Mit der Bahn von Budapest nach Sarajevo

07:20 Einsame Insel.de 1 Comments

Ich moechte immer auf Englisch anfangen, was alleine schon wegen der fehlenden Umlaute auf der bosnischen Tastatur einfacher waere... man gewoehnt sich doch immer wieder sehr schnell um.

Nachdem ich die letzte Woche im Grunde europaeisches Hauptstadthopping betrieben habe, werde ich mir ab jetzt ein bisschen mehr Zeit lassen und die Laender etwas besser kennenlernen. Irgendwie hat man ja doch immer im Hinterkopf, dass man in das Land, das am weitesten weg ist, vielleicht nicht wieder so schnell hinkommt. Also lieber ein paar Tage mehr in Montenegro bleiben und in Oesterreich nur Wien anschauen.
Die aus jetziger Sicht noerdlicheren Staedte Prag, Bratislava, Wien und Budapest haben mir alle gut gefallen, letztere besonders. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass dort kulturell maechtig was los war. St. Stephans's Day war der Anlass fuer einen schier endlos langen Umzug Glaeubiger und ein abendliches Riesenfeuerwerk vor der Kulisse des Burgpalastes und den Bruecken ueber der Donau.

...endlich kann ich mal auf die Frage "Warst du im Urlaub?" mit was anderem antworten als "Nein, nur das ganze Wochenende in der Luft / am Flugplatz!"

Postkartenansicht Budapest - waehrend des "Aufstiegs" zum Burgpalast
 
Mittwochmorgen habe ich von Budapest Deli den Zug (einen "Intercity", was auch immer das hier heissen mag...) Richtung Sarajevo genommen. Ich dachte - wie in vielen Laendern auch erfahrungsgemaess richtig - dass eine elfstuendige Zugfahrt komfortabler sein wuerde, als eine etwas kurzere und preisguenstigere Fahrt in einem Bus, in dem man kaum Bewegungsfreiheit hat. Falsch gedacht.
Nicht bedacht hatte ich, dass die Grenzen Ungarn/Kroatien und Kroatien/B&H aufgrund ihrer nicht Zugehoerigkeit zur EU ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen wuerden, als die bisherigen. Auf der gesamten Fahrt wurde schaetzungsweise fuenfmal mein Reisepass und mindestens ebenso oft mein Ticket kontrolliert. Meistens nur mit den Worten "Passport, Passport" - eher agressiv als freundlich bittend... nun ja. Ist ja schon nett, dass die Grenzbeamten in den Zug kommen :)
Auch nicht bedacht hatte ich - wie sollte ich auch - das an gefuehlt jedem dritten Bahnhof das Zugfahrzeug getauscht wurde. Der Grund ist mir nicht ganz klar, der Zug pendelt von Tag zu Tag zwischen Ungarn und Bosnien-Herzegowina hin und her. Und die Wagons blieben zum Glueck auf ganzer Strecke die gleichen.
Ich hatte etwa zehn Stunden lang einen Sechserabteil fuer mich - so einen alten mit Schiebetuer und Vorhaengen zum Gang. Ja, genau wie wir sie noch aus unserer Kindheit kennen. Anhand der deutschen Beschriftungen ("Notausgang" etc.) laesst sie vermuten, dass es genau dieselben Zuege sind, die vor Jahren in Deutschland ausgemustert wurden.

11 Stunden Zugfahrt... oder doch 13...?

Aussentemperatur? 35 Grad im Schatten. Klimaanlage? Gibt's nicht bzw. geht nicht.
Fenster auf? - Nur mit Notbehelf: leere PET-Flasche einklemmen, damit das Fenster nicht zugeht, oder: kleines Steinchen in der Laufschiene einklemmen, oder: Waescheleine zweckentfremden (ich wusste, ich wuerde sie noch brauchen...) und Fenstergriff an Klimaanlagenhebel festknoten (der ist ja sowieso fuer nichts zu gebrauchen... oder vielleicht gerade zu diesem Zweck noch erhalten?).
Weitere Fotos gibt's dazu leider grade nicht - der USB-Anschluss funktioniert hier nicht...


Neben besagten Passkontrollen nervte einer der Kontrolleure, der sich irgendwann mit in mein Abteil setzte, anfing zu rauchen, mir versuchte Bonbons anzudrehen und auf ungarisch herumwitzelte, dass ich mich auf seinen Schoss setzen solle (da reichte die Gestikulation zum Verstaendnis aus). Das Alleinreisen von Frauen wird eben doch hier und da mal falsch verstanden... aber ein laengerer Aufenthalt am sonnenabgewandten Gangfenster tat auch mal gut und "entschaerfte" die Lage. Ich habe es aber auch noch nie erlebt, dass jemand ernsthaft aufdringlich wurde, insofern.. alles gut, solange man sich zu wehren weiss.

Ein paar Eindruecke von der vorbeifliegenden Landschaft gibt's dann leider ein ander mal, wenn ich meine Fotos auslesen kann.
Zu guter letzt erreichte ich Sarajevo gegen viertel vor elf (fast drei Stunden spaeter als geplant) und warerleichtert, als ich nach zwei bis drei Kilometern Fussmarsch mein Hostel in der Altstadt erreichte.
Sarajevo gefaellt mir bisher super... Fotos folgen!

Hier meine bisherige und geplante Route - leider nicht ganz korrekt, weil google.maps irgendwie mit Bosnien und Herzegowina nichts anfangen kann. Von Split aus fliege ich zurueck, die angelblichen 2700km muss ich mir nicht nochmal mit Bus und Bahn antun :)


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1 Kommentar:

  1. Ist dafür Urlaub nicht auch mal ganz gut? --> Einfach mal nichts tun! Nicht lesen, keine Musik, nur Guck-in-die-Luft!

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