Hände schütteln unerwünscht

06:57 Einsame Insel.de 3 Comments

Tag 2 von 200
Da bin ich also wieder hier. In Südostasien, diesmal ein bisschen länger als bei meinem Backpack-Trip mit Lisa letztes Jahr.

Donnerstagmorgen hatte ich den Eindruck, Glück gehabt zu haben, überhaupt pünktlich aus Deuschland weggekommen zu sein. Eine ganze Reihe Flieger aus Europa hatten Verspätung, darunter meine Anschlußmaschine. London und Edinburgh hatten teilweise sogar die Flughäfen komplett gesperrt, da Eis und Schnee ein Starten und Landen unmöglich machten. Ich war also Mittwoch pünktlich um 20:45 in Düsseldorf gestartet, um Donnerstag eine Stunde länger (somit fast fünf volle Stunden) am Flughafen von Dubai "rumzuhängen" und dann meine Reise endlich nach Kuala Lumpur fortzusetzen. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass die Einreise ohne Visum (das Studentenvisum bekomme ich erst in meiner Orientierungswoche an der Uni) ein wenig problematisch sein könnte - man hatte mich vorgewarnt, dass ich möglicherweise rund 100 Euro zahlen müsse. Stattdessen stellte sich das Warten auf das Gepäck als die deutlich längere Aktion heraus. Zum einen warteten Sakinas Freund und dessen Bruder amAusgang auf mich, zum anderen sagte man mir, dass der letzte Bus nach Penang um Mitternacht fahre. So war ich ein wenig angespannt, als ich kurz nach elf den Flughafen, der rund 70km außerhalb des Zentrums von KL liegt, verließ.
Aus dem Abendessen mit den beiden Jungs gab's einen kurzen "drive through" bei dem goldenen M - wie erwartet keine kostengünstige Angelegenheit und ein ähnliches "kulinarisches Niveau" wie in Deutschland.
Hidayat hatte mein Busticket schon besorgt - es sollte erst um halb eins losgehen, also kein Problem...

1. Regel in Malaysia: Pünktlichkeit hat hier keine Bedeutung oder zumindest einen deutlich niedrigeren Stellenwert als in Deutschland. Letztendlich starteten wir nach eins, nachdem auch wirklich jeder Fahrgast, der im Vorfeld ein Ticket erworben hatte, an Bord war.
 Bequeme (Liege-)Sitze, Dunkelheit, Musik auf den Ohren - perfekte Bedinungen, um den fehlenden Schlaf nachzuholen. Wer die Berichte ausVietnam/Thailand kennt: der Bus war wirklich bequem, es gab keine doppelstöckigen Betten mit 1,50m Länge, deren Kopfteile über den Füßen des nächsten Pasagieres liegen.
Trotzdem: keine Chance, auch nur eine Viertelstunde zu schlafen.

Die Aufregung, Anspannung, Ängste, Erwartungen, nach denen ich häufig im Vorfeld gefragt wurde, waren immer noch nicht bis zu meinen bewussten Gedanken durchgedrungen. Stattdessen machte ich mir die kommenden fünf Stunden Gedanken darüber, wie es weiterginge, wenn ich zurück in Deutschland sei (wohlgemerkt nach Ablauf von sieben Monaten, die mir noch bevorstehen). Ziemlich abwegig, ich weiß... aber das ist wohl dann doch ein gewisser Einfluss der Distanz zu "zuhause".... oder sowas in der Art.

Endlich in Penang
war ich dann am Morgen des 3. Dezember, Freitag, gegen sechs Uhr.
Sakina und ihre Mutter, Zu, packten mich ins Auto und verfrachteten mich auf schnellstem Wege ins Bett - das war auch dringend nötig.

Nachmittags gab's einiges an der Uni zu klären - das International Offce stellte sich als (mehr oder ) weniger gut organisiert heraus. Meine bisherigen Emails waren nicht beantwortet worden, weil die Adresse, die mir ausdrücklich für Fragen mitgeteilt wurde, im Grunde von niemandem gecheckt und beantwortet wird. Schade... demnach hatte man sich auch noch keine Gedanken über meine Kurswahl gemacht. Man konnte mir im Grunde nur sagen, was nicht möglich ist.
Nun ja, vieles ist auch noch nicht geklärt, aber die Zimmerfrage sollte an diesem Tag ebenfalls erledigt werden. Also ging's mit einer Mitarbeiterin zum nahegelegenen Wohnheim (angeblich off-campus), Formulare ausfüllen, 92 RM zahlen (keine 30 Euro für einen Monat), Schlüssel in Empfang nehmen und Zimmer C4-4 suchen.
Ich habe einiges erwartet... aber vielleicht war das noch etwas 'mehr' als ich erwartet hatte... das Zweibettzimmer hatte keinerlei Trennung, sodass das kleinste Bisschen an Privatsphäre wohl tatsächlich nur im Bad möglich ist - und selbst das kann ich nicht bestätigen, das Bad habe ich noch nicht gesehen.
Das Zimmer ist mit zwei Betten, zwei winzigen Schreibtischen (ich studieren immer noch Architektur!!) und einem Schrank ausgestattet - ach, ich habe den Mülleimer vergessen, der laut 'Broschüre' in jedem Zimmer vorhanden sein soll. Dieser fehlt hier offensichtlich oder wurde zumindest nicht in Gebrauch genommen. Ein Bett war übersäht mit Taschentüchern, im Schrank und in einer offenen Schublade lagen irgendwelche alten Süßigkeiten... Ein Traum - das macht's direkt wohnlich!
Zurück zur Rezeption mit der Bitte um ein gereinigtes Zimmer (das ist eigentlich schon so gedacht...). Das habe ich mir dann allerdings nicht mehr angesehen, da Sakina schon auf mich wartete. Sie unterhielt sich mit einem Freund, stellte ihn mir mit Namen vor und erklärte, woher sie ihn kennt.

2. Regel: Gebe niemals einem muslimischen Mann die Hand, wenn er nicht selber Anstalten dazu macht.
Als ich versuchte, ihn "normal" (aus meiner Sicht) zu begrüßen, zog er fast verschreckt die Hand hinter den Rücken. Sakina sagte nur "it's okay" und erklärte später, dass eine Berührung mit einer Frau für ihn undenkbar sei. Ich speichere das vorerst mal - nicht wertend unter "wieder was gelernt" ab. Sakina sagte, sie wissen selber manchmal nicht, wie jemand reagieren würde und sie selbst warte in der Regel ab, was der Mann mache.


Danach schnell noch eine Prepaidkarte besorgt (und mein Dualband-Handy funktioniert hier doch...) und zurück nach "Hause" zu Sakina. Abendessen - Seafood - gabs direkt am Wasser bei angenehmer Brise mit Freundinnen von Sakinas Mutter. Malayische Weiberrunde :) Aber sehr nett! Und der Fisch war fast lecker... na ja, zumindest die Soße und der Reis.
Ein bisschen Wind, ein bisschen Regen, einige Wolken - alles Faktoren, für die man das Wetter betreffend hier sehr dankbar ist, da Temperaturen um die 30°C bei hoher Luftfeuchtigkeit sonst wirklich auf Dauer unangenehm werden.
Nach dem Essen hatte Sakina schon mit Mutter und Schwester geklärt, dass ich die nächsten Tage im Gästezimmer bleiben dürfe - ich wisse ja nicht mal, ob ich Internet im Wohnheim habe usw.
Das war mir natürlich sehr recht - zumal ich noch wenig Ahnung hatte, wie ich mich ansonsten in Penang zurecht finde.
Sakina ist eine Woche in Bangkok, also bin ich nicht böse drum, ihre Familie als Ansprechpartner zu haben.


Den heutigen Tag verbrachte ich dann vorrangig in der Stadt (mal abgesehen vom Bett - der Jetlag ist noch nicht vorüber).
Jedoch war ich weder im neueren Teil Georgetowns, noch im unter Weltkulturerbe stehenden, gut erhaltenen histrischen Teil der Kolonialstadt, sondern eher in einer Gegend, die wahrscheinlich den Großteil der Bebauung ausmacht.
Es gibt hier viele alte Gebäude, die nicht gepflegt wurden und werden, teilweise sehr dreckig sind und insgesamt einen zerfallenen Eindruck machen. Bei dieser Tour hatte ich heute erstmalig meine Kamera dabei, leider war es jedoch bei dem Regen und vielen Wolken sehr dunkel. Das erste, was ich hier kaufe, wird wohl ein gescheites Stativ sein, da meins nicht mehr in den Koffer gepasst hat und ich hier ohne wohl kaum zu guten Fotos komme :)

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3 Kommentare:

  1. Du hast aber schon viel erlebt in den paar tagen ;) ich hoffe es wird eine schöne zeit für dich !
    Schöner text und viel spaß in malaysia

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  2. Deine Schwester Freya (aus Germany ;))

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  3. Ich grüße Dich vom fetten Sessel im verschneiten Haan. Du schreibst etwas von wer weiß was für undenklichen Temperaturen und derweil nimmt das Schneechaos seinen Lauf. Wir stehen am Fenster und können faszienierend beobachten, wie die Autos nicht mehr zurück geschweige denn vor kommen. Wahnsinn. Hier prallen Welten aufeinander...unsere gemütliche Wohnung gegen dein Taschentücher-null Privatsphären Zimmer. Glück, dass du Sakina hast! Schön! Ich freue mich weiterhin für Dich, dass Du die Welt am Schopfe packst!

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