Fernsucht, du meine größte Schwäche!
Samstagabend und ich sitze auf der heimischen Couch. Ja, ich besitze seit einer Weile tatsächlich eine Couch, obwohl ich so viele Jahre mit einer Hängematte zufrieden war, die beim nächsten Ortswechsel zu einem kleinen Päckchen gefaltet werden kann.
Es mag vollkommen absurd klingen, aber für mich war eine Couch immer der Inbegriff vom "sesshaft werden". Immerhin habe ich noch keinen Fernseher - soweit kommt es noch...
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| Januar 2016 in Havanna - Fernsucht gestillt - für den Moment |
Ich war gerade etwas schockiert: mein letzter Blogpost ist vom 14. Juli 2017 - und beschäftigt sich mit einem Rückflug von einer geschäftlichen Reise nach Barcelona. Als hätte ich das Reisen, meine vielleicht größte Leidenschaft, vollkommen aus den Augen verloren (mir fällt es schwer, zwischen Reisen und Segelfliegen einen Favoriten auszumachen).
Im September war ich auf der wunderschönen französischen Insel Korsika - wirklich einem traumhaften Urlaubsziel. Abschalten vom Job, ein bisschen baden im kristallklaren Mittelmeer, ein bisschen wandern in den "Dolomiten Korsikas". Abends gibt es frischen Fisch vom eigenen Grill, guten Wein (oder Bier in 0,25l-Flaschen die viel zu schnell leer sind) und gute Gesellschaft von zwei lieben Freundinnen. Und dennoch: Urlaub ist ja nicht das Gleiche wie Reisen.
Im Jahr habe ich 26 Urlaubstage. Gut, ich kann mich als Deutsche nicht beklagen - in 2017 haben wir in meinem Bundesland elf gesetzliche Feiertage, dazu 52,5 Wochenenden, Rosenmontag ist auch frei... so komme ich dieses Jahr gerade mal auf 222 Arbeitstage. Das sind nur gut 60% aller Tage!
Und dennoch: zwei oder wenn ich Glück habe drei Wochen Jahresurlaub am Stück reichen nur bedingt, um aus dem Alltag zu entfliehen und in eine andere Kultur einzutauchen. Und die spannendsten Kulturen sind leider nicht nur eine Autostunde entfernt...
Kürzlich war ich bei meiner Freundin Nina in Münster zur Geburtstagsfete eingeladen. Jeder Gast wurde mit einem Aufkleber ausgestattet, der uns bei der Findung für uns interessanter Gesprächspartner unterstützen sollte. „SYLVIA – Reiseblog, Architektin, Asien, Fotografin“ log mein Aufkleber. Na ja, irgendwie passt das ja alles ein bisschen auf mich – aber was bin ich denn für ein Reiseblogger, wenn ich sieben Monate keinen einzigen Artikel veröffentliche. Für ein paar Fotos von Korsika (via flickr) hat es noch gereicht, aber zum schreiben war ich offenbar zu faul. Oder zu beschäftigt. Zu gestresst? Unmotiviert?
Ich merke deutlich, dass ich nicht einfach im Nachhinein irgendwelche Geschichten veröffentlichen kann. Das Bloggen gehört vielmehr zum Reisen dazu. Es ist mitunter meine Art, das Erlebte und Gesehene zu verarbeiten. Das Bedürfnis, dies zu tun, ist natürlich unmittelbar während der Reise oder kurz danach, am größten. Wenn ich alleine Reise, wächst dieses Bedürfnis exponentiell mehr als wenn ich mit einer oder mehreren Personen unterwegs bin, mit denen ich mich ständig austauschen kann.
Viele Artikel habe ich schon angefangen, die ich nicht veröffentlicht habe – auch in den letzten sieben Monaten. Es gibt so Tage, an denen es einfach nicht „fließt“. Und wenn ich nicht „on the road“ bin, fließt es meistens auch nicht. Vielleicht ist es wieder Zeit für eine Reise. Ich würde gerne mal in ein Land, für das es keinen Reiseführer gibt und in dem Tourismus nicht auf den obersten Rängen der Einnahmequellen steht. Da bin ich wahrscheinlich noch ein bisschen auf der Suche. Fernsucht - ich halte sie ja mittlerweile für ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild.


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