Myanmar Tag eins - Ankunft im unbekannten Land
Volle 49 Seiten geschrieben in meiner kleinsten Handschrift habe ich nun vor mir. Ich musste ein bisschen suchen und kramen bis ich mein Myanmar-Reisetagebuch überhaupt gefunden habe. Da hab ich ja jetzt einiges vor mir... und dann streikt auch noch die Taste "h" - wundert euch also nicht über vermeintliche Tippfehler.
"Die Uhren laufen in Myanmar anders als im Rest der Welt: eine halbe Stunde vor Thailand, eine halbe Stunde hinter Indien. Ich bin etwas verwirrt bezüglich der Zeitumstellung und packe meine Uhr erst mal in den Rucksack. Sie ist sowieso zu "chic" für dieses Land und könnte den Eindruck erwecken ich sei wohlhabend (natürlich bin ich das in diesem Land auch im Verhältnis zu der durchschnittlichen Bevölkerung).
Am Ausgang des Terminals drücken mir mehrere Frauen Broschüren, Stadtpläne und Touri-Flugangebote in die Hand. Unzählige Männer möchten mir ihre Dienste als Taxifahrer anbieten. An der „neutralen“ Touristeninformation erkundige ich mich nach den Alternativen. „No direct bus“ lautet die Antwort in gebrochenem Englisch.
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| Auch in der Regenzeit schön: Zugfahren in Myanmar |
Viele Menschen lächeln mich an, andere gucken nur – aber nie unfreundlich. Draußen erweisen sich die Taxifahrer als hilfreicher als erwartet. Sie versuchen sogar einen der Pickups Richtung Busstation für mich heranzuwinken – jedoch ohne Erfolg, da alle Fahrzeuge bereits überfüllt sind. Kein Platz für eine Ausländerin mit großem Rucksack.
Also geht’s erst mal zu Fuß weiter – eine knappe Stunde, vielleicht auch nur eine halbe (meine Uhr ist ja im Rucksack…) – die erste Gelegenheit, unzählige Eindrücke am Straßenrand zu sammeln. Ein Mann transportiert auf einer speziellen Gepäckträgerkonstruktion zwei bis drei Dutzend Hühner, kopfüber an den Füßen aufgehängt. Mein Highlight des Abends ist der Ballonverkäufer: er radelt gemütlich an der Hauptstraße entlang mit einer Gasflasche auf dem Gepäckträger und drei eher schlaffen Kirmes-Heliumballons darüber schwebend. Die Straße füllt sich immer mehr mit Leben, je näher ich der Bushaltestelle komme. Pickups, Busse, Fahrräder und Taxis, aber keine sonst in Asien so verbreiteten Motorroller drängen sich kreuz und quer über die Straßen. Bus Nummer 51 fährt in die Innenstadt – leider kann ich in Myanmar nicht einmal die Zahlen lesen. Es findet sich aber schnell jemand, der ein bisschen Englisch versteht und auf einen herannahenden Bus zeigt. Das Ticket kostet etwa drei Prozent dessen, was ich alleine für ein Taxi bezahlt hätte. Mehrfach wird mir ein Sitzplatz von Leuten angeboten, die deutlich älter sind oder zumindest aussehen wie die Leute, denen ich normalerweise meinen Platz freimachen würde.
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| Warten auf die Fähre von Yangon nach Dala |
Regelmäßig werden die Ziele des Busses auf die Straße hinausgeschrien – in endlosen Wiederholungen. Wo ich herkomme, wo ich hingehe und ob ich zum ersten Mal in Myanmar sei, sind die am häufigsten gestellten Fragen. Die meisten Burmesen lächeln mich an, nur wenige gucken neutral bis ernst. Sula (eine Pagode auf einer großen Straßenkreuzung im Zentrum Yangons) ist Endziel – zumindest hält der Bus hier zum ersten Mal wirklich, das heißt, die Räder kommen zum Stillstand. An den meisten Haltestellen wird nur auf- bzw. abgesprungen. Nach dem Aussteigen werde ich noch gefragt, ob ich Hilfe benötige, unterhalte mich kurz, lehne aber ab und bekomme noch eine Visitenkarte von dem fließend Englisch sprechenden „Restaurantmanager“ in die Hand gedrückt, mit dem freundlichen Hinweise, ich könne mich gerne melden, wenn ich Schwierigkeiten habe.
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| Läden in Yangon am Fuße der Shwedagon Pagode |
Nach zwei Stunden finde ich mit Jade aus Shanghai und zwei Holländern eine „angemessene“ Unterkunft (wie sich im weiteren Verlauf der Reise herausstellt sollte dies wohl meine schlechteste Unterkunft bleiben, aber mit vier Dollar auch eine der günstigsten.
Mit dem Zusammentreffen mit den anderen Dreien hören schlagartig die ‚außergewöhnlichen‘ oder besonderen Erlebnisse auf. Der Unterschied das Alleinreisens zum Reisen in einer kleinen Gruppe ist gigantisch. Der nächste Tag sollte sich dennoch sehr interessant entwickeln."
Geldwechseln ist ein Erlebnis der besonderen Art in Myanmar: der „offizielle“ Wechselkurs von Kyat (spricht sich ‚kschat‘, nicht ‚kiatt‘, wie es ein Moderator in der ARD kürzlich aussprach) ist derzeit sechs zu eins. Das ist absolut albern. Ich versuche mir zu erklären, warum der tatsächliche Kurs etwa bei 800 zu 1 liegt. So richtig verstehen kann ich es nicht. Die Landeswährung darf nicht aus dem Land gebracht werden, außerhalb Myanmars zu wechseln kann man demnach wohl sowieso vergessen…
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| Geldwechseln auf dem 'Markt' in Yangon |
Mit dem Gefühl, einen guten Tausch gemacht zu haben (der Kurs für Euro ist wesentlich konstanter und im Gegensatz zu Dollarnoten werden auch geknickte Euronoten angenommen), verlasse ich den wuseligen Markt. Klar ist diese Art des Geldwechsels irgendwie „schwarz“ – aber im Grunde gibt es keine andere Möglichkeit. Am Flughafen hätte man mit fast fünfzig Prozent Verlust tauschen können (das habe ich nur für den späteren Kauf des Bustickets in Anspruch nehmen müssen). In der Stadt gibt es keine Banken und schon gar keine Geldautomaten. Wer nach Myanmar reist muss sich bewusst sein, dass er für den vollen Aufenthalt Bargeld dabei haben muss – am besten in einer Kombination aus großen Euronoten (zum Tauschen in die Landeswährung) und eher kleinen (unbeschädigten, am besten bankfrischen) Dollarnoten zum Zahlen der Unterkünfte.
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| ...keine unübliche Art, in Myanmar zu reisen. Für eine kürzere Dauer ist es auch ganz lustig, auf Säcken von Knoblauzehen zu sitzen :D |
Ich arbeite mich gerade langsam, sehr langsam, durch meine Fotos und versuche euch einige zu zeigen, die ich mit besonderen Eindrücken verknüpfe. Die Fotos sind nicht immer im direkten Zusammenhang mit dem Text zu sehen - von meinem ersten Tag habe ich beispielsweise kaum Fotos, weil ich mich erstmal ein bisschen herantasten musste und herausfinden wollte, wie die Einheimischen auf eine 'große Kamera' reagieren.
Wenn Interesse besteht, führe ich diesen Blog gerne fort, sowohl schriftlich, wie auch bildlich. Auch wenn die Reise schon bald eineinhalb Jahre her ist, erinnere ich mich doch sehr oft und gerne an Myanmar. Ich möchte auf jeden Fall noch einmal dorthin - und das so schnell wie möglich. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der Tourismus das Land verändert, wie es vor einigen Jahr(zehnt)en in Thailand und den meisten anderen südostasiatischen Ländern begonnen hat.
[Fortsetzung Tag 2]
[Fortsetzung Tag 2]






Hey =)
AntwortenLöschenWie all deine Posts in deinem Blog super :)
Ich mag deine Art zu schreiben und deine wundervolle subtile unterlegung der Erzählung mit immer passenden und künstlerischen Bildern :)
Ich warte schon auf den nächsten Teil!
Dominik
Heyho :)
AntwortenLöschenFortsetzung klingt super, ich war - wie immer - sehr gut von deinem Blog unterhalten...
Fernweeeeh!
Also mach weiter so und verrat mir bei Gelegenheit mal, wie viele Tage man vor Vampiren sicher ist, nachdem man auf Knoblauch saß :D
Bis bald,
Sarah.