Extremkontrast zwischen touristischem Stadtkern und "echtem Leben": Trinidad

12:37 Einsame Insel.de 0 Comments

Wo man hinsieht strahlen die niedrigen Wohnhäuser in satten Farben, als seien sie erst gestern frisch angestrichen worden. Und tatsächlich sieht man hier und da ein wackelig anmutendes Gerüst, von dem aus noch die letzten Pinselstriche für die gerade anbrechende Hauptsaison erledigt werden.
Trinidad gehört wohl neben Havanna zu den am häufigsten von Touristen besuchten Städten Kubas. Das mag einerseits an ihrer Nähe zur Hauptstadt liegen, die einen Besuch als Tagesausflug attraktiv macht, andererseits natürlich an ihrer ausgesprochen gut erhaltenen und gepflegten Kolonialarchitektur. Seit 1988 schon ist Trinidad Weltkulturerbe.

Außerhalb des inneren Stadtkerns sind die Häuser zwar noch bunt gestrichen, aber nicht mehr ganz so makellos gepflegt wie im Zentrum. Hier wohnen offensichtlich Menschen - nicht ausschließlich Touristen,

Zum Vergleich: Frisch gestrichene Gebäude und Touristen mit Kameras.
Hier scheint niemand zu leben. Trinidads Zentrum gleicht einem Museum.

Ich muss gestehen, dass ich das Zentrum des kleinen Städtchens auf den ersten Blick ein bisschen langweilig finde. Alles ist so sauber, so gepflegt, gar lupenrein, dass es kaum zu dem Land passt, dass ich in den letzten Tagen kennengelernt habe. Man macht mir hier etwas vor, die ganze Stadt führt eine Show auf. Im Zentrum reihen sich Restaurants und Cafés aneinander. Deren Zielkundschaft: eindeutig Touristen - Einheimische könnten sich die hier angebotenen Speisen und Getränke niemals leisten. Sogar Bäckereien und Supermärkte haben die Preise angepasst. Wer einen Milchkaffee oder ein frisches Croissant haben möchte, zahlt in Kuba schnell so viel wie zuhause.

"Darf ich mal deine Kamera anfassen?"
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Während die Jungs eine Straße weiter Fußball spielen, malen sich die Mädels mit Wasserfarben die Gesichter an. Der kleine Bruder darf offenbar nur zugucken und ist zu klein, um bei den Großen mitzuspielen. Dafür findet er meine Kamera um so interessanter.

So merkwürdig ich mir vorkomme, während ich zwischen den bunten Häusern über das Kopfsteinpflaster laufe, so schnell endet dieser Eindruck wieder, als ich mich nur einige Häuserblocks weiter nördlich aus dem Stadtkern entferne. Die Häuser sind zwar auch hier noch farbenfroh angestrichen, man sieht ihnen aber eindeutig an, dass hier tatsächlich Menschen leben. Menschen, die ihr Haus nicht jeden November in einer neuen Farbe anstreichen, bevor im letzten Monat des Jahres die Europäer kommen um ihren Weihnachtsurlaub hier zu verbringen.
Es ist nicht mehr lange bis zur Dämmerung, die Sonne steht bereits tief, und in der leicht abfälligen Kopfsteinstraße bahnt sich ein kleiner Rinnsal seinen Weg ins Tal. Hier und da wird ein abgemagertes Pferd gewaschen, das am heutigen Tag während der Mittagshitze einen vermutlich viel zu schweren Touristen durch das naheliegende "Valle de los Ingenios" geschleppt hat.

Die Abendsonne wird in Trinidad auch zum Fußballspielen genutzt.

Auf einer kleinen Wiese spielen Kinder und Jugendliche Fußball - Jungs natürlich - keine Mädchen. Einige jüngere Kinder laufen auf mich zu, wollen von mir fotografiert werden. Sie haben sich mit "aquarela", also Wasserfarbe, die Gesichter angemalt. Zum Glück ist meine verhältnismäßig alte Kamera relativ robust und was Verschmutzung angeht gut erprobt, sodass ich mir wenig Sorgen um die Technik machen muss, als die Kinder wild auf den Knöpfen meiner Kamera herumdrücken und mit den schmierigen Fingern auf das Objektivglas packen. Ich biete an, ein paar Ausdrucke der Fotos am nächsten Tag vorbeizubringen und bekomme lang und breit erklärt, wo im Ort ich das machen lassen kann. Schließlich verstehe ich, welche zwei Wörter die Mutter der Kinder mir die ganze Zeit versucht hat zu erklären: "Foto Service".
Je weiter ich mich von dem zentralen Platz des Ortes Trinidad entferne, desto weniger farbig werden die Häuser. Hinter einer Kurve, in der weitere Pferde und Pferdeanhänger gewaschen werden, hört die Bebauung abrupt auf und dahinter bietet sich der Blick in das grüne Tal, von dem ich bisher nur gelesen habe, das im Sonnenuntergang nur erahnen lässt, was dort im Hellen zu entdecken ist.


 Die Sonne geht erstaunlich schnell unter. Leider ist es auch schon zu spät, noch auf den Aussichtsturm im Zentrum zu steigen - der schließt bereits um fünf. Bleibt ein entspannter Abend zum essen, trinken und früh ins Bett gehen. Schließlich steht morgen eine Wanderung ins Tal der Zuckermühlen (Valle des los Ingenios) und vielleicht sogar die Weiterreise per Bus an.

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