Auf Umwegen gen Osten

12:59 Einsame Insel.de 3 Comments



Hallöchen! Dieses Blog wird die kommenden zwei Wochen von Lennart belagert. Wer mich nicht kennt: Ich bin der kleine, segelfliegende Bruder von Sylvia. Diese wird hauptsächlich damit beschäftigt sein, mit ihrer Libelle quer durch ostdeutsche Lüfte zu rasen, um bei der Deutschen Meisterschaft im Segelflug der Frauen (DSMF) eine zufriedenstellende Platzierung zu erreichen. Fangen wir also an.

Donnerstag, ca. 9:00, Himmel blau bei schwĂĽlen 25°C (Tendenz steigend). Es geht los, zunächst von Haan nach Leverkusen. Der Plan ist, dass Sylvia mit ihrem Libellchen die erste Etappe nach Braunschweig fliegt. Also zeitig in Leverkusen aufgeschlagen, nach einigem Hin und Her ist auch ein Flugzeugschlepp organisiert. Sylvia schraubt noch ein bisschen am Flieger rum, klaut uns irgendwo StĂĽtzen zum AufrĂĽsten und so haben wir nach guten zwanzig Minuten die Flächen dran - aufrĂĽsten zu zweit ist irgendwie auch doof. Während die Pilotin ihre Trinkvorrichtung im Clubheim auffĂĽllt, ziehe ich den Flieger schon einmal zum Start.

Libellenschlepp.

FĂĽnf vor zwölf: Die Remo rollt vor, ich klinke das Schleppseil ein und entlasse Sylvia und ihr Fluggerät in die LĂĽfte.  Am Himmel haben sich seit elf Uhr Cumuluswolken gebildet, die sich jedoch verdammt schnell entwickeln und teilweise schon bedrohlich emporschieĂźen. Erwartungsgemäß findet Sylvia kurz hinter dem Bayerwerk ihren ersten Bart* und ist erstmal weg. Ich schlage mich noch eine knappe halbe Stunde mit meinem Smartphone rum, bis ich schlieĂźlich eine passende Adresse gefunden habe und mich auf Richtung Osten mache. Durch Live-Tracking sehe ich, dass Sylvia gerade ĂĽber Solingen rumgurkt und mit ausreichend Höhe auf den Flugplatz Radevormwald (sĂĽdlich von Wuppertal) zufliegt. Live-Tracking bedeutet, dass Sylvias GPS-Daten direkt an SkyLines (https://www.skylines.aero/tracking/) ĂĽbertragen werden und ich ihren Flugweg live (bzw. mit 10 Minuten Verzögerung) verfolgen kann. Das Wetter scheint ganz schön schnell umzuschlagen, und als ich gerade auf der Autobahn bin, kommt auch schon der Anruf von Sylvia:

Lennart: "Rade?"
Sylvia: "Jop."
Lennart: "Okay, bin in 'ner halben Stunde da."

AbrĂĽsten mit Donner im Hintergrund :)

Ich fahre kurz auf den Rastplatz, um mir den Weg zum Flugplatz auf der Karte anzugucken. Trotz Navi brauche ich noch eine knappe Stunde, bis ich mit dem Hänger auf das Vorfeld des Flugplatzes rolle - hauptsächlich, weil mein GPS ständig Aussetzer hat und der Akku meines Handys bei gefĂĽhlten 60°C im Auto ĂĽberhitzt. In Rade angekommen ist die Libelle mit Hilfe der Eingeborenen in wenigen Minuten verstaut und wir fahren noch vor dem ersten Regenschauer los. Unterwegs schauert es zwischendurch (auch mal Starkregen mit weniger als 100 Meter Sicht), was eine ganz willkommene AbkĂĽhlung ist


RĂĽckholerfĂĽtterung.



Das Zwischenziel ist Braunschweig, was wir ca. zwei Stunden später als geplant erreichen. Das letzte Stück Autobahn in Braunschweig ist gesperrt und wir stehen eine Stunde in der Abfahrt und nochmal eine knappe im städtisch-stockenden Verkehr. Unser Nachtlager schlagen wir bei einer Fliegerfreundin auf und werden dort auch noch vorzüglich bewirtet. Am nächsten Morgen kriegen wir nach dem Frühstück sogar eine Führung durch die verregnete Innenstadt und machen uns gegen eins auf den Weg nach Stölln-Rhinow.

Am frĂĽhen Abend - nach zig Umleitungen und drei Mal wenden - erreichen wir den Flugplatz, stellen den Hänger ab und bauen unser neues Zelt im Nieselregen auf (wie könnte es anders sein). Zwei befreundete Hamburger Pilotinnen samt RĂĽckholer treffen eine gute Stunde  nach uns ein. Der Event Shelter wird aufgebaut und bei ĂĽberbackenen Toasts und gutem Jever werden die restlichen Zelte aufgebaut sowie Autos ausgeladen. Nachdem wir uns von MĂĽcken die FĂĽĂźe haben zerstechen lassen, geht es frĂĽh ins Bett.

Unser Zelt mit Event Shelter im Hintergrund ;-)



Ich wache um 6:30 auf und stelle als Erstes fest, dass die Außenduschen nur kaltes Wasser hergeben. Naja, immerhin bin ich jetzt wach. Mit dem Auto fahre ich einmal außen um den Flugplatz herum, um den Libellenhänger zu holen. Um 8:30 bauen wir die Libelle in der Halle auf und wiegen sowohl sie als auch die Pilotin. Danach gibt es Frühstück (unter dem Event Shelter ;)) und Briefing um zehn. Das Wetter sieht noch nicht sooo berauschend aus, vielleicht ändert sich das aber im Laufe des Tages. Es gibt aber auch genug zum Basteln und Polieren am Flieger. Morgen Früh ist das offizielle Eröffnungsbriefing mit nachfolgendem Pflichttrainig, d.h. jede muss fliegen und es gibt schon eine Aufgabe. Der eigentliche Wettbewerb geht am Montag los.


Ich verbleibe mit einem freundlichen GruĂź und schreibe voraussichtlich morgen im Laufe des Tages oder abends wieder ein paar Zeilen.

Lennart (ProfirĂĽckholer in der Ausbildung)



* Bart = thermischer Aufwind

You Might Also Like

3 Kommentare:

  1. Ha!

    Nice :)
    Schön geschrieben!
    Viel SpaĂź euch weiterhin :)

    AntwortenLöschen
  2. Ist das eventuell der selbe "Event Shelter", der bis vorgestern noch in Rothenburg vorm Startbus stand??

    AntwortenLöschen
  3. Ich bin begeistert!
    Das macht das ganze nochmal spannender!

    AntwortenLöschen