4 Wochen mit Handgepäck (das ist zumindest der Plan)
Ungläubig und etwas verwirrt werde ich angesehen: „Du willst vier Wochen mit Handgepäck reisen? Bei einer Woche würde ich das ja noch verstehen… aber vier Wochen?“. Eine typische Reaktion bei meiner derzeitigen „Urlaubsplanung“. Warum reise ich dieses Mal mit Handgepäck und wie sah es mit dem Thema Reisegepäck in der Vergangenheit aus?
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| Nicaragua im Dezember 2013: neun Liter Wasser, Essen, Schlafzeug, Zelt und Feuerholz machen den großen Rucksack erforderlich. Aber an den meisten Tagen übernachte ich ja nicht auf einem Vulkan... |
Ich erinnere mich noch gut an die erste „große“ Reise mit Rucksacke. Im September 2009 war ich rund fünf Wochen mit Lisa in Südostasien unterwegs. Mein Rucksack war definitiv der leichtere, aber ich ließ mich vor Ort schnell „verführen“, günstige Ausstattung nachzukaufen, die ich nicht dabei hatte aber vielleicht doch brauchen würde. So schlenderten wir damals über die Märkte Vietnams, um für mich Trekkingsandalen zu kaufen, die mir in den vergangenen Woche vor allen Dingen eins brachten: Blasen an den Füßen. Thailändische Lichterketten und eine malaysische Holzfigur wanderten in meinen eigentlich viel zu großen Rucksack. Ich weiß nicht mehr genau, wie viel Kleidung ich damals dabei hatte, aber dennoch wuschen wir mindestens einmal in der Woche unsere T-Shirts und hängten sie im Zimmer zum Trocknen auf. Schließlich wollte man nicht mit den verschwitzten Klamotten im Rucksack durch die Gegend laufen. Und natürlich trug man sowieso immer die gleichen Klamotten – und zwar die aus dem dünnsten Stoff.
Die zweite Asienreise lief ähnlich ab, vielleicht hatte ich ein paar weniger Klamotten dabei (keine Socken, da ich sowieso nur noch in Flip-Flops unterwegs war), dafür aber ein paar neue Tools, die beim alleine reisen vonnöten waren. Vorhängeschloss für Hostel-Schränke, Reisewecker (in Ermangelung eines Handys) und Taschenmesser waren immer dabei. Dafür kam ein viel zu großes Kamerastativ hinzu – außen an den Rucksack montiert. Viel zu schwer und viel zu umständlich. Benutzt habe ich es fast nie.
Auf den nächsten Kurztrips wurde das Stativ kleiner und leichter, nervte mich aber bei Flügen regelmäßig, da es meist durch die Drogenkontrolle lief. Man könnte ja irgendwelche fragwürdigen Substanzen im Gestänge verstecken.
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| ...unterwegs mit zu viel Gepäck. Wanderung im Maragua-Krater in Bolivien, April 2014 |
Im Sommer 2012 machte ich mich spontan auf den Weg Richtung Balkan und stellte mein Gepäck zusammen, bevor ich es in den neu erstandenen Rucksack packte. Schnell stellte sich heraus, dass selbst für die kompakte Luftmatratze und den kleinen Schlafsack kein Platz sein würde, wenn ich nicht alles außen befestigen würde. Also blieben die Schlafutensilien zuhause – in Hostels würde ich sie ohnehin nicht benötigen. In den folgenden drei Wochen in Tschechien, Ungarn, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Kroatien lagen die Temperaturen dauerhaft zwischen 30 und 40°C (heißester Tag des Jahres inklusive). Meinen Schlafsack habe ich keinen Moment vermisst. Es stellte sich vielmehr die Frage, warum ich überhaupt zwei lange Hosen eingepackt hatte…
In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass der „Lernprozess“ relativ lange dauert und ich nicht immer in der Lage bin, die Erfahrungen der einen Reise auf die nächste zu übertragen. Zumindest nicht unmittelbar. Mindestens ein halbes Jahr würde ich nun unterwegs sein, in verschiedenen Ländern, in hoch gelegenen Bergregionen, aber auch im Flachland in Äquatornähe. Was also einpacken? Alle Eventualitäten berücksichtigen? Auf keinen Fall!
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| Mit großem Gepäck unterwegs: dreitägige Wanderung im Maragua-Krater in Bolivien, April 2014 |
Es ist nicht möglich, alles, was kommt, im Vorfeld zu erahnen und mit speziellem Equipment auf alles vorbereitet zu sein. Klar gibt es einen Grundstock und mittlerweile habe ich ein Fieberthermometer im Gepäck, um im Zweifelsfall sicher zu sein, dass ich einen Arzt aufsuchen muss. Aber ich reise bestimmt nicht mit Laufschuhen, Wanderschuhen, Trekkingsandalen, Flipflops und womöglich noch irgendwelchen „Ausgehschuhen“. Ich habe in Kolumbien zwei Mädels im Hostel getroffen, die hatten ihre Taschen voller Highheels und sogar Haartrockner und Glätteisen dabei. Ich gehe davon aus, dass die beiden Holländerinnen mit den Utensilien auf keinen Berg gestiegen sind.
Die nächste Reise führt mich nach Kuba – einem Land, das eine große Ost-Westausdehnung und eine geringe Nord-Süd-Ausdehnung hat. Ich werde mich also nicht in verschiedenen Klimazonen bewegen. Die durchschnittliche Höchsttemperatur im Dezember liegt bei 30°C, die Mindesttemperatur bei 20°C. Es gibt rund drei Regentage im Monat. So wird es vermutlich darauf hinauslaufen, dass ich mit einer Jeans und festem Schuhwerk das Flugzeug betreten werde, während sich in meinem Rucksack ein paar Tshirts und kurze Hosen/Röcke befinden.
Aber Handgepäck bedeutet doch mehr als nur reduziertes Gewicht, es gibt so viele Einschränkungen! - Ja, auch das ist richtig. Ich bin auf ein Maximalgewicht von 8,00 kg mit einer Maximalgröße von 55 x 40 x 23 cm beschränkt (Airline: Eurowings). Bei der der neuen Fernstrecken-Billigairline habe ich übrigens sogar einen finanziellen Vorteil vom Reisen mit Handgepäck: ich zahle pro Strecke mindestens 30 Euro weniger als die Passagiere mit Gepäck.
Flüssigkeiten dürfen bis 100ml Volumen je Behälter (und davon zehn) mitgeführt werden. Wo liegt das Problem? Die üblichen Drogeriemarkt-Kleinformate mit 50-60ml Shampoo oder Duschgel sind für einen längeren Zeitraum zugegebenermaßen etwas knapp, aber mit einem 100ml-Fläschchen (das kaufe ich leer und fülle es von der großen Flasche aus) komme ich weit länger als einen Monat aus. Es lohnt sich auf jeden Fall, Shampoo & Co. als Konzentrat zu kaufen, so kommt man ggf. auch ein halbes Jahr mit 100ml aus. Alternativ kann man natürlich überall auf der Welt nachkaufen – wenn man nicht allzu spezielle Wünsche hat.
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| Passt nicht ganz in mein Handgepäck-Schema: Reisen mit Flugzeug. |
Und was sind die großen Vorteile des Handgepäcks?
Wenn man sich von Anfang an vor seiner Reise auf das beschränkte Volumen des Rucksacks/ des Gepäckstücks einstellt, kommt man gar nicht erst in Versuchung, viel mehr einzupacken, als man wirklich benötigt. Es gibt nichts schlimmeres, als auf einer mehrwöchigen oder gar mehrmonatigen Tour immer das Gefühl zu haben, unnötigen Ballast mit sich rumzuschleppen. Ich denke natürlich die ganze Zeit an Reisen, bei denen man viel unterwegs ist, keinen eigenen Wagen zur Verfügung hat und regelmäßig den Standort wechselt. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird das „große Gepäck“ häufig auf dem Dach oder in Gepäckräumen verstaut, über die man während der Fahrt und bei Zwischenstopps keinerlei Kontrolle hat. Ich habe selber noch keine Probleme mit Gepäckdiebstahl gehabt, dennoch ist es immer lästig, wenn man sich um eine sichere Verstauung seines Hab und Guts kümmern muss. Da ist mir ein kleiner Rucksack auf dem Schoß lieber.
Natürlich reist nicht jeder gerne mit wenig Gepäck und natürlich möchte das auch nicht jeder. Wer unterwegs mit eigenem Equipment zeltet oder in Extremsituationen, verschiedenen Klimazonen usw. unterwegs ist, geht sowieso ganz anders an das Thema ran. Ihr möchtet nicht wissen, wie voll mein Auto ist, wenn ich mit Segelflugzeug in den Urlaub fahre… (alleine die drei Akkus für die Elektronik wiegen wahrscheinlich so viel wie mein Gepäck auf einer Rucksackreise).
Für mich liegt eine Priorität beim Reisen ganz klar in der Flexibilität und in meiner persönlichen Freiheit, die ich nicht durch eine große Menge materiellen Ballast einschränken möchte.
Ich bin gespannt, wie ich das nach meiner Rückkehr aus Kuba sehe :)
(ohne kubanischen Rum im Gepäck)





Oh, schön. Endlich geht es wieder los! Freue mich schon tierisch auf Deinen Reiseblog :)
AntwortenLöschenDein Beitrag regt durchaus zum Nachdenken an! Danke für den Eindruck und Einblick...
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