Wenn du das Fliegen einmal erlebt hast...
...wirst du für immer auf Erden wandeln, mit deinen Augen himmelwärts gerichtet. Denn dort bist du gewesen und dort wird es dich immer wieder hinziehen. (Leonardo da Vinci)
Strahlender Sonnenschein und ein blauer Himmel mit vereinzelten weissen Schaefchenwolken. Es sind die Tage am Flugplatz und in der Luft, die ich derzeit am meisten vermisse. Anfang September habe ich das letzte Mal in einem Segelflugzeug gesessen und ich stelle fest, dass sieben Monate einfach zu lange sind - Flugsucht laesst sich definitiv nicht durch laengere Abstinenz heilen. Besonders in Suedamerika und in den Laendern, in denen aktiv Segelfliegerei betrieben wird und an Tagen mit offensichtlich guten Wetterbedingungen, wird die Sehnsucht am groessten.
| Der laengste Flugzeugschlepp, den ich bisher gemacht habe - was bleibt einem ohne Thermik und Hangwind auch anderes uebrig? |
Karfreitag. Ich sitze in der Metro, die Vorfreue auf den heutigen Tag haelt sich noch in Grenzen. Der Himmel ist in weiten Teilen dicht bewoelkt, bisher habe ich die Sonne nur erahnen koennen. Um zehn Uhr bin ich auf dem Flugplatz Vitacura im Norden Santiagos verabredet. Ein kleiner Traum, den ich mir in Ecuador (aufgrund von Kommunalwahlen...) vor drei Monaten nicht erfuellen konnte, wird heute endlich wahr: ein Segelflug in den Anden.
Mittlerweile ist Mai, in Chile neigt sich der Sommer dem Ende zu, der Herbst bringt ein Wetter mit sich, das zum Fliegen eher ungeeignet ist. Trotzdem findet sich ein Pilot, der bereit ist, mit mir einen Start im Janus zu machen. Ich hoffe, tatsaechlich im vorderen Sitz Platz nehmen zu duerfen und auch tatsaechlich fliegen zu koennen, habe aber auch schon gehoert, dass die chilenischen Regularien relativ strikt sind.
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| Santiago im Dunst und unter einer fast geschlossenen Wolkendecke - es wird Herbst in Chile. |
Metro, Bus und eine halbe Stunde laufen und ich erblicke die ersten Flugzeughaenger hinter einem Zaun. In diesem Moment macht es "klick" und ich bin auf "Flugplatz" eingestellt. Von diesem Moment an spielt es eigentlich schon gar keine Rolle mehr, dass der Himmel bedeckt ist, das Wetter nicht sehr vielversprechend ist und ich eigentlich relativ skeptisch bin, was mich heute erwartet. Irgendwie gibt es da diese Glueckshormone, die bei den meisten Menschen beim Verzehr von Schokolade ausgeschuettet werden, bei mir aber offenbar beim Betreten eines Fluggelaendes. Ein freundlicher aelterer Herr, der sich spaeter als mein F-Schlepp-Pilot herausstellen wuerde, erlaeutert mir den Weg zum verschlossenen Tor am anderen Ende des Flugplatzes. Das Gelaende ist vollstaendig eingezaeunt und abgeriegelt - doch ein wenig anders als "zuhause".
Eine Stunde sitze ich in einem wunderschoenen Duo Discus - auf dem vorderen Sitz! Janus bin ich zwar auch schon geflogen, aber der Duo gehoert zu den Fliegern, die ich in Leverkusen kennen und lieben gelernt habe. Gluecklicherweise stand der Doppelsitzer - eingepackt in textilen Allwetterbezuegen - unter einer einfachen Ueberdachung, sodass uns laestiges aus-der-Halle-Ausfaedeln oder gar Aufruesten erspart bleibt. Der Vorflug-Check faellt hier etwas einfacher und kuerzer aus, als ich es gewohnt bin mit der Begruendung, das Flugzeug sei ja zwischenzeitlich nicht abgebaut gewesen und ausserdem wuerden sich ja die angestellten Mechaniker regelmaessig um die Flugzeuge kuemmern. Nun gut, meine eigenen Gewohnheiten werfe ich trotzdem nicht ueber den Haufen. Eine der Selbstverstaendlichkeiten muss ich jedoch heute ignorieren. Das Tragen eines Notfall-Fallschirms bei jedem Flug ist nach ueber 500 Starts in deutschen Segelflugzeugen in Fleisch und Blut uebergegangen. Irgendwie ein komisches Gefuehl, dieses bisschen Extrasicherheit heute nicht zu haben. Natuerlich wuerde ich den Fallschirm nicht benutzen, nicht brauchen, und trotzdem fehlt er.Wenn auch nur als Rueckenkissen.
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| Eine kleine Runde an der Kante der Anden - Screenshot www.skylines.aero |
Auf ueber 2500 Metern Hoehe klinken wir aus - das war wohl der laengste F-Schlepp, den ich je gemacht habe. Gut, dass ich pauschal fuer den Flug bezahle (sonst waere es garantiert auch der teuerste Flug, den ich je gemacht habe). Und gut, dass wir nicht mit dem Janus oder gar dem Blank fliegen, sondern dem Duo, der uns eine gute halbe Stunde abgleiten aus der gewonnen Hoehe ermoeglicht. Hier und da zuckt das Variometer mal nach oben - ein bisschen Wind beschert uns an einigen Hangkanten minimales Steigen, allerdings ist das kaum der Rede wert. Wir haben die mit der verbleibenden Hoehe erreichbaren Berge “erfolglos” abgegrast und Rodrigo moechte offenbar ein paar Wanderer unter uns bespassen. An einem kleinen Gipfelkreuz ist relativ viel los - wir haben vorhin schon mal drei Wanderern im Vorbeiflug gewunken. Rodrigo dreht ein paar Steilkreise ueber der kleinen Menschenansammlung - ich kann sehen, wie die meisten ihre Kameras bzw. Handys in die Luft halten - die Fotos haette ich gerne ;) Die naechsten Minuten grenzen schon an Kunstflug - schnell, steil und mit einem breiten Grinsen auf meinem Gesicht machen wir ziemlich zuegig unsere Hoehe kaputt. Gut, dass der Flugplatz an einem kleinen Fluss liegt und sogar ich ihn wiederfinde, ohne lange suchen zu muessen. Mit fuer mich ungewoehnlich vielen Funkspruechen (hier werden Gegen-, Quer- und Endanflug gemeldet) geht es wieder dem Boden entgegen.
Eine gute Stunde, die viel zu schnell vorueber ging - die Redewendung “die Zeit vergeht wie im Fluge” kommt nicht von ungefaehr. Rodrigo verabschiedet sich, er hat noch andere Verpflichtungen am heutigen Feiertag (er ist am Flugplatz angestellt, hat allerdings heute frei). Ich bin etwas ueberrascht, dass sich die beiden jungen Maenner, die mit mir den Flieger aus den Allwetterbezuegen gepellt und an den Start gezogen haben, wiederum um das Wegpacken des Flugzeugs kuemmern und sich kaum helfen lassen, es sei schliesslich ihr Job. Umso unerwarteter ist die Tatsache, dass es hier sehr wohl ein Vereinsleben gibt - auch an einem Feiertag mit bedecktem Himmel am Ende der Flugsaison. Startschreiber, F-Schlepper und Eduard, ein Deutscher, der in Santiago lebt und fliegt, sitzen noch lange im Clubhaus, wie es vermutlich jeder Segelflieger von seinem Heimatflugplatz kennt. Das uebliche Gerede ueber Flugzeuge, Navigationssoftware, Luftraumrestriktionen, gemeinsame Bekannte im Luftsport und natuerlich das Wetter koennen auf einmal wahnsinnig Spass machen, wenn man die Gespraeche seit ueber einem halben Jahr nicht mehr gefuehrt hat. Die Schwierigkeit und den besonderen Reiz macht natuerlich die spanische Sprache aus (und ich habe schon wieder vergessen, was “flattern” heisst).
Nach fast fuenf Stunden verlasse ich das Gelaende wieder - immer noch mit einem Strahlen auf dem Gesicht und mit einer nun erst recht grossen Vorfreude auf die kommende Segelflugsaison in Deutschland (mit einer Libelle!! Freude!).
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| Fast wie in Leverkusen - nur die Sauerstoffanlage ist hier fest eingebaut |
Eine gute Stunde, die viel zu schnell vorueber ging - die Redewendung “die Zeit vergeht wie im Fluge” kommt nicht von ungefaehr. Rodrigo verabschiedet sich, er hat noch andere Verpflichtungen am heutigen Feiertag (er ist am Flugplatz angestellt, hat allerdings heute frei). Ich bin etwas ueberrascht, dass sich die beiden jungen Maenner, die mit mir den Flieger aus den Allwetterbezuegen gepellt und an den Start gezogen haben, wiederum um das Wegpacken des Flugzeugs kuemmern und sich kaum helfen lassen, es sei schliesslich ihr Job. Umso unerwarteter ist die Tatsache, dass es hier sehr wohl ein Vereinsleben gibt - auch an einem Feiertag mit bedecktem Himmel am Ende der Flugsaison. Startschreiber, F-Schlepper und Eduard, ein Deutscher, der in Santiago lebt und fliegt, sitzen noch lange im Clubhaus, wie es vermutlich jeder Segelflieger von seinem Heimatflugplatz kennt. Das uebliche Gerede ueber Flugzeuge, Navigationssoftware, Luftraumrestriktionen, gemeinsame Bekannte im Luftsport und natuerlich das Wetter koennen auf einmal wahnsinnig Spass machen, wenn man die Gespraeche seit ueber einem halben Jahr nicht mehr gefuehrt hat. Die Schwierigkeit und den besonderen Reiz macht natuerlich die spanische Sprache aus (und ich habe schon wieder vergessen, was “flattern” heisst).
Nach fast fuenf Stunden verlasse ich das Gelaende wieder - immer noch mit einem Strahlen auf dem Gesicht und mit einer nun erst recht grossen Vorfreude auf die kommende Segelflugsaison in Deutschland (mit einer Libelle!! Freude!).

















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