Nordsee für Anfänger

14:10 Einsame Insel.de 0 Comments

Seit genau fünf Wochen habe ich einen neuen Job. Eine Wohnung - na ja, zumindest ein Zimmer, die Wohnung kommt dann bald. Ein geregelter Tagesablauf. Einen Supermarkt vor der Tür. Einen Alltag eben. Genau das, was ich zwölf Monate lang nicht hatte. Manchmal habe ich genau das vermisst, manchmal habe ich genau das geliebt. Ich habe kürzlich in einem Blog gelesen, dass das Reisen und das "zuhause sein" immer ein Gefühl mit sich bringt, als würde man zwischen zwei Stühlen hängen. Ich hänge gerade etwas weiter auf dem Zuhause-Stuhl. Trotzdem war schon länger klar: irgendwann würde es wieder auf Reisen gehen, sei es auch nur für ein Wochenende.

Freya schaut verträumt aufs Meer hinaus. So viel Sonne im Oktober...

Sylvia, Kersten, Lennart, Freya und Gerwin - fünf Geschwister, in genau dieser Reihenfolge geboren und 13 Jahre und zwei Wochen Altersunterschied zwischen der Ältesten und dem Jüngsten. Wir haben beschlossen, dass es - endlich - Zeit für ein gemeinsames Wochenende ist. Nur wir fünf, ohne Eltern, ohne Pläne, einfach alle zusammen irgendwo Zeit verbringen.
Dass mein Auto für fünf Personen plus Gepäck reichen müsste, war vor zwei Jahren bei Kauf desselben klar. Dass es so eng werden würde dank Inlineskates, Fussbällen, Linsensuppe und Apfelkuchen, Rotweinflaschen und Brettspielen, war mir da noch nicht klar. Gut, beim nächsten Mal also doch noch mal den Dachkoffer von Papa ausleihen.
Beim Beladen des Kofferraums denke ich immer wieder an meinen viel zu großen 50-Liter-Rucksack, der im vergangenen Jahr von Monat zu Monat an Gewicht und Volumen abgenommen hat.
Wie habe ich es nur geschafft, mit gut elf Kilogramm Gepäck aus Lateinamerika zurückzukehren und für drei Tage im beschaulichen Nachbarland zu fünft einen Kombi bis an die Decke zu füllen. Nun ja, es hilft nichts, sich darüber Gedanken zu machen und es passt ja auch noch - gerade so.

Ich muss es einfach noch mal sagen: Soooo viel Sonne am vierten Oktober!?

 Arbeit, Uni und Schule hinter uns gelassen erreichen wir nach endlosen A3-Staus (oder wie auch immer die gute Staustrecke in den Niederlanden heißt) Wijk aan Zee. Fünf Minuten vor Ankunft wundern wir uns über ein kurzes Aufleuchten hinter uns - meine erste Blitze in über zehn Jahren Führerschein (von denen ich zugegebener Maßen die meisten Motorrad gefahren bin und mich Blitzen wenig tangiert haben)... Ich bin im Nachhinein froh, dass ich zu dme Zeitpunkt noch nicht wusste, dass mich der "extra Fahrspaß" mehr kosten würde als das ganze Wochenende.

BAmbus an der Nordsee? Da passt doch was nicht zusammen...

Croissants, Rührei, heißer Kakao - was will man mehr?

Wir haben ein kleines feines Ferienhäuschen - fünf Gehminuten vom Strand - über Airbnb gebucht und werden herzlich empfangen. Neben einer gemütlichen Bleibe erwartet uns frisches Brot, Obst und Saft - was für ein Service!

Für mich ist es im Moment etwas ungewohnt, so viel Zeit mit so vielen Menschen zu verbringen. Klar, ich war auf meiner Reise nie wirklich alleine, aber dennoch ist das in keiner Weise zu vergleichen. Der größte Unterschied ist wohl, dass wir an diesem Wochenende fünf Meinungen, die Wünsche von fünf vollkommen unterschiedlichen Personen unter einen Hut bringen müssen. Zum einen sind die Altersunterschiede nicht zu vernachlässigen, zum anderen sind wir charakterlich und von unseren Interessen her auch so verschieden, dass es manchmal schwerer ist als gedacht, einen Kompromiss zu finden. Spannende Erfahrung!



Ich wusste nicht, wie anstrengend es ist, im feuchten Sand Fußball zu spielen, wie gut meine kleine Schwester kochen kann, dass meine drei Brüder bis drei Uhr nachts pokern würden ohne einzuschlafen, wir aber wiederum alle (?) bei "Findet Nemo" nicht bis zum Ende durchhalten. "Isch bin schließlich Wissenschaftler, kann ich vielleicht helfen?"
Nicht verwunderlich ist es allerdings, dass wir es - mal wieder - trotz ernsthafter Bemühungen nicht schaffen, ein Foto von uns allen zu machen, auf denen niemand die Augen verdreht, Blödsinn macht oder sonst irgendwie das Gelingen des Fotos verhindert.


Ach ja, was würde ich nur ohne euch machen?
Geschwister sind doch das tollste auf der Welt!

P.S.: Lennart, Freya & Gerwin: Beim nächsten Mal könnt ihr euch nicht vor'm Schwimmen drücken!

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