Ohne Hotel, ohne Bus - ohne Plan?
Matanzas wird das erste Ziel einer vierwöchigen Kubareise, von der ich im Vorfeld nicht mehr als die Flüge gebucht habe. Warum Kuba ein Land ist, in dem man wunderbar spontan sein kann und warum man sich auf jegliche Planung in diesem Land selten verlassen kann, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen erfahren.
Ankommen in Varadero
Eine schier endlose Schlange Menschen tummelt sich vor dem Geldwechselbüro am Flughafen Varadero. Es ist schon stockdunkel, die Temperaturen sind angenehm, aber ohne Bargeld kommen wir hier nicht weg. Die beiden Geldautomaten in der Wand des überschaubaren Gebäudes zeigen nur drei Wörter an: „Out of Order“. Mit so etwas hatte man ja schon gerechnet. Irgendwo schnappe ich auf, dass es in der Abflughalle noch einen zweiten Wechselschalter gibt. Tatsächlich: ich bekomme meine Euroscheine tatsächlich drinnen viel schneller gewechselt. Aber warum die Eile? Der letzte Bus nach Havanna muss sowieso schon längst weg sein. B wohl die Fluggesellschaft die Taxikosten übernimmt, weil keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren? Ich wage es gar nicht, den Gedanken weiter zu verfolgen. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Aber eigentlich möchten wir gar nicht mehr nach Havanna heute Nacht. Drei Stunden fahrt – und das ohne eine Übernachtungsreservierung in der Hauptstadt.
Vielleicht doch nach Varadero in die Nähe der Strände mit kristallklarem Wasser und schneeweißem Sandstrand? Das hatten wir eigentlich schon ausgeschlossen, nach Varadero wollen wir nicht, nach allem, was wir gelesen und gehört haben. Eine Hotelhochburg neben der anderen, man kann überall in der europäischen Währung bezahlen und sieht mehr Deutsche und Kanadier auf der Straße als Kubaner.
Die erste Nacht in Kuba
Bleibt noch Matanzas – eine Arbeiterstadt mit Chemiewerk und Zuckerraffinerie, die die meisten Touristen auf den ersten Blick nicht anzieht. Die Chance, dass wir hier schnell eine Unterkunft finden, ist vermutlich höher als in Havanna. Und es sind nur rund 20km Fahrtstrecke bis dahin.
Bleibt noch Matanzas – eine Arbeiterstadt mit Chemiewerk und Zuckerraffinerie, die die meisten Touristen auf den ersten Blick nicht anzieht. Die Chance, dass wir hier schnell eine Unterkunft finden, ist vermutlich höher als in Havanna. Und es sind nur rund 20km Fahrtstrecke bis dahin.
Der letzte Bus hat, wie sich herausstellt, doch noch noch nicht den Flughafen passiert. Nachdem wir mindestens eine halbe Stunde auf das eine aufgegebene Gepäckstück gewartet haben, das dann noch irgendwo neben dem Band lag, und mindestens ebenso lange mit der Dame an der Passkontrolle diskutiert haben, können wir kaum fassen, dass doch noch etwas gut läuft an diesem Abend. In Kuba benötigt man für die Einreise übrigens eine sogenannte Touristenkarte, die offiziell 25 CUC (=25 USD) kostet, in Deutschland prinzipiell für 25 Euro erhältlich sein sollte, aber schwer zu beschaffen ist. Manche Airlines verkaufen diese Karten am Schalter, jedoch ließ sich im Vorfeld nicht in Erfahrung bringen, ob auch Eurowings diesen Service bietet. Beim Check-In in Köln wurden wir gefragt, ob wir eine bräuchten, oder noch eine kaufen wollten – sehr zu unserer Überraschung, dass dies tatsächlich am Schalter möglich ist.
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| So richtig übersetzen konnte ich das Sprüchlein nicht - aber ein Garten von Narzissen klingt ja schon mal gut. Hauptsache ist, dass die Sonne scheint und ich wieder in FlipFlops rumlaufen kann! |
Jedenfalls habe ich zwei Karten über ebay kleinanzeigen gekauft – vermutlich von einem Reisenden, der seine Reise nicht antreten konnte. Da die Touristenkarte von Hand ausgefüllt wird, ist sie vollständig übertragbar. Das Problem der Grenzbeamtin in Varadero ist allerdings, dass die Rückseite unserer Karten einen Stempel trägt: „infotour holguin“. Ob wir schon mal in Kuba gewesen seien, wo wir die Karten gekauft hätten, ob es in Deutschland Reisebüros gäbe, die Reisen von „infotour“ verkaufen (Holguin ist eine kubanische Stadt) oder ob unsere wertvollen Touristenkarten möglicherweise vom Schwarzmarkt seien. Letztere Vermutung stellt allerdings eine in Deutschland lebende Kubanerin an, die uns erklärt, dass die einfachen Abreißzettelchen vor ein paar Jahren noch kostenlos an jedem Flughafen erhältlich gewesen seien und manch ein Kubaner rechtzeitig das große Geschäft gewittert hätte.
Letztendlich lässt sich durch einen Telefonanruf klären, dass wir diese Touristenkarten legal in Deutschland hätten erwerben können (dass ich sie im Internet gekauft habe, lasse ich lieber weg – auch wenn ich mir sicher bin, dass ich „legale“ Touristenkarten erworben habe).
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| Schnappschuss mit der Kompaktkamera - der Obstverkäufer möchte unbedingt von Tobi fotogragiert werden :) |
Das nächste Hindernis – wenn auch ein schnell zu lösendes – stellt sich im Bus. So richtig viel Platz gibt es nicht mehr, wir haben aber noch das Glück, Sitzplätze zu ergattern. Die meisten Gäste sind vermutlich länger unterwegs und haben es sich zum Teil zum schlafen gemütlich gemacht. Wie in anderen Lateinamerikanischen Ländern ist es auch in Kuba ratsam, von Anfang an Kleingeld und kleine Scheine zu sammeln und wann immer es geht die Scheine höheren Wertes beim Bezahlen klein zu machen oder zu wechseln.
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| Schulkinder in der Pause |
6 CUC soll die Busfahrt nach Matanzas kosten – ganz schön viel für eine halbe Stunde fahrt, denke ich. Bei zwei Personen sollte ein 20CUC-Schein wohl funktionieren. Leider nein. Die junge Frau, die nur für das Geld einsammeln und fiktive Tickets ausgeben zuständig zu sein scheint, fragt den Fahrer und andere Personen, ob sie wechseln können. Sie versichert mir, dass ich noch Rückgeld bekäme und verschwindet einige Minuten, kommt dann aber mit einer handvoll Geldscheine zurück. Das wäre also geschafft. Nach einer weiteren halben Stunde Sitzplatz- und Ticketkauforganisation geht es endlich los.
Matanzas - Zimmersuche im Dunkeln
Ich bin heilfroh, dass wir nicht noch zweieinhalb Stunden in dem überfüllten Bus sitzen müssen und möchte einfach nur eine Dusche nehmen und mich in ein Bett fallen lassen. Auffällig orange ist er, unser „Stefan Loose“ - der Reiseführer, der uns in den nächsten Wochen noch gute Dienste leisten würde. Jeder Kubaner, der uns hier gerade sieht, kann sich vermutlich nur zu gut denken, dass wir ein Bett für die Nacht suchen – zwei Deutsche, Ende zwanzig, verschwitzt, übermüdet, mit mehr oder weniger großen Rucksäcken auf dem Rücken und einem Buch in der Hand, die noch unentschlossen sind, ob sie sich von Kompass oder GPS die Richtung zeigen lassen.
Ich bin heilfroh, dass wir nicht noch zweieinhalb Stunden in dem überfüllten Bus sitzen müssen und möchte einfach nur eine Dusche nehmen und mich in ein Bett fallen lassen. Auffällig orange ist er, unser „Stefan Loose“ - der Reiseführer, der uns in den nächsten Wochen noch gute Dienste leisten würde. Jeder Kubaner, der uns hier gerade sieht, kann sich vermutlich nur zu gut denken, dass wir ein Bett für die Nacht suchen – zwei Deutsche, Ende zwanzig, verschwitzt, übermüdet, mit mehr oder weniger großen Rucksäcken auf dem Rücken und einem Buch in der Hand, die noch unentschlossen sind, ob sie sich von Kompass oder GPS die Richtung zeigen lassen.
Ich habe mich bei dieser Reise bewusst entschieden, das Handy zuhause zu lassen. Hier geht es mit Sicherheit auch ohne.
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| Natürlich das erste, wonach ich Ausschau halte: die berühmt-berüchtigten Oldtimer. |
Wir laufen Richtung Norden – das Zentrum kann nicht weit sein. Ein Mann mittleren Alters läuft hinter uns her, will uns eine Unterkunft anbieten. Wir haben eigentlich ein Ziel, lassen uns aber irgendwann doch von dem Kubaner beirren und uns zu einer Unterkunft führen. Erst später verstehen wir das System dieser Menschen, die rund 5 CUC verdienen, indem sie Touristen "vermitteln" - die einen nennen es "Unterstützung der Tourismusbranche", die anderen "Schlepper". In dieser ersten Nacht akzeptieren wir, dass dieser Mann ohne wirklich etwas zu tun wahrscheinlich rund zwanzig Prozent des des Übernachtungspreises kassiert, den unsere Gastgeber dann weniger bekommen. Wie genau das alles funktioniert, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht - jedenfalls bekommt unser freundlicher Schlepper vor unseren Augen von niemandem Geld.
Übernachten in Kuba
In Kuba gibt es in jedem größeren Ort eine Vielzahl von sogenannten Casa particulares, die durch ein blaues Symbol (angeblich stellt es einen Anker dar) an der Eingangstür gekennzeichnet sind. Im ganzen Land sind - in der Regel auch in der Hauptsaison ohne Reservierung- Doppelzimmer für rund 25 CUC (etwas mehr als 20 Euro) zu bekommen. Frühstück (3-5CUC p.P.) und Abendessen (um 8CUC) werden ebenfalls angeboten, manchmal ist das Frühstück inklusive (z.B. in Baracoa im Osten Kubas).
Der Standard der Casas scheint relativ genau durch die Regierung kontrolliert zu werden, so gibt es beispielsweise fast immer heißes Wasser, Aircondition und Ventilator, Handtücher und insgesamt ähnliche Ausstattung wie in einem Bed&Breakfast. Natürlich sind die Häuser in Kuba häufig eine zig wenn nicht hunderte Jahre alt, sodass Komfort und Ausstattung oft nicht an europäische Verhältnisse denken lassen. Jedoch muss man auch sagen, dass viele Familien viel Aufwand und Geld in die Renovierung der Gästezimmer stecken, sodass oft ein frischer Anstrich die Wände erstrahlen lässt.
Die Vermieter sind oft darauf bedacht, dass die Handtücher nicht über der Stange des Duschvorhangs zum Trocknen aufgehängt werden (die würde nämlich sonst am Boden liegen), dass die Rucksäcke nicht an die saubere Wand gelehnt werden oder erklären dreimal, wie die verschiedenen Türschlösser funktionieren und dass man ja Acht auf den Schlüssel geben solle, es gebe ja nur den einen.
Alles sehr gut verständlich, gerade wenn man über die Zeit mitbekommt, wie schwierig es sein kann, Materialien, Werkzeuge, Baustoffe, Möbel und Ähnliches in diesem Land zu beschaffen.
In unserer ersten Nacht machen wir uns über all das wenig Gedanken und sind einfach froh, ein ruhiges und sauberes Zimmer für die Nacht zu haben. Alles weitere werden wir morgen sehen, wenn die Sonne wieder aufgegangen ist in Matanzas.





Juhu, es geht wieder los!Das Warten hat sich gelohnt. Wieder mal ein sehr spannender Bericht mit super tollen Fotos. Bin schon gespannt was ihr als nächstes erlebt habt.LG L.
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