Kulturelle Vielfalt in Indonesien: Reisterrassen, Gamelanklänge und Bali Arts Festival
Es gibt Kulturschocks ganz unterschiedlicher Art. Nachdem ich in Myanmar eine vollkommen neue Welt kennengelernt habe, die irgendwie nicht in unser aktuelles Jahrhundert passt, erwartet mich in Indonesien ein vollkommen anderer asiatischer Kulturraum. Im Februar hatte ich bereits fünf Tage mit meinem Architekturkurs der Universiti Sains Malaysia in Indonesiens Hauptstadt Jakarta verbracht, rechne aber nicht damit, dass ich in irgendeinem anderen Teil des Landes ähnliche Verhältnisse vorfinden werde. Von Yangon geht mein Flug über Kuala Lumpur nach Denpasar auf Bali.
![]() |
| Im Westen Balis - dieses Foto ziert mittlerweile als dreiteiliges Panorama auf Leinwand meine Wand |
Ein paar Stunden kann ich am Flughafen dösen, bevor ich früh am Morgen den AisAsia Anschlussflug nehme. Die Preise der malaysischen Billigfluggesellschaft sind unglaublich niedrig. Ich treffe eine Reisende, die für ihren Flug KL- Bali gerade mal acht Dollar bezahlt hat – mit allen Steuern und Gebühren. Ganz so günstig habe ich es nicht geschafft. Da ich relativ unvorbereitet bin und nur wenige Informationen über die „Trauminsel“ Bali habe, laufe ich vom Flughafen einfach mal in Richtung Kuta, dem nächstgelegenen Ort. Ich weiß, dass hier die Party- und Surfszene am größten ist und gehe nicht davon aus, dass ich mich hier lange aufhalten werde. Es dauert eine Weile, bis ich ein preisgünstiges Zimmer finde, das Preisniveau ist selbst für einfachste oder gar heruntergekommene Unterkünfte vergleichsweise hoch. Der Strand ist überlaufen, der Sand ist dunkel, ich kann nicht surfen und habe auch nicht vor, mich hier stundenlang zu sonnen. Souvenirs und Badekleidung möchte ich nicht kaufen und der Besuch von Fastfoodketten und amerikanischen Cafés wird auch nicht zu meiner Hauptbeschäftigung werden. Ich bleibe einen Tag, gönne mir die beste Rückenmassage meines Lebens (acht Euro für eine Stunde – den guten Mann würde ich glatt nach Deutschland einfliegen um regelmäßig seine Dienste in Anspruch zu nehmen) und beschließe, dass dieser Ort für meine Ansprüche nichts zu bieten hat. In dem Moment, in dem ich den Ort verlasse, beginnen drei Erlebnisreiche Tage in der wahrscheinlich schönsten landschaftlichen Umgebung, in der ich mich je aufgehalten habe. Ich habe mir einen einfachen Motorroller geliehen, obwohl ich noch für 24 Stunden gesagt hätte, dass dies ein unmöglicher Ort zum selber fahren sei. Das Straßenbild ist geprägt von motorisierten Zweirädern und wer glaubt, dass sich hier jemand an die Verkehrsregeln hält, liegt ziemlich daneben. Selber fahren in Südostasien ist ja sowieso immer ein spezielles Erlebnis, aber mittlerweile habe ich ein wenig Erfahrung und traue mir zu, mich ins balinesische Chaos zu stürzen. Man muss es ja eigentlich nur schaffen, die Verkehrsregeln auf die gleiche weise zu missachten wie die einheimischen und mit dem Strom schwimmen. Das klappt dann tatsächlich auch besser als erwartet. Ich habe eine Karte der Insel und nehme mir vor, weitestgehend entlang der Küste die Insel zu umrunden. Ich werde definitiv viel Zeit „im Sattel“ verbringen müssen, habe dafür aber jederzeit die Gelegenheit, anzuhalten und mir meine Zeit einzuteilen, wie ich es gerade möchte.
Als ich in de ersten kleineren Ort komme und mir einen Tempel ansehe, stolpere ich am nahegelegenen Strand in eine Hindu-Feierlichkeit hinein. Zunächst beobachte ich die weiß gekleideten Männer und Frauen mit ein wenig Distanz und bin nicht so recht sicher, ob ich störe oder näher treten kann. Es stellt sich als die beste Idee heraus, sich dem Trupp zu nähern und schon bevor ich mich erkundigen kann, ob es in Ordnung ist, wenn ich fotografiere werde ich eingeladen, mitzufeiern, zu tanzen, zu musizieren und natürlich auch – wenn ich denn möge – Fotos zu machen.
Neben Indonesisch wird auf Bali eine eigene Sprache gesprochen, der ich genauso wenig mächtig bin wie der offiziellen Landessprache. So kommt es mir ausgesprochen gelegen, dass einer der jungen Männer Englischlehrer ist und sich als guter Gesprächspartner und Übersetzer herausstellt. Eigentlich bin ich nicht so schnell von Musik zu begeistern, die Gamelan-Klänge sind jedoch himmlisch. Später werde ich sogar zum Essen eingeladen und verbringe einen ungewöhnlichen Vormittag, bevor die riesige „Familie“ auf der Ladefläche eines großen Transporters in ihr Dorf zurückfährt. Im Laufe des Tages begegnen mir noch mehrere solcher feiernden Gesellschaften auf den Straßen.
In den folgenden Tagen halte ich oft am Straßenrand an, um mir Reisterrassen, Strände, kleine Bachläufe und winzige Orte anzuschauen. Es entstehen Lieblingsfotos (die noch Jahre später die Wände meiner Wohnung zieren würden) und ich bin mir sicher, dass ich die beste Art des Reisens für diese wunderschöne Insel gefunden habe. Zu zweit würde man sich wahrscheinlich einen Wagen mit Fahrer mieten, aber für mich alleine ist der Roller das perfekte Fortbewegungsmittel (und preislich natürlich unschlagbar). Ein weiteres Highlight meines Aufenthaltes wird – ganz ungewöhnlich – eine Übernachtung. Es dämmert schon, als ich in eine Hofeinfahrt biege, an der ich das Schild „Miris Homestay“ entdeckt habe. Unter einem „homestay“ stelle ich mir eigentlich dass Unterkommen in einer Familie vor, so wie ich es beispielsweise in Laos erlebt habe. In der Regel hat man kein eigenes Zimmer, sondern bekommt in einem Raum des Hauses eine einfache Übernachtungsmöglichkeit gestellt. Als ich den Helm abgesetzt habe und zur Eingangstür gehe wird mir klar, dass es sich nicht um diese Art von Unterkunft handeln würde. Meine finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt – sowohl im Allgemeinen als auch im speziellen für diese Nacht. Wahnsinnig viel Geld habe ich nicht bei mir. Rund vierzig Euro soll hier die Nacht kosten, woraufhin ich erkläre, dass das mein Budget weit übersteige. Wie hoch denn mein Budget sei, werde ich gefragt. Normalerweise gebe ich für eine Übernachtung nicht mehr als umgerechnet zehn Euro aus, antworte ich. Der Angestellte (der aber offenbar genug zu sagen hat, um die Preise anzupassen), willigt sofort ein, mir ein Zimmer für ein Viertel des Normalpreises zu überlassen, das dann allerdings ohne Frühstück. Damit kann ich sehr gut leben. Der Mann stellt mehrfach fest, dass es ja bereits dunkel sei und ich als junge Frau auf keinen Fall alleine unterwegs sein sollte, schon gar nicht auf einem Roller und schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Davon lasse ich mich ja auch unter diesen Konditionen gerne überzeugen. Als ich das „Zimmer“ sehe bin ich sprachlos. Ein großes weißes Bett mit Moskitonetz, weiße Vorhänge, Handtücher und helle Echtholzmöbel. Ein hochwertig ausgestattetes Bad und alles perfekt aufeinander abgestimmt: weiß und Holz und schlicht. Gefällt mir sehr gut – ich traue mich kaum mit meinem sandigen Rucksack und den Trekkingsandalen den Raum zu betreten. Es kommt noch besser: Mein Zimmer ist wie ein kleines Reihenhäuschen neben einigen anderen um einen kleinen blauen Pool angeordnet. Ich habe eine eigene Holzliege, ein paar Pflanzen und vor allem den ganzen Pool für mich alleine. Es scheinen kaum andere Gäste im Haus zu sein, jedenfalls keine in direkter Poolnähe. Hinter dem Pool erstreckt sich ein ausgedehnter Wald und dahinter liegt das Meer dunkel unter dem klaren Sternenhimmel. Obwohl ich eigentlich müde genug wäre um direkt einzuschlafen, verbringe ich noch eine ganze Zeit im Pool und Reisetagebuch-schreibend unter freiem Himmel.
Meine viel zu kurze Zeit auf Bali beende ich mit einem Besuch des Bali Art Festivals, das jährlich im Juni und Juli in Denpasar stattfindet.
[Juni 2011]
![]() |
| Reisterrassen auf Bali |
Als ich in de ersten kleineren Ort komme und mir einen Tempel ansehe, stolpere ich am nahegelegenen Strand in eine Hindu-Feierlichkeit hinein. Zunächst beobachte ich die weiß gekleideten Männer und Frauen mit ein wenig Distanz und bin nicht so recht sicher, ob ich störe oder näher treten kann. Es stellt sich als die beste Idee heraus, sich dem Trupp zu nähern und schon bevor ich mich erkundigen kann, ob es in Ordnung ist, wenn ich fotografiere werde ich eingeladen, mitzufeiern, zu tanzen, zu musizieren und natürlich auch – wenn ich denn möge – Fotos zu machen.
Neben Indonesisch wird auf Bali eine eigene Sprache gesprochen, der ich genauso wenig mächtig bin wie der offiziellen Landessprache. So kommt es mir ausgesprochen gelegen, dass einer der jungen Männer Englischlehrer ist und sich als guter Gesprächspartner und Übersetzer herausstellt. Eigentlich bin ich nicht so schnell von Musik zu begeistern, die Gamelan-Klänge sind jedoch himmlisch. Später werde ich sogar zum Essen eingeladen und verbringe einen ungewöhnlichen Vormittag, bevor die riesige „Familie“ auf der Ladefläche eines großen Transporters in ihr Dorf zurückfährt. Im Laufe des Tages begegnen mir noch mehrere solcher feiernden Gesellschaften auf den Straßen.
In den folgenden Tagen halte ich oft am Straßenrand an, um mir Reisterrassen, Strände, kleine Bachläufe und winzige Orte anzuschauen. Es entstehen Lieblingsfotos (die noch Jahre später die Wände meiner Wohnung zieren würden) und ich bin mir sicher, dass ich die beste Art des Reisens für diese wunderschöne Insel gefunden habe. Zu zweit würde man sich wahrscheinlich einen Wagen mit Fahrer mieten, aber für mich alleine ist der Roller das perfekte Fortbewegungsmittel (und preislich natürlich unschlagbar). Ein weiteres Highlight meines Aufenthaltes wird – ganz ungewöhnlich – eine Übernachtung. Es dämmert schon, als ich in eine Hofeinfahrt biege, an der ich das Schild „Miris Homestay“ entdeckt habe. Unter einem „homestay“ stelle ich mir eigentlich dass Unterkommen in einer Familie vor, so wie ich es beispielsweise in Laos erlebt habe. In der Regel hat man kein eigenes Zimmer, sondern bekommt in einem Raum des Hauses eine einfache Übernachtungsmöglichkeit gestellt. Als ich den Helm abgesetzt habe und zur Eingangstür gehe wird mir klar, dass es sich nicht um diese Art von Unterkunft handeln würde. Meine finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt – sowohl im Allgemeinen als auch im speziellen für diese Nacht. Wahnsinnig viel Geld habe ich nicht bei mir. Rund vierzig Euro soll hier die Nacht kosten, woraufhin ich erkläre, dass das mein Budget weit übersteige. Wie hoch denn mein Budget sei, werde ich gefragt. Normalerweise gebe ich für eine Übernachtung nicht mehr als umgerechnet zehn Euro aus, antworte ich. Der Angestellte (der aber offenbar genug zu sagen hat, um die Preise anzupassen), willigt sofort ein, mir ein Zimmer für ein Viertel des Normalpreises zu überlassen, das dann allerdings ohne Frühstück. Damit kann ich sehr gut leben. Der Mann stellt mehrfach fest, dass es ja bereits dunkel sei und ich als junge Frau auf keinen Fall alleine unterwegs sein sollte, schon gar nicht auf einem Roller und schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Davon lasse ich mich ja auch unter diesen Konditionen gerne überzeugen. Als ich das „Zimmer“ sehe bin ich sprachlos. Ein großes weißes Bett mit Moskitonetz, weiße Vorhänge, Handtücher und helle Echtholzmöbel. Ein hochwertig ausgestattetes Bad und alles perfekt aufeinander abgestimmt: weiß und Holz und schlicht. Gefällt mir sehr gut – ich traue mich kaum mit meinem sandigen Rucksack und den Trekkingsandalen den Raum zu betreten. Es kommt noch besser: Mein Zimmer ist wie ein kleines Reihenhäuschen neben einigen anderen um einen kleinen blauen Pool angeordnet. Ich habe eine eigene Holzliege, ein paar Pflanzen und vor allem den ganzen Pool für mich alleine. Es scheinen kaum andere Gäste im Haus zu sein, jedenfalls keine in direkter Poolnähe. Hinter dem Pool erstreckt sich ein ausgedehnter Wald und dahinter liegt das Meer dunkel unter dem klaren Sternenhimmel. Obwohl ich eigentlich müde genug wäre um direkt einzuschlafen, verbringe ich noch eine ganze Zeit im Pool und Reisetagebuch-schreibend unter freiem Himmel.
Meine viel zu kurze Zeit auf Bali beende ich mit einem Besuch des Bali Art Festivals, das jährlich im Juni und Juli in Denpasar stattfindet.
[Juni 2011]











0 Kommentare: