open Water Tauchkurs zu belegen. Pauline (aus Brüssel) schloss sich uns kurzfristig an, so konnte ich mit ihr die Fahrt verbringen, nachdem die anderen beiden schon früh morgens gestartet waren – was sich später als ausgesprochen hilfreich herausstellen sollte. Die Fahrt war eine kleine Katastrophe – gemessen an meinen bisher positiven Reiseerfahrungen in Südostasien. Zwar machte das Fahrzeug den Eindruck, sich in einem ausgesprochen guten Zustand zu befinden, jedoch sprach weder der Fahrer noch sonst jemand an Bord Englisch, was es schwierig machte, kleinere Probleme zu klären.
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| Manao Soda - Gruß an Lisa :) |
Der Grenzübergang nach Thailand war kein Problem – 1 Ringgit Gebühr war ein durchaus akzeptabler Preis für die drei Minuten Arbeitszeit des Grenzbeamten und die Stempelfarbe. Erster Buswechsel fand dann in Hat Yai statt mit einer Wartezeit von über einer Stunde. Genau wie in Penang wurden auch hier einzelne Fahrgäste in der Stadt aufgesammelt, sodass wir weitere zwei Stunden im Zentrum verbrachten. Das Nachtboot auf unsere Zielinsel Koh Tao sollte ja auch erst um 23Uhr starten – massig Zeit, dachten wir. Man konnte ja nicht damit rechnen, dass der Fahrer das Tanken „vergisst“ oder zumindest solange hinauszögert, bis er seine Reserven größtenteils aufgebraucht hat. Da standen wir dann im Dunkeln bei plötzlich einsetzendem Starkregen an einer thailändischen Tankstelle und warteten über eine Stunde, bis unser Tank endlich gefüllt wurde. Mangels Guthaben auf der malaysischen SIM-Karte stellte sich die Kommunikation zu Jackie und Niina etwas kompliziert dar und Pauline und ich wurden immer nervöser wegen der Abfahrtzeit unseres Schiffs, das gleichzeitig unsere Übernachtungsmöglichkeit darstellte. Die Zeit an der Tankstelle und danach war furchtbar – ein europäisches Pärchen regte sich lautstark über den Fahrer auf und behandelte ihn unmöglich („you dirty piece of shit!“ – sehr freundlich und ganz besonders konstruktiv). Eine junge Frau mit Kind schrie so lange und laut herum und beleidigte offenbar ebenfalls den Fahrer bis irgendwann sauch das Kind zu schreiben anfing. Pauline und ich waren ganz froh, dass wir uns wenigstens in dieser Situation austauschen konnten und stellten uns auf eine Nacht in Sura Thani ein: noch 170 km und zwei Stunden bis das Schiff ablegen würde. Ein 85er Schnitt bedeutet allerdings auch nicht unbedingt eine sichere Fahrweise auf Thailands Straßen. Jackie überredete den Kapitän, ein paar Minuten auf uns zu warten – im Endeffekt waren es genau fünf Minuten, um die wir das Nachtboot verpasst hätten, wären nicht die anderen beiden schon an Bord gewesen. Das Boot der „freundlichen“ Europäer hatte gerade abgelegt – dumm gelaufen (und so ein bisschen hatten sie es vielleicht auch verdient). Nächste Diskussion: wir hatten kein Ticket. Der Busfahrer hatte unser Ticket einkassiert und uns kein Bootticket ausgehändigt (die Zeit um zum Travelagent zu fahren fehlte uns natürlich). Schlussendlich mussten wir das Boot zahlen, sonst hätte man uns in Surat Thani zurückgelassen (auf der Rückreise gab‘s dann nach langer Diskussion 90% des Fahrpreises zurück).
Und so hatten wir endlich alle Hürden der Fahrt überbrückt – ungewöhnlich viele für meinen Geschmack.
Tauchen in Thailand |
| "Live and let dive" - Big Blue Diving, Koh Tao |
Das Wetter war prinzipiell deutlich schlechter als erwartet – wenig Sonne, viel Regen – Monsunzeit. Die geringere Luftfeuchtigkeit und die niedrigeren Temperaturen als in Malaysia machten das Klima aber insgesamt deutlich angenehmer. Unser erster, viertägiger Kurs bestand aus uns vieren und unserer Tauchlehrerin Kelli. Die Amerikanerin lebt seit vier Jahren in Thailand und taucht seit zehn Jahren, wenn ich das recht in Erinnerung habe. Jedenfalls machte sie einen sehr kompetenten Eindruck, was sich in den folgenden Tagen bestätigen sollte. Erster Tag Theorie inklusive Hausaufgaben, zweiter Tag Theorie und erste Praxiserfahrungen und Übungen im Pool: Wie finde ich mein Gleichgewicht unter Wasser, wie viel Blei brauche ich, wie kann ich meine Maske unter Wasser von eindringendem Wasser befreien? Viele kleine Übungen in einem viel zu kalten Pool – trotz Neoprenanzug hatte Pauline schnell blaue Lippen. Nach einer abschließenden Theorieprüfung ging es zum ersten Mal aufs Meer hinaus, das sich als deutlich wärmer herausstellte als der Pool.
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| von Koh Tao Richtung "Twins" |
Ein kurzer Schwimmtest – jeder musste einmal das Boot umrunden ohne unterzugehen – und danach Equipment anlegen, Buddy-Check und ab ins Salzwasser! Anfangs wurde ich noch etwas seekrank vom starken Geschaukel, mit der Zeit legte sich das aber. So richtig wohl fühlte ich mich von Anfang an nicht mit der kompletten Tauchausrüstung – der Gedanke, unter Wasser von der ganzen Technik unter Wasser komplett abhängig zu sein, gefiel mir nicht so ganz. Klar, habe ich beim (Segel)Fliegen genau so meine Instrumente, jedoch fliegt das Flugzeug an sich auch ohne das ganze technische Zubehör. Schwimmen und ein bisschen unter der Wasseroberfläche tauchen ist auch eine schöne Sache… aber muss ich mich wirklich auf mehrere Meter Tiefe begeben und dem hohen Druck aussetzen und mich in einem Element fortbewegen, in dem meine natürlichen lebensnotwendigen Funktionen nur mit technischer Unterstützung funktionieren. Und selbst das nur auf bestimmte Zeit…
Überzeugt war ich wirklich nicht, aber probieren wollte ich es mal. Nach Tauchgang Nr. 1 war ich überzeugt, keine Fische gesehen zu haben. Oder irgendetwas Interessantes oder Sehenswertes. Ich war einfach viel zu sehr mit mir selbst, meiner Atmung, meinem Gleichgewicht und meinen Bewegungen beschäftigt, dass ich um mich herum kaum etwas wahrgenommen habe. Bis zum vierten Tauchgang änderte sich dieses Gefühl langsam und ich konnte die Unterwasserwelt jedes Mal ein bisschen mehr erleben. Trotzdem hatte ich mir Alles etwas farbenfroher vorgestellt. Klar, die Sonne schien nicht besonders viel in diesen Tagen, manchmal sprangen wir sogar bei Regen ins Wasser (nass ist man sowieso den halben Tag), aber irgendwie hatte ich mir das Wasser doch blauer und die Flora und Fauna bunter vorgestellt. „Findet Nemo“ suggeriert eine vollkommen utopische Unterwasserwelt …Clownfische und Rochen gibt es aber tatsächlich :-)
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| Tauchgang bei Dauerregen |
Merkwürdigerweise habe ich mich tatsächlich überzeugen lassen, mit den anderen den Advanced Course zu belegen – man wird ja immer sicherer und fühlt sich mit jedem Tauchgang besser. Dem war dann auch wirklich so. Fünf weitere Unterwasserexkursionen erweiterten unsere Fähigkeiten in Computer Diving, Deep Diving (bis 30 Meter), Underwater Navigation, Night & Limited Visibility und „Perfect Buoyancy“. Letzteren Begriff habe ich zwar gerade nachgeschlagen, kenne aber den deutschen Begriff nicht mal – jedenfalls ging es darum, sich möglichst präzise im Wasser fortzubewegen, d.h. z.B. unter einem Hindernis durchzutauchen ohne es zu berühren und schweben zu können ohne zu Sinken/ Steigen und ohne Bewegungen. Der Nachttauchgang war schon ganz spannend – mal was anderes. Eine schöne Übung für Leute, die nicht gerne in Gewässer gehen, deren Grund man nicht sehen kann (zu denen ich mich definitiv zähle). Im Endeffekt ist der Knoten erst im letzten Tauchgang geplatzt: Kelli blieb zum ersten Mal auf dem Schiff und schickte uns „alleine“, d.h. in Zweierteams los.
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| endlich mal ein Nachmittag Sonnenschein! |
Navigation war das eigentliche Thema des Tauchgangs – mit Kompass und Tauchcomputer (Anzeige der Tiefe, der verbleibenden Tauchzeit bis zu der sich zu viel Stickstoff im Körper gesammelt hat etc.) keine große Herausforderung.
Unser Plan stand schnell: wir gehen am Seil nördlich des Tauchgebiets runter auf etwa 10m, schwimmen dann nach Süden, gehen nicht tiefer als 16-18m (das würde nämlich bedeuten, dass wir vom Südkurs und vom Tauchgebiet abdriften) und erreichen dann irgendwann eine Felsgruppe. Nach Erkunden der Felsen, Korallen etc. sollte es dann zurück gehen, was sich als ausgesprochen unproblematisch herausstellte. Es machte einen riesigen Unterschied zu den vorherigen Tauchgängen, nicht mehr mit fünf oder sechs Leuten Unterwegs zu sein, die man ständig im Blick haben musste (und das vor, hinter, über und unter mir – schlimmer als Luftraumbeobachtung :).
Was mir ein bisschen auf die Nerven ging im "Big Blue Diving" - sei es bei den Theoriestunden, auf dem Boot oder an der Rezeption war die übertrieben gute Laune der Tauchlehrer und Mitarbeiter. So viel gute Laune kann nicht natürlich sein, jedenfalls wirkte sie manchmal ein wenig aufgesetzt. Alles war "cool" - sei es die Tatsache, dass man einen Kurs belegt, dass man die Gebühren zahlt oder einfach nur etwas essen geht: "yeah, cool!". So oft wie in der letzten Woche habe ich das Wort noch nie gehört! Kellis Lieblingsfloskel war "nice and easy", manchmal auch abgewandelt zu einem "nice and slowly" - meist bezogen auf jegliche Aktionen unter Wasser. Don't forget: nice and easy!
Essen & Trinken
Was ich in der letzten Woche wirklich genossen habe, war das Essen.
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| Pauline & Jackie - Chillen nach dem Tauchen :) |
Die verschiedenen thailändischen Currys, die Bananenpfannkuchen und Hähnchenspieße von Straßenständen, „Sticky Rice with Mango“, Bananen-Kokosnuss-Shakes und natürlich Lisas und mein Lieblingsgetränk Schweppes Manao Soda, das in keinem anderen Land erhältlich ist. Wenn ich in Penang die Möglichkeit habe, werde ich einen Thai Kochkurs belegen – ich kann ja nicht in Deutschland ständig (thailändisch) essen gehen :)
Unser Rückweg nach Malaysia war deutlich entspannter als der Hinweg: Abends um neun aufs Nachtboot, diesmal etwas mehr Platz zum schlafen (Foto folgt später), da es statt einer Schlafebene zwei gab (lichte Höhe ca. 1,20m). Und nun sitze ich in Penang im Starbucks, da das normalerweise einer der wenigen Orte ist, an denen man Wochenends einen guten Wifi-Empfang hat und eine Weile gemütlich sitzen kann um Blog zu schreiben. Ich frage mich jedoch jedes Mal, wie sich hier so viele Leute diese überteuerten Getränke leisten können (die schnell 1% des Monatseinkommens betragen können) – dabei darf man sich auch ganz ohne Getränk in die an die Buchhandlung angeschlossenen Sitzbereiche begeben.
Mir ist gestern aufgefallen, als ich mich auf der Rückfahrt länger mit einer Amerikanerin unterhalten habe, die jetzt ein paar Tage in Penang verbringt, dass ich die Insel bisher wirklich wenig kenne. Georgetown ist mir weitestgehend nur sehr oberflächlich bekannt, ich habe vielleicht zwei Nachmittage in der kolonialen Altstadt verbracht. Das muss ich mal ganz bald ändern, damit ich auch weiß, was es zu sehen gibt, wenn der erste Besuch kommt ;)
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| Teil des Nachtlebens: thailändisches Chang am Strand |
Es ist immer interessant, eure Rückmeldung zu bekommen. Was den letzten Eintrag betrifft gibt es einige Leute, die den Umgang mit Lebensmitteln (Kokosnüsse und andere Opfergaben) sehr bedenklich finden. Ob ich keine Probleme damit habe, so etwas sehen zu müssen? Knapp zusammengefasst kann ich jedenfalls sagen, dass es hier viele Dinge gibt, die sich nicht mit meiner Einstellung vereinbaren lassen. Es fällt natürlich schwer, die Besonderheiten der verschiedenen Religionen hier zu akzeptieren oder sie zumindest in gewissem Maße zu ignorieren. Aber das wäre ein weiteres, langes Kapitel – es zu verfassen bin ich jetzt zu faul bzw. ich nutze die Zeit nun, mich meinem Projekt zu widmen – es gibt noch viel zu tun! Je früher ich fertig bin, desto mehr Zeit habe ich am Ende meiner Zeit hier, das Land zu erkunden! Ich freu mich :) Ach ja:
Happy chinese new year!
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| moi, Paulina, Niina und Jackie (Foto: Kelli B.) |
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| Buddha statt Höhlen |
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| thailändische Fauna |
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| Niina und ich auf der Suche nach Höhlen |
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| Kreative Verbotsschilder |
Sorry für diverse Formfehler, versuche sie seit einer Weile zu korrigieren, aber der blogger-Editor mag mich gerade ärgern :( Fotos weiterhin über einsameinsel.de - das macht weniger Arbeit!
Hey! Dein Tauchkurs hört sich ja echt aufregend an, wusste gar nicht, dass man da so viele verschiedene Sachen ausprobieren kann.
AntwortenLöschenIch hatte bis jetzt auch immer meine Bedenken wegen der Abhängigkeit von der Technik und hab es beim Schnorcheln belassen...
Mit der Unterwasserwelt ging es mir ähnlich - nicht so farbenfroh wie erwartet und meine Bilder sind eher grau in grau geworden.
Viel Spaß weiterhin :-)